2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 524
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3453267183
Jeder im Land kennt
Prinzessin Elisa, denn sie ist die Auserwählte. Die Trägerin des
Feuersteins. Dazu bestimmt, eine Heldin zu sein. Alle warten darauf,
dass sich Elisas Schicksal erfüllt - ihr Vater, ihre Schwester, ihr
Volk. Doch Elisa ist zwar liebenswert und klug, aber auch ziemlich dick.
Niemals wird sie in der Lage sein, etwas Außergewöhnliches zu
vollbringen, und daran kann der Feuerstein in ihrem Bauchnabel auch
nichts ändern, dessen ist sie sich sicher. Als sie an ihrem sechszehnten
Geburtstag mit Alejandro, dem gut aussehenden König des riesigen
Nachbarreiches Joya d'Arena, verheiratet wird, setzt sich Elisa noch
mehr unter Druck: Schließlich braucht Alejandro eine starke Königin an
seiner Seite und keine Versagerin!
Erst als eines Tages ein
grausamer Feind die Grenzen Joya d'Arenas bedroht, ist Elisas Stunde
gekommen. Wird sie sich und der Magie des Feuersteins vertrauen? Schafft
sie es, rechtzeitig der tödlichen Intrige zu entkommen, die bereits um
sie gesponnen wurde? Denn nur wenn sie mit Mut und Entschlossenheit den
Platz einnimmt, den ihr das Schicksal zugewiesen hat, wird sie ihr Volk
vor dem Untergang retten.
Da bin ich in meiner post-Prüfungs-Lesefreude wohl etwas durcheinander gekommen. "Der Feuerstein" von Rae Carson war längst bestellt, aber trotzdem habe ich begeistert zugesagt, als mir eine Freundin das selbe Buch auf Englisch angeboten hat. Den belämmerten Blick, als ich das deutsche Exemplar wenige Tage nachdem ich das englische gelesen hatte aus der Post zog, könnt ihr euch sicher vorstellen.
Macht aber nix. "The Girl of Fire and Thorns" hat mir so gut gefallen, dass ich es richtig spannend fand, auch noch in das deutsche Exemplar reinzulesen. Deshalb jetzt und hier eine aktuallisierte Version meiner damaligen 1MinuteReview. ;)
Um es abzukürzen: "Der Feuerstein" ist Abenteuer pur! Und ein kleiner Klischeeaufräumer. Wer dachte, dass Fantasy-Heldinnen immer schön sind oder kleine Makel haben, die sie aber doch irgendwie schön enden lassen, der möge sich bitte mit Prinzessin Elisa befassen. Die gute beschreibt sich selbst als dick - fett sogar - und hässlich, und das ist nicht bloß gemindertes Selbstwertgefühl sondern die Meinung von jedem. Eine Heldin, die mit Andersartigkeit überzeugt.
Und das zumindest fast gänzlich. Leider hat Elisa wegen ihrem Äußeren (und dem gegensätzlich wunderschönen Äußeren ihrer Schwester) einen Hang zu Selbstmitleid, was - so kann ich mir vorstellen - leicht zu Genervtheit beim Leser führen kann. Mich selbst hat es nicht gestört - auch bei der zweiten Lektüre nicht -, weil ich Elisa insgesamt als sehr frisch und spannend empfunden habe. Sie hat, trotz ihrer äußeren Nachteile, eine sehr sichere Art zu sprechen. Natürlich zweifelt sie, aber trotzdem bringt sie den nötigen Stolz und Mut auf, ihre Zweifel nicht zu zeigen. Und das in einer Situation, in der sie, weit fort von zu Hause, mehr oder weniger alleine und fremd ist.
Was an Elisa so spannend ist, ist ihre Entwicklung. Mit der Zeit eignet sie sich diese Sicherheit nämlich wirklich an und das Schauspiel verfliegt.
Trotzdem, die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas. Aber Durchhalten lohnt sich, denn dann offenbart sich nach und nach die Undurchschaubarkeit von Elisas Umfeld. Ich persönlich habe hier ziemlich in der Luft gehangen, weil ich einfach nicht wusste, wem Elisa am ehesten vertrauen sollte. Ich fand das toll! Ich weiß es wirklich zu schätzen, wenn sich Autoren die Mühe machen, solche Situationen und vor allem viel Ungewissheit zu kreieren.
Dann kam eine überraschende Wende, die der Geschichte plötzlich eine ganz andere Richtung gibt. Eine in der ich - wie Elisa - einen sicheren Stand erlangt habe. Die Autorin hört auf mit dem Versteckspiel und rückt mit Informationen raus, zum Feuerstein, zu dem was er bedeutet und was Elisa alles bewirken kann. Wenn sie denn Vertrauen in sich selbst findet.
"Der Feuerstein" ist ein kleines Juwel, das muss schon mal gesagt werden. Eine spannende Storyline, eine wandlungs- und lernfähige Protagonistin und dazu ein grandioses Setting. Stellt euch eine Mischung aus High Fantasy und Wüstenmystik vor, mit Hofintrigen und fantastischen Elementen.
Dazu noch ist das Buch wirklich gut ins Deutsche übertragen worden - ich nehme das längst nicht mehr als selbstverständlich hin. In den letzten zwei Jahren habe ich einiges gelesen, das nicht bloß schlampig sondern teilweise auch ungeschickt übersetzt wurde. "Der Feuerstein" ist eine angenehme Ausnahme.
Fazit
Es hat mir eine ganze Menge Spaß gemacht, Elisa dabei zuzusehen, wie sie über sich hinaus wächst. "Der Feuerstein" ist ein großartiges Abenteuer zum Schmökern und Träumen - der zweite Teil ist Pflicht für mich!
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17. September 2012
22. Juli 2012
Cassandra Rose Clarke - The Assassin's Curse
2012, 416 Seiten
ca. € 7
ISBN 9781908844026
Erscheint am 2. Oktober 2012 bei Angry Robot
Ananna of the Tanarau is the eldest daughter of a highly-ranked family in the loose assortment of cutthroats and thieves in the Pirate's Confederation. When she runs away from the marriage her parents have arranged for her, they hire Naji the assassin to murder her.
When a mysterious woman in a dress shop offers her magical assistance for dealing with the assassin, Ananna accepts. She never went in much for magic herself -- she lacks the talent for it -- but she's not quite ready to die yet, either. Unfortunately, the woman's magic fails.
Fortunately, Ananna inadvertently saves the assassin's life in the skirmish, thus activating a curse that had been placed on him a few years earlier. Now, whenever her life is in danger, he must protect her -- or else he experiences tremendous physical pain. Neither Ananna nor the assassin, Naji, are pleased about this development.
(Gekürzter Klappentext - der letzte Absatz ist ein kompletter Spoiler, den man vorher nicht lesen sollte ... finde ich. Wenn ihr doch wollt, findet ihr den kompletten Klappentext >hier<)
Was ich denke ...
Ich bin mit keinerlei großen Erwartungen an dieses Debüt von Cassandra Rose Clarke herangegangen und muss zugeben, dass ich die ersten Seiten auch noch als ziemlich gewöhnungsbedürftig empfunden habe. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass das daran lag, dass die Autorin ihre Protagonistin ohne einleitende Worte oder Erklärungen auf den Leser loslässt. Im Zusammenhang mit Ananna muss ich einfach von "loslassen" sprechen - sie ist wild, setzt sich durch, hat aber, wie ich bald gemerkt habe, auch eine sehr gefühlvolle Seite.
Ananna, die Piratentochter, ist der Kern dieses Buches, ohne den die Geschichte nicht funktionieren würde. Sie ist das Sichtfenster, durch das wir die Welt aus "The Assassin's Curse" sehen. Im Grunde wie ein Filter, der nur das Wesentliche durchlässt und dadurch eine bombastische (jawohl!) Perspektive erlaubt.
Ananna flieht vor einer arrangierten Ehe mit dem Sohn einer anderen Piratenfamilie. Und sie meint es ernst - am Anfang habe ich noch an ihren Motiven gezweifelt, aber die sind vorhanden und sie sind echt. Ananna handelt nicht aus Launen heraus, was sie tut das ist ihr ernst.
Ich glaube deshalb mochte ich sie so. Deswegen und wegen ihrer knappen, teils belustigten und tief sarkastischen Blickweise. Ihre Stimme hat diesen Unterton, der einen im Innern ständig lachen lässt. Ananna ist großartig!
Und dann haben wir da Naji. Naji der Assassine, der Ananna hinterhergeschickt wird. Allerdings ist Ananna wie gesagt sehr zielstrebig und auch nicht zimperlich im Umgang mit Waffen - die Situation endet damit, dass Naji durch einen Fluch an Ananna gebunden ist. Und *bam* wir haben eine Situation voller Konflikte, Misstrauen, Anspannung. Die Chemie zwischen Ananna und Naji stimmt einfach, die Autorin hat meiner Ansicht nach alles richtig gemacht was man nur richtig machen kann. Es brodelt und ab und zu knistert es auch.
Aber bevor hier noch der Verdacht aufkommt, "The Assassin's Curse" sei eine seichte Romantasy, möchte ich eines festhalten: "The Assassin's Curse" ist ein großes Abenteuer! Ein Abenteuer mit zwei Helden, die wohl oder übel miteinander zurecht kommen müssen und sich im Laufe der (verfliegenden) Seiten zunehmend arrangieren. Ananna und Naji gewöhnen sich innerhalb von Wochen und Monaten (!) aneinander und von überschießenden unglaubwürdiger Romantik kann hier wirklich keine Rede sein.
Das wäre auch wirklich nicht möglich, denn Naji ist alles andere als offen und leicht im Umgang. Es dauert ewig bis er Ananna in seine Pläne einweiht, bis er ihr genug vertraut um über seine Vergangenheit zu sprechen. (Und Ananna ist da im Übrigen ganz ähnlich.) Naji hat mir immer direkt vor Augen gestanden, ich hatte das Gefühl, ihn durch Anannas Augen zu sehen, aber er behält vieles für sich und ich habe es als unglaublich spannend empfunden, langsam hinter seine Fassade blicken zu können.
Zeitlich ist "The Assassin's Curse" schwer einzuordnen. Wegen den Pistolen, die einzeln geladen werden müssen, würde ich auf das 15. oder 16. Jahrhundert schließen. Aber da das Setting örtlich nicht wirklich zuzuordnen ist, ist das eigentlich nicht weiter wichtig.
Wichtig hingegen ist nur: Ihr mögt Piraten? Und Assassinen? Habt gerne Abenteuergeschichten und sympathische, glaubhafte Protagonisten, die sich nicht gleich in überstürztes Liebesgedöns stürzen? Lest "The Assassin's Curse" kann ich da nur sagen!
Bewertung
Was "The Assassin's Curse" neben der ausgeklügelten Charakterbeziehung zu etwas Besonderem macht ist der leichte, satirische Ton der Geschichte. Den Leser erwartet ein großes Abenteuer und vielleicht das beste Fantasy-Debüt 2012. Ich liebe dieses Buch und sitze auf heißen Kohlen, denn der zweite Teil - "The Pirate's Wish" wird wohl erst Ende 2013 erscheinen.
ca. € 7
ISBN 9781908844026
Erscheint am 2. Oktober 2012 bei Angry Robot
Ananna of the Tanarau is the eldest daughter of a highly-ranked family in the loose assortment of cutthroats and thieves in the Pirate's Confederation. When she runs away from the marriage her parents have arranged for her, they hire Naji the assassin to murder her.
When a mysterious woman in a dress shop offers her magical assistance for dealing with the assassin, Ananna accepts. She never went in much for magic herself -- she lacks the talent for it -- but she's not quite ready to die yet, either. Unfortunately, the woman's magic fails.
Fortunately, Ananna inadvertently saves the assassin's life in the skirmish, thus activating a curse that had been placed on him a few years earlier. Now, whenever her life is in danger, he must protect her -- or else he experiences tremendous physical pain. Neither Ananna nor the assassin, Naji, are pleased about this development.
(Gekürzter Klappentext - der letzte Absatz ist ein kompletter Spoiler, den man vorher nicht lesen sollte ... finde ich. Wenn ihr doch wollt, findet ihr den kompletten Klappentext >hier<)
Was ich denke ...
Ich bin mit keinerlei großen Erwartungen an dieses Debüt von Cassandra Rose Clarke herangegangen und muss zugeben, dass ich die ersten Seiten auch noch als ziemlich gewöhnungsbedürftig empfunden habe. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass das daran lag, dass die Autorin ihre Protagonistin ohne einleitende Worte oder Erklärungen auf den Leser loslässt. Im Zusammenhang mit Ananna muss ich einfach von "loslassen" sprechen - sie ist wild, setzt sich durch, hat aber, wie ich bald gemerkt habe, auch eine sehr gefühlvolle Seite.
Ananna, die Piratentochter, ist der Kern dieses Buches, ohne den die Geschichte nicht funktionieren würde. Sie ist das Sichtfenster, durch das wir die Welt aus "The Assassin's Curse" sehen. Im Grunde wie ein Filter, der nur das Wesentliche durchlässt und dadurch eine bombastische (jawohl!) Perspektive erlaubt.
Ananna flieht vor einer arrangierten Ehe mit dem Sohn einer anderen Piratenfamilie. Und sie meint es ernst - am Anfang habe ich noch an ihren Motiven gezweifelt, aber die sind vorhanden und sie sind echt. Ananna handelt nicht aus Launen heraus, was sie tut das ist ihr ernst.
Ich glaube deshalb mochte ich sie so. Deswegen und wegen ihrer knappen, teils belustigten und tief sarkastischen Blickweise. Ihre Stimme hat diesen Unterton, der einen im Innern ständig lachen lässt. Ananna ist großartig!
Und dann haben wir da Naji. Naji der Assassine, der Ananna hinterhergeschickt wird. Allerdings ist Ananna wie gesagt sehr zielstrebig und auch nicht zimperlich im Umgang mit Waffen - die Situation endet damit, dass Naji durch einen Fluch an Ananna gebunden ist. Und *bam* wir haben eine Situation voller Konflikte, Misstrauen, Anspannung. Die Chemie zwischen Ananna und Naji stimmt einfach, die Autorin hat meiner Ansicht nach alles richtig gemacht was man nur richtig machen kann. Es brodelt und ab und zu knistert es auch.
Aber bevor hier noch der Verdacht aufkommt, "The Assassin's Curse" sei eine seichte Romantasy, möchte ich eines festhalten: "The Assassin's Curse" ist ein großes Abenteuer! Ein Abenteuer mit zwei Helden, die wohl oder übel miteinander zurecht kommen müssen und sich im Laufe der (verfliegenden) Seiten zunehmend arrangieren. Ananna und Naji gewöhnen sich innerhalb von Wochen und Monaten (!) aneinander und von überschießenden unglaubwürdiger Romantik kann hier wirklich keine Rede sein.
Das wäre auch wirklich nicht möglich, denn Naji ist alles andere als offen und leicht im Umgang. Es dauert ewig bis er Ananna in seine Pläne einweiht, bis er ihr genug vertraut um über seine Vergangenheit zu sprechen. (Und Ananna ist da im Übrigen ganz ähnlich.) Naji hat mir immer direkt vor Augen gestanden, ich hatte das Gefühl, ihn durch Anannas Augen zu sehen, aber er behält vieles für sich und ich habe es als unglaublich spannend empfunden, langsam hinter seine Fassade blicken zu können.
Zeitlich ist "The Assassin's Curse" schwer einzuordnen. Wegen den Pistolen, die einzeln geladen werden müssen, würde ich auf das 15. oder 16. Jahrhundert schließen. Aber da das Setting örtlich nicht wirklich zuzuordnen ist, ist das eigentlich nicht weiter wichtig.
Wichtig hingegen ist nur: Ihr mögt Piraten? Und Assassinen? Habt gerne Abenteuergeschichten und sympathische, glaubhafte Protagonisten, die sich nicht gleich in überstürztes Liebesgedöns stürzen? Lest "The Assassin's Curse" kann ich da nur sagen!
Bewertung
Was "The Assassin's Curse" neben der ausgeklügelten Charakterbeziehung zu etwas Besonderem macht ist der leichte, satirische Ton der Geschichte. Den Leser erwartet ein großes Abenteuer und vielleicht das beste Fantasy-Debüt 2012. Ich liebe dieses Buch und sitze auf heißen Kohlen, denn der zweite Teil - "The Pirate's Wish" wird wohl erst Ende 2013 erscheinen.
A thousand thanks to Netgalley and Angry Robot for the chance to read the ARC!
Categories:
Abenteuer,
Englisch,
Fantastisch und Fantasy,
Jugendliteratur
7. April 2011
Angie Frazier - Everlasting
Gebunden mit Schutzumschlag, 329 Seiten
ca. € 10 - 14
ISBN 978-0545114738
Sailing aboard her father’s trade ship is all seventeen-year-old Camille Rowen has ever wanted. But as a girl of society in 1855 San Francisco, her future is set: marry a man she doesn’t love, or condemn herself and her father to poverty.
On her final voyage before the wedding, the stormy arms of the Tasman Sea claim her father, and a terrible family secret is revealed. A secret intertwined with a fabled map, the mother Camille has long believed dead, and an ancient stone that wields a dangerous—and alluring—magic.
The only person Camille can depend on is Oscar, a handsome young sailor whom she is undeniably drawn to. Torn between trusting her instincts and keeping her promises to her father, Camille embarks on a perilous quest into the Australian wilderness to find the enchanted stone. As she and Oscar elude murderous bushrangers and unravel Camille’s father’s lies, they come closer to making the ultimate decision of who—and what—matters most.
Was ich denke ...
"Everlasting" ist historical fiction mit einer ganz besonderen Prise Magie - wortwörtlich. Dass Fantastik in historischen Settings funktioniert hat Kai Meyer schon bewiesen, und Angie Frazier kann es auch.
Für ein Buch, das nur 300 Seiten hat, umfasst "Everlasting" eine ganze Menge an Handlung. Das Zeitfenster des Romans erstreckt sich über mehrere Wochen, eigentlich Monate - wobei Angie Frazier wirklich nur das beschreibt, was wichtig ist, teilweise überspringt sie ganze Wochen beispielsweise während sich die Charaktere auf hoher See befinden und sowieso nur vor sich hinschippern.
Ich war einigermaßen überrascht, als ich das festgestellt habe. In letzter Zeit habe ich einfach viele Romane gelesen, deren Handlung sich nur über wenige Tage spannt, wo kaum etwas im Erzählfaden ausgelassen wurde. Es ist so toll, nur 50 Seiten zu lesen und trotzdem das Gefühl zu haben, man hätte bereits ein halbes Buch in kürzester Zeit verschlungen. ;)
Frazier schreibt weder aufmerksamkeitsheischend noch actiongepackt. Sie hat einen dieser ruhigen, überlegenden Schreibstile, der einem erlaubt, vollkommen in die Geschichte abzutauchen und sie zu leben. Zugegeben, ein Buch, für das man sich (am Anfang?) ein bisschen Zeit nehmen muss.
Trotzdem wollte ich nie mit dem Lesen aufhören. "Everlasting" ist nicht action-spannend oder es-passiert-laufend-was-spannend, der Reiz zum Weiterlesen wird hier eher subtil zwischen den Zeilen vermittelt.
Zum tollen Schreibstil und der umfangreichen Handlung kommen Charaktere hinzu, wie man sie sich nur wünschen kann. Allen voran hat das Buch mit Camille eine Heldin, der es völlig fern liegt, über ihre Situation zu jammern. Sie ist sich ihrer Gefühle absolut sicher, weiß von Anfang an, dass sie nichts für ihren Verlobten Randall empfindet. Es gibt kein lästiges Hin und Her, an Randall bindet Camille einzig und allein das Pflichtgefühl. Oscar hingegen, ein junger loyaler Seemann, weckt ganz andere Gefühle in ihr.
Zwischen Oscar und Camille entspinnt sich über viele Wochen eine zarte Liebesgeschichte, ganz so, wie ich sie gerne lese. Nicht kitschig und auch nicht nervig.
Vervollständigt wird das zentrale Reisetrio schließlich von Ira, einem charmanten, gewitzten Spieler und Dieb, der das Herz am rechten Fleck hat.
Vor allem nach dem Ende der Seereise von San Francisco nach Australien, als die Weiterreise auf dem australischen Kontinent beginnt (etwa nach einem Drittel des Buches), entwickelt sich "Everlasting" zunehmend zu einem Abenteuerroman mit fantastischen Elementen. Camille wird von einem unheimlichen Fluch heimgesucht, der aber kein richtiger Fluch zu sein scheint - mehr verraten ich nicht.
Insgesamt fällt es mir also wirklich schwierig, das Buch einem Genre zuzuordnen, irgendwie hat es von allem etwas - Historik, Fantastik, Romance, Abenteuer - und dürfte somit auch eine große Leserschaft ansprechen.
Bewertung
Mit wunderschöner Sprache, spannender Handlung und schwer zu vergessenden Charakteren bietet "Everlasting" dem Leser eine ganz besondere Reise. Von meiner Seite keine Empfehlungs-Einschränkungen,
einfach lesen!

Die Frage nach dem zweiten Teil:
Das Ende von "Everlasting" birgt Andeutungen auf einen zweiten Teil, der auch tatsächlich am 1. Juni 2011 unter dem Titel "The Eternal Sea" erscheinen wird. Allerdings kann "Everlasting" auch sehr gut als in sich abgeschlossener Einzelband betrachtet werden.
ca. € 10 - 14
ISBN 978-0545114738
Sailing aboard her father’s trade ship is all seventeen-year-old Camille Rowen has ever wanted. But as a girl of society in 1855 San Francisco, her future is set: marry a man she doesn’t love, or condemn herself and her father to poverty.
On her final voyage before the wedding, the stormy arms of the Tasman Sea claim her father, and a terrible family secret is revealed. A secret intertwined with a fabled map, the mother Camille has long believed dead, and an ancient stone that wields a dangerous—and alluring—magic.
The only person Camille can depend on is Oscar, a handsome young sailor whom she is undeniably drawn to. Torn between trusting her instincts and keeping her promises to her father, Camille embarks on a perilous quest into the Australian wilderness to find the enchanted stone. As she and Oscar elude murderous bushrangers and unravel Camille’s father’s lies, they come closer to making the ultimate decision of who—and what—matters most.
Was ich denke ...
"Everlasting" ist historical fiction mit einer ganz besonderen Prise Magie - wortwörtlich. Dass Fantastik in historischen Settings funktioniert hat Kai Meyer schon bewiesen, und Angie Frazier kann es auch.
Für ein Buch, das nur 300 Seiten hat, umfasst "Everlasting" eine ganze Menge an Handlung. Das Zeitfenster des Romans erstreckt sich über mehrere Wochen, eigentlich Monate - wobei Angie Frazier wirklich nur das beschreibt, was wichtig ist, teilweise überspringt sie ganze Wochen beispielsweise während sich die Charaktere auf hoher See befinden und sowieso nur vor sich hinschippern.
Ich war einigermaßen überrascht, als ich das festgestellt habe. In letzter Zeit habe ich einfach viele Romane gelesen, deren Handlung sich nur über wenige Tage spannt, wo kaum etwas im Erzählfaden ausgelassen wurde. Es ist so toll, nur 50 Seiten zu lesen und trotzdem das Gefühl zu haben, man hätte bereits ein halbes Buch in kürzester Zeit verschlungen. ;)
Frazier schreibt weder aufmerksamkeitsheischend noch actiongepackt. Sie hat einen dieser ruhigen, überlegenden Schreibstile, der einem erlaubt, vollkommen in die Geschichte abzutauchen und sie zu leben. Zugegeben, ein Buch, für das man sich (am Anfang?) ein bisschen Zeit nehmen muss.
Trotzdem wollte ich nie mit dem Lesen aufhören. "Everlasting" ist nicht action-spannend oder es-passiert-laufend-was-spannend, der Reiz zum Weiterlesen wird hier eher subtil zwischen den Zeilen vermittelt.
Zum tollen Schreibstil und der umfangreichen Handlung kommen Charaktere hinzu, wie man sie sich nur wünschen kann. Allen voran hat das Buch mit Camille eine Heldin, der es völlig fern liegt, über ihre Situation zu jammern. Sie ist sich ihrer Gefühle absolut sicher, weiß von Anfang an, dass sie nichts für ihren Verlobten Randall empfindet. Es gibt kein lästiges Hin und Her, an Randall bindet Camille einzig und allein das Pflichtgefühl. Oscar hingegen, ein junger loyaler Seemann, weckt ganz andere Gefühle in ihr.
Zwischen Oscar und Camille entspinnt sich über viele Wochen eine zarte Liebesgeschichte, ganz so, wie ich sie gerne lese. Nicht kitschig und auch nicht nervig.
Vervollständigt wird das zentrale Reisetrio schließlich von Ira, einem charmanten, gewitzten Spieler und Dieb, der das Herz am rechten Fleck hat.
Vor allem nach dem Ende der Seereise von San Francisco nach Australien, als die Weiterreise auf dem australischen Kontinent beginnt (etwa nach einem Drittel des Buches), entwickelt sich "Everlasting" zunehmend zu einem Abenteuerroman mit fantastischen Elementen. Camille wird von einem unheimlichen Fluch heimgesucht, der aber kein richtiger Fluch zu sein scheint - mehr verraten ich nicht.
Insgesamt fällt es mir also wirklich schwierig, das Buch einem Genre zuzuordnen, irgendwie hat es von allem etwas - Historik, Fantastik, Romance, Abenteuer - und dürfte somit auch eine große Leserschaft ansprechen.
Bewertung
Mit wunderschöner Sprache, spannender Handlung und schwer zu vergessenden Charakteren bietet "Everlasting" dem Leser eine ganz besondere Reise. Von meiner Seite keine Empfehlungs-Einschränkungen,
einfach lesen!

Die Frage nach dem zweiten Teil:
Das Ende von "Everlasting" birgt Andeutungen auf einen zweiten Teil, der auch tatsächlich am 1. Juni 2011 unter dem Titel "The Eternal Sea" erscheinen wird. Allerdings kann "Everlasting" auch sehr gut als in sich abgeschlossener Einzelband betrachtet werden.
Categories:
Abenteuer,
Englisch,
Fantastisch und Fantasy,
Historisch,
Jugendliteratur,
Romance
28. August 2010
David Lozano Garbala - Totenreise
erschienen Juni 2010 bei Loewe (Spanische Originalausgabe: La Puerta Oscura - El Viajero, 2008)
Gebunden mit Schutzumschlag, 607 Seiten
ISBN 978-3-7855-6863-7
€ (D) 19,95 | € (A) 20,60
Klappentext
Inhalt
Halloween in Paris. Erst vor wenigen Tagen hat Pascal Michelle seine wahren Gefühle gestanden. Da sie mit einer Antwort auf sich warten lässt, überredet Dominique seinen Freund zum Besuch bei der Wahrsagerin Daphne, doch sie kann ihm nicht sagen, wie Michelle empfindet. Stattdessen prophezeit sie Pascal eine weite Reise zu einem Ort jenseits dieser Welt - und Michelle wird eine wichtige Rolle dabei spielen.
Relativ unmotiviert macht sich Pascal zusammen mit Dominique und Michelle auf zu einer Halloween-Party. Verkleidung ist Pflicht - und so wird der völlig unkostümierte Pascal dazu gebracht, sich aus einer Truhe auf dem Dachboden des Gastgebers Jules eine Verkleidung zu suchen. Doch plötzlich schließt sich der Truhendeckel über Pascal und nur wenige Minuten später befindet er sich im Totenreich.
Denn alle 100 Jahre, in der Nacht von Halloween auf Allerheiligen, öffnet sich die Pforte ins Totenreich und ein einziger Lebender wird zum Wanderer zwischen den Welten. Sieben Tage lang kann sich Pascal frei zwischen seiner und der Welt der Toten bewegen.
Doch durch seine Reise hat er den Durchgang für ein Wesen aus der Hölle geöffnet - Pascal hat einen Vampir befreit, der nur ein Ziel hat: Die Pforte für immer zu verschließen.
Meinung
Ich stehe Prologen sehr zwiespältig gegenüber. Viel zu oft sind sie elendslang und verraten doch überhaupt gar nichts Relevantes. Meistens denke ich mir dann: Hättest du den Prolog besser zuletzt gelesen, dann ergäbe es zumindest einen Sinn.
In "Totenreise" wählt David Lozano Garbala allerdings eine Form des Prologs, die mich mit einer sehr positiven Einstellung zum Buch zurückgelassen hat. Es handelt sich dabei nämlich um eine nicht einmal vier Seiten lange Szene, die mitten aus der Handlung herausgerissen ist, also eigentlich erst viel später im Buch an der Reihe ist. Man weiß anschließend sofort, was man sich von "Totenreise" erwarten kann, nämlich eine gruselig angehauchte, spannende Lektüre
Leider hat die Handlung nach dem gut gelungenen Prolog aber etwas an Höhe verloren. Es dauert eigentlich recht lange bis Pascal sich wirklich auf die Reise durch das Totenreich macht. Zuvor muss sich der 15-Jährige erst mit seiner neuen Situation auseinandersetzten und vor allem damit, dass er durch seine erste Reise einen Vampir befreit hat.
Dieser Vampir lässt nicht lange mit sich fackeln und tötet noch in der Halloween-Nacht drei Menschen auf bestialische Weise. Durch diesen Twist in der Handlung werden die Kommissarin Marguerite Betancourt und ihr Kollege, der Gerichtsmediziner Marcel Laville, auf den Plan gerufen - und damit entsteht neben der Geschichte rund um Pascal und seine Freunde ein neuer Handlungsstrang, der mir äußerst gut gefallen hat.
Die Kommissarin und der Gerichtsmediziner beginnen augenblicklich mit ihren Ermittlungen und stoßen dabei auf immer mehr Hinweise, die übernatürliches Vorgehen in Paris nahelegen. Obwohl es hier um einen Vampir geht, habe ich an den Passagen über die Ermittlungen mit beiden Augen geklebt und angespannt verfolgt, wie die beiden vorgehen. Denn wen würde nicht ein Fall beunruhigen, in dem ein seit 60 Jahren toter Verbrecher der Täter ist - zumindest legen das die Fingerabdrücke am Tatort nahe.
Nur wenig später verschwindet Pascals und Dominiqus Freundin Michelle und sie erfahren, dass der Vampir sie durch ein satanisches Ritual ins Totenreich gebracht hat, wo er sie in die Hölle bringen lässt. Pascal macht sich also endlich auf den Weg, tritt seine vom Buchtitel prophezeite Reise an.
Gerade das Reich der Toten hat mir überaus gut gefallen. Der Autor verwendet zur Konstruktion seiner Unterwelt mehrere bekannte Geschichte, Sagen und Theorien. So kombiniert er beispielsweise die griechische Mythologie (Fährmann Charon, Fluss Styx, dreiköpfiger Hund Kerberos) mit Dantes Göttlicher Komödie (10 Kreise der Hölle).
Besonders gut gefallen hat mir der Kronosfelsen, der den Weg durch die Abgründe des menschlichen Lebens darstellt. Pascal muss mit seiner Begleiterin, der umherwandelnden Seele Beatrice, die Räume des Kronosfelsens hinter sich bringen, von denen jeder eine andere Katastrophe des Leides in der menschlichen Geschichte darstellt.
Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob dieser Kronosfelsen eine Erfindung des Autors ist, oder ob er in irgendeiner Form bereits in der Literatur besteht. Bei meinen Recherchen jedenfalls bin ich nicht fündig geworden.
Die Charaktere des Buches sind durch und durch sympathisch geraten, wenn auch relativ unausgereift. Manchmal fiel es mir schwer, bestimmte Handlungen und Gedankensprünge nachzuvollziehen. Gestört haben mich darüber hinaus die teilweise recht holprigen Dialoge, die mehr als einmal sehr konstruiert wirken, denen einfach die Natürlichkeit fehlt.
Positiv am Schreibstil des Autors sind mir jedoch die häufigen Perspektivenwechsel aufgefallen. Sie lassen die Geschichte nur so an einem vorbeirauschen, trotzdem verliert man nie den Überblick über das Geschehen an den verschiedenen Orten.
Noch ein Wort zu Cover und Gestaltung des Buches, denn damit hat man sich - an der spanischen Originalausgabe orientiert - sehr viel Mühe gegeben.
Das Cover allein zieht die Blicke ja schon an. Schlägt man das Buch dann auf, stößt man schon auf den beiden Cover-Innenseiten auf zwei Schwarz-Weiß-Bilder von Paris, die sehr düster wirken und damit perfekt die Stimmung des Buches einfangen. Zusätzlich ziert jeden Kapitelanfang eines der Skelette, die auf dem Cover zu sehen sind.
"Totenreise" wartet mit originellen Ideen auf, die vom Autor auf sehr kreative Weise verknüpft wurden. Das Buch lebt vor allem durch die spannende Handlung und eine schöne Portion Grusel und Mystik.
Und die Aussicht auf einen zweiten Teil - dass es den gibt, legt zumindest das Ende des Buches und die Tatsache, dass es noch einige unbeantwortete Fragen gibt, nahe.
Bewertung
An den Charakteren ließe sich noch feilen und auch die Sprache wirkt teilweise etwas unausgereift. Ansonsten ist "Totenreise" ein tolles Jugendbuch mit Grusel-Spannung von der ersten bis zur letzten (sechshundertsiebten) Seite.
Informationen zur Reihe:
Der erste Teil von "Puerta Oscura" ist in Spanien 2008 unter dem Titel "El Viajero" (zu deutsch: der Reisende) erschienen. Bereits 2009 folgte der zweite Teil "El Mal" (zu deutsch: das Böse) und noch im selben Jahr ist der dritte Teil "Requiem" erschienen.
Ob's das war oder noch ein vierter Teil kommt, konnte ich leider noch nicht in Erfahrung bringen.
Falls jemand Spanisch kann, gibt's auf der spanischsprachigen Website zu den Büchern mehr Informationen.
Gebunden mit Schutzumschlag, 607 Seiten
ISBN 978-3-7855-6863-7
€ (D) 19,95 | € (A) 20,60
Klappentext
wenn du die Dunkle Pforte durchschreitest!
Du begibst dich direkt in die HÖLLE.
Du hast nur sieben Tage Zeit
in der Ewigkeit.
Dann schließt sich die Pforte wieder.
Für immer.
Inhalt
Halloween in Paris. Erst vor wenigen Tagen hat Pascal Michelle seine wahren Gefühle gestanden. Da sie mit einer Antwort auf sich warten lässt, überredet Dominique seinen Freund zum Besuch bei der Wahrsagerin Daphne, doch sie kann ihm nicht sagen, wie Michelle empfindet. Stattdessen prophezeit sie Pascal eine weite Reise zu einem Ort jenseits dieser Welt - und Michelle wird eine wichtige Rolle dabei spielen.
Relativ unmotiviert macht sich Pascal zusammen mit Dominique und Michelle auf zu einer Halloween-Party. Verkleidung ist Pflicht - und so wird der völlig unkostümierte Pascal dazu gebracht, sich aus einer Truhe auf dem Dachboden des Gastgebers Jules eine Verkleidung zu suchen. Doch plötzlich schließt sich der Truhendeckel über Pascal und nur wenige Minuten später befindet er sich im Totenreich.
Denn alle 100 Jahre, in der Nacht von Halloween auf Allerheiligen, öffnet sich die Pforte ins Totenreich und ein einziger Lebender wird zum Wanderer zwischen den Welten. Sieben Tage lang kann sich Pascal frei zwischen seiner und der Welt der Toten bewegen.
Doch durch seine Reise hat er den Durchgang für ein Wesen aus der Hölle geöffnet - Pascal hat einen Vampir befreit, der nur ein Ziel hat: Die Pforte für immer zu verschließen.
Meinung
Ich stehe Prologen sehr zwiespältig gegenüber. Viel zu oft sind sie elendslang und verraten doch überhaupt gar nichts Relevantes. Meistens denke ich mir dann: Hättest du den Prolog besser zuletzt gelesen, dann ergäbe es zumindest einen Sinn.
In "Totenreise" wählt David Lozano Garbala allerdings eine Form des Prologs, die mich mit einer sehr positiven Einstellung zum Buch zurückgelassen hat. Es handelt sich dabei nämlich um eine nicht einmal vier Seiten lange Szene, die mitten aus der Handlung herausgerissen ist, also eigentlich erst viel später im Buch an der Reihe ist. Man weiß anschließend sofort, was man sich von "Totenreise" erwarten kann, nämlich eine gruselig angehauchte, spannende Lektüre
Leider hat die Handlung nach dem gut gelungenen Prolog aber etwas an Höhe verloren. Es dauert eigentlich recht lange bis Pascal sich wirklich auf die Reise durch das Totenreich macht. Zuvor muss sich der 15-Jährige erst mit seiner neuen Situation auseinandersetzten und vor allem damit, dass er durch seine erste Reise einen Vampir befreit hat.
Dieser Vampir lässt nicht lange mit sich fackeln und tötet noch in der Halloween-Nacht drei Menschen auf bestialische Weise. Durch diesen Twist in der Handlung werden die Kommissarin Marguerite Betancourt und ihr Kollege, der Gerichtsmediziner Marcel Laville, auf den Plan gerufen - und damit entsteht neben der Geschichte rund um Pascal und seine Freunde ein neuer Handlungsstrang, der mir äußerst gut gefallen hat.
Die Kommissarin und der Gerichtsmediziner beginnen augenblicklich mit ihren Ermittlungen und stoßen dabei auf immer mehr Hinweise, die übernatürliches Vorgehen in Paris nahelegen. Obwohl es hier um einen Vampir geht, habe ich an den Passagen über die Ermittlungen mit beiden Augen geklebt und angespannt verfolgt, wie die beiden vorgehen. Denn wen würde nicht ein Fall beunruhigen, in dem ein seit 60 Jahren toter Verbrecher der Täter ist - zumindest legen das die Fingerabdrücke am Tatort nahe.
Nur wenig später verschwindet Pascals und Dominiqus Freundin Michelle und sie erfahren, dass der Vampir sie durch ein satanisches Ritual ins Totenreich gebracht hat, wo er sie in die Hölle bringen lässt. Pascal macht sich also endlich auf den Weg, tritt seine vom Buchtitel prophezeite Reise an.
Gerade das Reich der Toten hat mir überaus gut gefallen. Der Autor verwendet zur Konstruktion seiner Unterwelt mehrere bekannte Geschichte, Sagen und Theorien. So kombiniert er beispielsweise die griechische Mythologie (Fährmann Charon, Fluss Styx, dreiköpfiger Hund Kerberos) mit Dantes Göttlicher Komödie (10 Kreise der Hölle).
Besonders gut gefallen hat mir der Kronosfelsen, der den Weg durch die Abgründe des menschlichen Lebens darstellt. Pascal muss mit seiner Begleiterin, der umherwandelnden Seele Beatrice, die Räume des Kronosfelsens hinter sich bringen, von denen jeder eine andere Katastrophe des Leides in der menschlichen Geschichte darstellt.
Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob dieser Kronosfelsen eine Erfindung des Autors ist, oder ob er in irgendeiner Form bereits in der Literatur besteht. Bei meinen Recherchen jedenfalls bin ich nicht fündig geworden.
Die Charaktere des Buches sind durch und durch sympathisch geraten, wenn auch relativ unausgereift. Manchmal fiel es mir schwer, bestimmte Handlungen und Gedankensprünge nachzuvollziehen. Gestört haben mich darüber hinaus die teilweise recht holprigen Dialoge, die mehr als einmal sehr konstruiert wirken, denen einfach die Natürlichkeit fehlt.
Positiv am Schreibstil des Autors sind mir jedoch die häufigen Perspektivenwechsel aufgefallen. Sie lassen die Geschichte nur so an einem vorbeirauschen, trotzdem verliert man nie den Überblick über das Geschehen an den verschiedenen Orten.
Noch ein Wort zu Cover und Gestaltung des Buches, denn damit hat man sich - an der spanischen Originalausgabe orientiert - sehr viel Mühe gegeben.
Das Cover allein zieht die Blicke ja schon an. Schlägt man das Buch dann auf, stößt man schon auf den beiden Cover-Innenseiten auf zwei Schwarz-Weiß-Bilder von Paris, die sehr düster wirken und damit perfekt die Stimmung des Buches einfangen. Zusätzlich ziert jeden Kapitelanfang eines der Skelette, die auf dem Cover zu sehen sind.
"Totenreise" wartet mit originellen Ideen auf, die vom Autor auf sehr kreative Weise verknüpft wurden. Das Buch lebt vor allem durch die spannende Handlung und eine schöne Portion Grusel und Mystik.
Und die Aussicht auf einen zweiten Teil - dass es den gibt, legt zumindest das Ende des Buches und die Tatsache, dass es noch einige unbeantwortete Fragen gibt, nahe.
Bewertung
An den Charakteren ließe sich noch feilen und auch die Sprache wirkt teilweise etwas unausgereift. Ansonsten ist "Totenreise" ein tolles Jugendbuch mit Grusel-Spannung von der ersten bis zur letzten (sechshundertsiebten) Seite.
Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich ganz herzlich beim Loewe-Verlag!
Informationen zur Reihe:
Der erste Teil von "Puerta Oscura" ist in Spanien 2008 unter dem Titel "El Viajero" (zu deutsch: der Reisende) erschienen. Bereits 2009 folgte der zweite Teil "El Mal" (zu deutsch: das Böse) und noch im selben Jahr ist der dritte Teil "Requiem" erschienen.
Ob's das war oder noch ein vierter Teil kommt, konnte ich leider noch nicht in Erfahrung bringen.
Falls jemand Spanisch kann, gibt's auf der spanischsprachigen Website zu den Büchern mehr Informationen.
Categories:
Abenteuer,
Fantastisch und Fantasy,
Jugendliteratur
28. April 2010
Richard Laymon - Der Ripper
Klappentext"Ich liebe meine Arbeit, und ich werde zu neuen Taten schreiten. Sie werden bald wieder von mir und meinen lustigen kleinen Spielchen hören ...
Meine Klinge ist schön scharf. Ich werde sofort ans Werk gehen, wenn sich mir die Möglichkeit bietet. Alles Gute.
Ihr sehr ergebener
Jack the Ripper"
Der gefährlichste Serienkiller Englands macht sich auf den Weg in die Neue Welt - Richard Laymons wohl außergewöhnlichstes Buch.
Inhalt
Es ist ein unglücklicher Zufall, der den 15-jährigen Trevor Wellington Bentley in einer regnerischen Novembernacht des Jahres 1888 aus seinem Zuhause auf die Straßen des nächtlichen London treibt. Auf der Suche nach seinem Onkel gerät er in das düstere Whitechapel, in dem der legendäre Frauenmörder Jack the Ripper sein Unwesen treibt. Auf Grund einer Reihe von Geschnehnissen wird Trevor plötzlich selbst für den Ripper gehalten und kann dem Mopp nur knapp entkommen - flieht dabei aber direkt in das Zimmer der Hure Mary, die noch in der selben Nacht von Jack the Ripper ermordet werden sollte.
Trevor erlebt diesen Mord, unter Marys Bett liegend, mit und ist von der Grausamkeit des Mörders schockiert. Als der Ripper seiner Wege geht, setzt ihm Trevor nach. Mit der Absicht, einen weiteren Mord in dieser Nacht zu vermeiden, versucht der Junge den Ripper zu überwältigen, befindet sich aber gleich darauf auf der Flucht vor eben jenem.
Die Ereignisse überschlagen sich. Als der Morgen graut befindet sich Trevor auf einer kleinen Jacht, zusammen mit der jugen Trudy, deren Mann - und Jack the Ripper. Das Ziel der Reise ist Amerika ... Der Ripper wittert ein neues Jagdgebiet und Trevor weiß, dass es seine Aufgabe sein wird, dem Mörder das Handwerk zu legen.
Meinung
"Der Ripper" fällt in die Kategorie Horrorroman. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich das sonst gar nicht lese, weshalb ich mir auch mit Absicht einen Horrorroman ausgesucht habe, der in diversen Rezensionen als "nicht ganz so schlimm" und "besonders für Leser Historischer Romane geeignet" beschrieben wird.
Ganz klar, diesen Einschätzungen kann ich nach der Lektüre des Romans nur zustimmen.
Die Handlung beginnt zwar etwas blutig mit dem Mord an Mary, den Trevor unter dem Bett liegend mitverfolgen muss, aber da er keinen direkten Blick auf das Geschehen hat und auch dem Leser gegenüber als Ich-Erzähler nur seine Vermutungen wiedergibt, ist das ganze wirklich nicht schlimm. Zumindest habe ich schon Ekligeres gelesen (ich denke da zum Beispiel an "Gargoyle", wo in sehr bildlicher Sprache ein Debridement beschrieben wird).
Anschließend folgt die Beschreibung der Schiffspassage über den Atlantik, die mit einigen Folterbeschreibungen gespickt ist.
Nach der Ankunft in Amerika wird aus dem Horrorroman aber ganz klar ein Abenteuerroman. Trevor begibt sich auf die Reise in den Wilden Westen, begegnet einer Räuberbande, Cowboys, einer entlaufenen Schönheit, die stets ein unterarmlanges Messer bei sich hat, und den verschiedensten anderen Gestalten, während er selbst zum Revolverhelden wird. Besonders dieser Teil des Buches hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Die Handlung ist also sehr umfangreich, wobei Trevor aber nie sein eigentliches Ziel, Jack the Ripper vom Morden abzuhalten, aus den Augen verliert. Er folgt der Spur des Rippers, ein finales Zusammentreffen ist vorprogrammiert, der Weg dorthin aber äußerst spannend und plastisch beschrieben.
Dadurch, dass Trevor aus der Ich-Perspektive erzählt, bleiben dem Leser viele Stellen, die hätten langweilig sein können, von vornherein erspart. Diese umgeht Trevor regelmäßig in seiner als Bericht gestalteten Erzählung.
Mit Trevor selbst kam ich von Anfang an gut zu Recht. Er macht als Charakter einige schlimme Sachen mit, die ihn auch entsprechend formen. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, das alles passe so überhaut nicht zu einem 15-Jährigen - meiner Meinung nach, hätte Richard Laymon seinen Protagonisten ruhig ein paar Jährchen älter machen können - aber sonderlich gestört hat mich das eigentlich auch nicht.
Zusammenfassen ist "Der Ripper" ein wirklich gut geschriebenes Buch, das durch seine längenlose Handlung auftrumpft. Die Theorie, dass Jack the Ripper London verlassen musste und stattdessen in Amerika weiter seinem Treiben nachgegangen ist, finde ich äußerst interessant. Ob daran irgendetwas Historisches ist, weiß ich allerdings nicht.
Zu der Bezeichnung "Horrorroman" noch ein Wort: "Der Ripper" ist sicher kein Horrorroman der schlimmsten Sorte. Wer in das Genre einsteigen will, ist daher mit diesem Buch sicher gut bedient.
Bewertung
Volle 4 Blümchen!

Herzlichen Dank an den Heyne-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!
Categories:
Abenteuer,
Historisch,
Horror,
Reisen,
Roman











































