Posts mit dem Label Romance werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Romance werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

3. Februar 2013

Cassandra Rose Clarke - The Mad Scientist's Daughter

2013, Paperback, 391 Seiten
ca € 10
ISBN 9780857662651

"Cat, this is Finn. He's going to be your tutor."

Finn looks and acts human, though he has no desire to be. He was programmed to assist his owners, and performs his duties to perfection. A billion-dollar construct, his primary task now is to tutor Cat. As she grows into a beautiful young woman, Finn is her guardian, her constant companion… and more.
But when the government grants rights to the ever-increasing robot population, however, Finn struggles to find his place in the world.


Als ich im letzten Jahr Cassandra Rose Clarke's Debüt The Assassin's Curse gelesen habe, war ich restlos begeistert von den Protagonisten und ihrer Beziehung zueinander. Clarke hat den Bogen wirklich raus und das beweist sich auch mit ihrem ersten Roman für Erwachsene - wobei, das muss ich gleich gesagt haben, der geneigte Leser etwas mehr Zeit und Seiten invenstieren muss als das bei The Assassin's Curse der Fall ist. Der ungeneigte Leser könnte schnell die Lust verlieren.

Das ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich anzubringen habe: Es hat ewig gedauert, bis ich mit Cat warm geworden bin. The Mad Scientist's Daughter ist vieles - eine Liebesgeschichte, Science Fiction, Drama - aber vor allen Dingen ist es in meinem Empfinden ein Entwicklungsroman. (Und nur in sehr kleinen Teilen politisch, ganz anders als uns der Klappentext weismachen will.)
Der Leser lernt Cat als Fünfjährige kennen. Sie begegnet Finn zum ersten Mal und wie Cat hatte ich Probleme, ihn richtig einzuordnen. Es wird relativ schnell klar, dass Finn ein Roboter ist, aber die Überlegungen und Gefühle, die er manchmal an den Tag legt, passten in meiner Vorstellung so gar nicht mit Robotern zusammen.
Während Cat älter wird - und das in geradezu rasenden Schritten, zur Hälfte des Buches ist sie bereits 28 - wird Finns Bild immer klarer, während Cat irgendwie kalt und unnahbar bleibt. Es gab da eine Phase, in der ich mit mir gekämpft habe, ob ich das Buch nicht besser bleiben lasse. (Das ist übrigens die Phase, in der Cat und Finn ihre Beziehung ziemlich weit treiben. Ja, so weit. Roboter-Sex. Da, ich habs gesagt. Roboter-Sex.)

Das war der Moment, in dem ich 1. gemerkt habe, dass The Mad Scientist's Daughter kein YA ist (eine kleine Recherche im Vorfeld hätte Abhilfe geschafft, aber der Name auf dem Cover hat zu Direktkauf geführt), und ab dem ich 2. beschlossen habe, die Geschichte nicht mehr ganz so realistisch, sondern mehr symbolhaft zu sehen. Das hat geholfen. Und ab da habe ich das Buch verschlungen, geradezu inhaliert, und zum Schluss geliebt.

Gewisse Dinge drängen sich in der Interpretation geradezu auf, aber eine Ausführung würde an dieser Stelle zu massenhaft Spoilern führen, deshalb belasse ich es dabei und hoffe, trotzdem eure Neugierde und euer Interesse geweckt zu haben.
The Mad Scientist's Daughter ist neben all der Interpretatiererei vor allen Dingen eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, die in sprachlicher Schönheit und immer ein wenig melancholisch auftritt. Was braucht es, um zu fühlen? Was ist Gefühl überhaupt? Was bedeutet Menschlichkeit? Am Ende ist das Buch so umfassend und überwältigend, das ich gerade das Gefühl habe, bestimmt die Hälfte verpasst zu haben.

Also muss ich es wohl nochmal lesen. Was sich gut trifft, denn irgendwie muss ich mich ja über die fünf Monate bis zum Erscheinen von The Pirate's Wish retten.





Und wem das alles nicht zusagt, dessen Nase sei noch einmal herzlich aber vehement auf The Assassin's Curse gedrückt. ;)

28. Juli 2012

Katie McGarry - Pushing the Limits

2012, 409 Seiten
ca. € 13
ISBN 978-0-373-21049-7

SO WRONG FOR EACH OTHER...AND YET SO RIGHT.

No one knows what happened the night Echo Emerson went from popular girl with jock boyfriend to gossiped-about outsider with “freaky” scars on her arms. Even Echo can’t remember the whole truth of that horrible night. All she knows is that she wants everything to go back to normal.

But when Noah Hutchins, the smokinghot, girl-using loner in the black leather jacket, explodes into her life with his tough attitude and surprising understanding, Echo’s world shifts in ways she could never have imagined. They should have nothing in common. And with the secrets they both keep, being together is pretty much impossible.

Yet the crazy attraction between them refuses to go away. And Echo has to ask herself just how far they can push the limits and what she’ll risk for the one guy who might teach her how to love again.



Was ich denke ...
Ich fürchte diese Rezension wird eine der schwierigsten, die ich je geschrieben habe. Ich bin gerade selbst gespannt, ob ich in Worte fassten kann, was ich zu "Pushing the Limits" zu sagen haben.


Vorweg: Ich bin nicht über die Maßen begeistert von diesem Buch, aber auch auf keinen Fall enttäuscht.
Fangen wir mit dem Positiven an. Es gab Passagen und Ansätze in "Pushing the Limits" die habe ich geliebt und die werden mir ewig in Erinnerung bleiben als einige der besten, die YA-Contemporary im Augenblick zu bieten hat.

1.Echo. Gleich nachdem ich "Pushing the Limits" beendet hatte habe ich "Speechless" von Hannah Harrington begonnen und es hat mit den krassen Unterschied zwischen den Protagonistinnen in beiden Büchern unübersehbar verdeutlicht. Sowohl Echo als auch Chelsea gehörten zu den "popular girls" wie sie (offebar - meine Quellen sind lediglich Bücher und Filme ^^) in jeder amerikanischen High School anzutreffen sind. Bei beiden gab es einen Tag, der alles verändert hat, nachdem sie Gefallene in der Nahrungskette sind.
Und doch ist es nur Echo, die ich verstehen konnte, mit der ich mitfühlen kann. Chelsea aus "Speechless" hat mir verdeutlicht, wie viel näher ich mich Echo von Anfang an gefühlt hab. Ihr ist etwas wirklich Furchtbares passiert, das selbst Kennern des Genres neue Perspektiven bietetet (nur soviel: Es hat mit ihrer Mutter zu tun und mit einer psychischen Erkrankung), und obwohl es ein paar Kapitel dauert, bis das Geschehen angedeutet wird, ist es mir überhaupt nicht schwer gefallen, in Echos Kopf zu schlüpfen.

2.Noah. Das selbe lässt sich über den männlichen Protagonisten sagen. Noah kämpft mit einem Problem, das mir in der YA-Literatur eher unbekannt ist. Er ist seit zwei Jahren Teil des Pflegefamiliensystems und kämpft tagtäglich darum, seine beiden jüngeren Brüder sehen zu dürfen.
Noah ist ein sehr natürlicher männlicher Charakter. Leider sind mir seine Ausdrucksweise und seine Körperorientiertheit manchmal ziemlich auf die Nerven gegangen, aber dann dachte ich: Stimmt aber doch, genau so reden Teenager! Vor allem welche, die mit Erwachsenen keine guten Erfahrungen gemacht haben. Im Grunde glaube ich, dass die Autorin hier sogar noch einen drauflegen hätte können und es wäre immer noch im Bereich der Realität gewesen - zum Glück hat sies nicht getan.

3. Die Anziehung zwischen Echo und Noah ist überwiegend physischer Natur. Sex ist ein zentraler Punkt dieses Buches und wird nicht mit Samtpfoten angefasst. Trotzdem wird das Thema nicht überstreckt - ich würde meinen, Sex ist eher eine Art "gut integrierter Nebenkonflikt".

4.Erzählstil: Echo und Noah wechseln sich mit der Ich-Perspektive ab. Das hat für mich super funktioniert.

Nun aber leider zum happigen Teil der Rezension: Insgesamt hat mir die Tiefe entwas gefehlt, ein Detail, das die Geschichte besonders machen würde. Die Sprache hatte leider auch keine Besonderheiten zu bieten, war manchmal wiederholend, aber flüssig. Das hat mich noch am wenigsten gestört.
Da waren Noahs kitschige Nymphen- und Göttinnen-Vergleiche schon ein ganzes Eck schlimmer. Vor allem weil er sich wiederholt hat - ständig. Da hat es schon einiges Augenrollen meinerseits gegeben. Versteht das nicht falsch, ich mochte Noah sehr und er hat definitiv richtige Heldenmomente, aber um Seite 300 herum hat er es dann sogar noch geschafft, mir ein ungläubiges Schnauben zu entlocken. Das hätte wirklich nicht sein müssen! Man kanns auch übertreiben ... Außerdem neigt er leider dazu, die Wörter "baby" und "my girl" (in besitzergreifender Manie) etwas zu gehäuft zu verwenden.


Alles in allem ist "Pushing the Limits" ein Buch, das ihr euch bedenkenlos zulegen und lesen könnt - unterhalten wird es bestimmt! - aber für mich wird es ein Debüt bleiben, das in der Fülle aus Neuerscheinungen untergeht. 
Zwar bietet es Probleme und Konflikte, die in im YA-Genre relativ unausgetreten sind, aber ich musste mich auch über einige Dinge sehr ärgern. ZB Noahs Kosename für Echo - "baby" - den er ihr gefühlte Sekunden, nachdem sie sich für ihn entschieden hat, verpasst und dann ziemlich überstrapaziert hat. Vielleicht habe ich zu viele Idealvorstellungen, kritisch bin ich bestimmt, aber es ist einfach kein gutes Zeichen wenn ich (an manchen Stellen) mit Augenverdrehen nicht mehr nachkomme. Wie gesagt, es gibt auch Passagen in diesem Buch, an die ich mich erinnern werde weil sie ein Großartiges Beispiel für die Vielfalt des Genres sind.

Großzüge 4 Blümchen, die sich eher richtig 3,5 lehnen.










A great thanks to Netgalley and Harlequin for the chance to read the ARC!

23. Juli 2012

Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3442313013

Ich bin verflucht. Ich habe eine Gabe.
Ich bin tödlich. Ich bin das Leben.
Niemand darf mich berühren. Berühr mich.

Ihr Leben lang war Juliette allein, eine Ausgestoßene - ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch – und ihre größte Furcht ...


Ich bin völlig ohne Erwartungen an dieses Buch herangegangen, weil ich eigentlich gar nicht vor hatte, es überhaupt zu lesen. Aber als ich dann dieses Cover aus dem Karton gezogen habe. Wow. Kennt ihr das, wenn sich Bücher so ganz anders anfühlen. Das Material des Umschlags. Das Geräusch wenn man mit den Fingern dranfährt und wieder weg - *tapp* Ein leises *tapp*.
Da wars um mich geschehen - ich habe leichte Neigungen zu Coverfetischismus - und ich habe die erste Seite gelesen. Wären meine Prüfungsunterlagen nicht gewesen, ich hätte sofort weitergelesen.
So aber hat es ein paar Wochen gedauert bis ich "Ich fürchte mich nicht" wieder zur Hand nehmen konnte. Und die erste Seite hatte nichts von ihrer Faszination verloren:

"Du bekommst einen Zellengenossen Mitbewohner", haben sie gesagt.
"Wir hoffen, du verrottest hier Für gute Führung", haben sie gesagt.
"Der ist genauso verrückt wie du Keine Isolationshaft mehr", haben sie gesagt.
S. 9 Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

Ehrlich, allein dieser Stil, zu dem auf den ersten Blick nur durchgestrichene Wörter zu zählen scheinen, hat mich sofort an die Seiten gefesselt. Das schreibende Ich in mir hat diese Idee bewundert. So einfach und doch so kraftvoll, weil es die Autorin damit schafft, ein Charakterbild zu zeichen, wie ich es in dieser Ausgefeiltheit noch nie gelesen habe. Es zeigt so einfach, was in Juliette eigentlich vor sich geht, und was sie sich - im Gegensatz zu ihren inneren Drängen - einzureden versucht. Wahnsinn!

"Ich weiß jetzt nur, dass die Wissenschaftler sich irren.
Die Erde ist eine Scheibe.
Das weiß ich, weil ich vom Rand gestoßen wurde, und seit 17 Jahren versuche mich daran festzuhalten."
S. 31 Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

Ich würde Juliette nicht unbedingt als übermäßig interessant oder vielfältig bezeichnen. Was sie so faszinierend macht ist der Stil der Autorin, der zB mit Wortwiederholungen und Herumdrehen von Sätzen Juliettes Verzweiflung und Gedankenstärke präsentiert. "Ich fürchte mich nicht" wird so viel mehr zu einer Charakterstudie als zu einer Dystopie.
Zumindest was die ersten 150 Seiten betrifft.

Leider macht das Buch dann eine komplette Wende durch und ist fast nicht wiederzuerkennen. Unlogik gesellt sich zu übertriebenem Liebesgesülze.
Zum Beispiel leuchtet mir bis jetzt nicht ein, warum Warner Juliette ihr eigenes Zimmer gibt und einen "Wachhunder" abstellt, wenn er sie dann doch - ohne Angabe von Gründen - zwingt, in seinem Zimmer zu schlafen. Wohlgemerkt ohne Aufpasser. Reine Effekthascherer in meinen Augen - wobei der Effekt bei mir eher nach hinten losgegangen ist.
Außerdem fehlen die Erklärungen. Sowohl für Juliettes Gabe (die Erklärung scheint wohl im zweiten Teil zu kommen), als auch für die Ausnahmen ihrer Gabe. Warum spricht sie plötzlich davon "in dieser Kleidung" besser kämpfen zu können? Davor war nicht mal die Rede davon, dass sie sich überhaupt wehren kann. Oder schießen ... Den selbstverständlichen Umgang mit einer Waffe scheint sie irgendwann zwischen "Außenseiter in der Schule" und "Drei Jahre Eingesperrt" gelernt zu haben.
Vom Setting erfährt man auch viel zu wenig - abgesehen davon, dass obbenbar alles den Bach runtergegangen ist. Ist ja auch eine Dystopie, was anderes habe ich gar nicht erwartet.

Am meisten stört mich aber, dass die Romantik - die vorher noch so unmöglich und tragisch ist, von der ich wirklich begeistert war - sich ab der Hälfte des Buches in einer Wiederholungsschleife verfängt.


Fazit
"Ich fürchte mich nicht" besticht durch einen hervorragenden und vor allem außergewöhnlichen Stil. So nah habe ich mich einer Protagonistin wirklich selten gefühlt. Von der zweiten Hälfte des Buches war ich aber sehr enttäuscht. Erst am Ende tauchen wieder einige Handlungselemente auf, für die ich mich wohl begeistern könnte, sollte mir Band 2 irgendwann in die Hände fallen.
Keine absolute Leseempfehlung, aber für einen Versuch spreche ich mich sehr aus - allein schon weil man sich den Stil nicht entgehen lassen sollte!


9. Juli 2012

Laini Taylor - Daughter of Smoke & Bone

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 418 Seiten
€ ca. 14
ISBN 9780316134026

Around the world, black handprints are appearing on doorways, scorched there by winged strangers who have crept through a slit in the sky. In a dark and dusty shop, a devil's supply of human teeth grown dangerously low. And in the tangled lanes of Prague, a young art student is about to be caught up in a brutal otherwordly war.
Meet Karou. She fills her sketchbooks with monsters that may or may not be real; she's prone to disappearing on mysterious "errands"; she speaks many languages--not all of them human; and her bright blue hair actually grows out of her head that color. Who is she? That is the question that haunts her, and she's about to find out. When one of the strangers--beautiful, haunted Akiva--fixes his fire-colored eyes on her in an alley in Marrakesh, the result is blood and starlight, secrets unveiled, and a star-crossed love whose roots drink deep of a violent past. But will Karou live to regret learning the truth about herself?


Protagonisten
Karou ist eine der interessantesten und vielseitigsten Protagonistinnen, die ich in der Literatur angetroffen habe. Schon wie sie auf den ersten Seiten mit ihrem Verflossenen umgeht - wow! Sie weiß, wie man sich wehrt, sie ist nicht auf den Mund gefallen, und sympathisch ist sie obendrein. Schon allein wegen Karou hätte ich das Buch gemocht.
Akiva ist lange Zeit ein großes Fragezeichen - für Karou und für den Leser. Seine Persönlichkeit und seine Beweggründe halten sich wie er selbst in den Schatten und hinter Schutzzaubern verborgen. Trotzdem ist er von Anfang an ein sehr zugänglicher Charakter. Ein paar weniger Erwähnungen seiner Schönheit hätten es aber auch getan.


Andere Charaktere
Wo fange ich nur an? Ich glaube, ich kürze das einfach ab: Jeder Charakter in diesem Buch hat einen Sinn. Sie sind nicht einfach nur da, weil die Autorin diese und diese skurille Figur noch einbauen wollte. Ich hatte einfach immer das Gefühl, kompletten Personen gegenüberzustehen, die eine ganz eigene Geschichte haben. Leider ist in dem Buch zu wenig Platz um ihnen allen genügend Platz einzuräumen. Aber ob es jetzt Karous Freundin Zuzana  ist oder ihre "Monster"-Familie in Brimstones Shop ... alle sind detailreich und vielschichtig.


Perspektive
Das Buch wird hauptsächlich aus Karous Perspektive erzählt, aber die Autorin ignoriert auch gerne mal eine der wichtigsten Regeln des Schreibens: Bleib innerhalb eines Absatzes bei einer Perspektive. Darum schert sich Laini Taylor nicht viel und am Anfang hat mich das sehr irritiert. Gefallen hat es mir auch nicht - stiltechnisch. Aber ich konnte mich dran gewöhnen und habe es dann als erfrischend anders empfunden.


Sprache
Frisch und spritzig, das trifft es wohl am besten.
Wobei ich da auch ein bisschen was zu meckern habe: Manchmal wäre mir ein wenig mehr "show" statt "tell" lieber gewesen. Dennoch ... Laini Taylor kann sogar die "show, don't tell" Regel ignorieren und ich finde ihre Geschichte immer noch faszinierend. Was ich mir daraus mitnehme ist, dass man sich als Schriftsteller nicht zu sehr von Regelns lenken lassen sollte - das ist nicht immer das Beste. Laini Taylor ist der beste Beweis.


Setting
Die Autorin beschreibt Prag so mystisch und geheimnisvoll, dass ich sofort hin wollte. (Aber nachdem es mich vor zwei Wochen schon wegen eines Buches nach Amsterdam verschlagen hat, konnte ich einfach nicht wieder nachgeben.) Zu diesem mystischen Bild von Prag, das gar nicht aus dem 21. Jahrhundert zu sein scheint, bekommt der Leser eine Dämonen-Monster-Engel-Magie-Welt, die nicht an Details geizt.
Kleine Anmerkung: Lass euch bloß nicht von einem dieser Worte abschrecken! Weder die Engel noch die Dämonen sind, wie man sich das vielleicht vorstellt. Ehrlich, ich bin so froh, dass ich im Vorhinein nicht wusste, dass es in diesem Buch um Engel geht, ich hätte es nie im Leben angerührt (hach, diese Vorurteile immer). Zum Glück hab ichs getan!






Ein großartiges Buch, das mit Atmosphäre, einer frischen Protagonistin und detailreichen Weltenbeschreibungen punktet. Und mit einer Geschichte in der Geschichte, die ich nicht erwartet, aber dann genauso verschlungen habe wie des Rest.


Teil 2 "Days of Blood & Starlight" erscheint mit ebenso wunderschönem Cover wie Teil 1 am 6. November 2012. (Noch SO lange O.O)



21. April 2012

1MinuteReview: Lorraine Zago Rosenthal - Other Words for Love


1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Mit einer Tasse morgentlichen Samstags-Kaffee ein Buch Revue passieren lassen, das ist schön. Vor allem wenn es sich dabei um ein Buch wie "Other Words for Love" handelt, das mich in mehr als einer Weise unvorbereitet getroffen hat.

1. Die Handlung beginnt 1985 in New York City und spannt sich bis ca. 1989/1990 - so genau lässt sich das am Ende nicht mehr sagen, außer man rechnet brav mit.

2. Totale Ehrlichkeit. AIDS, Geschlechtskrankheiten (engl. STD = sexually transmitted disease) - ja, man darf Jugendlichen ruhig auch mal sagen, dass man das ganze Zeug testen kann bevor man sich mit jemanden einlässt. Danke, Frau Rosenthal!
Aber nicht nur das. Ari lässt nichts aus. Wenn sie sich noch schnell die Beine rasiert bevor sie mit ihrem Freund in die Hamptons fährt, dann erwähnt sie das. Und wenn sie ihre Schwester und ihren Schwager beim Sex hören kann, dann gesteht sie ein, dass sie fasziniert davon ist.

3. Eben angesprochen, verdient aber noch eine Erwähnung: Sex. Ari macht sich Gedanken darüber wie jeder andere Teenager auch - ob das nur 1985 war oder ob es 25 Jahre später ist. Sanft und ohne erhobenen Zeigefinger beleuchtet die Autorin, wie es sein sollte, lässt aber auch nicht aus, wie es oft ist.

4. Glaubhafte Charaktere, die ihre Fehler haben. Ari zum Beispiel ist leicht eifersüchtig und lässt auch gerne mal ihre ungute Seite raus.

5. Das Ende und Aris Entwicklung. Es ist ein Happy End, aber nicht das, was ich Anfangs erwartet hätte.

Da fragt man sich natürlich, was ich an dem Buch eigentlich nicht mochte und da gibt es im Grunde nur eine Sache: Den gewaltigen Durchhänger über 200 Seiten in der ersten Hälfte des Buches. Ich hätte das Buch ein paar Mal fast weggelegt und bin nun sehr froh, dass ich der Autorin und der Geschichte immer wieder eine Chance gegeben habe.


15. Januar 2012

Leanna Renee Hieber - Darker Still

2011, Paperback, 318 Seiten
ca. € 6,00
ISBN 9781402260520


I was obsessed. It was as if he called to me, demanding I reach out and touch the brushstrokes of color swirled onto the canvas. It was the most exquisite portrait I'd ever seen--everything about Lord Denbury was unbelievable...utterly breathtaking and eerily lifelike.
There was a reason for that. Because despite what everyone said, Denbury never had committed suicide. He was alive. Trapped within his golden frame.
I've crossed over into his world within the painting, and I've seen what dreams haunt him. They haunt me too. He and I are inextricably linked--bound together to watch the darkness seeping through the gas-lit cobblestone streets of Manhattan. Unless I can free him soon, things will only get Darker Still. 


Was ich denke ... 
"Dorian Gray" meets "Jekyll and Hyde" - davon lässt man sich doch gerne ködern, nicht wahr? Ganz so atmosphärisch und schauerhaft ist "Darker Still" aber nicht, obwohl es durchaus seine faszinierenden Seiten hat.

Eine große Überraschung hat mich gleich auf den ersten zwei Seiten erwartet: Protagonistin Natalie Stewart ist stumm und auf Papier und Stift, manchmal auch auf Zeichensprache (wenn sie denn mal jemanden trifft, der sie beherrscht), angewiesen. Sie hatte keine leichte Kindheit, keine Freunde, aber trotzdem eine offene Erzählstimme. Dennoch, ich musste mit Natalie erst zusammenwachsen, was sich etwas mühsam gestaltete. Ich fand es am Anfang wirklich schwierig, sie richtig einzuschätzen - ist sie nur sehr zynisch oder sehr überzeugt von sich selbst und ihrer Wirkung auf Männer? Zudem präsentiert sie sich trotz ihrer persönlichen Erzählungen monoton und eindimensional. Später gewinnt ihr Charakter aber doch noch etwas Tiefe.

Das beste an "Darker Still" ist meiner Ansicht nach nicht die Protagnistin (oder die anderen Charaktere, wenn wir schon dabei sind), sondern die Handlungselemente, die an Klassiker wie "Dorian Gray" und "Jekyll and Hyde" erinnern, ohne die bekannten Werke zu kopieren.
Die Autorin schafft es wirklich, das Gemälde Lord Denburys vor dem Auge des Lesern heraufzubeschwören - unglaublich, was sich alles beschreiben lässt. Nicht ganz verständlich hingegen was für mich Natalies überschwängliche bzw. überbeeindruckte Reaktion auf das Bild. Das konnte ich einfach nicht ganz nachvollziehen, was aber bestimmt ein sehr persönlicher Eindruck ist.

Zur Liebesgeschichte möchte ich nur so viel sagen, dass sie zwar sehr schön zu lesen ist, mich aber nicht vollkommen überzeugt hat - vom Hocker gerissen hat sie mich gewiss nicht. Solide beschreibt die Beziehung zwischen Natalie und Lord Denbury wohl recht gut.

Was den Erzählstil angeht, so liest man mit "Darker Still" das Tagebuch einer 17-Jährigen, abgelöst von einigen Zeitungsartikeln, Briefen und Polizeiakten. An und für sich finde ich dieses Konzept gut, nur habe ich für mich selbst festgestellt, ein anderer Stil hätte der Geschichte besser getan. Vor allem ohne das Tagebuch, das einfach ein wenig kindisch rüber kommt - dazu sei gesagt, dass ich Tagebuchgeschichten generell nicht viel abgewinnen kann.


Bewertung
"Darker Still" ist ein durch und durch solides Buch ohne großartige Komplikationen. Über einige wenige Logiklücken gilt es hinwegzusehen, aber sonst bietet sich und eine Handlung, die an den richtigen Stellen an "Dorian Gray" erinnert, aber trotzdem ihre Eigenständigkeit behält.


25. November 2011

1MinuteReview: Sarah MacLean - Eleven Scandals to Start to Win a Duke's Heart

1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


"Eleven Scandals to Start ..." ist das dritte und letzte Buch der "Love by Numbers"-Trilogie von Sarah MacLean. In den Büchern ist jeweils ein Zwillingsbruder bzw. im dritten Buch die Schwester der beiden der Protagonistin/die Protagonistin.
Nachdem nun Gabriel und Nicholas St. John unter der Haube sind, geht ihre Halbschwester Juliana Fiori auf die Jagd.

Was im ersten Buch "Nine Rules to Break when Romancing with a Rake" noch erfrischend war - zumindest für mich als Historical Romance Neuling -, war im zweiten, "Ten Ways to be Adored when Landing a Lord", leider oftmals nur noch reine Wiederholung.
Von "Eleven Scandals to Start ..." hatte ich mir schließlich doch wieder mehr erwartet, weil ich Juliana in den Vorgänger-Büchern als äußerst lebhafte Person kennengelernt habe. Das bestätigt sich auch in diesem dritten Buch. Es macht wirklich Spaß Julianas Gespräche zu verfolgen! Mit ihrer italienischen Offenheit hat sie es alles andere als leicht in der steifen englischen Gesellschaft. Besonders wenn man ein bisschen Ahnung vom Italienischen hat, werden wohl die kleinen sprachlichen Aussetzer, mit denen Juliana kämpft, sehr unterhaltsam.

Leider hat sich das Buch aber ganz schön gezogen. Es dauert im Vergleich zu den Vorgängern sehr lange, bis Juliana und Simon sich näher kommen. Erst auf den letzten 100 Seiten wurde auch der Rest der Handlung interessant.

Fazit: Julianas Charakter ist für mich der große Pluspunkt dieses Buches. Sie ist impulsiv und lässt sich nicht gerne etwas vorschreiben. Etwas wirklich neues bekommt man hier aber nicht zu lesen. Wahrscheinlich bin ich einach nicht für das Genre geschaffen.


24. Oktober 2011

Lia Habel - Dearly, Departed

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 480 Seiten
ca. € 10 - 12
ISBN 978-0345523310

Love conquers all, so they say. But can Cupid’s arrow pierce the hearts of the living and the dead—or rather, the undead? Can a proper young Victorian lady find true love in the arms of a dashing zombie?

The year is 2195. The place is New Victoria—a high-tech nation modeled on the manners, mores, and fashions of an antique era. A teenager in high society, Nora Dearly is far more interested in military history and her country’s political unrest than in tea parties and debutante balls. But after her beloved parents die, Nora is left at the mercy of her domineering aunt, a social-climbing spendthrift who has squandered the family fortune and now plans to marry her niece off for money. For Nora, no fate could be more horrible—until she’s nearly kidnapped by an army of walking corpses.

But fate is just getting started with Nora. Catapulted from her world of drawing-room civility, she’s suddenly gunning down ravenous zombies alongside mysterious black-clad commandos and confronting “The Laz,” a fatal virus that raises the dead—and hell along with them. Hardly ideal circumstances. Then Nora meets Bram Griswold, a young soldier who is brave, handsome, noble . . . and dead. But as is the case with the rest of his special undead unit, luck and modern science have enabled Bram to hold on to his mind, his manners, and his body parts. And when his bond of trust with Nora turns to tenderness, there’s no turning back. Eventually, they know, the disease will win, separating the star-crossed lovers forever. But until then, beating or not, their hearts will have what they desire.

In
Dearly, Departed, romance meets walking-dead thriller, spawning a madly imaginative novel of rip-roaring adventure, spine-tingling suspense, and macabre comedy that forever redefines the concept of undying love.  



Was ich denke ...
Wer den langen Klappentext jetzt nicht lesen möchte: Das ist nicht weiter schlimm. Von "Dearly, Departed" muss man eigentlich nur wissen, dass es um etwas ungewöhnliche, auf ihre eigene Art immer noch menschliche, militärisch organisierte Zombies geht. Mit dabei ist eine starke (starrköpfige) Heldin, die gegen den Zusammenbruch ihrer Welt kämpft. Das ganze spielt streng genommen in der Zukunft, ist aber keine Dystopie, wie wir sie bisher kennen, sondern nimmt viktorianische Züge an.
Und wer jetzt noch kein Interesse hat, der muss bitte nochmal weiterlesen:

Schon der Prolog von "Dearly, Departed" ist einer von der guten Sorte - die leider recht selten geworden sind. Ihr wisst schon, die bei denen man nicht genervt die Augen verdreht und ungeduldig vorblättert, sondern am liebsten gleich noch weiterlesen würde.
So verhält es sich im Grunde mit dem ganzen Buch, und das obwohl die Autorin fast die kompletten ersten 50 Seiten auf das Vorstellen ihrer sehr ungewöhnlichen dystopischen Gesellschaft verwendet.

Diese Gesellschaft hat mich so beeindruckt, dass sie mir sogar einen eigenen Absatz wert ist.
Die Menschen, mit denen Nora Dearly, unsere Protagonistin, zu tun hat, nennen sich "New Victorians". Sie tragen viktorianische Kleidung, die Fahrzeuge sind zwar motorisiert, erinnern aber stark an damals gebräuchliche Kutschen - dieses Vermischen von historischen Gebräuchlichkeiten und Etikette mit modernen Technologien (zB auch ein sogenanntes Aethernet und Handys) lassen vielmehr den Eindruck von Steampunk entstehen als den einer Dystopie. Gaslicht und Spitzenhandschuhe, selbst die Sprache und der Umgang der Menschen miteinander verleihen dem Roman ein ganz eigenes Flair. Man kann sich vermutlich leicht vorstellen, dass sich "Dearly, Departed" gänzlich anders als jede bisherige Dystopie liest.
Deshalb: All ihr Dystopie-Verweigerer dort draußen, wehe ihr lasst euch wegen dieses inzwischen sehr gebräuchlich gewordenen Wortes davon abhalten, dieses Buch zu lesen!

Genausowenig sollte euch der Begriff "Zombies" abschrecken. Ihr dürft mir gerne glauben, dass ich alles andere als eine Zombie-Verfechterin bin. Ehrlich, ich habe vorher noch nie ein Zombie-Buch zur Hand genommen, weil ich keine Lust habe von in meinen Augen unmenschlichen, durch die Gegend wankenden, gehirnlosen Kreaturen zu lesen.
Bei "Dearly, Departed" war es dann aber so, dass ich mit dem Auftauchen der Zombies - insbesondere mit Brams Auftauchen - geradezu in die Geschichte hineingezogen wurde! Ich war schon von der viktorianisch-dystopischen Gesellschaft fasziniert, aber der plötzliche Schwung, der dann in die Geschichte kommt, hat das Buch noch viel, viel besser gemacht.

Natürlich ist Nora schockiert als sie den Zombies begegnet und obwohl sich später im Buch eine vorsichtige Liebesgeschichte entspinnt, ist sie zu Anfang überhaupt nicht angetan von Bram, dem untoten Anführer ihrer Kidnapper - genau wie der Leser. Und völlig verständlich - wer hätte nicht Angst vor teilweise halb zerfallenen Untoten?
Allerdings habe ich sehr schnell gemerkt, dass Habels Zombies ganz anders sind als die herkömmlichen aus x-beliebigen Horrorstreifen. Diese Zombies fühlen und gehen (zumindest meistens) sicheren Schrittes, sie scherzen, sie überlegen. Sie sind wirklich ganz und gar menschlich.
Das Zombie-Sein bzw. Zombie-Werden wird in "Dearly, Departed" nach dem Vorbild verschiedener Werwolf- und Vampirbücher mit einer Krankheit erklärt. Nur sind es hier keine Viren, wie allgemein gern verwendet, sondern Prionen. Das sind im Grunde harmlose Proteine, die sich jedoch "falsch" falten können und dadurch pathogen werden - im realen Leben sind diese Prionen Auslöser von Kreuzfeldjakob und BSE. Und, da muss ich Lia Habel wirklich loben, die "wissenschaftliche Erklärung" zum Entstehen der Zombie-Krankheit ist sogar von wissenschafttlicher Seite akzeptabel - gut recherchiert, Frau Habel!

Was "Dearly, Departed" außerdem sehr spannend macht, sind die Charaktere. Nora ist eine tolle Protagonistin. Sie kann auf sich selbst aufpassen, hat gelernt zu schießen und ist den gesellschaftlichen Verpflichtungen, zu denen ihre Tante sie schleppt, alles andere als zugetan. Ich mochte sie von der ersten Seite weg.
Mit Bram ging es mir sehr ähnlich, der ist einfach toll, und auch mit den Nebencharakteren - aus deren Perspektive teilweise sogar erzählt wird (immer in der Ich-Perspektive) - habe ich mich schnell angefreundet.

Der Schreibstil ist amüsant angehaucht, teilweise sogar so lustig, dass ich ein paar Mal laut auflachen musste und das passiert mir relativ selten.
Zu kritisieren habe ich neben der etwas langen Einführungsphase dass gegen Ende, wenn man den Showdown schon riechen kann, ein bisschen zu viel unnötiges Gequatsche betrieben wird. Das hätte bedeutend schneller gehen können und auch der Epilog, der zwar dem "zum größten Teil"-Happy End einen Dämpfer versetzt, hätte nicht so lang ausfallen müssen.


Bewertung
"Dearly, Departed" ist toll geschrieben und wartet mit sympatischen, amüsanten Charakteren auf. Großer Pluspunkt: Obwohl es einen zweiten Teil geben soll ("Dearly, Beloved") kann man das Buch getrost als Stand-alone ohne absolutes Happy-End betrachten - muss ja auch nicht immer sein, dass alles gut ausgeht und das meiste geht ja eh gut aus. ^^
Von mir eine klare Empfehlung! Und wehe ihr lasst euch von den Worten "Dystopie" und "Zombie" abschrecken. ;)






UK-Cover

Deutsches Cover: Piper-Verlag November 2011


22. August 2011

1MinuteReview: Maggie Stiefvater - Forever

1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.



Da sehr kurze Review wage ich Spoilerfreiheit zu garantieren. ;)

Es gibt nur wenige Punkte, die ich in Bezug auf "Forever", den dritten Teil der "Wolves of Mercy Falls"-Trilogie, loswerden möchte.
  • Es herrscht eine eher trübe Stimmung, besonders am Anfang. Ich hatte den Eindruck, das geht Hand in Hand damit, dass die Handlung deutlich schwerer vom Fleck kommt als in den Vorgängern. Wie gesagt, nur am Anfang.
  • Denn ab Seite 100 (in etwa) dreht "Forever" voll auf und bleibt ohne Unterbrechung bis zum Schluss spannend!
  • Der Schreibstil ist wie gewohnt poetisch und einfach schön zu lesen.
  • An den Kapitelanfängen gibt es plötzlich keine Temperaturangaben mehr. Hab ich was verpasst? WARUM? In "Linger" gabs die doch noch ... oder?
  • Das Ende schließlich kam mir etwas zu abrupt und wirkt auf mich etwas unabgeschlossen. Dafür und für den trägen Anfang gibts ein Blümchen Abzug. Irgendwo muss ich Grenzen ziehen, auch wenn "Forever" sonst ein grandioses Leseerlebnis für mich war.

Fazit: 4 Blümchen. Wer Teil 1 und 2 mochte, wird auch "Forever" mögen. Wen "Linger" schon nicht mehr so fesseln konnte, der kann es auch gern bleiben lassen. So richtig abgeschlossen ist die Story nämlich immer noch nicht, finde ich.


31. Juli 2011

1MinuteReview: Cat Patrick - Forgotten

1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


"I remember forward, and forget backward.
My memories, bad, boring, or good, haven't happened yet.
So, like it or not - and like it I don't - I will remember [...] the funeral until it happens - until someone dies.
And after that, it will be forgotten."
- Cat Patrick, Forgotten, S. 30

Ich habe zu "Forgotten" wirklich nicht viel mehr zu sagen als: Lest es, es ist echt gut! Vor allem die zweite Hälfte, aber auch wenn mich die ersten 150 Seiten noch nicht vom Hocker gerissen haben - abgesehen vom grandiosen Grundkonzept, dass London (toller Name :D) nämlich jede Nacht um 4 vergisst, was am vorherigen Tag geschehen ist - konnte ich das Buch doch nicht aus der Hand legen und habe es gestern in einem Rutsch gelesen. Ich hätte nach der ersten Hälfte niemals erwartet, dass da noch so viel kommt!

Was die Romantik angeht, die steht in "Forgotten" sehr im Vordergrund, lädt aber zur Abwechslung mal nicht zum Augenverdrehen ein.

Hinzuzufügen ist vielleicht noch, dass das Ganze leicht verwirrend hätte sein können. Dass es das nicht ist, betont meines Erachtens vor allem, was für eine talentierte Autorin Cat Patrick ist.

Die Auflösung hätte ich mir etwas detaillierter gewünscht, ist aber auch so völlig in Ordnung und schließt "Forgotten" sehr passend ab.
Es handelt sich hier übrigens nicht um den Auftackt einer neuen Reihe! Jawohl, Stand-alone! Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Stand-alone!

9. Juni 2011

Lena Klassen - Magyria. Die Seele des Schattens

Magyria Teil 2

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 573 Seiten
€ (D) 18,99 | € (A) 19,60
ISBN 978-3764530792

Mattim ist ein Vampir, der aus der geheimnisvollen Welt Magyria nach Budapest gekommen ist. Doch durch die Liebe der jungen Deutschen Hanna ist es ihm gelungen, das Gute in sich zu bewahren. Nun hofft er, mit Hannas Hilfe den König von Magyria – seinen Vater – davon zu überzeugen, dass Menschen und Vampire gemeinsam in Frieden leben können. Doch der König ist verblendet, weil er all seine Söhne an die Finsternis verloren hat. Lieber will er Mattim hinrichten lassen, als erneut vergebliche Hoffnung auf Rettung zu hegen. Hat Hanna ihren geliebten Mattim etwa nur vor der Dunkelheit bewahrt, um ihn nun durch die Kämpfer des Lichts zu verlieren? Da steht plötzlich Mattims finsterer Bruder Kunun mit einer Armee von Vampiren vor den Toren der Stadt, und Hanna könnte ihm ohne es zu wollen den Weg hinter die Mauern ermöglicht haben. Plötzlich kämpft die junge Frau nicht mehr nur um das Leben ihrer großen Liebe – jetzt steht das Überleben des Guten in Magyria auf dem Spiel!


Was ich denke ...
Gleich vorweg: Die "Magyria"-Bücher sind KEINE typischen Vampir-Romane! Sonst würde ich sie auch gar nicht lesen, besonders weil mir die Blutsauger im Allgemeinen schon ein wenig auf die Nerven gehen.
Lena Klassen aber hat ihre Vampire völlig neu aufgerollt. Da spielen Wörter wie "Schatten", "Wölfe" und "Lichtprinz" eine Rolle, da geht es um Parallelwelten und den Kampf um eine mittelalterlich anmutende Stadt. Man könnte sagen: Urban Fantasy mit einem Twist historisches Feeling.

Ich weißt nicht genau warum, aber aus irgendeinem Grund habe ich nach dem Ende von Teil 1 eigentlich gar nicht mit einer Fortsetzung gerechnet. Klar, "Das Herz des Schattens" hatte kein vollkommenes Happy End, aber es war ein relativ abgeschlossenes Ende und Happy End muss ja auch nicht immer sein.
Entsprechend war ich ein bisschen skeptisch, als ich mit dem zweiten Teil begonnen habe. Ich muss auch leider sagen, dass für die ersten 150 Seiten von meiner Seite ein wenig Geduld gefragt war. Diese Seiten ziehen sich etwas und sind gefüllt mit Ausrichtungen der Handlung, die dann aber sehr schnell und auf spannendste Weise an Fahrt annimmt!

Wie gewohnt verfolgt der Leser in "Magyria" zwei Handlungsstränge. Der eine spielt in der ungarischen Hauptstadt Budapest, wo die Protagonistin Hanna, die erfreulich aktiv daherkommt, ein Jahr als Au-pair verbringt. Der andere in der Parallelwelt Magyria mit der Lichtstadt Akink, die von Schatten und Kriegern des Lichts heißt umkämpft ist. Aus den unterschiedlichsten Perspektiven, die am laufenden Band wechseln und so die Handlung vorantreiben, wird erzählt - mir ist es dadurch sehr leicht gefallen, für alle Seiten gewisse Sympathien zu entwickeln.

Tatsächlich schafft es Lena Klassen, ohne Schwarz-Weiß-Zeichnerei auszukommen. Die "Bösen" haben Motive, die ich nicht nur gut nachvollziehen sondern teilweise sogar gutheißen kann. Die Beweggründe der "Guten" sind hingegen nicht immer die besten. Ich konnte mit beiden Parteien mitfiebern und war mir bis zum Schluss nicht sicher bzw. bin ich es mir immer noch nicht, wer schlussendlich gewinnen sollte.

So toll Charaktere, Handlung und Schreibstil der Autorin auch sind, am meisten fasziniert mich doch Magyria selbst. Klassens inovatives Vampirkonzept, das mittelalterliche Setting und das Lesefeeling, das dabei aufkommt, haben mich schon in Teil 1 und jetzt auch wieder in Teil 2 für sich eingenommen. In dieses Buch kann man vollständig eintauchen und will gar nicht mehr aufhören zu lesen.
Das Ende schließlich kam dann leider etwas hastig, ist aber wieder kein absolutes Happy End (Pluspunkt!) und lässt Platz für einen weiteren Roman. Erneut bin ich mir aber nicht sicher, ob es den überhaupt geben wird. Das Buch könnte auch leicht so stehen bleiben.

Positiv erwähnen möchte ich noch den Coverwechsel, der mir die Bücher noch ein Stück sympathischer gemacht hat. Wurde Teil 1 noch mit einem nichtssagenden Mädchengesicht-Cover vor Stadt- und Mondkulisse auf den Markt geschickt, gibt es jetzt neue, rein grafisch gestaltene, aber in meinen Augen um Längen schönere Cover. "Das Herz des Schattens" ist mit türkisem Farbton im April 2011 als Taschenbuch erschienen, "Die Seele des Schattens" durfte gleich als Hardcover in silber und violett durchstarten. Toll gemacht!


Bewertung
"Magyria" ist vieles: eine großartige Fortsetzung, ein ganz anderer Vampirroman, eine herzzerreißende Liebesgeschichte, plastische Charaktere und Spannung. Vor allem aber: Urban Fantasy auf höchsten Niveau!







Die Magyria-Reihe
1. Teil: Das Herz des Schattens
2. Teil: Die Seele des Schattens
3. Teil ?

17. Mai 2011

John Boyne - Das Haus zur besonderen Verwendung

2010, Gebunden mit Schutzumschlag, 559 Seiten
€ (D) 24,90 | € (A) 25,60
ISBN 978-3716026427

Russland 1915: In einem kleinen Dorf verhindert der sechzehnjährige Bauernsohn Georgi mit Glück und Geistesgegenwart ein Attentat auf ein Mitglied der Zarenfamilie. Zar Nikolaus II. ruft Georgi daraufhin nach Sankt Petersburg, wo er ihn zum Leibwächter seines einzigen Sohnes ernennt, der nicht nur als Thronfolger in ständiger Lebensgefahr schwebt. Georgi weicht dem kleinen Zaren fortan nicht mehr von der Seite und findet in ihm einen Freund. In den prunkvollen Sälen des Winterpalais begegnet er auch der Zarentochter Anastasia. Sie verlieben sich, wohl wissend, dass diese Liebe nicht sein darf. Doch Georgi ist entschlossen, für Anastasia bis zum Äußersten zu gehen. Aber dann erhebt sich das Volk gegen den Zaren; das ganze Land taumelt dem Abgrund der Revolution entgegen. Anastasia und ihre Familie werden an einen geheimen Ort verschleppt ins "Haus zur besonderen Verwendung". 


Was ich denke ...
Der Klappentext dieses Buches umreißt eigentlich schon die ganze Handlung - in sehr groben Zügen natürlich. Und mit Ausnahme jener Teile, die nach der Russischen Revolution spielen. Dadurch hat John Boyne mit "Das Haus zur besonderen Verwendung" einen Roman vorgelegt, der irgendwo zwischen Historischer und Gegenwartsliteratur anzusiedeln ist.

Die Erzählung rund um den Bauernsohn Georgi und die Zarentochter Anastasia beginnt nämlich kurioserweise im Jahr 1981, von wo aus der gealterte Georgi sein Leben nach der Flucht aus Russland beschreibt. Erst dann greift die Handlung direkt in seine Jugend ein und beschreibt, wie er im Jahr 1915 an den russischen Zarenhof gelangte.
Dies deutet schon die ungewohnte Erzählweise, die John Boyne für seinen Roman gewählt hat, an. Eine, die mich wirklich begeistert hat! Zeitlich arbeitet sich der Autor von zwei Seiten - dem Jahren 1915 und 1981 - auf einen gemeinsamen Mittelpunkt vor. Die beiden Erzählstränge treffen sich schließlich, wie man daraus schließen kann, am Ende des Buches.
Trotzdem schafft es Boyne, dem Leser nie irgendwelche Informationen vorwegzunehmen. Ich muss gestehen, dass ich mit "Das Haus zur besonderen Verwendung" ein paar Einstiegsschwierigkeiten hatte. Doch nach einer Gewöhnungsphase konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen! Das hängt vor allem auch mit der ausgeklügelten, ja klugen, Erzählweise zusammen, die den Leser immer weiter voran bzw. zurück treibt.

Um den unangenehmen Teil gleich abhacken zu können: Es gibt einen kleinen Kritikpunkt, den ich dem Autor und dem Buch anprangern muss. Die Liebesgeschichte zwischen Anastasia und Georgi, so schön ich sie beschrieben fand, hätte sich meiner Meinung nach nicht so schnell entwickeln sollen. Dem Autor stand dafür ein Zeitraum von 3 Jahren zur Verfügung (1915 - 1918), trotzdem sehen sich die beiden nur drei Mal bevor sie unsterblich ineinander verliebt sind. Der Platz für eine langsame Entwicklung wäre da gewesen.
Wie gesagt, ein kleiner und der einzige Makel.

Bei historischen Romanen stelle ich mir ja auch immer die Frage nach der Korrektheit des ganzen. Diese ist im Fall von "Das Haus zur besonderen Verwendung" zwar vor allem gegen Ende nicht gegeben (was ich aber auch nur deshalb weiß, weil ich das Thema wegen meiner Bachelorarbeit ausführlich recherchiert habe), aber ich denke, in diesem Fall kann man den Ausgang des Buches gerne als schriftstellerische Spekulation und Freiheit abtun.

"Das Haus zur besonderen Verwendung" ist nämlich neben seiner historischen Aufarbeitung der russischen Revolution - wobei das ganze sehr aus Sicht der Zarenfamilie präsentiert wird - vor allem die Lebensgeschichte zweier Menschen, die Krisen wie alle anderen durchlebt haben. Krieg, unerfüllter Kinderwunsch, Diskriminierung fern der Heimat, Krebs.
Außerdem hat der Leser hier einen Roman über das 20. Jahrhundert und seine Katastrophen vor sich. Und darüber hinaus noch eine Liebesgeschichte, die man schöner nicht erzählen könnte.


Bewertung
Den kleinen Makel kann ich gerne übersehen angesichts eines derart schön erzählten, niemals unnötig ausschweifenden Romanes, der es schafft, auf so vielen verschiedenen Ebenen zu überzeugen. Unbedingt Lesen! (Und dabei vielleicht im Auge behalten, dass nicht alles in diesem Buch historisch korrekt ist. Was das angeht hätte ein Nachwort vielleicht nicht geschadet.)

7. April 2011

Angie Frazier - Everlasting

Gebunden mit Schutzumschlag, 329 Seiten
ca. € 10 - 14
ISBN 978-0545114738

Sailing aboard her father’s trade ship is all seventeen-year-old Camille Rowen has ever wanted. But as a girl of society in 1855 San Francisco, her future is set: marry a man she doesn’t love, or condemn herself and her father to poverty.

On her final voyage before the wedding, the stormy arms of the Tasman Sea claim her father, and a terrible family secret is revealed. A secret intertwined with a fabled map, the mother Camille has long believed dead, and an ancient stone that wields a dangerous—and alluring—magic.

The only person Camille can depend on is Oscar, a handsome young sailor whom she is undeniably drawn to. Torn between trusting her instincts and keeping her promises to her father, Camille embarks on a perilous quest into the Australian wilderness to find the enchanted stone. As she and Oscar elude murderous bushrangers and unravel Camille’s father’s lies, they come closer to making the ultimate decision of who—and what—matters most.


Was ich denke ...
"Everlasting" ist historical fiction mit einer ganz besonderen Prise Magie - wortwörtlich. Dass Fantastik in historischen Settings funktioniert hat Kai Meyer schon bewiesen, und Angie Frazier kann es auch.

Für ein Buch, das nur 300 Seiten hat, umfasst "Everlasting" eine ganze Menge an Handlung. Das Zeitfenster des Romans erstreckt sich über mehrere Wochen, eigentlich Monate - wobei Angie Frazier wirklich nur das beschreibt, was wichtig ist, teilweise überspringt sie ganze Wochen beispielsweise während sich die Charaktere auf hoher See befinden und sowieso nur vor sich hinschippern.
Ich war einigermaßen überrascht, als ich das festgestellt habe. In letzter Zeit habe ich einfach viele Romane gelesen, deren Handlung sich nur über wenige Tage spannt, wo kaum etwas im Erzählfaden ausgelassen wurde. Es ist so toll, nur 50 Seiten zu lesen und trotzdem das Gefühl zu haben, man hätte bereits ein halbes Buch in kürzester Zeit verschlungen. ;)

Frazier schreibt weder aufmerksamkeitsheischend noch actiongepackt. Sie hat einen dieser ruhigen, überlegenden Schreibstile, der einem erlaubt, vollkommen in die Geschichte abzutauchen und sie zu leben. Zugegeben, ein Buch, für das man sich (am Anfang?) ein bisschen Zeit nehmen muss.
Trotzdem wollte ich nie mit dem Lesen aufhören. "Everlasting" ist nicht action-spannend oder es-passiert-laufend-was-spannend, der Reiz zum Weiterlesen wird hier eher subtil zwischen den Zeilen vermittelt.

Zum tollen Schreibstil und der umfangreichen Handlung kommen Charaktere hinzu, wie man sie sich nur wünschen kann. Allen voran hat das Buch mit Camille eine Heldin, der es völlig fern liegt, über ihre Situation zu jammern. Sie ist sich ihrer Gefühle absolut sicher, weiß von Anfang an, dass sie nichts für ihren Verlobten Randall empfindet. Es gibt kein lästiges Hin und Her, an Randall bindet Camille einzig und allein das Pflichtgefühl. Oscar hingegen, ein junger loyaler Seemann, weckt ganz andere Gefühle in ihr.
Zwischen Oscar und Camille entspinnt sich über viele Wochen eine zarte Liebesgeschichte, ganz so, wie ich sie gerne lese. Nicht kitschig und auch nicht nervig.
Vervollständigt wird das zentrale Reisetrio schließlich von Ira, einem charmanten, gewitzten Spieler und Dieb, der das Herz am rechten Fleck hat.

Vor allem nach dem Ende der Seereise von San Francisco nach Australien, als die Weiterreise auf dem australischen Kontinent beginnt (etwa nach einem Drittel des Buches), entwickelt sich "Everlasting" zunehmend zu einem Abenteuerroman mit fantastischen Elementen. Camille wird von einem unheimlichen Fluch heimgesucht, der aber kein richtiger Fluch zu sein scheint - mehr verraten ich nicht.
Insgesamt fällt es mir also wirklich schwierig, das Buch einem Genre zuzuordnen, irgendwie hat es von allem etwas - Historik, Fantastik, Romance, Abenteuer - und dürfte somit auch eine große Leserschaft ansprechen.


Bewertung
Mit wunderschöner Sprache, spannender Handlung und schwer zu vergessenden Charakteren bietet "Everlasting" dem Leser eine ganz besondere Reise. Von meiner Seite keine Empfehlungs-Einschränkungen,
einfach lesen!







Die Frage nach dem zweiten Teil:
Das Ende von "Everlasting" birgt Andeutungen auf einen zweiten Teil, der auch tatsächlich am 1. Juni 2011 unter dem Titel "The Eternal Sea" erscheinen wird. Allerdings kann "Everlasting" auch sehr gut als in sich abgeschlossener Einzelband betrachtet werden.

11. Februar 2011

Lauren Oliver - Delirium

Gebunden mit Schutzumschlag, 441 Seiten
ca. € 13,00
ISBN 978-0061726828

Ninety-five days, and then I'll be safe. I wonder whether the procedure will hurt. I want to get it over with. It's hard to be patient. It's hard not to be afraid while I'm still uncured, though so far the deliria hasn't touched me yet. Still, I worry. They say that in the old days, love drove people to madness. The deadliest of all deadly things: It kills you both when you have it and when you don't.

They say that the cure for love will make me happy and save forever. And I've always believed them. Until now.
Now everything has changed. Now, I'd rather be infected with love for the tiniest sliver of a second than live a hundred years smothered by a lie.


Was ich denke ...
Wir werden jeden Tag mit den unterschiedlichsten "Wahrheiten" konfrontiert - in den Nachrichten, in der Schule oder während des Studiums, im Gespräch mit Freunden und Kollegen. Wir müssen herausfiltern, was unserer Persönlichkeit und unserer Einstellung zu bestimmten Dingen am nächsten kommt - wir bilden unsere eigene Meinung.
Lauren Oliver hat in ihrem zweiten Roman "Delirium" eine Zukunft geschaffen, in der man darum kämpfen muss, überhaupt eine eigene, unabhängige Meinung zu haben. Der Protagonistin Lena wurde ihr Leben lang gesagt, was sie zu denken hat, wie die Welt funktioniert, dass die Regierung nur das Beste für die Menschen will. Am wichtigsten aber: Liebe - armor deliria nervosa - ist eine Krankheit. Eine im schlimmsten Fall tödliche Krankheit, und nur durch eine Behandlung - die Heilung -, die ab dem 18. Geburtstag möglich ist, kann man sich ein Leben lang schützen.

"The deadliest of all deadly things: It kills you both when you have it and when you don't."
- S. 4

Lena macht während der 440 Seiten eine sehr eindeutige und starke Entwicklung durch. Zu Beginn des Buches kann sie ihre Heilung kaum erwarten. Lena sieht darin ihre Chance auf ein geregeltes, glücklich verlaufendes Leben ohne Schmerz. Die Regierung wählt einen Partner für sie, einen, der wirklich zu ihr passt. Sie bekommt einen Job, wird Kinder haben - wenn es die Regierung für richtig hält - und sich um nichts mehr sorgen müssen.
Dementsprechend ist sie völlig schockiert von der Tatsache, dass ihre beste Freundin Hana Zweifel zu haben scheint.

"You can't be really happy unless you're unhappy sometimes. You know that, right?"
- S. 23 (Hana zu Lena)

Das Thema Dystopie wird in "Delirium" nicht auf die "technische Art" angegangen. Gäbe es diese Einstellung "Liebe ist eine Krankheit" nicht, gäbe es die Überwachung nicht - vom technischen Standpunkt aus könnte das Buch in unserer Gegenwart spielen.
Stattdessen fokussiert "Delirium" sehr auf die gesellschaftlichen Strukturen und geht generell emotionaler an die Dystopie heran.

Die Stadt, in der Lena lebt, ist abgeschottet von der Außenwelt. Die Gesellschaft bemüht sich redlich zu ignorieren, dass es außerhalb noch Menschen gibt, die ohne das Heilmittel gegen Liebe leben - die Invaliden.
Jeder hat solche Angst, sich mit amor deliria nervosa anzustecken, dass sie bereitwillig die (für uns) absurdesten Regeln hinnehmen: Jungen und Mädchen müssen sich, bis sie nach ihrem 18. Geburtstag geheilt wurden. von einander fernhalten. Für Lena ist es unvorstellbar, auf der Straße mit einem gleichaltrigen Jungen zu sprechen oder sich gar von ihm berühren zu lassen. Die Menschen werden auf Schritt und Tritt überwacht, nächtliche Razzien sind keine Seltenheit, alles wird zensiert - angefangen beim Internet über Musik bis zu Büchern.

"I feel like there are walls everywhere. Everywhere I go - bam! There's a wall. Everything I want - bam! Another wall."
- S. 107 (Hana zu Lena)

Dass sich die Menschen nach der Heilung von Grund auf verändern, ihre Gewohnheiten und sogar ihren Freundeskreis, stört niemanden wirklich. Auch Lena nicht. Sie kennt es nicht anders, ihr ist nie auch nur der Gedanken gekommen, die Heilung könnte schlecht sein. Lena ist - zumindest zu Anfang des Buches - die perfekte Mitläuferin. Bis sie Alex begegnet, der das ein oder andere Geheimnis verbirgt und ihr über den Verlauf eines Sommers die Augen öffnet.


"Delirium" hat mich wirklich und wahrhaftig an die Seiten gefesselt. Nicht nur mit der spannenden Handlung, sondern vor allem weil Lauren Oliver eine so lebendige Art zu Erzählen hat, die Sprache in diesem Buch ist toll! Deshalb hat mich der etwas langsame Einstieg in die Geschichte auch überhaupt nicht gestört - teilweise war ich wirklich sehr beschäftigt damit, einfach nur die Sätze zu genießen.
Einzig das Ende ist etwas fies. Cliffhanger. Big time! Die Handlung lässt im Allgemeinen einige Fragen offen, jene Frage jedoch, die am penetrantesten in meinem Kopf herumgeistert, steht im Zusammenhang mit den letzten Seite. Und sie lautet schlichtweg "Warum?". Ich verstehe nicht, warum er das getan hat. Es gibt sicher einen Grund, nur ... *ahhhhh* Wie gesagt: Cliffhanger ...

-- Um Spoiler zu vermeiden, werde ich an dieser Stelle mal abbrechen --


Bewertung
Abgesehen von den etwas langsamen ersten Kapiteln - die mich, wie gesagt, überhaupt nicht gestört haben - fällt mir rein gar nichts ein, was ich aussetzten könnte. Die Charaktere sind glaubhaft, die sich entwickelnde Liebe zwischen Lena und Alex ebenso (gerade in einer Welt, wie sie uns von Lauren Oliver präsentiert wird). Die Sprache hat mich sowieso begeistert, wie auch die Handlung an sich. Ein Gedanke: Ich will mehr!






Additional Information
Der zweite Teil der "Delirium"-Trilogie trägt den Titel "Pandemonium" und wird voraussichtlich 2012 erscheinen. "Requiem", der dritte Band, folgt 2013.
Auf Deutsch erscheint "Delirium" im Oktober 2011 beim Carlsen-Verlag, der auch schon ihr Debüt herausgebracht hat.

Übrigens wurden die Filmrechte zu beiden Oliver-Romanen (Delirium und Before I Fall) bereits an Fox 2000 verkauft.

Für die Musik-zu-Büchern-Fans unter euch: Amazon.com hat eine von Lauren Oliver zusammengestellte Playlist zu "Delirium" veröffentlicht. Da sind richtig gute Songs dabei, reinhören kann ich nur empfehlen.
Über diesen Link kommt ihr direkt zur Amazon.com-Seite von "Delirium", anschließend ein Stückchen runterscrollen und unter "Editorial Reviews" findet ihr die Playlist.

6. Februar 2011

Brigitte Melzer - Die Dämonenseherin

Broschiert, 397 Seiten
€ 14,95
ISBN 978-3800095049

Liebe, Besessenheit und fantastische Kreaturen

In Edinburgh lebt eine geschlossene Gemeinschaft, deren Mitglieder über die Gabe der Hellsichtigkeit verfügen. Um diese Gabe zu stärken, ließ sich eine Handvoll Wissenschaftler zu einem gefährlichen Experiment verleiten: Sie pflanzten ausgewählten Sehern einen Dämon ein. Statt jedoch die Fähigkeiten der Seher zu steigern, nähren sich die Kreaturen daran, bis sie schließlich stark genug sind, um ihren Wirt zu töten.
Während der Ermittler Logan Drake von Dämonen besessene Seher jagt und eine damit verbundene Mordserie aufzuklären versucht, gerät die junge Alessa Flynn zwischen die Fronten.
Sie ist selbst eine Dämonenseherin und vor den Wissenschaftlern auf der Flucht, die ihre tödlichen Experimente an ihr fortsetzen wollen. Plötzlich findet sie sich im Mittelpunkt der Mordermittlungen wieder und muss ihre wahre Identität vor Logan verheimlichen, obwohl er der Einzige zu sein scheint, der ihr helfen könnte. Dass sie sich zu allem Überfluss auch noch zu Logan hingezogen fühlt, wird Alessa in tödliche Gefahr bringen, denn der Dämon in ihr kann es kaum erwarten, auszubrechen.


Was ich denke ...
Brigitte Melzer ist eigentlich eine jener jungen deutschen Autorinnen, deren Bücher mich von Seite 1 weg überzeugen können. Mit "Die Dämonenseherin" habe ich jetzt jedoch eines entdeckt, das ich nur mit Bauchweh zu Ende lesen konnte.

Die Grundidee des Buches ist alles andere als schlecht, sogar ziemlich gut. Brigitte Melzer verbindet Hellsichtige, Dämonen und illegale Experimente an eben jenen Sehern mit spannend inszenierter Polizeiarbeit. Das ist ein guter Ansatz, der meiner Meinung nach Potential hat. Oder hätte haben sollen.

Leider entwickelt sich "Die Dämonenseherin" nach einem überaus fesselnden ersten Kapitel zu einer vorhersehbaren, flachen Erzählung.
Am meisten gestört haben mich die Charaktere, die zwar sympathisch aber völlig unglaubwürdig sind. Für meinen Geschmack entwickelt sich die Beziehung zwischen Alessa und Logan viel zu schnell, zudem fehlt ihr jegliche Tiefe, wodurch sie überflüssig erscheint.

Darüber hinaus finde ich es unlogisch und auch ziemlich merkwürdig, dass Alessa bei zwei Männern einzieht, die sie kaum kennt, und das obwohl sie eigentlich als sehr vor- und umsichtig beschrieben wird.
Für Logan gilt das selbe. Er wird als ein guter Ermittler dargestellt, wurde von der Behörde als Leiter einer Spezialeinheit rekrutiert. Trotzdem denkt er bis Seite 200 nicht mal daran, die Akte zu seinem derzeitigen Fall zu lesen, wodurch er Alessa natürlich als eine Dämonenseherin identifizieren hätte können. Als er es schließlich doch tut, hat das auf mich sehr erzwungen gewirkt - so als hätte es die Autorin eben in jenem Moment gebraucht und geschrieben, ohne auf den Fluss der Handlung zu achten.

Das Buch wird gerettet vom angenehmen, flüssigen Erzählstil der Autorin. Nur deshalb, und weil ich wissen wollte, ob das Ganze tatsächlich so vorhersehbar ist wie ich dachte (ist es!), habe ich "Die Dämonenseherin" zu Ende gelesen.


Bewertung
Ich habe schon bessere Bücher der Autorin gelesen. Empfehlen kann ich zum Beispiel ihre historischen Schottlandbücher, die sie unter dem Pseudonym Morgan Grey veröffentlicht hat. Laut einer Freundin, auf deren Urteil ich absolut vertraue, soll auch "Der Schatten des Dämons" richtig gut sein. Ich werde es wohl damit mal versuchen.






Danke an den Otherworld-Verlag

30. Januar 2011

Kami Garcia & Margaret Stohl - Beautiful Darkness

Caster Chronicles Book 2

Gebunden mit Schutzumschlag, 503 Seiten
ca. € 13,00
ISBN 978-0316077057

Ethan Wate used to think of Gatlin, the small Southern town he had always called home, as a place where nothing ever changed. Then he met mysterious newcomer Lena Duchannes, who revealed a secret world that had been hidden in plain sight all along. A Gatlin that harbored ancient secrets beneath its moss-covered oaks and cracked sidewalks. A Gatlin where a curse has marked Lena's family of powerful Supernaturals for generations. A Gatlin where impossible, magical, life-altering events happen.

Sometimes life-ending.

Together they can face anything Gatlin throws at them, but after suffering a tragic loss, Lena starts to pull away, keeping secrets that test their relationship. And now that Ethan's eyes have been opened to the darker side of Gatlin, there's no going back. Haunted by strange visions only he can see, Ethan is pulled deeper into his town's tangled history and finds himself caught up in the dangerous network of underground passageways endlessly crisscrossing the South, where nothing is as it seems.



Was ich denke ...
Zurück in Gatlin! Wie habe ich dieses außerordentlich geniale Setting vermisst. Ich meine, ich mochte schon "Beautiful Creatures" sehr gern - und zwar alles daran, die Charaktere, die Sprache, den Humor, die Spannung - aber vor allem bin ich vernarrt in die kleine Südstaatenstadt Gatlin, die alles miteinander verbindet und eigentlich eine eigene Figur bildet. Das war bei "Beautiful Darkness" vielleicht sogar noch mehr zu spüren, als beim Vorgänger.

"There's something about sitting alone in the dark that reminds you how big the world really is, and how far apart we all are. [...] Sometimes things look a lot closer than they are."
- S. 68

Ethan erzählt die Geschichte wie schon in "Beautiful Creatures" aus der Ich-Perspektive, und ich kann mich hier nur wiederholen: Ich finde es so erfrischend, einen YA-Roman aus der Sicht des männlichen Protagonisten zu lesen! Vor allem weil er (oder eigentlich mehr die beiden Autorinnen ^^) auf so lockere, ungezwungene Art erzählt. Der flüssige Schreibstil treibt den Leser von Seite zu Seite.

Und das tut auch die Handlung. Bei zweiten Teilen einer Serie habe ich ja immer ein wenig Angst, dass die Handlung stecken bleiben könnte, dass den Autoren nichts mehr einfällt, was mich fesselt. Sollte jemand dieselben Ängst verspüren, kann ich was "Beautiful Darkness" angeht komplette Entwarnung geben.
Mehr noch: Wenn ihr "Beautiful Creatures" (bzw. dt. "Sixteen Moons") mochtet, werdet ihr "Beautiful Darkness" verschlingen! Und falls euch der erste Teil nicht so ganz überzeugen konnte, so kann ich euch nur empfehlen, es zumindest nochmal mit dem zweiten Teil zu versuchen. "Beautiful Darkness" ist anders, geht intensiver in die Welt und Vergangenheit der Caster und beschäftigt sich auch mehr mit Ethan - denn der weiß bei weitem nicht alles von seiner Mutter und von sich selbst.

Doch nicht nur Ethan muss sich einigen unwillkommenen Wahrheiten stellen, auch Lena macht Veränderungen durch. Der Leser verfolgt jedoch rein die Geschehnisse um Ethan hautnah mit, weiß zwar, dass mit Lena etwas geschieht, aber was das genau ist bleibt lange Zeit ein Rätsel.
Insgesamt wartet die Handlung mit mehreren unerwarteten Wendungen auf. Ich liebe solche Stellen in Büchern! Wenn plötzlich etwas passiert, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat, das die Situation völlig verändert.

Themenmäßig werden der Amerikanische Bürgerkrieg und die Einführung in die Caster-Welt aus Band 1 abgelöst von einer detailreicheren Vorstellung der Caster und der Incubuse. Ethan hat wieder Visionen, diese scheinen anfangs sehr willkürlich, fügen sich am Ende aber perfekt in das Ganze der Handlung ein und ergeben Sinn - wieder mal mit einer Erklärung, an die ich vorher noch nicht mal gedacht hatte, geschweigedenn sie ernsthaft in Betracht zu ziehen.

"Beautiful Darkness" lebt neben der Lokation und der spannenden Handlung vor allem auch von seinen Charakteren. Wir treffen auf alte Bekannte aus dem ersten Teil, allen voran natürlich Amma, bei deren Auftreten ich früher oder später eigentlich immer lachen musste. Lenas Cousine Ridley und Ethans 100-jährige Tanten spielen ebenfalls eine nicht untergeordnete Rolle. Link ist und bleibt der perfekte unterstützende Charakter, lockert noch die verzwicktesten Situationen mit seinem Humor und unkonventionellen Kommentaren auf.
Zusätzlich führen die Autorinnen neue Charaktere ein. Neben dem zwielichtigen John Breed, der weder Caster noch Incubus zu sein scheint, ist dabei vor allem noch Olivia, Marians junge Forschungsassistentin aus England, zu nennen, die ich schon nach wenigen Seiten liebgewonnen habe.

Das Ende schließlich hat mich nicht nur an vielen Stellen überrascht, es liefert auch eine Menge Potential für den 3. Band der Serie.
Mehr und mehr entwickeln sich die "Caster Chronicles" zu einer meiner Lieblingsserien. Umso besser, dass der bisher unbetitelte dritte Teil noch 2011 erscheinen soll. Ein vierter Teil ist ebenfalls in Planung und für Herbst 2012 angesetzt.

Informationen zu Charakteren und Handlung, Playlisten (kann ich nur empfehlen!), Trailer, und mehr gibt's auf der offiziellen Seite zu den Büchern.


Bewertung
Wie lange es auch dauert, bis zum Erscheinen des 3. Teils ist die Zeit definitiv zu lange. "Beautiful Darkness" reist den Leser von den ersten Kapiteln an mit, weckt den Wunsch, Teil des Geschehens zu werden. Ich bin vollkommen begeistert!