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20. Oktober 2011

1MinuteReview: Heather Dixon - Entwined

1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Um ehrlich zu sein, war mir das Märchen der 12 tanzenden Prinzessinnen nie sonderlich präsent - weil nicht im Märchenbuch meiner Oma vertreten. Umso mehr habe ich "Entwined" genossen.
Es handelt sich dabei um ein eher ruhiges Buch, dem man den Märchencharakter nicht sofort anmerkt - nur hier und da ist von Magie die Rede und an manchen Handlungselementen und Formulierungen merkt man dann doch, dass es sich um eine Märchennacherzählung handelt. Das Märchenhafte drängt sich dem Leser aber nie auf und bleibt eher im Hintergrund.
Von daher hat mich "Entwined" sehr stark an "A Curse Dark As Gold" von Elizabeth C. Bunce erinnert.

Die 12 Schwestern - die älteste, Azalea, 17 Jahre alt, die jüngste, Lily, gerade erst geboren - schließt man sofort ins Herz. Azalea erzählt aus der Ich-Perspektive, wodurch man sich leicht in ihre Position als älteste, beschützende Schwester versetzen kann. Aber auch die anderen Schwestern bleiben dem Leser nicht fern. Sie haben alle verschiedene Charakterzüge und ich war überrascht, wie schnell ich sie voneinander unterscheiden konnte - die alphabetische Namensgebung (A bis L) hilft bei der Orientierung.

Wer schöne Cover (echt, so schön *.* Mit Silberprägung *.*), lebensnahe Charaktere, eine subtile Romanze und - natürlich - Märchen mag, wird seine Freude an "Entwined" haben. Ich zumindest habe die fast 500 Seiten an einem Tag gelesen.


16. Juni 2011

Manuel Kohout - Maienmond

2010, Gebunden, 331 Seiten
€ (D) 15,95 | € (A) 16,40
ISBN 978-3931989569

Sieben kauzige Weiber, die das Schicksal der Welt weben, ein weißer Zauberkater, der auf einem fliegenden Schiff einer unheimlichen Felsentrollin hinterherjagt, der wilde Menschenjunge Parzival, der davon träumt, ein Ritter zu sein, und das schöne Elbenmädchen Maya auf ihrer Suche nach der geheimnisvollen Bernsteinträne - Dies sind nur einige der phantastischen Figuren in Maienmond, einem abenteuerlichen Märchen aus der Zeit, als Bäume und Felsen noch zum Leben erwachen konnten und die Magie der Kern aller Dinge war. Ein Märchen über den ewigen Wettstreit zwischen Leben und Tod, Gut und Böse und die Kraft einer Liebe, die die Sterne zum Erzittern brachte. Wird es Parzival und Maya gelingen, die Prüfungen der alten Nornen zu bestehen und die magische Zauberträne zu finden, mit deren Hilfe das Elbenmädchen wieder ihre wahre Gestalt erlangen kann?


Was ich denke ...
Märchenhafte Abenteuer-Unterhaltung gefällig? Dann seid ihr bei "Maienmond" richtig! Manuel Kohout bannt in seinem Debüt die nordischen Mythologie in großartiger Märchen-Manier auf Papier und strickt Abenteuer, wie die sagenhaften Schicksalsweberinnen selbst das nicht besser könnten.

Was wohl als erstes an "Maienmond" auffällt, ist die schöne Gestaltung. Nicht nur fängt das Cover wunderbar den Zauber der Geschichte ein, auch die Innengestaltung - zum Inhalt passende Verziehrungen rund um den Text - ist auf jeder Seite aufs Neue ein Grund zum kurzen Innehalten und bestaunen.

Nächste Auffälligkeit, nämlich wenn man mit dem Lesen des Prologs begonnen hat, ist die Sprache. Diese zeichnet sich durch einen geradezu fließenden Charakter aus. Manuel Kohout schafft Beschreibungen und Vergleiche, die die traumhaftesten Bilder im Kopf beschwören. In Dialogen und Freitext präsentiert sich das Buch mit passend märchenhaften Stilelementen, wobei die Märchensprache meiner Meinung nach nicht überall gleich prägnant ist. Was den Leser aber immer begleitet, ist dieses typische Märchen-Feeling, das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen, in der man für jedes Problem mit Mut, Durchhaltevermögen und der Hilfe seiner Freunde eine Lösung finden kann.

Entsprechend sind auch die Charaktere gestrickt. Die beiden Helden, der Menschensohn Parzival und die Bäumin/Elbe Maya, sind unbedarft und naiv (am Anfang), ihre Welt ist reine Schwarz-Weiß-Malerei - wobei ich das bei einem Märchen nie als negativen Punkt ankreiden würde. Trotz seiner 15 Jahre handelt und benimmt sich Parzival noch sehr kindlich, was in meinem Empfinden ebenfalls die Märchenhaftigkeit unterstreicht.

Sehr toll fand ich auch den gewählten Erzählstil. Der allwissende Erzähler, der sich zwar sehr auf Parzival und Maya konzentriert, taucht in die verschiedensten Perspektiven ein, wodurch der Leser immer das gesamte Geschehen an verschiedenen Orten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln im Auge hat.

Thema von "Maienmond" sind, wie bereits weiter oben erwähnt, die nordische Legenden- und Sagenwelt. Man begegnet nicht nur dem bekannten Weltenbaum, die Seiten dieses Buches sind außerdem bevölkert von Elben, Trollen, Einhörnern, in der Maiennacht tanzenden Buchenmädchen und nicht zuletzt den Nornen, den Schicksalsweberinnen, die unseren Helden das Leben etwas schwer machen.


Bewertung
"Maienmond" ist eine Reise voller Abenteuer, Gefahren und Überraschungen, die den Leser in andere Welten entführt. Abtauchen und Wohlfühlen garantiert.
Märchen-Unterhaltung ab 10 - ohne Obergrenze ;-).

10. Mai 2011

Carmen Winter - Der König und die Gärtnerin

2010, Gebunden, 140 Seiten
€ 14,95
ISBN 978-3931989491

Als der König in seinem Schlossgarten der Gärtnerin begegnet, fordert er sie auf, mit ihm zu leben und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Da sah sie seine Sehnsucht und eine kleine Hoffnung, winzig klein noch, aber vielleicht, vielleicht wuchs sie gerade in diesem Augenblick ein Stück.
"Du bist wunderschön", sagte der König wieder und die Gärtnerin lächelte und hörte auf, ihm so in die Seele zu blicken, denn er hatte ihr weder die Erlaubnis erteilt, noch hatte er sie darum gebeten.
Er betrachtete sie von oben bis unten und lächelte still, als hätte er gerade das schönste Geschenk seines Lebens bekommen.


Was ich denke ...
"Der König und die Gärtnerin" ist nicht nur ein Märchenbuch für erwachsen gewordene Märchenfans, sondern vor allem eine Sammlung von in einzelne Geschichten verpackten Weisheiten und Wahrheiten.

Und um das gleich vorweg gesagt zu haben: Dieses Buch ist kein Spannungsroman, keine Abenteuergeschichte, kein romantisch-lustiger Lesespaß. "Der König und die Gärtnerin" ziel nicht ausschließlich darauf ab, zu unterhalten. Vielmehr schafft Carmen Winter es, ihre Leser mit Sprachgewandtheit und aus dem Alltag bekannten Situationen zu fesseln.

Da ich nun geklärt habe, was "Der König und die Gärtnerin" alles nicht ist, vielleicht nun ein paar Worte zu den Dingen, die es ist:
Die 21 Kapitel des Buches erzählen jeweils eine kurze Geschichte aus dem Themenkreis der Liebe, des Zusammenlebens, dem miteinander Auskommens - angewandt auf die Beziehung zwischen dem König und der Gärtnerin. Im Gesamten wird die Lebensgeschichte der beiden Leitfiguren aufgerollt, im kleinen einzelne Aspekte und Segmente dieses gemeinsamen Lebens präsentiert.
Dabei verwendet Carmen Winter neben bekannten Märchenmotiven wie zum Beispiel "die jüngste von vielen Geschwistern" auch neue, moderne Handlungssegmente. So hat die Gärtnerin einen unehelichen Sohn und insgesamt eine eher unmärchenhafte Vergangenheit.

Wie von Märchen gewohnt haben die Figuren keine Namen, wodurch König und Gärtnerin zwei Idealgestalten und Sinnbilder bleiben, die man als Leser kritisch und objektiv betrachten kann. Man bekommt die Chance zu erkennen, dass nicht alles ideal ist, was anfangs so scheint. Vor allem der König hat in diesen Geschichten seine Fehler, ist weltfremd, kurzsichtig und naiv. Manchmal zeigt er sich auch unfähig zu lernen oder bringt nicht den nötigen Willen dazu auf, tut es als unwichtig ab.
Das ist auch der Grund, warum mich nicht alle Märchen begeistern konnten, manche lösten bei mir sogar ein Stirnrunzeln aus. Jedes der 21 Kapitel zielt darauf ab, eine Botschaft zu vermitteln und meistens gelingt der Autorin das sehr gut - es gab einige Sätze in diesem Buch, von denen ich geradezu begeistert bin. Doch da sind auch jene Kapitel, die mir - kurz gesagt - gegen den Strich gehen. Ein Beispiel: Der König bekommt alles was er will, unter anderem auch die Gärtnerin, und muss keine Opfer dafür bringen. Was soll mir das sagen?

Was mich an "Der König und die Gärtnerin" hingegen absolut überzeugt hat, ist das Sprachgefühl der Autorin! Sie schreibt flüssig und märchenhaft, wie man sich das als Märchenfan wünscht. Am meisten begeistert hat mich der Aspekt, dass Carmen Winter Bilder für sonst nur dahingeworfene Satzbausteine und Redensarten schafft. "Gras über die Sache wachsen lassen" wird bei ihr zu einer Sache, die wahrhaftig geschieht und der Gärtnerin dabei hilft, ihren Ärger zu überwinden. Großartig!

Zum Ende kommend möchte ich noch loswerden - wie soll ich es bei diesem Cover auch unerwähnt lassen? -, dass das Buch wirklich sehr schön gestaltet wurde. Auch innen hat sich der Verlag Mühe gegeben und so ist jede linke Buchseite mit zwei stilisierten Blumen verziert.
"Der König und die Gärtnerin" ist daher nicht nur Märchen- und Kurzgeschichtenfans zu empfehlen, sondern bestimmt auch als Geschenk ein Renner.


Bewertung
Märchenhaft und bildreich geschrieben verpackt Carmen Winter in "Der König und die Gärtnerin" alltägliche Beziehungssorgen und Lebensfragen in kurze Märchen, die zum zwischendurch Genießen einladen.






Danke an: Drachenmond Verlag

30. März 2011

Elizabeth C. Bunce - A Curse Dark as Gold

[Nachdem ich das Buch grade mal wieder weiterempfohlen habe, ist mir in Zuge dessen aufgefallen, dass die Rezension dazu - bisher nur auf Amazon.de zu lesen - nach über zwei Jahren immer noch nicht auf meinem Blog zu finden ist. Das hole ich hiermit nach. ;) Man beachte bitte, ich habe das vor 2 Jahren als eine meiner ersten Rezensionen geschrieben, und das merkt man auch. Habt Nachsicht mit meinem jüngeren Ich ^^]

400 Seiten
Gebunden ca. € 12,00
Taschenbuch ca. € 8,00
ISBN 978-0439895774

Upon the death of her father, seventeen-year-old Charlotte struggles to keep the family's woolen mill running in the face of an overwhelming mortgage and what the local villagers believe is a curse, but when a man capable of spinning straw into gold appears on the scene she must decide if his help is worth the price.


Rumpelstilzchen, wer kennt dieses weltbekannte Märchen der Brüder Grimm nicht. Es hat uns doch alle in irgendeiner Weise auf dem Weg vom Kind-Sein zum Erwachsen-Werden begleitet. Den einen mehr, den anderen weniger. Aber so, wie Rmpelstilzchen in "A Curse Dark as Gold" verarbeitet wird, kennt es noch niemand!

Charlotte Miller hat alle Mühe ihre Mühle am Laufen zu halten. Auf jedes Problem folgt ein schlimmeres. Und was sie auch dagegen unternimmt, das Gerede von einem Fluch, der auf den Millers lasten soll, lässt sich nicht tilgen. Während sie versucht, auf ihre Schwester achtzugeben, ihren Onkel vom Verkauf der Mühle abzuhalten, die Liebe ihres Lebens findet und sich auf ihr erstes Kind freut, klopft dieser Fluch unerwarteterweise in Gestalt einen Männchens an ihre Tür. Es bietet ihr Hilfe an (aber nicht nur in jener Weise, die uns aus dem klassischen Märchen bekannt ist, nämlich das Stoh-zu-Gold-Spinnen), verlangt zuerst noch Preise, die Charlotte mit Müh und Not bereit ist, zu bezahlen, geht aber schließlich soweit, ihr Kind als Lohn anzusetzten.
Gut, bis hierher kennen wir das Märchen. Das ist jene Stelle, an der A Curse Dark as Gold komplett anders zu werden beginnt. Es geht nicht in erster Linie darum, den Namen des geheimnisvollen Männchens in Erfahrung zu bringen, sondern vielmehr sein Schicksal zu ergrünen und damit auch tief in Charlottes Familiengeschichte einzutauchen - woher kam der Fluch? wie kann man ihn beheben? wird sie ihr Kind und ihren Mann retten können?

Nun, es ist ein Märchen - auch wenn es hier als Roman vorliegt - und entsprechend schön ist das Ende. Nebenbei bemerkt, auch mit der Liebe wird in gewohnter Märchen-Manier umgegangen: Küsse werden beschrieben, aber nicht übertrieben aufwändig und alles weitere steht unter dem Stern der Verscwiegenheit, obwohl Charlotte (die in der Ich-Form erzählt) es nicht komplett übergeht.

Ich habe A Curse Dark as Gold genossen. In gewisser Weise erinnert es einen an die eigene Kindheit, was sehr schön ist. Vorher konnte ich nie viel mit Rumpelstilzchen anfangen - es hat mir als Kind Angst gemacht. Aber jetzt kommt es mir richtig menschlich vor, dieses Monster, das ich mir früher immer als ein schrulliges, altes Männchen vorgestellt habe, das unermüdlich um ein Feuer hüpft und hysterisch kreischt. Diese Vorstellung gibt es nicht mehr. Rumpelstilzchen ist "Mensch" geworden - in meinen Augen zumindest und das hat allein dieses Buch vollbracht.

Für Märchenfans und solche, die es noch werden wollen, ein Must-Read!

28. Dezember 2010

Andreas Schlußmeier - Grimmige Zeiten

Taschenbuch, 303 Seiten
nur noch gebraucht erhältlich
ISBN 978-3426703014

Graf Worren von Schreddershire ist verzweifelt: Sein Sohn Tristan küsst keine Jungfern und tötet auch keine Drachen, sondern schreibt Gedichte! Und das, obwohl Worren dringend eine saftige Mitgift für seinen maroden Haushalt braucht. Einzige Rettung: Die Prinzessin von Fairydale, die seit 100 Jahren schlummert und ihrem Retter Ehe und Vermögen garantiert. Also engagiert Worren den Ritter McMunro, um aus Tristan einen Helden zu machen. Blöd nur: Niemand weiß so genau, wo Fairydale liegt ...


Was ich denke ...
"Grimmige Zeiten" ist etwas gewöhnungsbedürftig. Zumindet für Leser, die sonst keine Bücher aus dem Eck der "Humoristischen Fantasy" lesen - und dazu gehöre ich ganz sicher.

Tristan, der Sohn des Grafen von Worren, ist kein märchenhafter Mustersohn. Statt Drachen zu töten verfasst er lieber Gedichte, und anstatt Jungfrauen zu retten erzählt er lieber Märchen und Geschichten. Zusammen mit dem legendären Helden McMunro und der jungen Hexe Leona macht sich Tristan nun auf den Weg, die Prinzession von Fairydale aus ihrem 100-jährigen Schlaf zu erwecken und mit ihrer Mitgift die leeren Kassen seines Vaters zu füllen. Nur ist es alles andere als einfach, aus dem verwöhnten Tristan einen Prinzessinnen befreienden Helden zu machen.

"Grimmige Zeiten" sprüht vor einem ganz gewaltig: Anspielungen. Anspielungen auf Märchen (in erster Linie), auf Legenden, sogar Anspielungen auf die Beatles sind dabei.
Was die Märchen angeht, so wird eines nach dem anderen auseinandergenommen, auf Wahrheit überprüft oder spitzfindig in die Handlung eingebaut.

Zu Rapunzel ist in "Grimmige Zeiten" beispielsweise zu lesen:
"[...] warum hat [die Hexe] sich auf ihre alten Tage damit abgequält, an Rapunzels Haaren heraufzuklettern?"
Tristan hob die Schultern "Keine Ahnung. Vielleicht war sie sehr sportlich."
"Sportlich, he? Noch was. Da sitzt dieses Kind seit Jahren im Verlies und hat nichts als Wasser und Brot. Und diese meterlangen Haare. Wie hat sie die überhaupt gewaschen? Himmelherrgott, die müssen doch total fettig gewesen sein. Glaubst du im Ernst, irgendjemand hätte an denen hochklettern können, ohne daran abzuglitschen?"
- S. 72

Die meisten dieser Anspielungen werden durchaus amüsant präsentiert und haben mich auch ein paar Mal zum Lachen gebracht, nur war mir persönlich diese unglaubliche Dichte an "witzigen" Situationen zu viel des Guten. Dieses gewollte Lustig-Sein ging mir mit der Zeit etwas auf den Sender, auch die Streitereien zwischen Tristan und Leona wirken auf mich oft sehr erzwungen.
Einer der besseren Gags ist ein magischer Berater namens Sig Fridroy, der einen Tiger als Wappentier hat.

Insgesamt hat mir "Grimmige Zeiten" einen amüsanten Nachmittag beschert, die Idee des Buches finde ich ziemlich gut, allerdings hätte es ein bisschen weniger Witz auch getan.


Bewertung
Für Leute, die gern humoristische Sachen lesen, ist das Buch sicher ein guter Griff. Das Cover ist zwar an Hässlichkeit kaum zu überbieten (finde ich), das sollte diejenigen, die der Klappentext anspricht, aber nicht vom Lesen abhalten. Von mir gibts 3,5 Blümchen.

25. Dezember 2010

Christoph Marzi - Grimm

Gebunden mit Schutzumschlag, 556 Seiten
€ (D) 17,99 | € (A) 18,50
ISBN 978-3453266612


Der Tag fängt nicht gut an für die siebzehnjährige Vesper Gold. Sie ist neu in Hamburg, in der Schule gibt es wieder Ärger, und ihre Mutter, eine weltberühmte Pianistin, hat einmal mehr keine Zeit für die temperamentvolle Tochter. Doch all das ist mit einem Mal unwichtig, als Vesper erfährt, dass ihr Vater unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Plötzlich ist ihr ein geheimnisvoller Unbekannter auf den Fersen und in der Post findet sie einen Brief ihres Vaters, der einen Ring, einen Schlüssel und eine Warnung enthält: "Hüte dich vor den Wölfen und dem, was ihnen folgt."


Was sich hinter diesem Satz verbirgt, erfährt Vesper schneller, als ihr lieb ist: Immer unheimlichere Dinge geschehen in der Stadt, Wölfe tauchen auf und alle Kinder fallen in einen rätselhaften Tiefschlaf. Auf der Suche nach Antworten trifft Vesper auf den Studenten Leander Nachtsheim, der wie sie einen uralten Schlüssel bei sich trägt. Verfolgt von düsteren Wesen betreten die beiden eine Welt, in der Geschichten lebendig zu werden scheinen. Eine Welt, die sie verstehen müssen, bevor sich die Gegenwart auf ewig verändert: Denn das, was die Brüder Grimm einst mit Worten zu bannen suchten, ist aufs Neue erwacht ...


Was ich denke ...
Lust auf eine eigensinnige, vorlaute Heldin, die genau weiß, was sie will? Vesper Gold ist 17 Jahre alt, von Schule hält sie nicht besonders viel, dafür ist sie umso begeisterter von ihrem Job als Schneiderin in einem kleinen Theater. Als Tochter berühmter Eltern hat sie es nie einfach gehabt, doch als diese Eltern - die einzige Familie, die sie nach dem Selbstmord ihrer Schwester noch hatte - auf brutale Weise ermordet werden und Vesper erfährt, dass sie Mitglieder einer geheimen Gesellschaft waren, bricht für sie die Welt zusammen.

Auf den ersten Blick scheint es zwar nicht so, doch Christoph Marzi macht es seinen Lesern in "Grimm" wirklich einfach, die Heldin zu mögen. Vesper ist zwar kein "Mädchen von nebenan", aber gerade ihre zeitweise Anti-Einstellung macht sie für die jungen Leser von heute sympathisch.
Leander, dem Vesper während ihrer Suche nach Antworten begegnet, ist da gänzlich anders gestrickt. Schon allein sein Kleidungsstil ist, naja, schräg: ein Tweedjackett, eine Fliege um den Hals, die unvermeidliche Haartolle, die ihm in die Stirn hängt. Schräg, aber liebenswürdig.

Wie von Marzi gewohnt gibt es nie Stillstand in der Handlung. Es dauert zwar eine Weile, bis die Brüder Grimm überhaupt genannt werden, doch ihre Märchen tauchen schon in den ersten Seiten auf - besonders Rotkäppchen ist sehr präsent. Und überhaupt passieren immer mehr seltsame Dinge in Hamburg und der ganzen Welt. Vesper wird von Wölfen verfolgt, alle Kinder schlafen mitten am Tag zur selben Zeit ein, ihre Eltern träumen in der Nacht darauf von der gleichen geheimnisvollen Stimme. Schließlich bekommt Vesper ein Paket ihres toten Vaters, das einen Ring, einen Schlüssel und eine Warnung enthält.

Nach und nach tauchen all diese mysteriösen Geschehnisse in der Handlung auf, eine derartige Masse an Informationen und Mutmaßungen, dass man sich zu fragen beginnt, wie das alles am Schluss zusammenpassen kann. Ohne zu viel zu verraten: Das kann es tatsächlich! Und das auch noch äußerst elegant.

Insgesamt beginnt "Grimm" etwas langsam, mich hat die Geschichte erst ab Seite 200 so richtig gepackt. Loswerden möchte ich aber auch, dass es ein Buch zum Genießen ist. Marzis Schreibstil ist wirklich einzigartig - zumindest ist mir noch kein Autor unterkommen, der ähnlich blumig schreibt und trotzdem nie den Gripp zur Wirklichkeit verliert.
Marzi hat eine ganze Menge Märchen eingebaut (und auch Seitenhiebe auf zum Beispiel Goethes Faust kommen nicht zu kurz), darüber hinaus sprüht "Grimm" geradezu von verstecken Märchenmotiven. Vesper beispielsweise versteckt sich in einer Standuhr vor dem bösen Wolf und Leander zaubert - wie es eben seine schräge Art ist - bei jeder Gelegenheit Äpfel aus seinen Taschen hervor.

Zusammen mit Vesper, Leander und dem Sandmann Jonathan Anderson begibt sich der Leser in Marzis neuestem Roman auf eine abenteuerliche Suche nach den Mythen, die die Brüder Grimm vor beinahe 200 Jahren auf die Seiten ihrer Märchenbücher bannten. Es gilt die Kinder zu retten, die, wie schon einmal in der Vergangenheit, von den Mythen gestohlen wurden. Ein etwas anderer Ausflug in die Welt der Märchen, aber einer, der sich vom "Es war einmal ..." bis zum "... bis ans Ende ihrer Tage." wirklich auszahlt.


Bewertung
Marzi-typisch ist "Grimm" durch das zeitliche Setting im Buch geradezu perfekt für die kalte Jahreszeit - besonders wenn außen der Schneesturm tobt. Für Marzi-Fans ein Must, für Märchen-Fans auch, und für alle anderen ein Buch, dass ich euch nur ans Herz legen kann.






Herzlichen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!

15. August 2010

Alex Flinn - Beastly

Gebunden mit Schutzumschlag, 329 Seiten
€ (D) 12,99 | € (A) 13,40
ISBN 978-3833938443

Klappentext
Kyle Kingsbury ist eine Bestie. Nachts streift er durch New York - ein hässliches Monstrum. Doch Kyle war nicht immer so. Früher hätte jeder gern mit diesem gutaussehender, intelligenten und bei Mädchen beliebten Kerl getauscht. Doch er war auch arrogant, eingebildet und überheblich. Zur Strafe wurde er verflucht und muss nun als grässliche Biest durch die Stadt laufen. Jetzt kann nur noch die Liebe diesen Fluch brechen. Wird Kyle erlöst werden?

"Ich bin eine Bestie. Eine Bestie. Kein Wolf oder Bär, kein Gorilla oder Hund, sondern eine entsetzliche Kreatur mit aufrechtem Gang - ein Wesen mit Reißzähnen und Klauen. Aus jeder Pore sprießen mir Haare. Ich bin ein Monster. Du glaubst wohl, ich erzähle Märchen? Falsch. Ich lebe in New York. In der Gegenwart. Ich bin keine Missbildung, bin nicht krank. Aber ich werde für immer so bleiben, es sei denn, die Liebe kann den Fluch brechen ..."


Inhalt
Kyle Kingsbury ist gutaussehend, reich, in den Augen der meisten Mädchen schlicht und einfach perfekt. Doch so attraktiv sein Äußeres ist, so grausam und "biestig" ist sein Inneres. In seiner Überheblichkeit treibt es Kyle schließlich so weit die Hexe Kendra zu verärgern.

Als Strafe - und weil sie hofft, dass er so lernt, ein besserer Mensch zu sein - verwandelt sie Kyle in ein haariges Ungeheuer. In ein Biest mit Klauen und Fangzähnen. Doch sie lässt ihm einen Ausweg offen. Wenn er es innerhalb von zwei Jahren schafft, ein Mädchen zu finden, das ihn lieben kann, und das auch er von ganzem Herzen liebt, wird der Fluch von ihm genommen.

Von seinem Vater, einem bekannten Fernsehsprecher, abgelehnt, fristet Kyle von nun an sein Dasein in einem leeren Haus mitten in Brooklyn. Er vereinsamt immer mehr.
Erst als der blinde Lehrer Will in sein Leben tritt und Kyle seine Leidenschaft für Rosen entdeckt, beginnt er wieder Hoffnung zu schöpfen. Lindy, ein Mädchen aus armen Verhältnissen, soll seinen Fluch brechen.


Meinung
Ich habe schon bei der Rezension zu "A Kiss in Time" erwähnt, dass es schwierig sein kann, gute Märchenneuinterpretationen zu finden. "A Kiss in Time", das sich bei Dornröschen bedient, gehört absolut nicht in diese Kategorie. Trotzdem habe ich mich überzeugen lassen, der Autorin mit "Beastly" nochmal eine Chance zu geben. Und siehe da: Gut, dass ich nachgegeben habe!

Die Handlung von "Beastly" - angelehnt an das klassische Märchen "Die Schöne und das Biest" - ist in 6 Teile gegliedert, deren Überschriften wie aus einer anderen Zeit wirken. Teil 1 heißt beispielsweise "Der Prinz und die Hexe", Teil 2 "Die Bestie", Teil 3 "Das Schloss". Die Geschichte selbst spielt allerdings im heutigen New York. Sowohl "die Schöne" als auch "das Biest" sind Teenager, wie es sie tatsächlich geben könnte.

Kyle erzählt in der Ich-Perspektive, es fiel mir daher sehr leicht, mich in ihn hineinzuversetzen und zu verstehen, was in ihm vorgeht. Sein Charakter ist von Anfang an glaubhaft, gerade weil er so überheblich und völlig von sich eingenommen ist.
Nach den Kapiteln, die von Kyle erzählt werden, sind immer am Ende eines Buchabschnitts Auszüge aus einem Chat für "ungewollte Gestaltänderungen" eingefügt. Hier trifft Kyle unter dem nickname "BeastNYC" auf einen Prinzen, der in einen Frosch verwandelt wurde, eine Meerjungfrau, die sich überlegt, ihre Stimme gegen ein paar Beine einzutauschen, und auf einen Bären, der sich nicht zwischen den Mädchen Scheeweißchen und Rosenrot entscheiden kann.
Gerade diese Auszüge aus dem Chatroom haben mich grandios unterhalten. Aber auch Kyles blinder Privatlehrer Will hat mir ein paar Mal ein Schmunzeln, einmal sogar ein lautes Auflachen beschert.

Kyles Gefühle werden, wie ich finde, sehr nachvollziehbar beschrieben. Sein berühmter Vater ist entsetzt als er von Kyles Verwandlung erfährt und schleppt ihn augenblicklich zu einer ganzen Reihe von Ärzten - von denen ihm natürlich keiner helfen kann. Trotzdem finde ich diese Reaktion nur logisch, ein Mensch des 21. Jahrhunderts würde eben versuchen, das ganze erst Mal von der medizinischen Seite zu sehen.
Um seinen Ruf besorgt steckt Kyles Vater seinen Sohn schließlich in ein großes Haus mit Sicherheitstüren und Überwachungskameras, um ihn vor der Außenwelt zu schützen. Dort vereinsamt Kyle immer mehr. Gerade diese Zeit fand ich sehr schön beschrieben, und ich habe mich ungemein für Kyle gefreut, als er sich endlich aufgerafft und sein Leben wieder in die Hand genommen hat.

Ausgehend von dieser Situation ist "Beastly" schließlich ziemlich genau an die Originalhandlung des Märchens angelehnt.
Lindys Vater bricht in Kyles Haus ein. Er ist Drogenabhängig und deshalb bereit, seine Tochter im Austausch gegen Kyles Verschwiegenheit der Polizei gegenüber zu ihm zu bringen. Kyles Bemühungen, es Lindy so schön wie möglich zu machen, fand ich direkt rührend. Er will von Lindy akzeptiert werden, die Hoffnung, von ihr geliebt zu werden, gibt er jedoch schon bald wieder auf.
Kyles innerliche Veränderung ist dabei auf beinahe jeder Seite zu spüren, er wird langsam zu einem Menschen, den es sich zu lieben lohnt.

Fazit: "Beastly" ist bei weitem besser als "A Kiss in Time"!


Bewertung
Märchenneuinterpretationen sind schwierig. Mit "Beastly" ist es Alex Flinn jedoch gelungen, eine durch und durch glaubhafte, moderne, bezaubernde Neufassung von "Die Schöne und das Biest" vorzulegen. Für Jugendliche jeden Alters sehr empfehlenswert!







Herzlichen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars an Baumhaus / Bastei Lübbe!

16. Mai 2010

Polly Shulman - Die geheime Sammlung

Klappentext
"Ich bin kein Mädchen, das glaubt, dass die Wirklichkeit wie ein Märchen ist. Aber als ich den Spiegel sprechen hörte, da wusste ich, dass ich mir das nicht eingebildet hatte. Das war Zauberei!"

Es ist nicht leicht, eine Außenseiterin zu sein. Doch dann bekommt Elizabeth einen Aushilfsjob in einem besonderen Museum, dem Repositorium der Verleihbaren Schätze, in dem man Kunst und Krempel, Wertvolles und Verrücktes ausleiehn kann.
In den gehiemnisvollen Lagerhallen findet Elizabeth endlich echte Freunde, die bereit sind, mit ihr durch dick und dünn zu gehen. Und die braucht sie dringender, als sie geahnt hat - den verborgen im Keller gibt es noch eine geheime Sammlung, deren Schätze ungewöhnliche Kräfte haben ...


Inhalt
Elizabeth Rew fällt es sehr schwer, sich in der neuen Schule einzugewöhnen, nach drei Monaten hat sie noch immer keinen einzigen Freund gefunden.Doch dann vermittelt ihr ihr Gemeinschaftskunde-Lehrer einen Job im New Yorker Respositorium der Verleihbaren Schätze, ein Ort, an dem man auf die wundersamsten Dinge stoßen kann.

Elizabeth findet immer mehr Gefallen an ihrer neuen Arbeit und freundet sich auch bald mit Anjali und Marc an, einzig Aaron geht ihr ziemlich auf die Nerven.
Was aber noch viel wichtiger ist: Im Keller des Respositoriums findet sich eine ganz außergewöhnliche Sammlung, die auf die Gebrüder Grimm zurückgeht. Dort werden magische Dinge aufbewahrt, Dinge, die in den Märchen vorkommen wie der Spiegel von Schneewittchens Stiefmutter und die Siebenmeilenstiefel.

Etwas Seltsames scheint mit dieser Sammlung vorzugehen, denn immer mehr Schätze verlieren ihre magische Kraft. Elizabeth und ihre neuen Freunde stürzen sich in ein Abenteuer, in dem sie nicht nur ihren Orientierungssinn verliert und beinahe von einer Ratte gefressen wird, sondern sich auch zum ersten Mal verliebt.


Meinung
Ich mag Märchen, Märchen sind super. Deshalb war es ja klar, dass ich "Die geheime Sammlung" unbedingt lesen musste. Schlussendlich hat mich das Buch aber leider nicht so ganz überzeugen können.

Angefangen hat das schon auf Seite 15, als ich das erste Mal über einen völlig offensichtlichen Fehler gestolpert bin. Elizabeth verschenkt auf der ersten Seite der Geschichte ihre Schuhe an eine Obdachlose, dann wird erzählt, dass sie über die Weihnachtsferien einen Aufsatz über die Gebrüder Grimm schreiben muss. Nach den Ferien spricht sie mit ihrem Lehrer darüber und der sagt dann: "Ich erinnere mich, gestern [!!] gesehen zu haben, wie du deine [Schuhe] verschenkt hast."
Sowas ärgert mich einfach, weil es wirklich vermeidbar wäre.

Die Charaktere des Buches fand ich einigermaßen sympathisch, obwohl sie oft sehr stereotypenhaft daherkommen. Elizabeth wird beispielsweise als die "arme Neue ohne Freunde mit dem Herz am richtigen Fleck" präsentiert. Im Grunde ist das schon in Ordnung so, beweist für mich aber, dass das Buch einzig für jüngere Leser geschrieben wurde - darauf komme ich später noch einmal zurück.

Die Sprache ist an sich sehr flüssig zu lesen, aber die Personen machen teilweise unlogische, sinnlose oder gar unrealistische Bemerkungen. Es wird außerdem sehr viel wiederhohlt, das hat mich aber nicht sonderlich gestört.

Noch loswerden muss ich auf jeden Fall, dass mir die Idee mit dem Grimm Sammelsurium, in dem sich all die Gegenstände aus den bekannten Märchen befinden, sehr gefällt! Es werden eine ganze Menge Mächen erwähnt, auch solche, an die ich schon ewig nicht mehr gedacht habe wie zum Beispiel "Jorinde und Joringel". Es ist immer wieder nett, an diese wundervollen Geschichten erinnert zu werden.
Auch die Gestaltung des Buches sagt mir außerordentlich zu - besonders deshalb eignet sich "Die geheime Sammlung" sicher sehr gut als Geschenk.

Ich lese unheimlich gerne Jugendbücher aller Art, und zwar deshalb, weil ich meistens das Gefühl habe, sie hätten diesen Unterton, der sie auch für erwachsene Leser lesenswert macht - am besten sind doch die Bücher, die man immer und immer wieder lesen kann und je älter man wird, desto mehr entdeckt man.
Diesen Eindruck hat "Die geheime Sammlung" leider nicht bei mir hinterlassen. In meinen Augen ist es eine wunderbare Geschichte, aber eben nur für 10- bis 12-Jährige. Deshalb werde ich das Buch auch an meine kleine Cousine weitergeben, die mit Sicherheit mehr mit Elizabeth und ihren Abenteuern anfangen kann als ich. (Nutz ja nichts, wenn das Buch bei mir im Regal verstaubt. Bücher müssen gelesen werden.)


Bewertung
Die Idee ist super - aber in meinen Augen ist das Buch nichts für Jugendliche oder Erwachsene, sondern wurde für Kinder bis 12 Jahren geschrieben. Mein Eindruck schwankt zwischen 2 und 3 Blümchen, wegen der schönen Gestaltung lasse ich mich zu 3 Blümchen hinreißen.






Herzlichen Dank an den PAN-Verlag!

17. April 2010

Gail Carson Levine - Ella Enchanted

Klappentext
At her birth, Ella of Frell was given a foolish fairy's gift - the "gift" of obedience. Ella must obey any order given to her, whether it's hopping on one foot for a day or chopping off her own head!
But strong-willed Ella does not tamely accept her fate. She goes on a quest, encountering ogres, giants, wicked stepsisters, fairy godmothers, and handsome princes, determined to break the curse - and live happily ever after.


Inhalt
That fool of a fairy Lucinda did not intend to lay a curse on me. She meant to bestow a gift. When I cried inconsolably through my first hour of life, my tears were her inspirations. Shaking her head sympathetically at Mother, the fairy touched my nose. "My gift is obedience. Ella will always be obedient. Now stop crying, child."
I stopped

Behütet von ihrer Mutter Eleonore und der Hausfee Mandy wächst Ella von Frell behütet auf, doch schon bald muss sie erkennen, dass es nicht klug ist, den Menschen von ihrem Fluch zu erzählen. Es ist außerdem der letzte und beinahe einzige Befehl, den ihre Mutter ihr je gegeben hat.
Nach ihrem Tod wird das Leben für Ella alles andere als leichter, obwohl sie Bekanntschaft mit dem Prinzen Char macht, mit dem sie schon bald eine tiefe Freundschaft verbindet.

Doch dann beschließt Ellas heimgekehrter Vater, dass es angebracht ist, seine Tochter an eine "finishing school" zu schicken, wo sie lernen soll, sich in Gesellschaft anständig zu benehmen. Begleitet wird sie von ihrem zukünftigen Stiefschwestern Hattie und Olive, dich zu Ellas Schrecken viel zu bald erkennen, dass sie jeden - aber auch wirklich jeden - Befehl befolgen muss.
Besonders Hattie nützt das gnadenlos aus, bis Ella den Beschluss fasst, wegzulaufen um nach der Fee Lucinda zu suchen. Ella muss diesen Fluch so schnell wie möglich loswerden und Lucinda scheint ihr da die naheliegenste Lösung ...


Meinung
Wie schon erwähnt, habe ich mir dieses Buch zugelegt, weil ich den gleichnahmigen Film mit Anne Hathaway und Hugh Dancy großartig finde. Und das Buch ist auch genau nach meinem Geschmack! Obwohl es mit dem Film an und für sich gar nicht so viel zu tun hat wie man meinen könnte.

Die Unterschiede zwischen Buch und Film aufzuzählen wäre müßig, ich werde es also bei einem Absatz belassen:
Der Film "Ella - verflixt & zauberhaft" erzählt in märchenhafter, sehr humorvoller Manier von Ellas Reise zu einer Riesenhochzeit, auf der sie von Prinz Char und dem Elfen Slannon begleitet wird. Insgesamt ist der Film eher auf modern gemacht, mit passenden musikalischen Einlagen und entsprechendem Soundtrack.
All die Personen, die im Film vorkommen, tauchen auch im Buch auf - aber oft in völlig anderer Weise. Von der Handlung her haben die beiden außer der Grundidee mit dem Fluch der Gehorsamkeit kaum etwas gemeinsam und trotzdem finde ich beide absolut lesens- bzw. sehenswert!

Das Buch "Ella Enchanted" (von dem es zwar eine deutsche Ausgabe mit dem Titel "Ella, verzaubert" gibt, die aber schon lange nicht mehr original erhältlich ist) besticht vor allem durch die Protagonistin Ella, die trotz ihres Fluches nicht aufgibt und immer versucht, das Beste aus einer Situation zu machen.
Ihr männlicher Gegenpart Prinz Char ist nicht weniger natürlich und als Charakter einfach liebenswert - vor allem wenn man das Bild von Hugh Dancy dazu im Kopf hat. ;-)

Die Handlung im Buch erstreckt sich grob überschlagen über 2 Jahre. Ella wächst von einem 15-jährigen Kind zu einer jungen Dame heran und entdeckt wie Char die Liebe zum jeweils anderen. Das ist in etwa auch die Zeit, in der sich die Handlung in Richtung Cinderella / Aschenputtel zu entwickeln beginnt, wobei die Autorin eindeutig die amerikanische Version inklusive Kürbis-Kutsche und Mäuse-Pferden bevorzugt.

Das Ende der Geschichte kommt zwar schnell, ist aber in meinen Augen wunderbar gelungen und findet einen geradezu großartigen Abschluss wie es sich für ein richtiges Märchen gehört.
Empfehlen kann ich dieses Buch deshalb all jenen, die magische Geschichten und Happy Ends mögen und sich gern in zauberhaften Welten versetzten lassen!

Da das Buch nur schwer auf Deutsch erhältlich ist, noch ein kurzes Wort zu Sprache und Verständlichkeit: Ich fand das Englisch des Buches sehr leicht, es besticht durch eher kurze Sätze, sodass es meiner Meinung nach auch sehr gut für Leser geeignet ist, die sich erst an die englischsprachigen Bücher herantasten.

"Ella Enchanted" ist übrigens ein "Newbery Honor Book". Die Newbery-Medal ist in den USA ein sehr angesehener Preis für Kinder- und Jugendliteratur, der jährlich vergeben wird. Pro Jahr gibt es einen Gewinner und 3 bis 5 (soweit ich das erkennen konnte) "Honor"-Preisträger. Auf jeden Fall eine gewaltige Auszeichnung!


Bewertung
Ich habe "Ella Enchanted" an einem Nachmittag gelesen und fand es sowas von liebenswert. Die Charaktere, die Handlung, alles hat mich für sich eingenommen. Uneingeschränkte Empfehlung!

27. März 2010

Ingrid Ganß - Der Spielmann

Klappentext
"Ein König hatte eine Tochter, die war über alle Maßen schön, aber dabei so stolz und übermütig, dass ihr kein Freier gut genug war. Sie wies einen nach dem andern ab..."

Ein Fürstentum in deutschen Landen: Der stolzen, schönen Fürstentochter Elisabeth ist kein Heiratskandidat gut genug. Eigenwillig wehrt sie sich gegen die Pläne ihres Vaters. Bis dieser die Geduld verliert und schwört, sie mit dem ersten Mann zu vermählen, der um ihre Hand anhält. Dies ist zwar ein dahergelaufener Spielmann, doch widerwillig muss der Fürst von Messelstein seinen Schwur einlösen. Elisabeth folgt dem Musikanten Jakob in eine ihr völlig fremde Welt, in ein einzig großes Abenteuer ...

Der Roman basiert auf dem Märchen von König Drosselbart – bietet aber eine ungewöhnlich aktuelle Fassung des Stoffes, die beim Lesen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

„Aus der alten Erzählung wurde eine spannende Geschichte um Mut, Emanzipation und um die persönliche Entwicklung zweier Menschen, die voneinander lernen, Vorurteile über unterschiedliche Lebenswelten abzubauen und gegenseitige Achtung erlangen.“ Fuldaer Zeitung


Inhalt

Elisabeth, die Prinzessin von Messelstein, hat ein Privileg, das kaum einer Fürstentochter zugestanden wird. Ihr Vater erlaubt ihr, sich selbst einen Mann auszusuchen, doch immer wieder, jedes Mal wenn der Fürst ihr einen Heiratskandidaten schmackhaft machen will, weißt sie ihn ab. Insgeheim plant Elisabeth, niemals zu heiraten, doch das kann sich ihr Vater nicht gefallen lassen und stellt ihr ein Ultimatum: Bei einem Maskenball soll sie sich alle Heiratskandidaten noch einmal besehen und am nächsten Tag ihre Wahl treffen. Ansonsten trifft ihr Vater diese Wahl - und Elisabeth ahnt, dass sie dann unweigerlich in das Bett eines alten Herzogs (älter noch als ihr Vater) gedrängt würde.

Am Tag des Balles trifft Elisabeth zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mit ihren Freundinnen zusammen. Fast alle sind bereits verheiratet oder kurz davor, aber nur wenige haben angenehme Dinge von den ehelichen Pflichten zu erzählen. Elisabeth sieht sich lediglich in ihrem Wunsch, eine alte Jungfer zu werden, bestätigt.

Also fasst sie einen wahnwitzigen Plan: Sie will alle heiratswilligen Männer bloßstellen, ihnen endlich ihre Meinung sagen, sodass kein einziger mehr auch nur daran denkt, sie zur Frau zu nehmen.
In einer Reihe lässt Elisabeth die Männer - jung, alt, dick, dünn, vermögend, nicht so vermögend - antreten, nach dem Stand geordnet. Am Ende wendet sie sich dem König von Reupen zu, von dessen Mutter behauptet wird, sie wäre eine Bäuerin gewesen. Und als nichts anderes beschimpft sie den jungen König: Statt ihm könne sie genausogut einen ihrer Stallburschen zum Manne nehmen.

In diesem Moment beendet Elisabehts Vater wutentbrannt das Schauspiel und schwört vor allen Anwesenden, dass sie auf den Tag genau in einem Monat heiraten würde. Und zwar den erstbesten Mann, der vor der Tür steht und um ihre Hand bittet.
Bis zum letzten Tag ihrer Frist kann Elisabeth nicht glauben, dass es der Vater ernst meint, doch als an eben jenem Morgen ein junger Spielmann mit seiner Laute im Frühstückszimmer steht weiß sie, dass der Fürst sein vor versammelter Gesellschaft gegebenes Wort nicht brechen kann.
Im Glauben, man würde sie spätestens zu Mittag wieder zurück geholt haben, vermählt sich Elisabeth in einer schlichten Zeremonie mit dem Gaukler und lässt sich nur mit dem Habe, das sie am Leib trägt, aus ihren Schloss führen.

Der junge Spielmann, Jakob, führt sie immer weiter fort von Messelstein, zwingt sie, in einem Heuschober zu schlafen, mit Zigeunern zu Essen, ihr kostbares Kleid zu verkaufen. Erst langsam wird sich Elisabeth bewusst, wie erst ihre Situation ist. Doch da sind sie schon in Reupen, leben in einer schäbigen Hütte im Wald außerhalb der Stadt und kämpfen beinahe jeden Tag ums Überleben.


Meinung
Mittlerweile dürften die meisten von euch wissen, dass ich Märchen einfach toll finde. Sowohl neu geschriebene wie Keturah - Gefährtin des Todes, als auch bekannte Märchen, die nacherzählt werden.

Mit "Der Spielmann" hat Ingrid Ganß einen Roman vorgelegt, der vom Handlungsablauf her direkt auf "König Drosselbart" zurückgeht. All die Vorkommnisse hat die Autorin aufgebauscht, den kleinsten Sätzen im Märchen Leben eingeflößt und herausgekommen ist ein Buch, das ich, hätte ich die Zeit dazu gehabt, in einem durch gelesen hätte. Mehr noch: "Der Spielmann" ist mein erklärtes neues Lieblingsbuch! Hiermit offiziell. ;)

Ich weiß gar nicht, was ich zuerst erzählen soll von diesem wunderbaren Buch. Katha hat in ihrer Rezension zu Splitterherz geschrieben, sie wisse nicht, ob sie dem Buch mit ihrer Rezension gerecht werden könne. Und genau dieses Gefühl quält mich im Moment. Es ist einfach sehr schwierig in Worte zu fassen, aber ich versuchs mal.

Die Charaktere, besonders Elisabeth und Jakob, aber auch alle anderen die eine mehr oder weniger große Rolle spielen, sind sowas von lebendig, dass ich geglaubt habe, neben ihnen her über die Wiesen zu gehen.
Elisabeth, die für ihre Zeit sehr fortschrittlich denkt, hat Angst vor der Ehe, versteckt diese Angst aber unter einer Farce aus Stolz und Eigenwilligkeit. Sie sieht sich als ein Spielzeug der Männer, zuerst von ihrem Vater bevormundet, hernach von ihrem zukünftigen Ehemann.
Als sie dem Spielmann Jakob zur Frau gegeben wird, muss sie mit nichts als einem Kleid und einem Mantel bekleidet ihr Leben hinter sich lassen. Die Welt außerhalb ihrer schützenden Schlossmauern ist ihr so gänzlich fremd, sie muss lernen, wie man Feuer macht und einen Hirsebrei kocht - all die "niedrigen" Aufgaben erledigen, an die sie früher nicht einmal einen Gedanken verschwendet hat. Doch am meisten fürchtet sie sich vor den Zudringlichkeiten des Spielmanns, der sie jedoch zu ihrer Überraschung nach den ersten Versuchen, ihr nahe zu sein, in Frieden lässt.

Jakob. Der Spielmann. Der Gaukler. Ein junger Mann, der, seine Laute auf den Rücken geschnallt, durch die Lande zieht, auf Festen spielt und sich so sein Brot verdient. Er kritisiert die Mächtigen und Reichen, beschuldigt sie der Prasserei und des Machtmissbrauchs.
Schon daran sieht man, wie gegensätzlich Elisabeth und Jakob sind. Fast täglich prallen ihre Meinungen vom Leben und von der Liebe aufeinander, während beide versuchen, mit dem jeweils anderen zurecht zu kommen. Die Vorurteile, die engstirnigen Sichtweisen, die beide von der Welt des anderen haben, bauen sich mit der Zeit ab, während Elisabeth und Jakob erkennen, dass man nicht alles, was in der Welt geschieht, lenken kann.

Die Handlung gleicht, wie schon erwähnt, der des Märchens vom "König Drosselbart". Immer wieder kamen mir in "Der Spielmann" dabei Sätze unter, die sogar direkt aus dem Märchen stammen.
Ingrid Ganß hat es geschafft, eine wenige Seiten zählende Erzählung auf einen 600-Seiten-Roman auszuweiten, der Handlung Tiefe zu geben, die Charaktere wie kaum eine andere Autorin hervorzukehren, ihnen wahrhaftig Leben einzuflößen. Und dann ist das ganze auch noch glaubhaft dargebracht und fasziniert von der ersten bis zur letzten Seite.
Nicht einmal habe ich gedacht, eine Stelle wäre langweilig oder unnötig. Nicht ein einziges Mal habe ich genervt die Augen verdreht oder das Buch zugeklappt, weil es grade zu anstrengend war. Im Gegenteil: Wenn mich beim Lesen jemand angesprochen hat, habe ich zuerst gar nicht reagiert und dann, wenn es wirklich sein musste, nur sehr wiederwillig aufgesehen.

Ist es da verwunderlich, dass ich noch während ich das Buch nach der letzten Seite geschlossen habe bereits am Computer saß, um die Fortsetzung zu bestellen? "Der König" ist erst vor wenigen Wochen erschienen - Ingrid Ganß hat sich also an die 10 Jahre Zeit gelassen mit ihrem neuen Roman - und ich brenne darauf zu lesen, wie es mit Elisabeth und Jakob weitergeht!


Bewertung
Dieser Roman sprengt mein Bewertungsschema. Ich kann nur 5 Blümchen vergeben, dabei hätte "Der Spielmann" sehr viel mehr verdient! Selten zuvor war ich derart begeistert von einem Buch! :D

26. Februar 2010

Martine Leavitt - Keturah, Gefährtin des Todes

Klappentext
"Eine Geschichte von Zauberei und Liebe, von Tod und Tapferkeit, und eine, die das Herz wärmt. Es wird die wahreste Geschichte sein, die ich je erzählt habe."

Die junge Keturah hat sich im Wald verirrt. Sie ist dem Tode nah - und der steht mit einem Mal leibhaftig vor ihr: dunkel, schön und dazu bereit, über Keturahs Schicksal zu verhandeln. Gelingt es Keturah, innerhalb eines Tages die große Liebe zu finden, von der sie in ihren Geschichten immer erzählt, darf sie leben. Keturah macht sich auf die Suche nach dieser Liebe. Aber wird sie es schaffen, den Einen, den Richtigen zu finden und dem Tod zu entkommen?


Inhalt
Ein kleines mittelalterliches Dorf im äußersten Winkel des Königreichs. Vom Rest des Reiches verachtet, schmutzig, die Bewohner in mehrfach geflickten Lumpen gekleidet. Doch Keturah liebt ihr Dorf und würde alles dafür tun. Keturah, die Geschichtenerzählerin.

Als Keturah 16 Jahre alt ist erblickt sie plötzlich den Hirsch, der den Jägern ihres Dorfes schon seit Jahren immer wieder entwischt. Sie selbst hat viele Geschichten über ihn erzählt und so folgt sie ihm, nur um sich wenige Stunden später vollkommen verirrt zu haben. Sie weiß, dass sie sterben wird und es dauert nicht lange, da steht der Tod in Gestalt einen stattlichen jungen Mannes vor ihr.

Keturah versucht ihn umzustimmen, ihn davon zu überzeugen, dass sie viel zu jung zum Sterben ist und schließlich tut sie das, was sie am besten kann: Sie erzählt Gevatter Tod eine Geschichte.
Doch diesmal ist es anders, denn Keturah erzählt ihre eigene Geschichte von der Suche nach der einen großen Liebe, die sie noch nicht gefunden hat. Weil sich Keturah weigert, dem Tod das Ende der Geschichte zu erzählen, gewährt er ihr noch einen Tag, um ihre große Liebe zu finden. Wenn sie dies schafft, so darf sie leben.

Zusammen mit ihren Freundinnen Beatrice und Greta macht sich Keturah auf die Suche. In ihrer Verzweiflung wagt sie sich sogar zur Dorfhexe Sor Lily, die ihr einen Zauber gibt, mit dem sich der Eine finden lässt.
Doch noch etwas anderes bedrückt Keturahs Herz, etwas, das sie ihren Freundinnen nicht erzählen kann. Der Tod hat ihr verraten, dass die Pest nicht weit ist und ihr Dorf schon in Kürze heimsuchen wird. Sie spinnt einen Plan, das Dorf schöner zu gestalten, was alles andere als einfach ist, weil sich schon bald herumgesprochen hat, dass Keturah, die Geschichtenerzählerin, mit dem Tod im Bunde ist.


Meinung
"Keturah" ist ein Märchen - sowohl sprachlich als auch was die Handlung anbelangt - und als solches von Anfang bis Ende schlüssig, wundervoll, träumerisch. Dass es sich hierbei um ein Märchen handelt, sollte man wohl besser wissen, bevor man das Buch überhaupt aufschlägt.

Die Sprache von "Keturah" zeichnet sich vor allem durch die kurzen bis mittellangen Sätze aus, die das Geschehen auf den Punkt bringen. Keine langen Erklärungen warum oder warum gerade so etwas passiert, es geschieht eben. Außerdem ist die Geschichte sehr fließend geschrieben und obwohl keine außergewöhnlichen Wörter verwendet werden hatte ich doch das Gefühl, etwas Wunderschönes zu lesen.
Einzig die Ich-Perspektive, die man bei Märchen sonst nicht findet, tanzt ein bisschen aus der Reihe. Diese Erzählperspektive ist aber in diesem Fall sehr passend, weil Keturah dem Leser ihre eigene Geschichte erzählt.

Was die Handlung anbelangt, so gibt es mehr als genug Aspekte, die an ein Märchen erinnern.
Zum einen ist da ein schönes junges Mädchen, das nach der Liebe sucht - das allein schon füllt ganze Märchenbücher. Zum anderen die Hexe und der Tod, beides Figuren der "bösen" Sparte, die aber in "Keturah" auch ihre guten Seiten offenbaren. Sowohl die Hexe als auch der Tod sind bereit, Keturah zu helfen - die eine mit Liebeszaubern, der andere mit Aufschub ihres Todes -, jedoch nicht ohne eine Gegenleistung einzufordern.
Auch die verschiedenen Geschehnisse kommen sehr märchenhaft daher. Die Verhandlungen mit dem Tod, der sich nur von den stärksten Persönlichkeiten beeindrucken lässt. Die beiden Freundinnen, die für die Rettung von Keturah selbst ihre eigene Liebe opfern würden. Keturah selbst, die von den Dorfbewohnern gemieden wird nachdem man von ihren Treffen mit dem Tod erfährt, verliert nie die Hoffnung und glaubt an das Gute in den Menschen. Am Ende wird sie dafür belohnt und geachtet.

Und, wie in Märchen üblich, das Happy End darf natürlich auch nicht fehlen.
Für den Ausgang des Buches gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten, ich war dann aber trotzdem sehr überrascht und habe eine ganze Nacht mit Nachdenken verbracht. Und ja, es war richtig so. Wenn man sich mit dem Tod einlässt hat das eben seine Folgen, das hat auch Keturah verstanden.

Ein Buch, das ich in einem Zug gelesen habe, das mich nicht losgelassen hat und noch jetzt verfolgt - das mich wahrscheinlich noch tagelang verfolgen wird. Mit jeder Seite brannte ich darauf, mehr zu erfahren, wollte wissen, wie sich Keturah retten würde, wie sie sich immer wieder aus der Schlinge zieht.
Mich hat "Keturah" vollends überzeugt.

Hinweis: Auf YouTube gibt es übrigens auch ein wunderschönes Video zum Buch (einfach nach "Keturah and Lord Death" suchen), allerdings verrät es das Ende des Buches, deshalb wäre es vielleicht ratsamer, den Clip erst nach der Lektüre anzusehen. Trotzdem wollte ich es euch nicht vorenthalten. :)


Bewertung
Eine Liebesgeschichte, eine Geschichte über Freundschaft, Magie und das Zusammenspiel von Leben und Tod. Nichts anderes als 5 Blümchen für dieses wunderschön geschriebene Buch, das ich garantiert nicht das letzte Mal gelesen habe.





Herzlichen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars dem Hanser-Verlag!

21. Januar 2010

Alex Flinn - A Kiss in Time

Klappentext
Talia fell under a spell ... Jack broke the curse.

I was told to beware the accursed spindle, but it was so enchating, so hypnotic ...
I was looking for a little adventure the day I ditched my tour group. But finding a comatose town, with a hot-looking chick asleep in it, was so not what I had in mind.
I awakened in the same place but in another time - to a stranger's soft kiss.
I couldn't help kissing her. Sometimes you just have to kiss someone. I didn't know this would happen.
Now I am in dire trouble because my father, the king, says I have brought ruin upon our country. I have no choice but to run away with this commoner!
Now I'm stuck with a bratty princess and a trunk full of jewels ... The good news: My parents will freak!

Think you have dating issues? Try locking lips with a snoozing stunner who truns out to be 316 years old. Can a kiss transcend all - even time?


Inhalt
Die Hexe Malvolia wurde nicht zur Tauffeier von Prinzessin Talia eingeladen, deshalb platz sie uneingeladen in die Feier und belegt die Prinzessin mit einem Fluch: An einer Spindel soll sie sich stechen und sterben. Eine geladene Fee kann den Fluch etwas abschwächen, Talia und das gesamte Königreich sollen lediglich schlafen, und zwar bis zu jenen Tag, an dem die Prinzessin durch den Kuss der wahren Liebe erweckt wird.

Doch niemand konnte ahnen, was für eine Wende die Geschichte nehmen würde. Jack ist 17, ein amerikanischer Teenager, der von seinen Eltern zu einer Kulturreise durch Europa verdonnert wurde. Doch die Museen sind ihm zu langweilig, also beschließt er, sich von seiner Besichtigungsgruppe zu trennen - und steht plötzlich mitten in einer schlafenden Stadt aus einer anderen Zeit.
Als er schließlich noch die wunderschöne Prinzessin aus ihrem Schlaf wachküsst ist das Chaos perfekt. Vor allem, weil sich Prinzessin Talia als eine verwöhnte Göre entpuppt.

Talias Vater sperrt Jack kurzerhand in den Kerker, doch Talia befreit ihn und verlangt dafür nur eines: Er soll sie mit sich nehmen. Nicht ganz freiwillig machen sich die beiden also auf den Weg zurück in die reale Welt und werden mit Hürden konfrontiert, die ihm Märchen von "Dornröschen" so sicher nicht vorgesehen waren ...


Meinung
Meine Erwartungen waren hoch, weil ich weiß, dass es Autoren gibt, die klassische Märchen wundervoll neuinterpretieren. Ein Paradebeispiel: "A Curse Dark as Gold" von Elizabeth C. Bunce, die sich an Rumpelstilzchen herangewagt hat und wunderbare neue Handlungsstränge hinzugefügt hat, die ohne Kollisionen mit der Originalhandlung harmonieren.
Leider kann "A Kiss in Time" nicht zu dieser Liga gezählt werden. Aber nun mal schön der Reihe nach ...

Die Charaktere:
Sowohl Talia und Jack sind mir nicht sympatisch - wobei es gegen Ende etwas besser wurde. Aber selbst der kitschige Schluss konnte nicht über die verzogenen, überheblichen, egoistischen Charaktere der beiden hinwegtäuschen. Vielleicht waren/sind Prinzessinen so, wie Talia dargestellt wird, aber - ganz ehrlich - ich will es um der Märchen willen nicht glauben!

Die Handlung:
Puh, die Handlung, ja, was soll ich da sagen ... Vorhersehbar von der ersten Zeile weg und das nicht deshalb, weil wir mit "Dornröschen" aufgewachsen sind. Die Handlung hat nämlich abgesehen vom Grundgedanken nicht viel mit dem klassischen Märchen zu tun. Zunächst einmal wurde sie ins 21. Jahrhundert verlegt und auch entsprechend beeinflusst. Aber dass Jack Talia vorschlägt, als Model zu arbeiten, finde ich ... heftig und gewagt. Gut, Alex Flinn vergisst nicht auf entsprechende Gesellschaftskritik, aber warum das Thema überhaupt aufbringen? Hatte für mich jedenfalls keinen Sinn.

Die Sprache
... ist sowas von gar nicht märchenhaft! Mag schon sein, dass Jacks Ausdrücke zu seinem partybesessenen Image passen, aber für so eine Geschichte sind sie in meinen Augen absolut unpassend. Die Geschichte hätte mir noch gefallen können - selbst mit den nörgelnden Charakteren - aber die Sprache des Buches hat sie mir völlig verdorben.

Alles in allem: Wenn ihr Märchenneuinterpretationen lesen wollt, sucht euch besser ein anderes Buch.


Bewertung
Ich vergebe 2 Blümchen, weil es die Autorin trotz meiner Zweifel doch irgendwie geschafft hat, die Charaktere im Laufe der Geschichte etwas weiterzuentwickeln - immerhin.

22. April 2009

Von Aschenputtel bis Rotkäppchen - Das Märchen-Entwirrbuch

Was steckt wirklich hinter den Geschichten, die jeder kennt?

Märchen. Jeder kennt sie, (fast) jeder liebt sie (oder hat sie zumindest als Kind geliebt), jeder weiß, was man aus ihnen lernen kann/soll ... Oder doch nicht? Gehört der böse Wolf auf die Psychiatercouch, weil er für sich den Zwang entdeckt hat, Frauenkleider tragen zu müssen? War Dornröschens Mutter frigide? Oder Schneewittchens Stiefmutter, bei ihr ist klar: Sie ist die klassische Narzisstin. Was kann uns das Märchen vom Froschkönig, das mit dem leicht ironischen Satz "In alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, ..." beginnt, über das Funktionieren und Nicht-Funktionieren von Paar-Beziehungen lehren?

Christian Feldmann begit sich auf eine Reise durch die zehn bekanntesten Märchen der Brüder Grimm und enthüllt Geheimnisse, komplexe Charaktere und überraschende Zusammenhänge.

Am Anfang des Buches gibt es noch interessante Details zu den Brüdern Grimm und der Art und Weise, wie sie ihre berühmteste Märchensammlung "Kinder- und Hausmärchen" zusammengestückelt haben. Dann werden die zehn berühmtesten Märchen nacheinander analysiert und entschlüsselt:

Schneewittchen oder: Wie bekommt man einen Prinzen?
Frau Holle oder: Der achtsame Umgang mit den Dingen
Der Froschkönig oder: Warum Partner Klartext reden sollten
Dornröschen oder: Warum Liebe und Schmerz zusammen gehören
Hänsel und Gretel oder: Der gefahrvolle Weg, erwachsen zu werden
Aschenputtel oder: Der Glaube an die eigenen Würde
Rumpelstilzchen oder: Der Kampf gegen das "Zwergen-Ich"
Rotkäppchen oder: Welchen Preis hat die Freiheit
Das tapfere Schneiderlein oder: Warum Tricks erlaubt sind
Rapunzel oder: Das Ende der Abhängigkeit

Besonders schön finde ich, dass immer am Beginn jeden Kapitels das jeweilige Märchen in der Fassung von 1857 (Ausgabe letzter Hand) steht. Ich war richtig überrascht, wie viele Wortlaute mir noch haargenau aus der Kindheit im Gedächtnis waren, zB von Schneewittchen: "Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab."
Auch die kurzen Texte über Herkunftsangaben und verschiedene länderspezifische Versionen der Märchen fand ich sehr interessant. Es gib zB (um bei Schneewittchen zu bleiben) mehrere Orte im deutschsprachigen Raum, die das "historische Schneewittchen" für sich beanspruchen.

Wenn ihr Märchenliebhaber seid, mit den Märchen der Brüder Grimm aufgewachsen seid, dann kann ich euch dieses Buch wirklich nur ans Herz legen.
Ich bin wieder eingetaucht in die Märchen , die mir früher immer meine Oma vorgelesen hat. Ein sehr schöner Ausflug. :)

9. April 2009

Elizabeth C. Bunce - A Curse Dark as Gold

Märchen einmal anders.

Rumpelstilzchen, wer kennt dieses weltbekannte Märchen der Brüder Grimm nicht. Es hat uns doch alle in irgendeiner Weise auf dem Weg vom Kind-Sein zum Erwachsen-Werden begleitet. Den einen mehr, den anderen weniger. Aber so, wie Rmpelstilzchen in "A Curse Dark as Gold" verarbeitet wird, kennt es noch niemand!

Charlotte Miller hat alle Mühe ihre Mühle am Laufen zu halten. Auf jedes Problem folgt ein schlimmeres. Und was sie auch dagegen unternimmt, das Gerede von einem Fluch, der auf den Millers lasten soll, lässt sich nicht tilgen. Während sie versucht, auf ihre Schwester achtzugeben, ihren Onkel vom Verkauf der Mühle abzuhalten, die Liebe ihres Lebens findet und sich auf ihr erstes Kind freut, klopft dieser Fluch unerwarteterweise in Gestalt einen Männchens an ihre Tür. Es bietet ihr Hilfe an (aber nicht nur in jener Weise, die uns aus dem klassischen Märchen bekannt ist, nämlich das Stoh-zu-Gold-Spinnen), verlangt zuerst noch Preise, die Charlotte mit Müh und Not bereit ist, zu bezahlen, geht aber schließlich soweit, ihr Kind als Lohn anzusetzten.
Gut, bis hierher kennen wir das Märchen. Das ist jene Stelle, an der A Curse Dark as Gold komplett anders zu werden beginnt. Es geht nicht in erster Linie darum, den Namen des geheimnisvollen Männchens in Erfahrung zu bringen, sondern vielmehr sein Schicksal zu ergrünen und damit auch tief in Charlottes Familiengeschichte einzutauchen - woher kam der Fluch? Wie kann man ihn beheben? Wird sie ihr Kind und ihren Mann retten können?

Nun, es ist ein Märchen - auch wenn es hier als Roman vorliegt - und entsprechend schön ist das Ende. Nebenbei bemerkt, auch mit der Liebe wird in gewohnter Märchen-Manier umgegangen: Küsse werden beschrieben, aber nicht übertrieben aufwändig und alles weitere steht unter dem Stern der Verscwiegenheit, obwohl ich zugeben muss, dass Charlotte (die in der Ich-Form erzählt) es nicht komplett übergeht. ;)

Ich habe A Curse Dark as Gold genossen. In gewisser Weise erinnert es einen an die eigene Kindheit, was sehr schön ist. Vorher konnte ich nie viel mit Rumpelstilzchen anfangen - es hat mir als Kind Angst gemacht, ehrlich. ;) Aber jetzt kommt es mir richtig menschlich vor, dieses Monster, das ich mir früher immer als ein schrulliges, altes Männchen vorgestellt habe, das unermüdlich um ein Feuer hüpft und hysterisch kreischt. Diese Vorstellung gibt es nicht mehr. Rumpelstilzchen ist "Mensch" geworden - in meinen Augen zumindest und das hat allein dieses Buch vollbracht.

Für Märchenfans und solche, die es noch werden wollen, ein Must-Read!