17. Dezember 2011

Cassandra Clare - Clockwork Prince

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 503 Seiten
ca. € 9,37 - 12,95
ISBN 978-1416975885

Der Klappentext ist bei diesem Buch wirklich elends lang (und meiner Meinung nach sehr oft nahe zur Spoiler-Grenze), deshalb - und weil der Inhalt schon von Buch 1 "Clockwork Angel" bekannt sein dürfte und sich daran im Grunde nichts ändert - verzichte ich an dieser Stelle auf einen Kopiervorgang. Wer am Klappentext interessiert ist, kann das Lesen desselben zum Beispiel >hier< nachholen.


Diese Rezension enthält KEINE Spoiler!


Was ich denke ...
Ich versuche das hier so kurz wie möglich zu halten, weil ich mich - leider ist es so - nicht länger als nötig mit diesem Buch befassen will. (Wer gerne die positiven Punkte zum Buch wissen will, der scolle bitte nach unten.)

"Clockwork Prince" beginnt ähnlich träge wie der Vorgänger. Ich musste wieder mehr als 100 Seiten lesen bevor ich es geschafft habe, in die Handlung einzusteigen - wirklich interessant war sie deshalb aber noch lange nicht. Im Prinzip ist der Handlungsbogen in "Clockwork Prince" gut strukturiert und konstruiert, jedoch fehlt ihm der Schwung, den ich von den ersten drei Mortal Instruments-Bänden in Erinnerung habe. Ich hatte beim Lesen öfter das Gefühl, man hätte hier locker einige Seiten streichen können, die Handlung wäre dadurch geballter aufgetreten und das Buch deutlich flotter geworden.
Es gab da allerdings einen Punkt, ab da wollte ich "Clockwork Prince" tatsächlich nicht mehr aus der Hand legen - der lag ungefähr bei Seite 250 -, ich ringe aber immer noch mit mir, ob dieser plötzliche Wunsch, das Buch in einem Rutsch zu beenden, darin begründet liegt, dass ich plötzlich mitgefiebert habe, oder ob mich schlicht interessiert hat, an wen Tessa sich wohl als nächstes ranschmeißt.

Einige haben sicher geahnt, dass dieses Thema aufkommen wird. Dazu aber später mehr. Zuerst möchte ich mich den Charakteren an sich widmen.

Da hätten wir zum Ersten Will Herondale. Ich kann mich an mehrere Aussagen von Cassandra Clare erinnern, in denen sie ein ums andere Mal beteuert, Jace Wayland aus den Mortal Instruments und Will aus Infernal Devices seien sehr unterschiedlich. Nicht ein und die selbe Person. Wenn das wirklich so ist, wieso schaffe ich es dann einfach nicht, Will und Jace gedanklich voneinander zu trennen? Wieso habe ich immer Jace' goldenen Schopf vor Augen obwohl da etwas von Wills kohlrabenschwarzem steht? Jace und Will gleichen sich in ihren Handlungsweisen so sehr, sie haben beide mit einer inneren Zerrissenheit zu kämpfen - nur gut, dass das bei Will aus einem anderen Grund geschieht, zumindest diese Neuartigkeit darf man erwarten.
Zu Will ist wohl noch weiter zu sagen, dass er im Laufe dieses zweiten Bandes einen völligen Charakterwechsel durchmacht, dessen Begründung ich einigermaßen akzeptieren kann.

Zu Jem habe ich nicht viel zu sagen. Ich mag ihn immer noch sehr und habe mich außerdem sehr gefreut, dass er in "Clockwork Prince" mehr Eigeninitiative zeigt - sein Charakter gewinnt neue Facetten.

Tessa. In ihrem Zusammenhang kommt mir immer ein Seufzen über die Lippen. Nicht weil sie mir so herzzerreißend leid tut, sondern weil ich mich in diesem Buch einige Male sehr über sie geärgert habe. Die Arme kann sich einfach nicht entscheiden ... Ja, da kommt es wieder, das Seufzen.
Tessa hat, das muss man ihr zu Gute halten, sonst sehr viele gute Eigenschaften, aber Fehler scheint sie - abgesehen von eben erwähnter störender Unentschlossenheit - nie welche zu haben oder zu machen. Abgesehen von Jessamine behandelt sie jeder wie ein kleines Püppchen, das nie etwas falsch machen kann. Das erinnert jetzt ein wenig an Jem und sein herzensgutes Wesen, allerdings kann ich das Getue um Tessa einfach nicht nachvollziehen.

Hiermit möchte ich doch mal dazu übergehen, einige positive Dinge über das Buch zu sagen:
1. Die Sprache: Cassandra Clare kann schreiben. Sie weiß, wie man Sätze so formuliert, dass der Leser kein einziges Wort verpassen will. Dieser Punkt scheint hier nur so kurz abgehandelt, in Wirklichkeit ist es aber so, dass ich das Buch wohl nicht zu Ende gelesen hätte, wenn Clare nicht diese fesselnden Sätze schreiben könnte.
2. Jessamine: Sie zeigt am Ende von "Clockwork Angel" einen beeindruckenden Charaktersprung - zumindest war ich beeindruckt. Zuerst war ich bei "Clockwork Prince" sehr erstaunt, diese Entwicklung gelöscht zu sehen, das relativiert sich aber mit der Zeit wieder und Jessamine bringt deutlich Schwung in die Sache.
3. Magnus: Da Magnus Bane auch in TMI eine große Rolle spielt, fand ich es besonders faszinierend, seinen Werdegang auch in TID verfolgen zu können. Seine Vorliebe für blaue Augen beispielsweise kommt zur Sprache und wir wissen ja alle, wessen Augen ihn in TMI so faszinieren. ;)
4. Sophie: Sie ist eine Nebenfigur, die man wohl leicht vergessen könnte. In "Clockwork Prince" geht Sophie aber richtig aus ihrer Nebenrolle heraus. Ich habe sie wirklich lieb gewonnen und mich während des Lesens öfter dabei erwischt, mehr von ihr lesen zu wollen.
5. Das Setting: Bei Steampunk gehen mir sowieso die Augen auf und Cassandra Clare setzt dieses sehr wichtige Element in ihren Büchern gekonnt um. Obwohl mich das Liebes-Dreieck so dermaße geärgert hat, werde ich den dritten Teil auf jeden Fall auch noch lesen, um noch einmal von dieser Welt lesen zu können!


Bewertung
Die geometrische Liebesbeziehung ist in meinen Augen unnötig und zu sehr hervorgekehrt, Will ist leider immer noch eine Jace-Kopie, der Text hätte gekürzt werden können (100 Seiten weniger wären locker möglich). Ansonsten ein Buch wie man es von Cassandra Clare gewohnt ist mit fesselndem Schreibstil und faszinierendem Setting. Gibt laut meiner Rechnung 3 von 5 Blümchen.


6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jetzt kann ich das Buch wohl erst Mal wieder von meiner Wunschliste streichen, scheint sich im Vergleich zum ersten Band nicht so viel verändert zu haben, denn auch da hat mich die Ähnlichkeit Jace/Will zu sehr gestört.
Kennst du die Draco-Trilogie von Cassandra Clare, also diese Fanfiction zu Harry Potter? Der Draco in dieser Geschichte ähnelt Jace auch schon sehr stark. Echt schade, dass eine Autorin von sicht selbst abschreiben muss...

StefanieEmmy hat gesagt…

Wenn du jetzt schon weißt, dass es dich wieder sehr stören würde, dann lässt du es wirklich besser bleiben ^^
Ihre Fanfiction hab ich nie gelesen, aber ich hab davon gehört. Wusste aber nicht, dass Draco auch schon so ist ... :/ Werd ich wohl nicht lesen, danke für die Warnung ;)

Anna hat gesagt…

Boar puhh! Also, mein Fazit - ich werde mich tierisch bei dem Buch aufregen, es aber doch lesen (Clares Sprache eignet sich einfach zu gut zum Englischlesenlernen). Und danach nie wieder eine Reihe von Clare anfangen, sollte da nicht explizit von dem Jace-Typ und einem Lovetriangel weggegangen worden sein.
Diese Fanfic würde mich ja mal interessieren, werde ich aber wegen dem Jace-Problem auslassen. Und Draco und Hermine? Hm ... dazu mag ich Ron zu sehr *gg*

StefanieEmmy hat gesagt…

Ach das ist Clare mit der Draco/Hermine-Sache? Ich mag Ron auch sehr, aber irgendwie hat die Kombi was :D

Tine hat gesagt…

Hmm, okay....

Mich hat schon "Clockwork Angel" nicht so richtig doll gefesselt. Dann werde ich mit "Clockwork Prince" warten, bis es mich so richtig doll anspringt, ansonsten lass ich es vielleicht einfach bleiben.

Mal abwarten...

Ach Mensch, das ist soo schade. Ich weiß gar nicht mehr, wie du "City of Fallen Angels" fandest. Das mochte ich zwar, aber es hat mich auch nicht so umgehauen.

nia hat gesagt…

Oh man, auch bei mir wandert das Buch nach dieser Rezi weiter nach unten in der 'Muss ich lesen'-Liste. Ich mag zwar Will und eigentlich auch Jace (wobei ich nach City of Fallen Angels da echt ins Wanken geraten bin, was seine Person angeht), aber diese Déjà Vu-Erlebnisse braucht kein Mensch. Hinzu kommt, dass ich Tessa auch nur mäßig spannend fand (hätte sie ihre Gabe nicht, würde man sich mit ihr wohl richtig langweilen).

Die Draco-Trilogie ist übrigens sehr witzig (auch wenn Draco da auffällige Züge eines Ur-Jaces hat). Aber wer sich darin in wen verliebt, ist - wenn man die HP-Konstellationen alle kennt - sehr amüsant (zeitlich wurden die FFs wohl etwa nach dem 3 oder 4 Bd. von Rowling geschrieben...). Auch die Voldemort-Auflösungen sind eher ungewöhnlich, aber unterhaltsam. Sollte jemand interesse haben, kann er sich per PM an mich wenden - kann sie hervorkramen (man findet sich nicht mehr so leicht im Netz, weil CC da ziemlich den Daumen drauf hat - keine Ahnung wieso).
Viele Grüße nia