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10. Mai 2013

Lena Klassen - Wild

2013, 380 Seiten
€ (D) 14,90 | € (A) 15,40
ISBN 978-3-931989-79-8

Gezähmte Gefühle.
Eine Welt ohne Krankheit und Kummer.
Kein Leid und keine Leidenschaft.

Einmal wöchentlich bekommt jeder in "Neustadt" seine Glücksinjektion. Trotzdem ist die siebzehnjährige Pi nicht so glücklich wie alle anderen. Stimmt etwas nicht mit ihr? Oder warum darf sie nicht mit Lucky zusammen sein, ihrem besten Freund? Anders zu sein ist gefährlich, denn hinter dem Zaun, der "Neustadt" umgibt, liegt die Wildnis. Dort herrschen noch Krankheit und Gewalt - und dorthin werden alle verbannt, die aus der Reihe tanzen. Dann geschieht etwas Unfassbares: Die Glücksdroge versagt. Und plötzlich steht Pi vor der Entscheidung ihres Lebens: Liebe oder Freiheit?


Eine kurze Reise in die Vergangenheit:
Meine erste Dystopie habe ich 2008 mit "The Hunder Games" gelesen. Vor 5 Jahren also - Wahnsinn! Gleichzeitig war Suzanne Collins Trilogie-Auftakt eine der beeindruckendsten und langanhaltendsten Dystopien, die mir bisher untergekommen sind. Es hat Standards in der YA-Dystopie gesetzt, die damals noch gar nicht so richtig benennbar waren. Ich konnte zumindest noch nicht so richtig auf den Punkt bringen, worauf es mir bei einer Dystopie ankommt, weil ich keine/kaum Erfahrung in diesem Genre hatte.
Seit "The Hunger Games" haben es nur wenige Dystopie geschafft, mich wirklich zu überzeugen. Wenn sie es geschafft haben, dann meistens deshalb, weil sie einen sehr ungewöhnlichen Aspekt mitbringen, toll geschrieben sind und/oder ein ganz neues Thema anschneiden. Unwind, Delirium, "Divergent", Across the Universe und "The Knife of Never Letting Go" stehen jedes für sich aus einem ganz bestimmten Grund auf meiner All-Time-Fav-Dystopie-Liste.

Ihr wisst, wie das läuft: Es wird immer schwieriger, Bücher zu finden, die einen wirklich vom Hocker hauen. Ehrlich gesagt, habe ich gar nicht mehr damit gerechnet, dass ich so schnell wieder das Vergnügen haben würde. Aber siehe da: "Wild" kommt daher, sieht gut aus, ist von Lena Klassen geschrieben, klingt ein bisschen nach "Delirium".
Der entscheidende Faktor war der Name Lena Klassen. Ich weiß nicht, ob ich sonst zum Buch gegriffen hätte, weil der Klappentext so oder ein bisschen anders auf jeder zweiten Jugend-Dystopie steht.

Im Grunde, wenn man das Buch auf einzelne Faktoren runterbricht, macht Lena Klassen nichts Neues. Aber wie bei so vielen Büchern bringt die Umsetzung die Würze, und da hat Frau Klassen kräftig im Gewürzregal gewühlt - und die richtige Mischung gefunden.
"Wild" hat viele Inhalte, die man schon aus anderen Dystopien kennt: Genmanipulation, Drogen, die alle Menschen auf ein Level bringen und gefügig machen, großangelegte Partnerzuweisung, um für die besten Matches zu Sorgen, ein Trennen des sicheren "Inneren" vom wilden "Außen".

Was Lena Klassen so gut kann und was in den meisten dystopischen Jugendromanen (viele vom amerikanischen Markt, aber ich denke hier auch explizit an gewisse deutsche Werke, die mich das Fürchten gelehrt haben) leider zu kurz kommt, sind echte Gefühlsbeschreibungen, die unter die Haut gehen. Pi erwacht aus ihrem Glücksnebel und zum ersten Mal spürt sie, was es heißt, verzweifelt zu sein. Dass nicht nur die Augen weinen, sondern der ganze Körper darin aufgeht. Beim Lesen von Lena Klassens Beschreibung hätte ich am liebsten gleich selber losgeheult, um mit Pi mitzuspüren können.
Die Autorin liefert mit "Wild" nicht bloß Schlag-auf-Schlag-Spannung - das mag ich ja ganz besonders gerne! - sondern geht zudem viel tiefer in die menschliche Seite einer Dystopie. Wenn man beim Lesen plötzlich denkt: "Ja, das sind die Worte! Jetzt weiß ich endlich, wie ich dieses Gefühl beschreiben kann!", dann macht Unterhaltung das, was sie soll: sie inspiriert.

Noch ein Wort zum Ende, das fand ich nämlich ganz toll, weil es endlich mal wieder ein absolut unkitschiges ist. Nicht nur, dass es da kein Liebesgesülze gibt (Hallelujah!), es ist auch sonst nicht alles ala Rosarote Brille. Irgendwie wars sehr ... realistisch, ich kanns gar nicht anders umschreiben, ohne zu viel durchsickerung zu lassen.
Was noch dazu kommt: Das Ende ist rund, es ist abgeschlossen, aber gleichzeitig bleibt auch genug Spielraum für einen zweiten Teil (den, so hab ich mir sagen lassen, es geben wird, wenn die Autorin die Zeit findet - also alle Daumen drücken, die ihr habt!).

Ich könnte weiterschwärmen, aber das Wichtigste habe ich gesagt.
"Wild" braucht sich was Spannung anlangt nicht vor "The Hunger Games" und "Divergent" zu verstecken und hält in Sachen Sprache und Ausdrucksgewandtheit locker mit "Delirium" Schritt. Warum immer die Hand nach den amerikanischen Bestsellerlisten-Reitern ausstrecken wenn das Gute doch so nah liegt?

Wenn das keine 5 Blümchen verdient, dann weiß ich auch nicht.


1. Mai 2013

Cassandra Rose Clarke - The Pirate's Wish

2013, ca 350 Seiten
ca. 7 €
ISBN 9781908844286

"The Pirate's Wish" erscheint am 4. Juni 2013 bei Strange Chemistry

After setting out to break the curse that binds them together, the pirate Ananna and the assassin Naji find themselves stranded on an enchanted island in the north with nothing but a sword, their wits, and the secret to breaking the curse: complete three impossible tasks. With the help of their friend Marjani and a rather unusual ally, Ananna and Naji make their way south again, seeking what seems to be beyond their reach.

Unfortunately, Naji has enemies from the shadowy world known as the Mists, and Ananna must still face the repercussions of going up against the Pirate Confederation. Together, Naji and Ananna must break the curse, escape their enemies — and come to terms with their growing romantic attraction.



Cassandra Rose Clarke lässt mich einfach nicht los. In den letzten 10 Monaten habe ich alle ihre Veröffentlichungen gelesen - das hat angefangen in der Fantasywelt von "The Assassin's Curse", und führte nach dem Science-Fiction Abstecher "The Mad Scientist's Daughter" über die Kurzgeschichte "The Witch's Betrayal" wieder zurück zu Anannas Perspektive in "The Pirate's Wish". Ich kriege einfach nicht genug.

"The Pirate's Wish" fängt da an, wo "The Assassin's Curse" aufgehört hat - das macht auch Sinn, denn im Nachwort schreibt die Autorin, dass das ganze ursprünglich eine Geschichte war, die aufgrund der Länge geteilt wurde. Sonst hätte anscheinend gekürzt werden müssen. Was bin ich froh, dass diese andere Lösung mit den zwei Büchern möglich war!
Ich weiß gar nicht, was ich noch sagen könnte, um euch die Bücher schmackhaft zu machen, was ich nicht schon in meiner Rezension zu "The Assassin's Curse" geschrieben habe. Es gibt nur einen zentralen Punkt, den ich wirklich mal herauskehren möchte, weil man es nicht oft genug sagen kann:

Sowohl Ananna als auch Naji machen in diesem zweiten Buch einen sehr wichtigen Entwicklungsschritt, einen, den ich jedem Menschen nur wünschen kann: Selbstakzeptanz. Und dabei auch die Akzeptanz der Tatsache, dass andere oft mehr in uns sehen als wir selbst - und dass die anderen nicht unbedingt diejenigen sind, die falsch liegen.

Gut, manchmal habe ich mir gewünscht, Naji würde ein bisschen eher preisgeben, was er für Ananna empfindet, aber am Ende ist er einfach wie er ist und wenn man sich vorher die Kurzgeschichte "The Witch's Betrayal" gönnt - die aus Najis Sicht geschrieben ist und zeitlich vor den beiden Romanen angesiedelt ist - lässt sich sein Verhalten etwas besser nachvollziehen. Zum Glück versteht Ananna ihn dann doch gut genug, um den letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen und mich hat die Unsicherheit zwischen ihnen nur noch schneller durch das Buch getrieben.

"The Pirate's Wish" ist wie sein Vorgänger ein Buch voller Spannung und Abenteuer. Ananna kämpft mit ihrem Gefühlen und mit ihrer Rolle. Die Piratin in ihr bekommt viel mehr Spielraum und ebenso die Möglichkeiten, die das für ihre Zukunft mit sich bringt. Das Buch hat nicht viele ruhige Sequenzen, aber selbst die waren nie langweilig oder überflüssig.
Kurzum: Ich liebe den zweiten Teil so wie ich den ersten liebe und bei erster Gelgenheit werde ich beide nochmal lesen. Wie ich mich darauf freue!

Bis es soweit ist, erfreue ich mich an der Nachricht, dass ab 2014 eine weitere Duologie aus Clarkes Feder bei Strange Chemistry erscheinen wird. Diese spielt in der selben Welt wie Anannas und Najis Geschichte und wird unter den Titeln "The Wizard's Promise" und "The Nobleman's Revenge" zu lesen sein. Haha, Freude! :D





A great thanks to NetGalley and Strange Chemistry for the chance to read and review the ARC!

3. Januar 2013

Boris Koch - Vier Beutel Asche

Schon genug Lesestoff für 2013? "Vier Beutel Asche" sollte auf den Leselisten nicht fehlen:

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2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 380 Seiten
€ (D) 17,99 | € (A) 18,50
ISBN 978-3453268340

Christoph ist sechzehn, als er stirbt - er prallt nachts mit seinem Farrad gegen ein entgegenkommendes Auto. Alles, was von ihm bleibt, ist eine Urne Asche. Doch vier seiner Freunde können einfach nicht akzeptieren, dass mit der Beisetzung alles zu Ende ist, und beschließen, Christophs letzten Wunsch zu erfüllen und seine Asche im Meer zu verstreuen. Sie graben die Urne aus, verteilen die Asche auf vier Beutel und brechen Richtung Atlantikküste auf. Ein großes Abenteuer beginnt.

Der Klappentext liest sich wie etwas, das wir vielleicht schon kennen. Das Grundthema ist auch nicht unbedingt ein unbeschriebenes Blatt. Aber ... ja, großes Aber sogar: Was Boris Koch mit seinem Roman aus "Jugendlicher stirbt - Zurückbleibende kommen nicht damit klar - müssen einen letzten Wunsch erfüllen" herausholt, hat mich sehr beeindruckt.

Vor allen Dingen die klare Vorstellung, die der Leser schon mit den ersten Sätzen von Jan erhält. Aggression, teilweise unterdrückt, dann wieder unkontrolliert. Verwirrung. Angst. Die Ich-Perspektive erlaubt einen unverschmierten Einblick in Jans Kopf, der nach dem Tod seines besten Freundes auf so ziemlich alles und jeden stinksauer ist. Ihm wird alles zu viel, bis ein nächtlicher Zufall (Lena würde es Schicksal nennen) ihn mit drei anderen zusammenbringt, von denen jeder seinen eigenen Part in Christophs Leben gespielt hat.

Was hier beginnt, ist ein literarischer Roadtrip, wie ich ihn liebe. Voller Tragikkomik und Spannung. Bei mir jedenfalls hat das Buch eingeschlagen und ein wesentlicher Teil dieses Erfolgs waren die vier Jugendlichen, mit denen ich von Bayern bis an die Atlantikküste gereist bin:
Neben Jan sind das Selina - Christophs Freundin, in die sich Jan leicht hätte verlieben können, wenn ihm Christoph nicht zuvor gekommen wäre -, Maik - der Christoph das Fahrrad geliehen hat, mit dem er verunglückt ist, und der sich deswegen das Leben nehmen will - und Lena - von der eigentlich niemand so wirklich etwas weiß, die aber etwas ganz Wesentliches von Christoph weiß, das er niemandem sonst erzählt hat.
Fertig ist das Quartett, dass sich an Christophs Geburtstag am Friedhof trifft und von dort gemeinsam ausbricht. Auf einem Motorrad und einem Roller. Mit vier Plastikbeuteln Asche im Gepäck.

Was diesen Roman für mich so besonders gemacht hat, waren die kleinen Details. Es gibt ein großes Thema, das über der gesamten Reise steht, aber so viele kleine Dinge, die das Rast machen und Zuhören interessant machen. Es gab Momente, in denen ich über jeden der vier Jugendlichen gestaunt habe. Obwohl sie von völlig unterschiedlichen Standpunkten in das Abenteuer gestartet sind, am Ende hatten sie nicht nur Freundschaft gewonnen, sondern vor allem Verständnis.
Boris Koch hat diese Entwicklung sehr anschaulich und vor allen Dingen nah beschrieben. Der Leser ist an vorderster Front mit dabei, erlebt Tiefen und Höhen. Und dabei scheint sich der Autor beim Erzählen der Geschichte noch nicht mal sonderlich abgemüht zu haben. Der Text liest sich genauso frei wie man sich mit einem Roller auf der Landstraße fühlt.

Schlussendlich kommt es für mich auf einen Nenner zusammen: Trotz des Themas hatte ich unglaublich viel Spaß beim Lesen und das lässt mich völlig vergessen, dass ich die Geschichte in der einen oder anderen Form vielleicht schon gelesen habe. Boris Koch hat das Rad nicht neu erfunden (wer tut das schon), aber darauf kommt es nicht an. "Vier Beutel Asche" ist beste Unterhaltung.


9. Dezember 2012

Thomas Thiemeyer - Das verbotene Eden 2. Logan und Gwen

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 458 Seiten
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3426653258

Seit Juna aus dem Land der Frauen geflohen ist - mit einem Mann -, fühlt sich die junge Heilerin Gwen einsam und nichtswürdig. Sie schließt sich einem Spähtrupp an, der durch verlassene U-Bahn-Schächte in die Stadt der Männer vordringen soll. Doch der Einsatz scheitert grausam, und Gwen fällt in die Hände des jungen Kämpfers Logan, der sie als Sklavin verkaufen will. Logan aber hat die Rechnung ohne seine Gefühle gemacht - und setzt damit Ereignisse in Gang, die das Ende beider Welten bedeuten könnten ... 


Ich war ziemlich begeistert von "David und Juna" und habe mich entsprechend auf den zweiten Band gefreut. Obwohl ich das Buch gestern und heute mehr oder weniger inhaliert habe, wird diese Rezension weniger begeistert ausfallen. Das hat ein paar Gründe, die für mich sehr heikle sind.

Klar, das Grundthema ist noch das selbe: Frauen und Männer hassen sich und stehen kurz vor einem Krieg. Im ersten Band hat das noch gewaltig fasziniert, weil es - zumindest für mich - etwas völlig Neues war. Aber ein Thema kann nur dann weiterhin faszinieren wenn auch mehr Details geliefert werden. Oder neue Sichtweisen. Neue Hintergründe. Irgendetwas.
Abgesehen von einer Kleinigkeit, die im ersten Teil aber auch schon behandelt und jetzt bloß mit klaren Worten bestätigt wurde, tut sich an dieser Front allerdings gar nichts. Ich habe das leider sehr enttäuschend empfunden. Ich hätte so gerne mehr über diese Welt erfahren, die sich Thomas Thiemeyer ausgedacht hat! Aber außer ein paar anklagenden Fingerzeigen auf unsere heutige Gesellschaft ging dystopisch nicht gerade die Post ab. Das hat bei "David und Juna" deutlich besser funktioniert.

Mein zweites und im Grunde einziges weiteres Hauptproblem waren Gwen und Logan selbst. Zuallererst aber ein Lob: Obwohl die Rollen im Vergleich zu Teil 1 einfach vertauscht zu sein scheinen - jetzt ist Logan der Krieger anstatt Juna - sind Logan und Gwen zwei sehr eigenständige Charaktere. Sie wirken überhaupt nicht "kopiert" und durch Gwens Beziehung mit Juna hat sie einen ganz anderen Headstart als Juna ihn hatte.
Leider, und das war weniger gut, hörte sich dieser positive Eindruck bald auf. Sowohl Logan als auch Gwen blieben für mich über die ganze Handlung hinweg sehr schwammig und sprunghaft. Nicht in dem Sinne sprunghaft dass sie ständig ihre Meinung geändert hätten, sondern weil ich das Gefühl hatte, sie nie wirklich zu begreifen. Ihre Charaktere - leider beide, da stand keiner dem anderen nach - haben sich mir immer wieder entzogen, ich hab ihre Beweggründe einfach nicht zu fassen gekriegt.
Und als sie dann gehandelt haben, fand ich das zwar nett, aber mehr auch nicht. Viel zu viele Dinge wurden nur angeschnitten, anstatt sie zu erforschen. Mir war das leider zu wenig.

Insgesamt ist "Logan und Gwen" in meinen Augen ein wahrhaft mittelmäßiger Mittelteil.
Den dritten und letzten Band schreibe ich aber trotzdem noch nicht ab - zum einen hoffe ich auf ein Wiedersehen mit David und Juna, zum anderen bin ich echt wahnsinnig gespannt was wir bei "Magda und Ben" erwarten können. Immerhin sind die beiden längst keine Jugendlichen mehr und sehr ungewöhnliche Protagonisten für einen Jugendroman ... Ich könnte mir da so einige Szenarien vorstellen, zB ein Rückblick auf die Anfänge der Dunklen Zeit. Das fände ich mal sehr spannend.
Herr Thiemeyer, überraschen und überzeugen Sie mich. "Logan und Gwen" vergesse ich bisweilen mal und hole mir lieber nochmal "David und Juna" aus dem Regal.


12. November 2012

Ursula Poznanski - Die Verratenen

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 461 Seiten
€ (D) 18,95 | € (A) 19,50
ISBN 978-3785575468

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich - Rias Leben könnte nicht besser sein. Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft. Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.


Eines weiß ich nach diesem Buch ganz gewiss: Ursula Poznanski kann schreiben was sie will - und wenn sie auch auf noch so viel begangenen Pfaden wandelt -, es wird immer gut. Mit "Die Verratenen" traut sich die beliebte Jugendbuchautorin nach den Erfolgen "Erebos" und "Saeculum" (beide übrigens sehr zu empfehlen!) nun auch in die Dystopie.
Ich war und bin begeistert von diesem Trilogieauftakt! Das Dumme - unter Anführungszeichen - an den richtig guten Büchern, die außerdem noch spannend und mit jedem Wort fesselnd sind, ist bloß, dass ich jedes Mal total vergesse, irgendwelche Notizen zu machen. Das hier wird also eine reine Gedächtnis-Rezension. Ich hoffe, es fällt nicht allzu sehr auf. ;)

Die Menschheit hat eine Eiszeit hinter sich. Ria, die an der besten Sphärenakademie des Bundes studiert, hat im Leben noch kein Gras gesehen. Das hat niemand, den sie kennt. Ihre Welt bestünde nur aus Schnee und Kälte gäbe es den Sphärenbund nicht, in dessen Schoß gehütet sie aufwächst. Riesige Glaskuppeln, die Leben und Überleben ermöglichen. Die Ria zwar einsperren, aber dabei auch die gefährlichen Außenbewohner auf Abstand halten.
In der ein oder anderen Form haben wir das fast alle schon gelesen. Und klar, man könnte einfach die Schnauze voll haben von Dystopien und Endzeitromanen. Nur, eines ist auch klar: Dann entgehen einem potentielle Schätze - und wenn eine Neuerscheinung dazugehört, dann die von Poznanski.

Ein gelungender, fesselnder Schreibstil. Charaktere, die nicht unterschiedlicher sein könnten und so feinfühlig aufeinander abgestimmt, dass man am liebsten in ihren Kreis aufgenommen werden möchte. Kein lästiges Liebesgesülze, das sich von der ersten Seite weg voraussagen lässt. Durchdachte Strukturen, Überraschungen, und - hab ich es überhaupt schon erwähnt? - Gänsehautspannung!
Wobei, das muss ich wohl dazusagen, der Spannungsaufbau in "Die Verratenen" ist erst sehr subtil - so subtil, dass ich ihn am Anfang tatsächlich habe suchen müssen. Es war auch diese Anfangsphase, in der ich mich mit der Protagonistin Ria "zusammenraufen" musste.
Ria ist sehr überlegt - nicht umsonst ist sie die siebtplazierte in der Rangliste der Akademie, ein Garant für eine spätere Spitzenposition in der Regierung. Ria steht über den Dingen, ist oftmals sehr nüchtern, und obwohl mir diese Charakterzüge selbst nicht ganz unbekannt sind, habe ich ein paar Kapitel gebraucht, um mit ihr warm zu werden.

Aber dann liefs wie am Schnürchen und hat gar nicht mehr aufgehört. Bis zur letzten Seite, die viel zu schnell kam, habe ich an jedem Satz gehangen und wollte nicht loslassen. Während für Ria immerzu alles verstrickter wird und sich ihr und dem Leser ständig neue Wahrheiten und Unwahrheiten offenbaren, steht jeder Charakter unter seinem ganz eigenen Druckpolster.
Rias besonderer Blick auf die Welt, ihre durch jahrelange Rhetorik- und Diskussionsübungen geschärfte Menschenwahrnehmung, verleiht dem Buch einen detailreichen und doch pfiffigen Schliff. Ich fand es unglaublich spannend, zu beobachten, wie Ria in gedankenlosen Gesten und unbewusten Tonlagen liest wie in einem offenen Buch.

"Die Verratenen" ist schlussendlich nicht nur für Ria und ihre Freunde eine emotionale und physisch anstrengende Achterbahnfahrt, der Leser ist genauso mitgenommen und muss am Ende erst mal durchatmen.
Was uns im zweiten Teil erwarten wird, ist wohl im Groben abzusehen - Ursula Poznanski hält sich an die Spielregeln der Dystopie. ABER: Es sind die kleinen Dinge, die ein Buch besonders machen. Und davon hat "Die Verratenen" (und mit Sicherheit auch die beiden Nachfolger) einiges zu bieten. Wer sich das aus Dystopie-Verdruss entgehen lässt, hat hoffentlich eine richtig gute Ausrede parat.

23. Oktober 2012

Leigh Bardugo - Grischa. Goldene Flammen

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 350 Seiten
€ (D) 17,90 | € (A) 18,40
ISBN 9783551582850

Alina ist einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren. Dass sie heimlich in Maljen verliebt ist, ihren besten Freund seit Kindertagen, darf niemand wissen. Schon gar nicht Maljen selbst, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Bei einem Überfall rettet Alina Maljen auf unbegreifliche Weise das Leben. Doch was sie da genau getan hat, kann sie selbst nicht sagen. Plötzlich steht sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und wird zum mächtigsten Grischa in die Lehre geschickt. Geheimnisvoll und undurchschaubar, wird er von allen der Dunkle genannt. Aber wieso fühlt sie sich von ihm so unwiderstehlich angezogen? Und warum warnt Maljen sie so nachdrücklich vor dem Einfluss des Dunklen?


Das ist Grischa: Ein genialer Bucheinstieg, ein wortwörtlich mittelmäßiger Mittelteil und ein krachendes Ende zwischen einem Cover, das ich mir gerne an die Wohnzimmerwand hängen würde (so schön *.*).
Ich werde hier nicht viele Worte verschwenden, denn das, was ich zu sagen habe, ist schnell gesagt:

"Grischa" beginnt mit einem Prolog aus Kinderaugen. Er entführt in ein Land, das einiges mit Russland im 19. und 20. Jahrhundert gemein hat. Leigh Bardugo muss gar nicht viele Worte verlieren, um ein Setting zu kreieren, das an die Taiga erinnert. Nadelbäume, weite Landschaften, Berge in der Ferne, ein kalter Wind, der dem Leser Schneeflocken um die Nase weht. Der Zar herrscht über das zerrissene (wortwörtlich!) Land, ein Mann an seiner Seite, der ein wenig an Rasputin denken lässt.
Beim Lesen habe ich gejubelt, weil ich finde, dass Bücher genau so beginnen müssen!

Auftritt der Grischa in ihren bunten Gewändern. Alina, die aufgeweckte und erfrischende Protagonistin, hat ihr ganzes Leben lang nur Geschichten gehört und die Grischa - bis auf eine Ausnahme - immer nur aus der Ferne gesehen. Als sie mit einem Mal in ihrer Mitte steht, so nah am Machtzentrum wie man als eigentlich einfaches Bauernmädchen nur sein kann, versteht sie die Welt nicht mehr.
Die Autorin beschreibt dieses plötzliche aus-der-Welt-gerissen-werden Alinas sehr authentisch. Überhaupt hat es mir Alinas unkomplizierte Art sehr einfach gemacht, in dieses fantastisch angehauchte Russland abzutauchen.

Leider hat meine Lesefreude nach etwa 100 Seiten einem Dämpfer erfahren. Die Organisation der Grischa-Ausbildung hat mich an Harry Potter erinnert. Nicht, dass das an sich schlecht wäre, bloß fand ich es im Fall dieses Buches ein wenig lächerlich: Da fängt "Grischa" so abenteuerlich an und plötzlich ist die Rede von Stundenplänen ... Das Schulmädchen-Getue einiger Charaktere hat mir den Rest gegeben. Nein, nein und nochmal nein! Klar muss Alina erst mal lernen, mit ihren Kräften umzugehen, aber mein Kopf hat sich strikt gegen dieses Bild von Mensaessen auf langen Bänken gepaart mit dem restlichen Fantasysetting gewehrt. Vielleicht weil die Protagonisten (und alle anderen auch) so erwachsen wirken. Da passt Schule einfach nicht. (Keine Ahnung, ob ich das Mensaessen eher akzeptiert hätte, wenn die Schule eine Uni gewesen wäre ...)

Zum großen Glück nimmt "Grischa" gegen Ende eine Kehrtwende zurück zu einer Geschichte, die mich wahrlich gefesselt und begeistert hat. Die letzten Seiten lassen sich praktisch einatmen und der zweite Teil kann nicht schnell genug kommen.

Fazit: Über den Mittelteil drüberkämpfen und wenn möglich hinwegsehen, dann haltet ihr einen wirklich guten Fantasyroman in Händen, der mit vielen kleinen Dingen überzeugt - dazu gehören nicht nur ein Setting, das mich begeistert hat, sondern auch eine Protagonistin, die zugänglich ist und trotzdem ihren eigenen Kopf hat.


21. Oktober 2012

Hannah Harrington - Saving June

Wie in der Rezension zu "Speechless" angekündigt, habe ich Hannah Harrington eine zweite Chance gegeben - und siehe da: "Saving June", ihr Debüt, hat mir tatsächlich besser gefallen. Nicht viel besser, aber immerhin ein Stück.

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2012 (Erstausgabe 2011), ebook von Mira Ink, ca. 336 Seiten
€ 5 bis 9
ISBN 9781408981498

Your sister is dead. Nineteen songs can tell you why. Only one boy can help you understand.

Harper Scott's older sister, June, took her own life a week before high school graduation, leaving Harper devastated. So when her divorcing parents decide to split up June's ashes, Harper steals the urn and takes off cross-country with her best friend, Laney, to the one place June always dreamed of going-California.

Enter Jake Tolan, a boy with a bad attitude, a classic-rock obsession...and an unknown connection to June. When he insists on joining them, Harper's just desperate enough to let him. With his alternately charming and infuriating demeanour and his belief that music can see you through anything, he might be exactly what Harper needs. Except...Jake's keeping a secret that has the power to turn her life upside down again.



 "Saving June" hat mich in der griechischen Sonne durch die ersten Urlaubstage begleitet - dafür ist es wohl ua am besten geeignet. Oder entspannte Sonntage, an denen nichts besseres zu tun ist. Leider. Vom Hocker gerissen hat mich das Buch nicht, aber zum Strandliegen und Sich-Baumeln-Lassen ist es gerade recht.

Einer meiner größten Kritikpunkte an "Speechless" war die über alle Maßen egoistische und unzugängliche Protagonistin. Versteht das nicht falsch. Wir alle sind Egoisten - die einen mehr, die anderen weniger, aber es ist (zumindest in meinen Augen) ein Zug, den ich gerade mit unserer Gesellschaft verbinde - aber es gibt auch egoistische Charaktere, die vom Autor so geschildert werden, dass sie der Leser trotzdem versteht und nicht nur das: Der Leser baut eine Verbindung auf, ist emotional eingebunden - Paradebeispiel ist Lauren Olivers "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie"/"Before I Fall".
Zurück zu "Saving June": Harper hat wie Hannah aus "Speechless" egoistische Züge, allerdings kann ich hier irklich nur von Charakterzügen sprechen - bei hannah war die egozentrische Ader erstens weit ausgeprägter und zweites unerklärter. Harper konnte ich bis zu einem gewissen Grad verstehen, es war größtenteils logisch dass sie so ist, wie sie ist.

"Saving June" lässt sich in zwei bekannte Kategorieren stecken: Die Aufkleber "Selbstmord"-Buch und "Roadtrip"-Buch halten sich die Waage. Mich hat die Kombination aus beiden gereizt, doch die Aufregung verpuffte schon nach wenigen Seiten, als bei mir der Eindruck entstand, Junes Selbstmord sei nur ein Vorwand für den Raodtrip. Mit der Zeit musste ich den Konjunktiv streichen. Während des ganzen Roadtrips kam nie so wirklich heraus, warum sich June eigentlich das Leben genommen hat. Das Thema wird nur fadenscheinig abgetan und ich habe mir selbst eine "Erklärung" zurecht gelegt: Es gibt wohl nicht immer eine begründete und stukturierte Backgroundstory. Manchmal kommt man zu einem Punkt, an dem man andere Menschen nicht mehr verstehen kann, weil ihre Perspektiven einem selbst völlig fremd sind.
Keine Ahnung, ob Hannah Harrington auf diese Aussage hinauswollte, ich brauche sie jedenfalls, sonst wäre ich am Ende von "Saving June" ähnlich frustriert gewesen wie nach "Speechless".

Trotzdem hat sich dieser Eindruck nicht mehr löschen lassen, dieser Eindruck, dass die Autorin vordergründig ein Buch über einen Roadtrip schreiben wollte und verzweifelt nach einem Grund für selbigen Trip gesucht hat.

So richtig ins Buch hineingezogen haben mich eigentlich Harpers Reisebegleiter, ihre beste Freundin Laney und Jake, der die Musik ins Buch bringt. Jaaa, Musik! Das zieht immer bei mir. The Beatles, Johnny Cash, Leonard Cohen, Coldplay ... aber auch mir gänzlich un bekannte Musiker finden ihren Platz in Jakes Euphorie. Ein kleiner Bonus für Musik-Freaks sind die drei Playlisten im Anhang des Buches - die werden durchgehört sobald sich die Gelegenheit ergibt.

Zu Sprache und Stil habe ich nicht viel zu sagen, abgesehen davon dass beides einfach gehalten und das Buch so auch für Anfänger in Sachen fremdsprachiges Lesen geeignet ist.


Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Am besten bloß, wenn man es eh schon rumliegen hat und einen Nachmittag entspannt und musikalisch verbringen möchte.


9. Oktober 2012

Bettina Belitz - Linna singt

Ich habe den Eindruck, dass ich das ganze Jahr schon dem Blogger-Dasein hinterherhinke. Fast jedes Monat finde ich mich in der Situation wieder, wochenlang nichts von mir gegeben zu haben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ein ziemlich aufregendes und umbruchsreiches Jahr hinter mir liegt (also, noch nicht ganz, aber immerhin waren die letzten drei Viertel sehr aufregend und umbruchsreich) - aber es zeigt sich doch immer wieder, so auch heute: Ganz werdet ihr mich nicht los ;)

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2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 510 Seiten
€ (D) 18,95 | € (A) 19,50
ISBN 978-3839001394

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.


Nachdem ich mit "Dornenkuss" so meine Problemchen hatte (so genau kann ich die gar nicht benennen, ich hab es bloß seit Weihnachten letzten Jahres nicht über Seite 300 hinaus geschafft), war ich umso erleichterter, dass mir Bettina Belitz mit "Linna singt" nochmal eine Gelegenheit geboten hat, ihre herausragende Erzählweise in einem anderen Umfeld zu erleben. Und, wah!, war das ein Erlebnis - "Linna singt" hat sich absolut gelohnt!

Zuallererst ein Dankeschön an Bettina Belitz persönlich, dafür dass sie sich die Genrebezeichnung "Young Adult" wirklich zu Herzen genommen hat. Schon in der "Splitterherz"-Trilogie ist mir das sehr positiv aufgefallen, und auch in "Linna singt" darf ehrlich über Gefühle und Sex gesprochen werden. Kein ärgerliches unter-den-Teppich-Gekehre. YA - vor allem amerkanisches YA - hat mich soweit getrieben, dass ich diesen Aspekt lobend in einer Rezension erwähnen muss, weil er einfach nicht selbstverständlich ist. (Schade.)

Belitz' Protagonisten sind alle über 20 und haben die ein oder anderen Problemchen hinter sich. Linna selbst ist ... speziell. Ich glaube, nicht jeder freundet sich mit ihr an und wahrscheinlich würde ich sie im "echten" Leben nicht mögen. Wahrscheinlich wäre sie mir unsympathisch. Aber das läge daran, dass sie unnahbar, richtiggehend unantastbar ist. Erst mit den verfliegenden Seiten habe ich eine Vielschichtigkeit an ihr entdeckt, die ich ohne den persönlichen Ich-Perspektiven-Zugang niemals aufdecken hätte können. Linna redet nicht gerne von sich und lässt andere lieber glauben, was sie denn glauben wollen. Deshalb kommt diese Vielschichtigkeit auch so überraschend - und verleiht der Geschichte eine Spannung, die ich vorher nicht vermutete hätte.
Linnas Frustration, ihre Kontrollsucht, die spitzen Bemerkungen (die mich auf die Palme getrieben hätten wäre ich ihr gegenüber gestanden). Aber auf der anderen seite auch dieses Verständnis für ihr Benehmen. Die Konfrontation mit dem Charakter Linna werde ich definitiv als eine der aufregendsten Buchbegegnungen in Erinnerung behalten.
Was dieses Buch ausmacht, ist die Zeit, die sich Bettina Belitz für die Präsentation und die Gestaltung ihrer Protagonisten nimmt. Dadurch entstehen ein paar ausschweifenden Passagen und Sätze, aber die Autorin schafft es auf diese Weise, dass der Leser Linna bis ins tiefste Innere kennenlernt. Eine Protagonistin, die noch nicht einmal kennen gelernt werden will.

Neben Linna lernt der Leser ihre ehemaligen Bandmitglieder und den "Neuzugang" Tobi kennen. Ein Zusammentreffen, das gewollt heiter beginnt, das aber bald in Irritation umschlägt, je mehr Linna aufdeckt. Ein angenehmer Hüttenaufenthalt soll es werden, Bandproben, nettes Zusammensitzen. Aber die Anspannung nagt an allen - vor allem auch am Leser, der zuerst eher planlos außenvor sitzt und nicht weiß, worauf das ganze hinauslaufen soll. Aber - da muss man sich keine Sorgen machen - es passiert früh genug etwas und dann kann man froh sein, wenn man vorher tief genug Luft geholt hat, denn atemlos wird es gegen Ende garantiert.
Bloß ... naja, ein paar Sachen waren mir dann doch zu ... ich weiß nicht. Die Auflösungen haben mich nicht wirklich gestört, einige waren wirklich gut und überraschend, aber andere fand ich weit hergeholt oder nicht ganz glaubhaft - zwei, drei Mal habe ich die Augenbrauen hochgezogen und "ahaaaa" gedacht, aber das ist auch schon alles, was ich an negativer Kritik anbringen kann.

Sprachlich ist Bettina Belitz auf gewohnt außergewöhnlichen Pfaden unterwegs. Mir macht es einfach unglaublichen Spaß, jedes einzelne Wort zu lesen, über jedem Satz zu hängen, um ja nichts zu verpassen! Fans ihres Stils werden auch an "Linna singt" ihre Freude haben und das Buch nicht zur Seite legen wollen. Mir zumindest kann es nicht schnell genug gehen, bis Belitz' nächstes Buch erscheint, und wer weiß, vielleicht versuch ich es doch noch mal mit "Dornenkuss" - und wenns bloß der Sprache wegen ist.

Fazit: "Linna singt" begeistert und krallt sich fest. Linna ist eine Protagonistin, die polarisiert. Nicht nur die Leserschaft, sondern auch den Leser als Individuum, und was könnte es Spannenderes geben - zusätzlich zu all den anderen am Verstand nagenden Dingen, die der Handlung Spannung verleihen. Loslassen unmöglich.

17. September 2012

Rae Carson - Der Feuerstein/The Girl of Fire and Thorns

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 524
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3453267183

Jeder im Land kennt Prinzessin Elisa, denn sie ist die Auserwählte. Die Trägerin des Feuersteins. Dazu bestimmt, eine Heldin zu sein. Alle warten darauf, dass sich Elisas Schicksal erfüllt - ihr Vater, ihre Schwester, ihr Volk. Doch Elisa ist zwar liebenswert und klug, aber auch ziemlich dick. Niemals wird sie in der Lage sein, etwas Außergewöhnliches zu vollbringen, und daran kann der Feuerstein in ihrem Bauchnabel auch nichts ändern, dessen ist sie sich sicher. Als sie an ihrem sechszehnten Geburtstag mit Alejandro, dem gut aussehenden König des riesigen Nachbarreiches Joya d'Arena, verheiratet wird, setzt sich Elisa noch mehr unter Druck: Schließlich braucht Alejandro eine starke Königin an seiner Seite und keine Versagerin!

Erst als eines Tages ein grausamer Feind die Grenzen Joya d'Arenas bedroht, ist Elisas Stunde gekommen. Wird sie sich und der Magie des Feuersteins vertrauen? Schafft sie es, rechtzeitig der tödlichen Intrige zu entkommen, die bereits um sie gesponnen wurde? Denn nur wenn sie mit Mut und Entschlossenheit den Platz einnimmt, den ihr das Schicksal zugewiesen hat, wird sie ihr Volk vor dem Untergang retten.



Da bin ich in meiner post-Prüfungs-Lesefreude wohl etwas durcheinander gekommen. "Der Feuerstein" von Rae Carson war längst bestellt, aber trotzdem habe ich begeistert zugesagt, als mir eine Freundin das selbe Buch auf Englisch angeboten hat. Den belämmerten Blick, als ich das deutsche Exemplar wenige Tage nachdem ich das englische gelesen hatte aus der Post zog, könnt ihr euch sicher vorstellen.
Macht aber nix. "The Girl of Fire and Thorns" hat mir so gut gefallen, dass ich es richtig spannend fand, auch noch in das deutsche Exemplar reinzulesen. Deshalb jetzt und hier eine aktuallisierte Version meiner damaligen 1MinuteReview. ;)

Um es abzukürzen: "Der Feuerstein" ist Abenteuer pur! Und ein kleiner Klischeeaufräumer. Wer dachte, dass Fantasy-Heldinnen immer schön sind oder kleine Makel haben, die sie aber doch irgendwie schön enden lassen, der möge sich bitte mit Prinzessin Elisa befassen. Die gute beschreibt sich selbst als dick - fett sogar - und hässlich, und das ist nicht bloß gemindertes Selbstwertgefühl sondern die Meinung von jedem. Eine Heldin, die mit Andersartigkeit überzeugt.
Und das zumindest fast gänzlich. Leider hat Elisa wegen ihrem Äußeren (und dem gegensätzlich wunderschönen Äußeren ihrer Schwester) einen Hang zu Selbstmitleid, was - so kann ich mir vorstellen - leicht zu Genervtheit beim Leser führen kann. Mich selbst hat es nicht gestört - auch bei der zweiten Lektüre nicht -, weil ich Elisa insgesamt als sehr frisch und spannend empfunden habe. Sie hat, trotz ihrer äußeren Nachteile, eine sehr sichere Art zu sprechen. Natürlich zweifelt sie, aber trotzdem bringt sie den nötigen Stolz und Mut auf, ihre Zweifel nicht zu zeigen. Und das in einer Situation, in der sie, weit fort von zu Hause, mehr oder weniger alleine und fremd ist.
Was an Elisa so spannend ist, ist ihre Entwicklung. Mit der Zeit eignet sie sich diese Sicherheit nämlich wirklich an und das Schauspiel verfliegt.


Trotzdem, die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas. Aber Durchhalten lohnt sich, denn dann offenbart sich nach und nach die Undurchschaubarkeit von Elisas Umfeld. Ich persönlich habe hier ziemlich in der Luft gehangen, weil ich einfach nicht wusste, wem Elisa am ehesten vertrauen sollte. Ich fand das toll! Ich weiß es wirklich zu schätzen, wenn sich Autoren die Mühe machen, solche Situationen und vor allem viel Ungewissheit zu kreieren.
Dann kam eine überraschende Wende, die der Geschichte plötzlich eine ganz andere Richtung gibt. Eine in der ich - wie Elisa - einen sicheren Stand erlangt habe. Die Autorin hört auf mit dem Versteckspiel und rückt mit Informationen raus, zum Feuerstein, zu dem was er bedeutet und was Elisa alles bewirken kann. Wenn sie denn Vertrauen in sich selbst findet.

"Der Feuerstein" ist ein kleines Juwel, das muss schon mal gesagt werden. Eine spannende Storyline, eine wandlungs- und lernfähige Protagonistin und dazu ein grandioses Setting. Stellt euch eine Mischung aus High Fantasy und Wüstenmystik vor, mit Hofintrigen und fantastischen Elementen.
Dazu noch ist das Buch wirklich gut ins Deutsche übertragen worden - ich nehme das längst nicht mehr als selbstverständlich hin. In den letzten zwei Jahren habe ich einiges gelesen, das nicht bloß schlampig sondern teilweise auch ungeschickt übersetzt wurde. "Der Feuerstein" ist eine angenehme Ausnahme.

Fazit
Es hat mir eine ganze Menge Spaß gemacht, Elisa dabei zuzusehen, wie sie über sich hinaus wächst. "Der Feuerstein" ist ein großartiges Abenteuer zum Schmökern und Träumen - der zweite Teil ist Pflicht für mich!


 

18. August 2012

Cat Patrick - Die fünf Leben der Daisy West

2012, Hardcover, 300 Seiten
€ (D) 14,99 | € (A) 15,50
ISBN 9783414820617

Daisy ist fünfzehn – und schon mehr als ein Mal gestorben. Sie lebt waghalsig, denn sie weiß, dass es Revive gibt, ein Medikament, das ins Leben zurückhilft, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Da diese Medizin hochgeheim ist, muss Daisy nach jedem Tod eine neue Identität annehmen und an einen anderen Ort ziehen. Bisher hat sie daher meist isoliert und ohne enge Freunde gelebt. Aber dann findet sie an ihrer neuen Schule nicht nur völlig unverhofft eine beste Freundin, sondern verliebt sich auch noch Hals über Kopf. Zum ersten Mal lässt Daisy sich wirklich auf das Leben ein.
Da entdeckt Daisy, dass sie Teil eines großen Experiments ist. God, der zwielichtige Leiter des Revive-Programms, hat viele Menschen auf skrupellose Weise rekrutiert und behandelt sie wie Versuchskaninchen. Daisy begehrt auf. Und setzt damit ernsthaft und unwiederbringlich ihr Leben aufs Spiel ...



Fand ich "Forgotten" im letzten Jahr noch richtig super (in der engl. Originalfassung), so hat "Die fünf Leben der Daisy West" (engl. "Revive") bei mir bloß Gleichgültigkeit, teilweise Genervtheit und Frustration ausgelöst. Dass sich zu dieser Teegesellschaft am Ende doch noch ein bisschen Spannung gesellt hat, reißt den Eindruck, den das Buch bei mir hinterlassen hat, leider nicht mehr aus der Versenkung.

Die Autorin will uns in diesem Buch vormachen, ihre Protagonistin wäre klug, bedacht, lerneinfrig und alles was dazu gehört - zumindest schließe ich das aus einigen Nebensätzen und der Tatsache, dass Daisy mal locker Kurse der höheren Klasse besucht. Ich will hier nicht mit Vorurteilen hausieren gehen oder auf Klischees herumreiten, es ist bloß, dass ich genau diesen Eindruck von Daisy vermittelt bekommen habe.
Und dann taucht ein Junge auf, den sie offenbar toll findet und beschreibt ihn mit, ja, mit was wohl? Megascharf. Mag ja sein, dass so abrupte Charakterwechsel spannend sein können, aber hier hat es für mich überhaupt nicht hingepasst.
Zur übertrieben jugendlichen Sprache (ich kann es nicht oft genug sagen: das vertrage ich einfach nicht!) kommt die zur selben Zeit geradezu kometenhaft schnell geschlossene Freundschaft mit Audrey. Auch das fand ich unrealistisch für ein Mädchen, das noch auf der Seite davor beschreibt wie wenige Freunde sie immer hatte. Audreys Verhalten wird zwar später nachvollziehbar, aber die grundlegende Wahrheit ist, dass ich es der Autorin in diesem Moment nicht abgenommen habe, dass zwei so unterschiedliche Mädchen von einer Minute auf die andere Freundschaft schließen.

Abgesehen von Alltags-Teenie-Gequatsche hat das Buch nur das Medikament Revive zum Thema. Ich möchte hier festhalten, dass ich das Konzept des Buches für wirklich gut halte, innovativ geradezu, aber anstatt sich mehr in die Revive-Thematik einzuschreiben konzentriert sich das Buch lieber auf alles andere was in der YA Literatur längst ausgetreten ist.

Die zweite Hälfte habe ich dann doch als deutliche spannender und lohnender empfunden. Das ging sogar so weit, dass ich dann doch froh war, das Buch nicht gleich aufgegeben zu haben. Naja, ein bisschen. Daisy steht hier ein paar Konflikte aus, die mich mitfiebern haben lassen. Erst hier habe ich angefangen, Daisy zu mögen - spät, aber doch.
Die Aspekte, die dieses Buch lohnend machen, sind meiner Ansicht nach leider sehr rar gesäht. Da empfehle ich lieber das Erstlingswerk der Autorin, "Forgotten". (Witziger Weise schreibt die Autorin im Nachwort sogar davon, wie viel schwieriger das zweite Buch ist ... das scheint sich bestätigt zu haben.)

Fazit: Für meinen Geschmack viel zu teenie-haft, sowohl was Sprache als auch Handlung anbelangt. Loben muss ich die Grundidee des Buches - sie hätte zwar mehr herausgekehrt werden sollen, aber zumindest ist sie da und wird in der zweiten Hälfte doch noch mehr fokussiert.


11. August 2012

1MinuteReview: Michael Northrop - Kälte

1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Ein kurzer Leseeindruck nachdem ich das Buch gerade abgebrochen habe (gelesen: 130 von 255 Seiten).
Ich habe einfach keine Lust mehr, weiterzulesen. Was ich bisher weiß, reicht mir völlig: Unwichtige Details über Details. Jeder Moment wird geschildert, wordurch sich die ganze Angelegenheit extrem in die Länge zieht. Das Buch hätte auf mind. die Hälfte gekürzt werden können, dann hätte die eigentlich aussichtsreiche Story vielleicht ein bisschen Spannung abbekommen.
Zu Stil und Sprache kann ich nur soviel sagen, dass sie auch keine Anwärter auf Lobgesänge meinerseits sind.
Der Protagonist ist leider sehr unoriginell und eindimensional. Er macht sich das Leben selber schwer und nervt mich seit über 100 Seiten. Ich vermute, die Dinge über die sich der Protagonist Gedanken macht, sind einfach auf ein jüngeres Publikum gerichtet.

Fazit: Das Buch ist nichts für mich. Mein Bruder sieht das vielleicht anders, der bekommt das jetzt geschenkt und kann hoffentlich mehr damit anfangen.

29. Juli 2012

Hannah Harrington - Speechless

2012, 288 Seiten
ca. € 7
ISBN 978-0-373-21052-7
Erscheint am 28. August 2012 bei Harlequin Teen

The story of a girl named Chelsea Knot who takes a voluntary oath of silence after her gossip-mongering ways yield unexpected consequences…

Say she’s sorry isn’t enough.




Ein kurzer Text, catchy und vielversprechend. Noch dazu habe ich von Hannah Harringtons Debüt "Saving June" nur Gutes gehört. Ich habe mich voller Vorfreude auf "Speechless" gestürzt ... und bin nach wenigen Seiten in ein ernüchterndes Loch gefallen.


Alles was ich bei diesem Buch noch sehe ist eine Protagonistin, die für mich einfach nicht funktioniert hat. Es fällt mir wirklich schwer, andere Aspekte der Geschichte zu beurteilen, weil Chelsea mir so prominent vor Augen steht - und das ist extrem schade, weil der Hintergrund ein sehr wichtiger und diskussionswürdiger ist. Es ist nur ein Satz, der Chelseas Leben komplett verändert, und nicht nur ihr Leben, sondern vor allem das von Noah, der danach für Wochen ans Krankenbett gefesselt ist, fast stirbt. Es führt Chelsea vor Augen, wie wenig es braucht, um das Leben eines anderen in Gefahr zu bringen.

Naja, glaube ich zumindest. So wirklich eingestehen tut sie sich diesen Umstand nicht. Chelsea ist egozentrisch, unsympathisch, naiv, hochnäsig, einfach zum-aus-der-Haut-fahren-nervig. Wie ich so aus ihrer Perspektive gelesen habe, hatte ich das Bedürfnis, ihr einfach mal eine zu kleben. Und dabei zu hoffen, dass sie vielleicht mit beiden Beinen im Leben landet.
Anfangs hat sie mich stark an Samatha aus "Before I Fall"/"Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" (Lauren Oliver) erinnert, allerdings besteht hier der gravierende Unterschied, dass Samantha erstens ein spannender Charakter und zweitens viel selbstreflektierender ist als Chelsea.
Das wirklich schlimme ist das hier: Ich habe mich noch nicht mal gefreut wenn zur Abwechslung mal jemand nett zu Chelsea war und Leid getan hat sie mir auch nicht. Als zB Asha, die einzige die wirklich normal mit Chelsea umgeht, ihr anbietet bei den Matheaufgaben zu helfen, ist Chelseas erster Gedanke, dass sie so zumindest eine gute Note aus "dieser widerwilligen Kameradschaft" herausholen könnte.
Abgesehen von Genervtheit hat Chelsea keine Gefühle bei mir getriggert. Schlechte Ausganglage für einen Roman, der sich der Ich-Perspektive bedient und dazu noch sehr charakterorientiert ist.


Gestört hat mich außerdem, dass das mit dem Schweigen bei Chelsea viel zu einfacht funktioniert. Sie entscheidet einfach, nicht mehr zu sprechen, aber sie beklagt sich nie, dass es so viel einfacher wäre, zu sprechen. Wenn ich mir vorstelle auch nur einen Tag kein Wort von mir zu geben ... ich bin wirklich keine Quasselstrippe, aber es würde mir so unglaublich schwer fallen. Vor allem weil jeder mit der Zeit nachlässig wird. Unachtsam. Wenn man mit etwas wie einem Schweigegelübde beginnt ... das muss einem doch schwer fallen!
Aber bei Chelsea kein Gedanken in diese Richtung. Das kommt erst nach 1/3 des Buches, nachdem sie schon drei Tage problemlos geschwiegen hat.
Das nehme ich ihr einfach nicht ab.


Zu Chelseas Verteidigung muss ich sagen, dass sie mit den verstreigenden Tagen offener und fairer anderen gegenüber wird, aber die Freundschaften, die sie auf die Schnelle schließt ... naja, sagen wir, sie hat echt Glück, dass Asha und die anderen so leicht und schnell vergeben.
Dann plötzlich, fast von einer Seite zur nächsten, macht Chelsea einen kompletten Wandel durch. Man sieht richtig wie die Teile in ihrem Kopf zu einem Ganzen werden und ihre egoistische Art ist fast gelöscht.
Zumindest dieser Moment war schön zu lesen, aber es ändert nichts daran, dass Chelsea dieses Buch für mich ruiniert hat. Ich hätte es so viel interessanter gefunden, diese Geschichte aus Ashas Perspektive zu lesen. Oder aus Sams (kleine Info: das ist der love-interest, aber was ihn zu Chelsea hinzieht kann ich nicht verstehen).






Mehr als zwei Blümchen schauen wirklich nicht heraus. Chelsea hat das Buch für mich ruiniert, aber ich werde der Autorin wohl trotzdem noch eine Chance geben und "Saving June" lesen.




Thanks to Harlequin and Netgalley for providing the ARC!

28. Juli 2012

Katie McGarry - Pushing the Limits

2012, 409 Seiten
ca. € 13
ISBN 978-0-373-21049-7

SO WRONG FOR EACH OTHER...AND YET SO RIGHT.

No one knows what happened the night Echo Emerson went from popular girl with jock boyfriend to gossiped-about outsider with “freaky” scars on her arms. Even Echo can’t remember the whole truth of that horrible night. All she knows is that she wants everything to go back to normal.

But when Noah Hutchins, the smokinghot, girl-using loner in the black leather jacket, explodes into her life with his tough attitude and surprising understanding, Echo’s world shifts in ways she could never have imagined. They should have nothing in common. And with the secrets they both keep, being together is pretty much impossible.

Yet the crazy attraction between them refuses to go away. And Echo has to ask herself just how far they can push the limits and what she’ll risk for the one guy who might teach her how to love again.



Was ich denke ...
Ich fürchte diese Rezension wird eine der schwierigsten, die ich je geschrieben habe. Ich bin gerade selbst gespannt, ob ich in Worte fassten kann, was ich zu "Pushing the Limits" zu sagen haben.


Vorweg: Ich bin nicht über die Maßen begeistert von diesem Buch, aber auch auf keinen Fall enttäuscht.
Fangen wir mit dem Positiven an. Es gab Passagen und Ansätze in "Pushing the Limits" die habe ich geliebt und die werden mir ewig in Erinnerung bleiben als einige der besten, die YA-Contemporary im Augenblick zu bieten hat.

1.Echo. Gleich nachdem ich "Pushing the Limits" beendet hatte habe ich "Speechless" von Hannah Harrington begonnen und es hat mit den krassen Unterschied zwischen den Protagonistinnen in beiden Büchern unübersehbar verdeutlicht. Sowohl Echo als auch Chelsea gehörten zu den "popular girls" wie sie (offebar - meine Quellen sind lediglich Bücher und Filme ^^) in jeder amerikanischen High School anzutreffen sind. Bei beiden gab es einen Tag, der alles verändert hat, nachdem sie Gefallene in der Nahrungskette sind.
Und doch ist es nur Echo, die ich verstehen konnte, mit der ich mitfühlen kann. Chelsea aus "Speechless" hat mir verdeutlicht, wie viel näher ich mich Echo von Anfang an gefühlt hab. Ihr ist etwas wirklich Furchtbares passiert, das selbst Kennern des Genres neue Perspektiven bietetet (nur soviel: Es hat mit ihrer Mutter zu tun und mit einer psychischen Erkrankung), und obwohl es ein paar Kapitel dauert, bis das Geschehen angedeutet wird, ist es mir überhaupt nicht schwer gefallen, in Echos Kopf zu schlüpfen.

2.Noah. Das selbe lässt sich über den männlichen Protagonisten sagen. Noah kämpft mit einem Problem, das mir in der YA-Literatur eher unbekannt ist. Er ist seit zwei Jahren Teil des Pflegefamiliensystems und kämpft tagtäglich darum, seine beiden jüngeren Brüder sehen zu dürfen.
Noah ist ein sehr natürlicher männlicher Charakter. Leider sind mir seine Ausdrucksweise und seine Körperorientiertheit manchmal ziemlich auf die Nerven gegangen, aber dann dachte ich: Stimmt aber doch, genau so reden Teenager! Vor allem welche, die mit Erwachsenen keine guten Erfahrungen gemacht haben. Im Grunde glaube ich, dass die Autorin hier sogar noch einen drauflegen hätte können und es wäre immer noch im Bereich der Realität gewesen - zum Glück hat sies nicht getan.

3. Die Anziehung zwischen Echo und Noah ist überwiegend physischer Natur. Sex ist ein zentraler Punkt dieses Buches und wird nicht mit Samtpfoten angefasst. Trotzdem wird das Thema nicht überstreckt - ich würde meinen, Sex ist eher eine Art "gut integrierter Nebenkonflikt".

4.Erzählstil: Echo und Noah wechseln sich mit der Ich-Perspektive ab. Das hat für mich super funktioniert.

Nun aber leider zum happigen Teil der Rezension: Insgesamt hat mir die Tiefe entwas gefehlt, ein Detail, das die Geschichte besonders machen würde. Die Sprache hatte leider auch keine Besonderheiten zu bieten, war manchmal wiederholend, aber flüssig. Das hat mich noch am wenigsten gestört.
Da waren Noahs kitschige Nymphen- und Göttinnen-Vergleiche schon ein ganzes Eck schlimmer. Vor allem weil er sich wiederholt hat - ständig. Da hat es schon einiges Augenrollen meinerseits gegeben. Versteht das nicht falsch, ich mochte Noah sehr und er hat definitiv richtige Heldenmomente, aber um Seite 300 herum hat er es dann sogar noch geschafft, mir ein ungläubiges Schnauben zu entlocken. Das hätte wirklich nicht sein müssen! Man kanns auch übertreiben ... Außerdem neigt er leider dazu, die Wörter "baby" und "my girl" (in besitzergreifender Manie) etwas zu gehäuft zu verwenden.


Alles in allem ist "Pushing the Limits" ein Buch, das ihr euch bedenkenlos zulegen und lesen könnt - unterhalten wird es bestimmt! - aber für mich wird es ein Debüt bleiben, das in der Fülle aus Neuerscheinungen untergeht. 
Zwar bietet es Probleme und Konflikte, die in im YA-Genre relativ unausgetreten sind, aber ich musste mich auch über einige Dinge sehr ärgern. ZB Noahs Kosename für Echo - "baby" - den er ihr gefühlte Sekunden, nachdem sie sich für ihn entschieden hat, verpasst und dann ziemlich überstrapaziert hat. Vielleicht habe ich zu viele Idealvorstellungen, kritisch bin ich bestimmt, aber es ist einfach kein gutes Zeichen wenn ich (an manchen Stellen) mit Augenverdrehen nicht mehr nachkomme. Wie gesagt, es gibt auch Passagen in diesem Buch, an die ich mich erinnern werde weil sie ein Großartiges Beispiel für die Vielfalt des Genres sind.

Großzüge 4 Blümchen, die sich eher richtig 3,5 lehnen.










A great thanks to Netgalley and Harlequin for the chance to read the ARC!

23. Juli 2012

Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3442313013

Ich bin verflucht. Ich habe eine Gabe.
Ich bin tödlich. Ich bin das Leben.
Niemand darf mich berühren. Berühr mich.

Ihr Leben lang war Juliette allein, eine Ausgestoßene - ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch – und ihre größte Furcht ...


Ich bin völlig ohne Erwartungen an dieses Buch herangegangen, weil ich eigentlich gar nicht vor hatte, es überhaupt zu lesen. Aber als ich dann dieses Cover aus dem Karton gezogen habe. Wow. Kennt ihr das, wenn sich Bücher so ganz anders anfühlen. Das Material des Umschlags. Das Geräusch wenn man mit den Fingern dranfährt und wieder weg - *tapp* Ein leises *tapp*.
Da wars um mich geschehen - ich habe leichte Neigungen zu Coverfetischismus - und ich habe die erste Seite gelesen. Wären meine Prüfungsunterlagen nicht gewesen, ich hätte sofort weitergelesen.
So aber hat es ein paar Wochen gedauert bis ich "Ich fürchte mich nicht" wieder zur Hand nehmen konnte. Und die erste Seite hatte nichts von ihrer Faszination verloren:

"Du bekommst einen Zellengenossen Mitbewohner", haben sie gesagt.
"Wir hoffen, du verrottest hier Für gute Führung", haben sie gesagt.
"Der ist genauso verrückt wie du Keine Isolationshaft mehr", haben sie gesagt.
S. 9 Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

Ehrlich, allein dieser Stil, zu dem auf den ersten Blick nur durchgestrichene Wörter zu zählen scheinen, hat mich sofort an die Seiten gefesselt. Das schreibende Ich in mir hat diese Idee bewundert. So einfach und doch so kraftvoll, weil es die Autorin damit schafft, ein Charakterbild zu zeichen, wie ich es in dieser Ausgefeiltheit noch nie gelesen habe. Es zeigt so einfach, was in Juliette eigentlich vor sich geht, und was sie sich - im Gegensatz zu ihren inneren Drängen - einzureden versucht. Wahnsinn!

"Ich weiß jetzt nur, dass die Wissenschaftler sich irren.
Die Erde ist eine Scheibe.
Das weiß ich, weil ich vom Rand gestoßen wurde, und seit 17 Jahren versuche mich daran festzuhalten."
S. 31 Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

Ich würde Juliette nicht unbedingt als übermäßig interessant oder vielfältig bezeichnen. Was sie so faszinierend macht ist der Stil der Autorin, der zB mit Wortwiederholungen und Herumdrehen von Sätzen Juliettes Verzweiflung und Gedankenstärke präsentiert. "Ich fürchte mich nicht" wird so viel mehr zu einer Charakterstudie als zu einer Dystopie.
Zumindest was die ersten 150 Seiten betrifft.

Leider macht das Buch dann eine komplette Wende durch und ist fast nicht wiederzuerkennen. Unlogik gesellt sich zu übertriebenem Liebesgesülze.
Zum Beispiel leuchtet mir bis jetzt nicht ein, warum Warner Juliette ihr eigenes Zimmer gibt und einen "Wachhunder" abstellt, wenn er sie dann doch - ohne Angabe von Gründen - zwingt, in seinem Zimmer zu schlafen. Wohlgemerkt ohne Aufpasser. Reine Effekthascherer in meinen Augen - wobei der Effekt bei mir eher nach hinten losgegangen ist.
Außerdem fehlen die Erklärungen. Sowohl für Juliettes Gabe (die Erklärung scheint wohl im zweiten Teil zu kommen), als auch für die Ausnahmen ihrer Gabe. Warum spricht sie plötzlich davon "in dieser Kleidung" besser kämpfen zu können? Davor war nicht mal die Rede davon, dass sie sich überhaupt wehren kann. Oder schießen ... Den selbstverständlichen Umgang mit einer Waffe scheint sie irgendwann zwischen "Außenseiter in der Schule" und "Drei Jahre Eingesperrt" gelernt zu haben.
Vom Setting erfährt man auch viel zu wenig - abgesehen davon, dass obbenbar alles den Bach runtergegangen ist. Ist ja auch eine Dystopie, was anderes habe ich gar nicht erwartet.

Am meisten stört mich aber, dass die Romantik - die vorher noch so unmöglich und tragisch ist, von der ich wirklich begeistert war - sich ab der Hälfte des Buches in einer Wiederholungsschleife verfängt.


Fazit
"Ich fürchte mich nicht" besticht durch einen hervorragenden und vor allem außergewöhnlichen Stil. So nah habe ich mich einer Protagonistin wirklich selten gefühlt. Von der zweiten Hälfte des Buches war ich aber sehr enttäuscht. Erst am Ende tauchen wieder einige Handlungselemente auf, für die ich mich wohl begeistern könnte, sollte mir Band 2 irgendwann in die Hände fallen.
Keine absolute Leseempfehlung, aber für einen Versuch spreche ich mich sehr aus - allein schon weil man sich den Stil nicht entgehen lassen sollte!


22. Juli 2012

Cassandra Rose Clarke - The Assassin's Curse

2012, 416 Seiten
ca. € 7
ISBN 9781908844026
Erscheint am 2. Oktober 2012 bei Angry Robot

Ananna of the Tanarau is the eldest daughter of a highly-ranked family in the loose assortment of cutthroats and thieves in the Pirate's Confederation. When she runs away from the marriage her parents have arranged for her, they hire Naji the assassin to murder her.

When a mysterious woman in a dress shop offers her magical assistance for dealing with the assassin, Ananna accepts. She never went in much for magic herself -- she lacks the talent for it -- but she's not quite ready to die yet, either. Unfortunately, the woman's magic fails.

Fortunately, Ananna inadvertently saves the assassin's life in the skirmish, thus activating a curse that had been placed on him a few years earlier. Now, whenever her life is in danger, he must protect her -- or else he experiences tremendous physical pain. Neither Ananna nor the assassin, Naji, are pleased about this development.


(Gekürzter Klappentext - der letzte Absatz ist ein kompletter Spoiler, den man vorher nicht lesen sollte ... finde ich. Wenn ihr doch wollt, findet ihr den kompletten Klappentext >hier<)


Was ich denke ...
Ich bin mit keinerlei großen Erwartungen an dieses Debüt von Cassandra Rose Clarke herangegangen und muss zugeben, dass ich die ersten Seiten auch noch als ziemlich gewöhnungsbedürftig empfunden habe. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass das daran lag, dass die Autorin ihre Protagonistin ohne einleitende Worte oder Erklärungen auf den Leser loslässt. Im Zusammenhang mit Ananna muss ich einfach von "loslassen" sprechen - sie ist wild, setzt sich durch, hat aber, wie ich bald gemerkt habe, auch eine sehr gefühlvolle Seite.

Ananna, die Piratentochter, ist der Kern dieses Buches, ohne den die Geschichte nicht funktionieren würde. Sie ist das Sichtfenster, durch das wir die Welt aus "The Assassin's Curse" sehen. Im Grunde wie ein Filter, der nur das Wesentliche durchlässt und dadurch eine bombastische (jawohl!) Perspektive erlaubt.
Ananna flieht vor einer arrangierten Ehe mit dem Sohn einer anderen Piratenfamilie. Und sie meint es ernst - am Anfang habe ich noch an ihren Motiven gezweifelt, aber die sind vorhanden und sie sind echt. Ananna handelt nicht aus Launen heraus, was sie tut das ist ihr ernst.
Ich glaube deshalb mochte ich sie so. Deswegen und wegen ihrer knappen, teils belustigten und tief sarkastischen Blickweise. Ihre Stimme hat diesen Unterton, der einen im Innern ständig lachen lässt. Ananna ist großartig!
 

Und dann haben wir da Naji. Naji der Assassine, der Ananna hinterhergeschickt wird. Allerdings ist Ananna wie gesagt sehr zielstrebig und auch nicht zimperlich im Umgang mit Waffen - die Situation endet damit, dass Naji durch einen Fluch an Ananna gebunden ist. Und *bam* wir haben eine Situation voller Konflikte, Misstrauen, Anspannung. Die Chemie zwischen Ananna und Naji stimmt einfach, die Autorin hat meiner Ansicht nach alles richtig gemacht was man nur richtig machen kann. Es brodelt und ab und zu knistert es auch.
Aber bevor hier noch der Verdacht aufkommt, "The Assassin's Curse" sei eine seichte Romantasy, möchte ich eines festhalten: "The Assassin's Curse" ist ein großes Abenteuer! Ein Abenteuer mit zwei Helden, die wohl oder übel miteinander zurecht kommen müssen und sich im Laufe der (verfliegenden) Seiten zunehmend arrangieren. Ananna und Naji gewöhnen sich innerhalb von Wochen und Monaten (!) aneinander und von überschießenden unglaubwürdiger Romantik kann hier wirklich keine Rede sein.
Das wäre auch wirklich nicht möglich, denn Naji ist alles andere als offen und leicht im Umgang. Es dauert ewig bis er Ananna in seine Pläne einweiht, bis er ihr genug vertraut um über seine Vergangenheit zu sprechen. (Und Ananna ist da im Übrigen ganz ähnlich.) Naji hat mir immer direkt vor Augen gestanden, ich hatte das Gefühl, ihn durch Anannas Augen zu sehen, aber er behält vieles für sich und ich habe es als unglaublich spannend empfunden, langsam hinter seine Fassade blicken zu können.


Zeitlich ist "The Assassin's Curse" schwer einzuordnen. Wegen den Pistolen, die einzeln geladen werden müssen, würde ich auf das 15. oder 16. Jahrhundert schließen. Aber da das Setting örtlich nicht wirklich zuzuordnen ist, ist das eigentlich nicht weiter wichtig.
Wichtig hingegen ist nur: Ihr mögt Piraten? Und Assassinen? Habt gerne Abenteuergeschichten und sympathische, glaubhafte Protagonisten, die sich nicht gleich in überstürztes Liebesgedöns stürzen? Lest "The Assassin's Curse" kann ich da nur sagen!

Bewertung

Was "The Assassin's Curse" neben der ausgeklügelten Charakterbeziehung zu etwas Besonderem macht ist der leichte, satirische Ton der Geschichte. Den Leser erwartet ein großes Abenteuer und vielleicht das beste Fantasy-Debüt 2012. Ich liebe dieses Buch und sitze auf heißen Kohlen, denn der zweite Teil - "The Pirate's Wish" wird wohl erst Ende 2013 erscheinen.







A thousand thanks to Netgalley and Angry Robot for the chance to read the ARC!

20. Juli 2012

Daisy Whitney - The Mockingbirds

2012, Taschenbuch, 332 Seiten (Originalausgabe 2010 erschienen)
ca. € 9
ISBN 9780316090544

From the glossy pages of its admissions brochure, the prestigious Themis Academy appears perfect in every way: exceptional academics, extraordinary students, the kind of extracurriculars to make an Ivy League proud, and zero instrances of student misbehaviour. But this borading school isn't as Pristine as it appears. There's a dark underbelly to the perfect record the Themis administration flaunts. Student infractions are rampant, and it's up to a secret vigilante society, the Mockingbirds, to maintain order on campus - a responsibility their members take very seriously.
Alex Patrick never thought she would need the Mockingbirds. But when she's date-raped by another student, she doesn't know where else to go. As much as she's like to forget what happened, she can't escape the daily reminders of what went wrong that terrible night. Before she can summon the courage to take a stand, she'll have to accept that her battle for justice is no hers alone. Standing up for someone, especially yourself, is worth the fight.


Es gibt sie doch: Jugendbücher, die offen, ehrlich, realistisch (wenn auch in diesem Fall eine nicht gar so schöne Realität) und - ganz einfach - ohne Maulklappe mit Sex umgehen. Und dann habe ich das Buch auch noch zufällig in der Buchhandlung entdeckt. Es lies sich nicht vermeiden, das Buch mitzunehmen.

"The Mockingbirds" spielt auf einem Internat - der Themis Academy - das besonders intelligente und engagierte Schüler ausbildet. Jeder Schüler hat so sein kleines Spezialgebiet, die Protagonistin Alex zum Beispiel ist eine talentierte Pianistin. Normalerweise bin ich bei Internatsgeschichten immer skeptisch und auch bei "The Mockingbirds" hat mich das eher abgeschreckt - aber das Wort "date-rape" hat mich geködert.
Über dieses Wort muss ich mich auch gleich ein wenig auslassen. Einfach weil ich es nicht mag. "Date-rape" wird erstens in den USA ein wenig anders verstanden als in Australien oder UK, in deutschen Sprachraum in der Begriff ohnehin sehr schwammig. Darüber hinaus hat das Wort "date-rape" für mich etwas ... Verniedlichendes an sich, was ich einfach nicht okay finde - Vergewaltigung bleibt Vergewaltigung. Aber gut, die für mich beste Erklärung hat schließlich das gute alte Wikipedia geliefert (ich mag diese Erklärung deswegen weil auch in "The Mockingbirds" immer wieder der Umstand von "das Fehlens eines Neins ist kein Ja" betont wird):

Date Rape ist nicht einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, bei dem weder eine ausdrückliche Verweigerung noch eine Gewaltanwendung stattfindet. Der Tatbestand ist dabei lediglich in der nicht eindeutigen Einvernahme beider Geschlechtspartner zu finden („Ich habe nicht ja gesagt, ich habe aber auch nicht nein gesagt“). Dabei kann auch Alkoholeinfluss oder Übermüdung der Auslöser sein.
Quelle: http://www.wikipedia.de/

Jetzt da das geklärt ist, doch mal ein paar spezifischere Worte zum Buch. ;)
Herausheben möchte ich an dieser Stelle vor allem die Situation und, ja, den Konflikt in
der/dem sich die Protagonistin befindet. Das Buch beginnt mit einer erwachenden Alex, die feststellen muss, dass sie nackt in einem fremden Bett liegt. Neben ihr ein Typ, den sie in den ersten Minuten nicht einmal zuordnen kann. Sie weiß, es war Alkohol im Spiel, aber an Sex denkt sie erst als sie die beiden offenen Kondompackungen sieht.
Einerseits habe ich mich auf den ersten 100 Seiten wirklich schwer getan mit Alexs Charakter, andererseits war ihr Zweifeln und Hadern - Habe ich wirklich mit ihm geschlafen? Wollte ich das? Habe ich ja gesagt? - und vor allem ihre Verzweiflung, das langsame Realisieren, dass da etwas nicht gelaufen ist, wie es sollte, so nachvollziehbar beschrieben, dass ich gar nicht anders konnte als von Anfang an an den Seiten zu kleben.

Angetan haben es mir aber mehr die Nebencharaktere. Maia und T.S., achja, und Martin natürlich!
Diese Charaktere sind es auch, die das Thema "Mockingbirds" ins Spiel bringen. Am Anfang mutet diese Gruppierung wie eine Art Geheimbund an, aber die Autorin gibt sich genug Mühe diesen Eindruck unter den Tisch zu kehren. Kein Geheimbund, dafür eine Hilforganisation von Schülern für Schüler. An und für sich mochte ich dieses Konzept sehr, bloß die Begründung dafür (also: Warum braucht es die Mockingbirds) war etwas an den Haaren herbeigezogen *räusper*: Die Schulleitung ist so dermaßen davon überzeugt, dass die Schüler der Themis Academy keine Fehler haben, dass jede Beschwerde und jedes Problem heruntergespielt wird - das geht sogar so weit, dass öfter die Lehrer als die Schüler bestraft haben ... Richtig gelesen.

Abgesehen davon hab ich aber gar nicht viel zu maulen. "The Mockingbirds" ist spannend und beleuchtet ein Problem, das viel zu selten angesprochen wird. An Alex kann der Leser wunderbar beobachten, wie viel Kraft es kostet, für sich selbst das Wort zu ergreifen und Recht einzufordern - aber auch, dass es sich schlussendlich lohnt. Nicht nur für einen selbst sondern für all die anderen "stillen" Opfer denen niemand zuhört.
Zudem vermittelt Alex' Geschichte, dass niemand alleine ist. Sie braucht eine ganze Zeit lang bis sie akzeptiert hat, was passiert ist. Aber nach und nach realisiert sie, dass sie deswegen keine Ausgestoßene sein muss. Ihre Freunde unterstützen sie auf jede erdenkliche Weise und das zu lesen und mitzuerleben war großartig. Besonders als sich Alex für Liebe öffnet hat mich das sehr gefreut.
Damit noch nicht genug zeigt "The Mockingbirds" wie Beziehungen (auch solche in Büchern) sein sollten/könnten bzw. wie sie nicht sein sollten. Dass es um Vertrauen geht und nicht bloß um eine zufällige Blickverschränkung nach der man unsterblich verliebt ist. Das Buch ist hier viel realistischer als der stumpfe Großteil der YA-Fantasy und YA-Contemporary die tagtäglich erscheint. Dafür ein großes "Bravo!" an Frau Whitney. Und ein Dankeschön.

(Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum es eine Fortsetzung braucht ...-> "The Rivals")