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1. Mai 2013

Cassandra Rose Clarke - The Pirate's Wish

2013, ca 350 Seiten
ca. 7 €
ISBN 9781908844286

"The Pirate's Wish" erscheint am 4. Juni 2013 bei Strange Chemistry

After setting out to break the curse that binds them together, the pirate Ananna and the assassin Naji find themselves stranded on an enchanted island in the north with nothing but a sword, their wits, and the secret to breaking the curse: complete three impossible tasks. With the help of their friend Marjani and a rather unusual ally, Ananna and Naji make their way south again, seeking what seems to be beyond their reach.

Unfortunately, Naji has enemies from the shadowy world known as the Mists, and Ananna must still face the repercussions of going up against the Pirate Confederation. Together, Naji and Ananna must break the curse, escape their enemies — and come to terms with their growing romantic attraction.



Cassandra Rose Clarke lässt mich einfach nicht los. In den letzten 10 Monaten habe ich alle ihre Veröffentlichungen gelesen - das hat angefangen in der Fantasywelt von "The Assassin's Curse", und führte nach dem Science-Fiction Abstecher "The Mad Scientist's Daughter" über die Kurzgeschichte "The Witch's Betrayal" wieder zurück zu Anannas Perspektive in "The Pirate's Wish". Ich kriege einfach nicht genug.

"The Pirate's Wish" fängt da an, wo "The Assassin's Curse" aufgehört hat - das macht auch Sinn, denn im Nachwort schreibt die Autorin, dass das ganze ursprünglich eine Geschichte war, die aufgrund der Länge geteilt wurde. Sonst hätte anscheinend gekürzt werden müssen. Was bin ich froh, dass diese andere Lösung mit den zwei Büchern möglich war!
Ich weiß gar nicht, was ich noch sagen könnte, um euch die Bücher schmackhaft zu machen, was ich nicht schon in meiner Rezension zu "The Assassin's Curse" geschrieben habe. Es gibt nur einen zentralen Punkt, den ich wirklich mal herauskehren möchte, weil man es nicht oft genug sagen kann:

Sowohl Ananna als auch Naji machen in diesem zweiten Buch einen sehr wichtigen Entwicklungsschritt, einen, den ich jedem Menschen nur wünschen kann: Selbstakzeptanz. Und dabei auch die Akzeptanz der Tatsache, dass andere oft mehr in uns sehen als wir selbst - und dass die anderen nicht unbedingt diejenigen sind, die falsch liegen.

Gut, manchmal habe ich mir gewünscht, Naji würde ein bisschen eher preisgeben, was er für Ananna empfindet, aber am Ende ist er einfach wie er ist und wenn man sich vorher die Kurzgeschichte "The Witch's Betrayal" gönnt - die aus Najis Sicht geschrieben ist und zeitlich vor den beiden Romanen angesiedelt ist - lässt sich sein Verhalten etwas besser nachvollziehen. Zum Glück versteht Ananna ihn dann doch gut genug, um den letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen und mich hat die Unsicherheit zwischen ihnen nur noch schneller durch das Buch getrieben.

"The Pirate's Wish" ist wie sein Vorgänger ein Buch voller Spannung und Abenteuer. Ananna kämpft mit ihrem Gefühlen und mit ihrer Rolle. Die Piratin in ihr bekommt viel mehr Spielraum und ebenso die Möglichkeiten, die das für ihre Zukunft mit sich bringt. Das Buch hat nicht viele ruhige Sequenzen, aber selbst die waren nie langweilig oder überflüssig.
Kurzum: Ich liebe den zweiten Teil so wie ich den ersten liebe und bei erster Gelgenheit werde ich beide nochmal lesen. Wie ich mich darauf freue!

Bis es soweit ist, erfreue ich mich an der Nachricht, dass ab 2014 eine weitere Duologie aus Clarkes Feder bei Strange Chemistry erscheinen wird. Diese spielt in der selben Welt wie Anannas und Najis Geschichte und wird unter den Titeln "The Wizard's Promise" und "The Nobleman's Revenge" zu lesen sein. Haha, Freude! :D





A great thanks to NetGalley and Strange Chemistry for the chance to read and review the ARC!

3. Februar 2013

Cassandra Rose Clarke - The Mad Scientist's Daughter

2013, Paperback, 391 Seiten
ca € 10
ISBN 9780857662651

"Cat, this is Finn. He's going to be your tutor."

Finn looks and acts human, though he has no desire to be. He was programmed to assist his owners, and performs his duties to perfection. A billion-dollar construct, his primary task now is to tutor Cat. As she grows into a beautiful young woman, Finn is her guardian, her constant companion… and more.
But when the government grants rights to the ever-increasing robot population, however, Finn struggles to find his place in the world.


Als ich im letzten Jahr Cassandra Rose Clarke's Debüt The Assassin's Curse gelesen habe, war ich restlos begeistert von den Protagonisten und ihrer Beziehung zueinander. Clarke hat den Bogen wirklich raus und das beweist sich auch mit ihrem ersten Roman für Erwachsene - wobei, das muss ich gleich gesagt haben, der geneigte Leser etwas mehr Zeit und Seiten invenstieren muss als das bei The Assassin's Curse der Fall ist. Der ungeneigte Leser könnte schnell die Lust verlieren.

Das ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich anzubringen habe: Es hat ewig gedauert, bis ich mit Cat warm geworden bin. The Mad Scientist's Daughter ist vieles - eine Liebesgeschichte, Science Fiction, Drama - aber vor allen Dingen ist es in meinem Empfinden ein Entwicklungsroman. (Und nur in sehr kleinen Teilen politisch, ganz anders als uns der Klappentext weismachen will.)
Der Leser lernt Cat als Fünfjährige kennen. Sie begegnet Finn zum ersten Mal und wie Cat hatte ich Probleme, ihn richtig einzuordnen. Es wird relativ schnell klar, dass Finn ein Roboter ist, aber die Überlegungen und Gefühle, die er manchmal an den Tag legt, passten in meiner Vorstellung so gar nicht mit Robotern zusammen.
Während Cat älter wird - und das in geradezu rasenden Schritten, zur Hälfte des Buches ist sie bereits 28 - wird Finns Bild immer klarer, während Cat irgendwie kalt und unnahbar bleibt. Es gab da eine Phase, in der ich mit mir gekämpft habe, ob ich das Buch nicht besser bleiben lasse. (Das ist übrigens die Phase, in der Cat und Finn ihre Beziehung ziemlich weit treiben. Ja, so weit. Roboter-Sex. Da, ich habs gesagt. Roboter-Sex.)

Das war der Moment, in dem ich 1. gemerkt habe, dass The Mad Scientist's Daughter kein YA ist (eine kleine Recherche im Vorfeld hätte Abhilfe geschafft, aber der Name auf dem Cover hat zu Direktkauf geführt), und ab dem ich 2. beschlossen habe, die Geschichte nicht mehr ganz so realistisch, sondern mehr symbolhaft zu sehen. Das hat geholfen. Und ab da habe ich das Buch verschlungen, geradezu inhaliert, und zum Schluss geliebt.

Gewisse Dinge drängen sich in der Interpretation geradezu auf, aber eine Ausführung würde an dieser Stelle zu massenhaft Spoilern führen, deshalb belasse ich es dabei und hoffe, trotzdem eure Neugierde und euer Interesse geweckt zu haben.
The Mad Scientist's Daughter ist neben all der Interpretatiererei vor allen Dingen eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, die in sprachlicher Schönheit und immer ein wenig melancholisch auftritt. Was braucht es, um zu fühlen? Was ist Gefühl überhaupt? Was bedeutet Menschlichkeit? Am Ende ist das Buch so umfassend und überwältigend, das ich gerade das Gefühl habe, bestimmt die Hälfte verpasst zu haben.

Also muss ich es wohl nochmal lesen. Was sich gut trifft, denn irgendwie muss ich mich ja über die fünf Monate bis zum Erscheinen von The Pirate's Wish retten.





Und wem das alles nicht zusagt, dessen Nase sei noch einmal herzlich aber vehement auf The Assassin's Curse gedrückt. ;)

21. Oktober 2012

Hannah Harrington - Saving June

Wie in der Rezension zu "Speechless" angekündigt, habe ich Hannah Harrington eine zweite Chance gegeben - und siehe da: "Saving June", ihr Debüt, hat mir tatsächlich besser gefallen. Nicht viel besser, aber immerhin ein Stück.

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2012 (Erstausgabe 2011), ebook von Mira Ink, ca. 336 Seiten
€ 5 bis 9
ISBN 9781408981498

Your sister is dead. Nineteen songs can tell you why. Only one boy can help you understand.

Harper Scott's older sister, June, took her own life a week before high school graduation, leaving Harper devastated. So when her divorcing parents decide to split up June's ashes, Harper steals the urn and takes off cross-country with her best friend, Laney, to the one place June always dreamed of going-California.

Enter Jake Tolan, a boy with a bad attitude, a classic-rock obsession...and an unknown connection to June. When he insists on joining them, Harper's just desperate enough to let him. With his alternately charming and infuriating demeanour and his belief that music can see you through anything, he might be exactly what Harper needs. Except...Jake's keeping a secret that has the power to turn her life upside down again.



 "Saving June" hat mich in der griechischen Sonne durch die ersten Urlaubstage begleitet - dafür ist es wohl ua am besten geeignet. Oder entspannte Sonntage, an denen nichts besseres zu tun ist. Leider. Vom Hocker gerissen hat mich das Buch nicht, aber zum Strandliegen und Sich-Baumeln-Lassen ist es gerade recht.

Einer meiner größten Kritikpunkte an "Speechless" war die über alle Maßen egoistische und unzugängliche Protagonistin. Versteht das nicht falsch. Wir alle sind Egoisten - die einen mehr, die anderen weniger, aber es ist (zumindest in meinen Augen) ein Zug, den ich gerade mit unserer Gesellschaft verbinde - aber es gibt auch egoistische Charaktere, die vom Autor so geschildert werden, dass sie der Leser trotzdem versteht und nicht nur das: Der Leser baut eine Verbindung auf, ist emotional eingebunden - Paradebeispiel ist Lauren Olivers "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie"/"Before I Fall".
Zurück zu "Saving June": Harper hat wie Hannah aus "Speechless" egoistische Züge, allerdings kann ich hier irklich nur von Charakterzügen sprechen - bei hannah war die egozentrische Ader erstens weit ausgeprägter und zweites unerklärter. Harper konnte ich bis zu einem gewissen Grad verstehen, es war größtenteils logisch dass sie so ist, wie sie ist.

"Saving June" lässt sich in zwei bekannte Kategorieren stecken: Die Aufkleber "Selbstmord"-Buch und "Roadtrip"-Buch halten sich die Waage. Mich hat die Kombination aus beiden gereizt, doch die Aufregung verpuffte schon nach wenigen Seiten, als bei mir der Eindruck entstand, Junes Selbstmord sei nur ein Vorwand für den Raodtrip. Mit der Zeit musste ich den Konjunktiv streichen. Während des ganzen Roadtrips kam nie so wirklich heraus, warum sich June eigentlich das Leben genommen hat. Das Thema wird nur fadenscheinig abgetan und ich habe mir selbst eine "Erklärung" zurecht gelegt: Es gibt wohl nicht immer eine begründete und stukturierte Backgroundstory. Manchmal kommt man zu einem Punkt, an dem man andere Menschen nicht mehr verstehen kann, weil ihre Perspektiven einem selbst völlig fremd sind.
Keine Ahnung, ob Hannah Harrington auf diese Aussage hinauswollte, ich brauche sie jedenfalls, sonst wäre ich am Ende von "Saving June" ähnlich frustriert gewesen wie nach "Speechless".

Trotzdem hat sich dieser Eindruck nicht mehr löschen lassen, dieser Eindruck, dass die Autorin vordergründig ein Buch über einen Roadtrip schreiben wollte und verzweifelt nach einem Grund für selbigen Trip gesucht hat.

So richtig ins Buch hineingezogen haben mich eigentlich Harpers Reisebegleiter, ihre beste Freundin Laney und Jake, der die Musik ins Buch bringt. Jaaa, Musik! Das zieht immer bei mir. The Beatles, Johnny Cash, Leonard Cohen, Coldplay ... aber auch mir gänzlich un bekannte Musiker finden ihren Platz in Jakes Euphorie. Ein kleiner Bonus für Musik-Freaks sind die drei Playlisten im Anhang des Buches - die werden durchgehört sobald sich die Gelegenheit ergibt.

Zu Sprache und Stil habe ich nicht viel zu sagen, abgesehen davon dass beides einfach gehalten und das Buch so auch für Anfänger in Sachen fremdsprachiges Lesen geeignet ist.


Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Am besten bloß, wenn man es eh schon rumliegen hat und einen Nachmittag entspannt und musikalisch verbringen möchte.


17. September 2012

Rae Carson - Der Feuerstein/The Girl of Fire and Thorns

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 524
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3453267183

Jeder im Land kennt Prinzessin Elisa, denn sie ist die Auserwählte. Die Trägerin des Feuersteins. Dazu bestimmt, eine Heldin zu sein. Alle warten darauf, dass sich Elisas Schicksal erfüllt - ihr Vater, ihre Schwester, ihr Volk. Doch Elisa ist zwar liebenswert und klug, aber auch ziemlich dick. Niemals wird sie in der Lage sein, etwas Außergewöhnliches zu vollbringen, und daran kann der Feuerstein in ihrem Bauchnabel auch nichts ändern, dessen ist sie sich sicher. Als sie an ihrem sechszehnten Geburtstag mit Alejandro, dem gut aussehenden König des riesigen Nachbarreiches Joya d'Arena, verheiratet wird, setzt sich Elisa noch mehr unter Druck: Schließlich braucht Alejandro eine starke Königin an seiner Seite und keine Versagerin!

Erst als eines Tages ein grausamer Feind die Grenzen Joya d'Arenas bedroht, ist Elisas Stunde gekommen. Wird sie sich und der Magie des Feuersteins vertrauen? Schafft sie es, rechtzeitig der tödlichen Intrige zu entkommen, die bereits um sie gesponnen wurde? Denn nur wenn sie mit Mut und Entschlossenheit den Platz einnimmt, den ihr das Schicksal zugewiesen hat, wird sie ihr Volk vor dem Untergang retten.



Da bin ich in meiner post-Prüfungs-Lesefreude wohl etwas durcheinander gekommen. "Der Feuerstein" von Rae Carson war längst bestellt, aber trotzdem habe ich begeistert zugesagt, als mir eine Freundin das selbe Buch auf Englisch angeboten hat. Den belämmerten Blick, als ich das deutsche Exemplar wenige Tage nachdem ich das englische gelesen hatte aus der Post zog, könnt ihr euch sicher vorstellen.
Macht aber nix. "The Girl of Fire and Thorns" hat mir so gut gefallen, dass ich es richtig spannend fand, auch noch in das deutsche Exemplar reinzulesen. Deshalb jetzt und hier eine aktuallisierte Version meiner damaligen 1MinuteReview. ;)

Um es abzukürzen: "Der Feuerstein" ist Abenteuer pur! Und ein kleiner Klischeeaufräumer. Wer dachte, dass Fantasy-Heldinnen immer schön sind oder kleine Makel haben, die sie aber doch irgendwie schön enden lassen, der möge sich bitte mit Prinzessin Elisa befassen. Die gute beschreibt sich selbst als dick - fett sogar - und hässlich, und das ist nicht bloß gemindertes Selbstwertgefühl sondern die Meinung von jedem. Eine Heldin, die mit Andersartigkeit überzeugt.
Und das zumindest fast gänzlich. Leider hat Elisa wegen ihrem Äußeren (und dem gegensätzlich wunderschönen Äußeren ihrer Schwester) einen Hang zu Selbstmitleid, was - so kann ich mir vorstellen - leicht zu Genervtheit beim Leser führen kann. Mich selbst hat es nicht gestört - auch bei der zweiten Lektüre nicht -, weil ich Elisa insgesamt als sehr frisch und spannend empfunden habe. Sie hat, trotz ihrer äußeren Nachteile, eine sehr sichere Art zu sprechen. Natürlich zweifelt sie, aber trotzdem bringt sie den nötigen Stolz und Mut auf, ihre Zweifel nicht zu zeigen. Und das in einer Situation, in der sie, weit fort von zu Hause, mehr oder weniger alleine und fremd ist.
Was an Elisa so spannend ist, ist ihre Entwicklung. Mit der Zeit eignet sie sich diese Sicherheit nämlich wirklich an und das Schauspiel verfliegt.


Trotzdem, die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas. Aber Durchhalten lohnt sich, denn dann offenbart sich nach und nach die Undurchschaubarkeit von Elisas Umfeld. Ich persönlich habe hier ziemlich in der Luft gehangen, weil ich einfach nicht wusste, wem Elisa am ehesten vertrauen sollte. Ich fand das toll! Ich weiß es wirklich zu schätzen, wenn sich Autoren die Mühe machen, solche Situationen und vor allem viel Ungewissheit zu kreieren.
Dann kam eine überraschende Wende, die der Geschichte plötzlich eine ganz andere Richtung gibt. Eine in der ich - wie Elisa - einen sicheren Stand erlangt habe. Die Autorin hört auf mit dem Versteckspiel und rückt mit Informationen raus, zum Feuerstein, zu dem was er bedeutet und was Elisa alles bewirken kann. Wenn sie denn Vertrauen in sich selbst findet.

"Der Feuerstein" ist ein kleines Juwel, das muss schon mal gesagt werden. Eine spannende Storyline, eine wandlungs- und lernfähige Protagonistin und dazu ein grandioses Setting. Stellt euch eine Mischung aus High Fantasy und Wüstenmystik vor, mit Hofintrigen und fantastischen Elementen.
Dazu noch ist das Buch wirklich gut ins Deutsche übertragen worden - ich nehme das längst nicht mehr als selbstverständlich hin. In den letzten zwei Jahren habe ich einiges gelesen, das nicht bloß schlampig sondern teilweise auch ungeschickt übersetzt wurde. "Der Feuerstein" ist eine angenehme Ausnahme.

Fazit
Es hat mir eine ganze Menge Spaß gemacht, Elisa dabei zuzusehen, wie sie über sich hinaus wächst. "Der Feuerstein" ist ein großartiges Abenteuer zum Schmökern und Träumen - der zweite Teil ist Pflicht für mich!


 

10. August 2012

1MinuteReview: EL James - Fifty Shades of Grey


1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Ich bin weder beeindruckt noch in irgendeiner Weise eingenommen von diesem Buch. Zumindest verstehe ich jetzt den Grund, warum das Buch fast jeder liest: Neugierde. Ganz simple Neugierde. Bei mir war es genau das, denn weder die Storyline (nicht vorhanden), die Sprache (unterirdisch) oder die zweifellos sehr kreativen (*Sarkasmus*) Selbstgespräche, die Ana mit ihrer "inner goddess" und ihrer "consciousness" führt, konnten mich unterhalten. Nach einem Drittel musste ich mich überwinden, überhaupt weiterzulesen und - ich gebe zu - ab da habe ich wirklich nicht mehr jede Zeile gelesen. Es wiederholt sich einfach alles!

- Teile des Vertrages sind 3 mal (!!) abgedruckt, zwei Mal die gesamte Fassung und die geht über geschätzte 10 Seiten
- wenn Ana einmal anfängt davon zu schwärem wie schön Christian doch ist, hört sie gar nicht mehr damit auf
- überhaupt wird Ana nicht müde zu erklären, was für eine innere Zerrissenheit sie empfindet (eigentlich will sie ja fast nie, aber doch haucht sie dann jedes Mal "ja" wenn Christian ihr seine Wolllust gesteht *uagh*)
- die Sexszenen sind nach einer Weile auch nicht mehr sonderlich innovativ - wundert mich nicht, bei manchmal sogar 5 mal Sex am Tag würden jeder Autorin langsam mal die Beschreibungsmöglichkeiten ausgehen. EL James merkt man diese Sackgassen leider sehr stark an. Die paar Kabelbinder fand ich nicht sonderlich schockierend, die Peitschen schon eher - einfach weil ich das Bedürfnis, sich schlagen zu lassen, nicht nachvollziehen kann. Das sind echte Schmerzen! Ich kenne Leute, die leben keinen Tag ohne Schmerzen und dann gibts da welche, die sich das absichtlich antun ...?! Geht mir echt nicht in den Kopf.
- Gespräche über Autos -.- Das muss wohl von der großen Schwester "Twilight" kommen.

Ich muss Ana positiv anrechnen, dass sie am Ende doch noch die Kurve kriegt, da verhält sie sich das erste Mal vernünftig. Christians Vergangenheit war ganz interessant, aber insgesamt mochte ich ihn einfach nicht.
Ich schwanke zwischen 1 und 2 Sternen, aber wenn ich es auf den Punkt bringen müsste, dann ... definitiv 1 Stern. Ich habe mich durch dieses Buch gequält und da gab es bisher nur eines, das ich als vergleichbar schlecht empfunden habe - da habe ich bei der Bewertung auch nicht gezögert.








 


(Ich bin mir sicher, irgendwo da draußen gibt es bessere Erotikromane zum Thema Bondage. Muss es einfach geben!)

29. Juli 2012

Hannah Harrington - Speechless

2012, 288 Seiten
ca. € 7
ISBN 978-0-373-21052-7
Erscheint am 28. August 2012 bei Harlequin Teen

The story of a girl named Chelsea Knot who takes a voluntary oath of silence after her gossip-mongering ways yield unexpected consequences…

Say she’s sorry isn’t enough.




Ein kurzer Text, catchy und vielversprechend. Noch dazu habe ich von Hannah Harringtons Debüt "Saving June" nur Gutes gehört. Ich habe mich voller Vorfreude auf "Speechless" gestürzt ... und bin nach wenigen Seiten in ein ernüchterndes Loch gefallen.


Alles was ich bei diesem Buch noch sehe ist eine Protagonistin, die für mich einfach nicht funktioniert hat. Es fällt mir wirklich schwer, andere Aspekte der Geschichte zu beurteilen, weil Chelsea mir so prominent vor Augen steht - und das ist extrem schade, weil der Hintergrund ein sehr wichtiger und diskussionswürdiger ist. Es ist nur ein Satz, der Chelseas Leben komplett verändert, und nicht nur ihr Leben, sondern vor allem das von Noah, der danach für Wochen ans Krankenbett gefesselt ist, fast stirbt. Es führt Chelsea vor Augen, wie wenig es braucht, um das Leben eines anderen in Gefahr zu bringen.

Naja, glaube ich zumindest. So wirklich eingestehen tut sie sich diesen Umstand nicht. Chelsea ist egozentrisch, unsympathisch, naiv, hochnäsig, einfach zum-aus-der-Haut-fahren-nervig. Wie ich so aus ihrer Perspektive gelesen habe, hatte ich das Bedürfnis, ihr einfach mal eine zu kleben. Und dabei zu hoffen, dass sie vielleicht mit beiden Beinen im Leben landet.
Anfangs hat sie mich stark an Samatha aus "Before I Fall"/"Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" (Lauren Oliver) erinnert, allerdings besteht hier der gravierende Unterschied, dass Samantha erstens ein spannender Charakter und zweitens viel selbstreflektierender ist als Chelsea.
Das wirklich schlimme ist das hier: Ich habe mich noch nicht mal gefreut wenn zur Abwechslung mal jemand nett zu Chelsea war und Leid getan hat sie mir auch nicht. Als zB Asha, die einzige die wirklich normal mit Chelsea umgeht, ihr anbietet bei den Matheaufgaben zu helfen, ist Chelseas erster Gedanke, dass sie so zumindest eine gute Note aus "dieser widerwilligen Kameradschaft" herausholen könnte.
Abgesehen von Genervtheit hat Chelsea keine Gefühle bei mir getriggert. Schlechte Ausganglage für einen Roman, der sich der Ich-Perspektive bedient und dazu noch sehr charakterorientiert ist.


Gestört hat mich außerdem, dass das mit dem Schweigen bei Chelsea viel zu einfacht funktioniert. Sie entscheidet einfach, nicht mehr zu sprechen, aber sie beklagt sich nie, dass es so viel einfacher wäre, zu sprechen. Wenn ich mir vorstelle auch nur einen Tag kein Wort von mir zu geben ... ich bin wirklich keine Quasselstrippe, aber es würde mir so unglaublich schwer fallen. Vor allem weil jeder mit der Zeit nachlässig wird. Unachtsam. Wenn man mit etwas wie einem Schweigegelübde beginnt ... das muss einem doch schwer fallen!
Aber bei Chelsea kein Gedanken in diese Richtung. Das kommt erst nach 1/3 des Buches, nachdem sie schon drei Tage problemlos geschwiegen hat.
Das nehme ich ihr einfach nicht ab.


Zu Chelseas Verteidigung muss ich sagen, dass sie mit den verstreigenden Tagen offener und fairer anderen gegenüber wird, aber die Freundschaften, die sie auf die Schnelle schließt ... naja, sagen wir, sie hat echt Glück, dass Asha und die anderen so leicht und schnell vergeben.
Dann plötzlich, fast von einer Seite zur nächsten, macht Chelsea einen kompletten Wandel durch. Man sieht richtig wie die Teile in ihrem Kopf zu einem Ganzen werden und ihre egoistische Art ist fast gelöscht.
Zumindest dieser Moment war schön zu lesen, aber es ändert nichts daran, dass Chelsea dieses Buch für mich ruiniert hat. Ich hätte es so viel interessanter gefunden, diese Geschichte aus Ashas Perspektive zu lesen. Oder aus Sams (kleine Info: das ist der love-interest, aber was ihn zu Chelsea hinzieht kann ich nicht verstehen).






Mehr als zwei Blümchen schauen wirklich nicht heraus. Chelsea hat das Buch für mich ruiniert, aber ich werde der Autorin wohl trotzdem noch eine Chance geben und "Saving June" lesen.




Thanks to Harlequin and Netgalley for providing the ARC!

28. Juli 2012

Katie McGarry - Pushing the Limits

2012, 409 Seiten
ca. € 13
ISBN 978-0-373-21049-7

SO WRONG FOR EACH OTHER...AND YET SO RIGHT.

No one knows what happened the night Echo Emerson went from popular girl with jock boyfriend to gossiped-about outsider with “freaky” scars on her arms. Even Echo can’t remember the whole truth of that horrible night. All she knows is that she wants everything to go back to normal.

But when Noah Hutchins, the smokinghot, girl-using loner in the black leather jacket, explodes into her life with his tough attitude and surprising understanding, Echo’s world shifts in ways she could never have imagined. They should have nothing in common. And with the secrets they both keep, being together is pretty much impossible.

Yet the crazy attraction between them refuses to go away. And Echo has to ask herself just how far they can push the limits and what she’ll risk for the one guy who might teach her how to love again.



Was ich denke ...
Ich fürchte diese Rezension wird eine der schwierigsten, die ich je geschrieben habe. Ich bin gerade selbst gespannt, ob ich in Worte fassten kann, was ich zu "Pushing the Limits" zu sagen haben.


Vorweg: Ich bin nicht über die Maßen begeistert von diesem Buch, aber auch auf keinen Fall enttäuscht.
Fangen wir mit dem Positiven an. Es gab Passagen und Ansätze in "Pushing the Limits" die habe ich geliebt und die werden mir ewig in Erinnerung bleiben als einige der besten, die YA-Contemporary im Augenblick zu bieten hat.

1.Echo. Gleich nachdem ich "Pushing the Limits" beendet hatte habe ich "Speechless" von Hannah Harrington begonnen und es hat mit den krassen Unterschied zwischen den Protagonistinnen in beiden Büchern unübersehbar verdeutlicht. Sowohl Echo als auch Chelsea gehörten zu den "popular girls" wie sie (offebar - meine Quellen sind lediglich Bücher und Filme ^^) in jeder amerikanischen High School anzutreffen sind. Bei beiden gab es einen Tag, der alles verändert hat, nachdem sie Gefallene in der Nahrungskette sind.
Und doch ist es nur Echo, die ich verstehen konnte, mit der ich mitfühlen kann. Chelsea aus "Speechless" hat mir verdeutlicht, wie viel näher ich mich Echo von Anfang an gefühlt hab. Ihr ist etwas wirklich Furchtbares passiert, das selbst Kennern des Genres neue Perspektiven bietetet (nur soviel: Es hat mit ihrer Mutter zu tun und mit einer psychischen Erkrankung), und obwohl es ein paar Kapitel dauert, bis das Geschehen angedeutet wird, ist es mir überhaupt nicht schwer gefallen, in Echos Kopf zu schlüpfen.

2.Noah. Das selbe lässt sich über den männlichen Protagonisten sagen. Noah kämpft mit einem Problem, das mir in der YA-Literatur eher unbekannt ist. Er ist seit zwei Jahren Teil des Pflegefamiliensystems und kämpft tagtäglich darum, seine beiden jüngeren Brüder sehen zu dürfen.
Noah ist ein sehr natürlicher männlicher Charakter. Leider sind mir seine Ausdrucksweise und seine Körperorientiertheit manchmal ziemlich auf die Nerven gegangen, aber dann dachte ich: Stimmt aber doch, genau so reden Teenager! Vor allem welche, die mit Erwachsenen keine guten Erfahrungen gemacht haben. Im Grunde glaube ich, dass die Autorin hier sogar noch einen drauflegen hätte können und es wäre immer noch im Bereich der Realität gewesen - zum Glück hat sies nicht getan.

3. Die Anziehung zwischen Echo und Noah ist überwiegend physischer Natur. Sex ist ein zentraler Punkt dieses Buches und wird nicht mit Samtpfoten angefasst. Trotzdem wird das Thema nicht überstreckt - ich würde meinen, Sex ist eher eine Art "gut integrierter Nebenkonflikt".

4.Erzählstil: Echo und Noah wechseln sich mit der Ich-Perspektive ab. Das hat für mich super funktioniert.

Nun aber leider zum happigen Teil der Rezension: Insgesamt hat mir die Tiefe entwas gefehlt, ein Detail, das die Geschichte besonders machen würde. Die Sprache hatte leider auch keine Besonderheiten zu bieten, war manchmal wiederholend, aber flüssig. Das hat mich noch am wenigsten gestört.
Da waren Noahs kitschige Nymphen- und Göttinnen-Vergleiche schon ein ganzes Eck schlimmer. Vor allem weil er sich wiederholt hat - ständig. Da hat es schon einiges Augenrollen meinerseits gegeben. Versteht das nicht falsch, ich mochte Noah sehr und er hat definitiv richtige Heldenmomente, aber um Seite 300 herum hat er es dann sogar noch geschafft, mir ein ungläubiges Schnauben zu entlocken. Das hätte wirklich nicht sein müssen! Man kanns auch übertreiben ... Außerdem neigt er leider dazu, die Wörter "baby" und "my girl" (in besitzergreifender Manie) etwas zu gehäuft zu verwenden.


Alles in allem ist "Pushing the Limits" ein Buch, das ihr euch bedenkenlos zulegen und lesen könnt - unterhalten wird es bestimmt! - aber für mich wird es ein Debüt bleiben, das in der Fülle aus Neuerscheinungen untergeht. 
Zwar bietet es Probleme und Konflikte, die in im YA-Genre relativ unausgetreten sind, aber ich musste mich auch über einige Dinge sehr ärgern. ZB Noahs Kosename für Echo - "baby" - den er ihr gefühlte Sekunden, nachdem sie sich für ihn entschieden hat, verpasst und dann ziemlich überstrapaziert hat. Vielleicht habe ich zu viele Idealvorstellungen, kritisch bin ich bestimmt, aber es ist einfach kein gutes Zeichen wenn ich (an manchen Stellen) mit Augenverdrehen nicht mehr nachkomme. Wie gesagt, es gibt auch Passagen in diesem Buch, an die ich mich erinnern werde weil sie ein Großartiges Beispiel für die Vielfalt des Genres sind.

Großzüge 4 Blümchen, die sich eher richtig 3,5 lehnen.










A great thanks to Netgalley and Harlequin for the chance to read the ARC!

22. Juli 2012

Cassandra Rose Clarke - The Assassin's Curse

2012, 416 Seiten
ca. € 7
ISBN 9781908844026
Erscheint am 2. Oktober 2012 bei Angry Robot

Ananna of the Tanarau is the eldest daughter of a highly-ranked family in the loose assortment of cutthroats and thieves in the Pirate's Confederation. When she runs away from the marriage her parents have arranged for her, they hire Naji the assassin to murder her.

When a mysterious woman in a dress shop offers her magical assistance for dealing with the assassin, Ananna accepts. She never went in much for magic herself -- she lacks the talent for it -- but she's not quite ready to die yet, either. Unfortunately, the woman's magic fails.

Fortunately, Ananna inadvertently saves the assassin's life in the skirmish, thus activating a curse that had been placed on him a few years earlier. Now, whenever her life is in danger, he must protect her -- or else he experiences tremendous physical pain. Neither Ananna nor the assassin, Naji, are pleased about this development.


(Gekürzter Klappentext - der letzte Absatz ist ein kompletter Spoiler, den man vorher nicht lesen sollte ... finde ich. Wenn ihr doch wollt, findet ihr den kompletten Klappentext >hier<)


Was ich denke ...
Ich bin mit keinerlei großen Erwartungen an dieses Debüt von Cassandra Rose Clarke herangegangen und muss zugeben, dass ich die ersten Seiten auch noch als ziemlich gewöhnungsbedürftig empfunden habe. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass das daran lag, dass die Autorin ihre Protagonistin ohne einleitende Worte oder Erklärungen auf den Leser loslässt. Im Zusammenhang mit Ananna muss ich einfach von "loslassen" sprechen - sie ist wild, setzt sich durch, hat aber, wie ich bald gemerkt habe, auch eine sehr gefühlvolle Seite.

Ananna, die Piratentochter, ist der Kern dieses Buches, ohne den die Geschichte nicht funktionieren würde. Sie ist das Sichtfenster, durch das wir die Welt aus "The Assassin's Curse" sehen. Im Grunde wie ein Filter, der nur das Wesentliche durchlässt und dadurch eine bombastische (jawohl!) Perspektive erlaubt.
Ananna flieht vor einer arrangierten Ehe mit dem Sohn einer anderen Piratenfamilie. Und sie meint es ernst - am Anfang habe ich noch an ihren Motiven gezweifelt, aber die sind vorhanden und sie sind echt. Ananna handelt nicht aus Launen heraus, was sie tut das ist ihr ernst.
Ich glaube deshalb mochte ich sie so. Deswegen und wegen ihrer knappen, teils belustigten und tief sarkastischen Blickweise. Ihre Stimme hat diesen Unterton, der einen im Innern ständig lachen lässt. Ananna ist großartig!
 

Und dann haben wir da Naji. Naji der Assassine, der Ananna hinterhergeschickt wird. Allerdings ist Ananna wie gesagt sehr zielstrebig und auch nicht zimperlich im Umgang mit Waffen - die Situation endet damit, dass Naji durch einen Fluch an Ananna gebunden ist. Und *bam* wir haben eine Situation voller Konflikte, Misstrauen, Anspannung. Die Chemie zwischen Ananna und Naji stimmt einfach, die Autorin hat meiner Ansicht nach alles richtig gemacht was man nur richtig machen kann. Es brodelt und ab und zu knistert es auch.
Aber bevor hier noch der Verdacht aufkommt, "The Assassin's Curse" sei eine seichte Romantasy, möchte ich eines festhalten: "The Assassin's Curse" ist ein großes Abenteuer! Ein Abenteuer mit zwei Helden, die wohl oder übel miteinander zurecht kommen müssen und sich im Laufe der (verfliegenden) Seiten zunehmend arrangieren. Ananna und Naji gewöhnen sich innerhalb von Wochen und Monaten (!) aneinander und von überschießenden unglaubwürdiger Romantik kann hier wirklich keine Rede sein.
Das wäre auch wirklich nicht möglich, denn Naji ist alles andere als offen und leicht im Umgang. Es dauert ewig bis er Ananna in seine Pläne einweiht, bis er ihr genug vertraut um über seine Vergangenheit zu sprechen. (Und Ananna ist da im Übrigen ganz ähnlich.) Naji hat mir immer direkt vor Augen gestanden, ich hatte das Gefühl, ihn durch Anannas Augen zu sehen, aber er behält vieles für sich und ich habe es als unglaublich spannend empfunden, langsam hinter seine Fassade blicken zu können.


Zeitlich ist "The Assassin's Curse" schwer einzuordnen. Wegen den Pistolen, die einzeln geladen werden müssen, würde ich auf das 15. oder 16. Jahrhundert schließen. Aber da das Setting örtlich nicht wirklich zuzuordnen ist, ist das eigentlich nicht weiter wichtig.
Wichtig hingegen ist nur: Ihr mögt Piraten? Und Assassinen? Habt gerne Abenteuergeschichten und sympathische, glaubhafte Protagonisten, die sich nicht gleich in überstürztes Liebesgedöns stürzen? Lest "The Assassin's Curse" kann ich da nur sagen!

Bewertung

Was "The Assassin's Curse" neben der ausgeklügelten Charakterbeziehung zu etwas Besonderem macht ist der leichte, satirische Ton der Geschichte. Den Leser erwartet ein großes Abenteuer und vielleicht das beste Fantasy-Debüt 2012. Ich liebe dieses Buch und sitze auf heißen Kohlen, denn der zweite Teil - "The Pirate's Wish" wird wohl erst Ende 2013 erscheinen.







A thousand thanks to Netgalley and Angry Robot for the chance to read the ARC!

20. Juli 2012

Daisy Whitney - The Mockingbirds

2012, Taschenbuch, 332 Seiten (Originalausgabe 2010 erschienen)
ca. € 9
ISBN 9780316090544

From the glossy pages of its admissions brochure, the prestigious Themis Academy appears perfect in every way: exceptional academics, extraordinary students, the kind of extracurriculars to make an Ivy League proud, and zero instrances of student misbehaviour. But this borading school isn't as Pristine as it appears. There's a dark underbelly to the perfect record the Themis administration flaunts. Student infractions are rampant, and it's up to a secret vigilante society, the Mockingbirds, to maintain order on campus - a responsibility their members take very seriously.
Alex Patrick never thought she would need the Mockingbirds. But when she's date-raped by another student, she doesn't know where else to go. As much as she's like to forget what happened, she can't escape the daily reminders of what went wrong that terrible night. Before she can summon the courage to take a stand, she'll have to accept that her battle for justice is no hers alone. Standing up for someone, especially yourself, is worth the fight.


Es gibt sie doch: Jugendbücher, die offen, ehrlich, realistisch (wenn auch in diesem Fall eine nicht gar so schöne Realität) und - ganz einfach - ohne Maulklappe mit Sex umgehen. Und dann habe ich das Buch auch noch zufällig in der Buchhandlung entdeckt. Es lies sich nicht vermeiden, das Buch mitzunehmen.

"The Mockingbirds" spielt auf einem Internat - der Themis Academy - das besonders intelligente und engagierte Schüler ausbildet. Jeder Schüler hat so sein kleines Spezialgebiet, die Protagonistin Alex zum Beispiel ist eine talentierte Pianistin. Normalerweise bin ich bei Internatsgeschichten immer skeptisch und auch bei "The Mockingbirds" hat mich das eher abgeschreckt - aber das Wort "date-rape" hat mich geködert.
Über dieses Wort muss ich mich auch gleich ein wenig auslassen. Einfach weil ich es nicht mag. "Date-rape" wird erstens in den USA ein wenig anders verstanden als in Australien oder UK, in deutschen Sprachraum in der Begriff ohnehin sehr schwammig. Darüber hinaus hat das Wort "date-rape" für mich etwas ... Verniedlichendes an sich, was ich einfach nicht okay finde - Vergewaltigung bleibt Vergewaltigung. Aber gut, die für mich beste Erklärung hat schließlich das gute alte Wikipedia geliefert (ich mag diese Erklärung deswegen weil auch in "The Mockingbirds" immer wieder der Umstand von "das Fehlens eines Neins ist kein Ja" betont wird):

Date Rape ist nicht einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, bei dem weder eine ausdrückliche Verweigerung noch eine Gewaltanwendung stattfindet. Der Tatbestand ist dabei lediglich in der nicht eindeutigen Einvernahme beider Geschlechtspartner zu finden („Ich habe nicht ja gesagt, ich habe aber auch nicht nein gesagt“). Dabei kann auch Alkoholeinfluss oder Übermüdung der Auslöser sein.
Quelle: http://www.wikipedia.de/

Jetzt da das geklärt ist, doch mal ein paar spezifischere Worte zum Buch. ;)
Herausheben möchte ich an dieser Stelle vor allem die Situation und, ja, den Konflikt in
der/dem sich die Protagonistin befindet. Das Buch beginnt mit einer erwachenden Alex, die feststellen muss, dass sie nackt in einem fremden Bett liegt. Neben ihr ein Typ, den sie in den ersten Minuten nicht einmal zuordnen kann. Sie weiß, es war Alkohol im Spiel, aber an Sex denkt sie erst als sie die beiden offenen Kondompackungen sieht.
Einerseits habe ich mich auf den ersten 100 Seiten wirklich schwer getan mit Alexs Charakter, andererseits war ihr Zweifeln und Hadern - Habe ich wirklich mit ihm geschlafen? Wollte ich das? Habe ich ja gesagt? - und vor allem ihre Verzweiflung, das langsame Realisieren, dass da etwas nicht gelaufen ist, wie es sollte, so nachvollziehbar beschrieben, dass ich gar nicht anders konnte als von Anfang an an den Seiten zu kleben.

Angetan haben es mir aber mehr die Nebencharaktere. Maia und T.S., achja, und Martin natürlich!
Diese Charaktere sind es auch, die das Thema "Mockingbirds" ins Spiel bringen. Am Anfang mutet diese Gruppierung wie eine Art Geheimbund an, aber die Autorin gibt sich genug Mühe diesen Eindruck unter den Tisch zu kehren. Kein Geheimbund, dafür eine Hilforganisation von Schülern für Schüler. An und für sich mochte ich dieses Konzept sehr, bloß die Begründung dafür (also: Warum braucht es die Mockingbirds) war etwas an den Haaren herbeigezogen *räusper*: Die Schulleitung ist so dermaßen davon überzeugt, dass die Schüler der Themis Academy keine Fehler haben, dass jede Beschwerde und jedes Problem heruntergespielt wird - das geht sogar so weit, dass öfter die Lehrer als die Schüler bestraft haben ... Richtig gelesen.

Abgesehen davon hab ich aber gar nicht viel zu maulen. "The Mockingbirds" ist spannend und beleuchtet ein Problem, das viel zu selten angesprochen wird. An Alex kann der Leser wunderbar beobachten, wie viel Kraft es kostet, für sich selbst das Wort zu ergreifen und Recht einzufordern - aber auch, dass es sich schlussendlich lohnt. Nicht nur für einen selbst sondern für all die anderen "stillen" Opfer denen niemand zuhört.
Zudem vermittelt Alex' Geschichte, dass niemand alleine ist. Sie braucht eine ganze Zeit lang bis sie akzeptiert hat, was passiert ist. Aber nach und nach realisiert sie, dass sie deswegen keine Ausgestoßene sein muss. Ihre Freunde unterstützen sie auf jede erdenkliche Weise und das zu lesen und mitzuerleben war großartig. Besonders als sich Alex für Liebe öffnet hat mich das sehr gefreut.
Damit noch nicht genug zeigt "The Mockingbirds" wie Beziehungen (auch solche in Büchern) sein sollten/könnten bzw. wie sie nicht sein sollten. Dass es um Vertrauen geht und nicht bloß um eine zufällige Blickverschränkung nach der man unsterblich verliebt ist. Das Buch ist hier viel realistischer als der stumpfe Großteil der YA-Fantasy und YA-Contemporary die tagtäglich erscheint. Dafür ein großes "Bravo!" an Frau Whitney. Und ein Dankeschön.

(Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum es eine Fortsetzung braucht ...-> "The Rivals")


9. Juli 2012

Laini Taylor - Daughter of Smoke & Bone

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 418 Seiten
€ ca. 14
ISBN 9780316134026

Around the world, black handprints are appearing on doorways, scorched there by winged strangers who have crept through a slit in the sky. In a dark and dusty shop, a devil's supply of human teeth grown dangerously low. And in the tangled lanes of Prague, a young art student is about to be caught up in a brutal otherwordly war.
Meet Karou. She fills her sketchbooks with monsters that may or may not be real; she's prone to disappearing on mysterious "errands"; she speaks many languages--not all of them human; and her bright blue hair actually grows out of her head that color. Who is she? That is the question that haunts her, and she's about to find out. When one of the strangers--beautiful, haunted Akiva--fixes his fire-colored eyes on her in an alley in Marrakesh, the result is blood and starlight, secrets unveiled, and a star-crossed love whose roots drink deep of a violent past. But will Karou live to regret learning the truth about herself?


Protagonisten
Karou ist eine der interessantesten und vielseitigsten Protagonistinnen, die ich in der Literatur angetroffen habe. Schon wie sie auf den ersten Seiten mit ihrem Verflossenen umgeht - wow! Sie weiß, wie man sich wehrt, sie ist nicht auf den Mund gefallen, und sympathisch ist sie obendrein. Schon allein wegen Karou hätte ich das Buch gemocht.
Akiva ist lange Zeit ein großes Fragezeichen - für Karou und für den Leser. Seine Persönlichkeit und seine Beweggründe halten sich wie er selbst in den Schatten und hinter Schutzzaubern verborgen. Trotzdem ist er von Anfang an ein sehr zugänglicher Charakter. Ein paar weniger Erwähnungen seiner Schönheit hätten es aber auch getan.


Andere Charaktere
Wo fange ich nur an? Ich glaube, ich kürze das einfach ab: Jeder Charakter in diesem Buch hat einen Sinn. Sie sind nicht einfach nur da, weil die Autorin diese und diese skurille Figur noch einbauen wollte. Ich hatte einfach immer das Gefühl, kompletten Personen gegenüberzustehen, die eine ganz eigene Geschichte haben. Leider ist in dem Buch zu wenig Platz um ihnen allen genügend Platz einzuräumen. Aber ob es jetzt Karous Freundin Zuzana  ist oder ihre "Monster"-Familie in Brimstones Shop ... alle sind detailreich und vielschichtig.


Perspektive
Das Buch wird hauptsächlich aus Karous Perspektive erzählt, aber die Autorin ignoriert auch gerne mal eine der wichtigsten Regeln des Schreibens: Bleib innerhalb eines Absatzes bei einer Perspektive. Darum schert sich Laini Taylor nicht viel und am Anfang hat mich das sehr irritiert. Gefallen hat es mir auch nicht - stiltechnisch. Aber ich konnte mich dran gewöhnen und habe es dann als erfrischend anders empfunden.


Sprache
Frisch und spritzig, das trifft es wohl am besten.
Wobei ich da auch ein bisschen was zu meckern habe: Manchmal wäre mir ein wenig mehr "show" statt "tell" lieber gewesen. Dennoch ... Laini Taylor kann sogar die "show, don't tell" Regel ignorieren und ich finde ihre Geschichte immer noch faszinierend. Was ich mir daraus mitnehme ist, dass man sich als Schriftsteller nicht zu sehr von Regelns lenken lassen sollte - das ist nicht immer das Beste. Laini Taylor ist der beste Beweis.


Setting
Die Autorin beschreibt Prag so mystisch und geheimnisvoll, dass ich sofort hin wollte. (Aber nachdem es mich vor zwei Wochen schon wegen eines Buches nach Amsterdam verschlagen hat, konnte ich einfach nicht wieder nachgeben.) Zu diesem mystischen Bild von Prag, das gar nicht aus dem 21. Jahrhundert zu sein scheint, bekommt der Leser eine Dämonen-Monster-Engel-Magie-Welt, die nicht an Details geizt.
Kleine Anmerkung: Lass euch bloß nicht von einem dieser Worte abschrecken! Weder die Engel noch die Dämonen sind, wie man sich das vielleicht vorstellt. Ehrlich, ich bin so froh, dass ich im Vorhinein nicht wusste, dass es in diesem Buch um Engel geht, ich hätte es nie im Leben angerührt (hach, diese Vorurteile immer). Zum Glück hab ichs getan!






Ein großartiges Buch, das mit Atmosphäre, einer frischen Protagonistin und detailreichen Weltenbeschreibungen punktet. Und mit einer Geschichte in der Geschichte, die ich nicht erwartet, aber dann genauso verschlungen habe wie des Rest.


Teil 2 "Days of Blood & Starlight" erscheint mit ebenso wunderschönem Cover wie Teil 1 am 6. November 2012. (Noch SO lange O.O)



20. Mai 2012

1MinuteReview: Lois Lowry - The Giver


1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


"The Giver" ist ein Buch, das in einem Atemzug mit "1984" genannt wird - ein Klassiker der dystopischen Literatur. Und dazu Pflichtlektüre in (vielen?) amerikanischen High Schools. Seit Jahren habe ich mir die Frage gestellt, was denn in 180 Seiten so Großartiges drinstehen kann. Jetzt weiß ich: Da habe ich wohl - obwohl das sonst so gar nicht meine Art ist - die Kraft weniger Worte unterschätzt.

"The Giver" ist keine Dystopie wie "The Hunger Games", "Divergent" oder "Delirium". Ich liebe diese Bücher, weil viel Wahrheit in ihnen steckt und weil ihre Heldinnen (und Helden) lebendig beschrieben werden. Ich war wirklich erstaunt, dass mir "The Giver" trotzdem, nach all diesen Dystopien, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, so gut gefallen hat. Nein, fasziniert sogar.
Lasst mich das Buch in einem Satz zusammenfassen: "The Giver" ist weder character-driven noch fast-paced, sondern das Portrait einer zukünftigen Gesellschaft, nach deren Details man während des Lesens zu gieren beginnt.

Ich bin mir bis jetzt noch nicht sicher, ob die fehlende Charaktertiefe ein Vor- oder Nachteil dieser Dystopie ist. Einerseits hat mir dieser Aspekt die Möglichkeit gegeben, mich auf den kurzen 180 Seiten vollkommen auf Jonas Ent- und Aufdeckungen zu konzentrieren, andererseits habe ich mir doch immer wieder gewünscht, das Buch wäre länger und würde mehr auf die Charaktere ingehen anstatt bloß an der Oberfläche zu kratzen.
Deshalb, 4 Sterne und die Überlegung, vielleicht auch noch Teil zwei, drei und - erscheint 2012 - vier zu lesen, die - das sage ich jetzt nach sehr kurzer überblicksmäßiger Recherche - andere Communities zeigen als "The Giver".


21. April 2012

1MinuteReview: Lorraine Zago Rosenthal - Other Words for Love


1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Mit einer Tasse morgentlichen Samstags-Kaffee ein Buch Revue passieren lassen, das ist schön. Vor allem wenn es sich dabei um ein Buch wie "Other Words for Love" handelt, das mich in mehr als einer Weise unvorbereitet getroffen hat.

1. Die Handlung beginnt 1985 in New York City und spannt sich bis ca. 1989/1990 - so genau lässt sich das am Ende nicht mehr sagen, außer man rechnet brav mit.

2. Totale Ehrlichkeit. AIDS, Geschlechtskrankheiten (engl. STD = sexually transmitted disease) - ja, man darf Jugendlichen ruhig auch mal sagen, dass man das ganze Zeug testen kann bevor man sich mit jemanden einlässt. Danke, Frau Rosenthal!
Aber nicht nur das. Ari lässt nichts aus. Wenn sie sich noch schnell die Beine rasiert bevor sie mit ihrem Freund in die Hamptons fährt, dann erwähnt sie das. Und wenn sie ihre Schwester und ihren Schwager beim Sex hören kann, dann gesteht sie ein, dass sie fasziniert davon ist.

3. Eben angesprochen, verdient aber noch eine Erwähnung: Sex. Ari macht sich Gedanken darüber wie jeder andere Teenager auch - ob das nur 1985 war oder ob es 25 Jahre später ist. Sanft und ohne erhobenen Zeigefinger beleuchtet die Autorin, wie es sein sollte, lässt aber auch nicht aus, wie es oft ist.

4. Glaubhafte Charaktere, die ihre Fehler haben. Ari zum Beispiel ist leicht eifersüchtig und lässt auch gerne mal ihre ungute Seite raus.

5. Das Ende und Aris Entwicklung. Es ist ein Happy End, aber nicht das, was ich Anfangs erwartet hätte.

Da fragt man sich natürlich, was ich an dem Buch eigentlich nicht mochte und da gibt es im Grunde nur eine Sache: Den gewaltigen Durchhänger über 200 Seiten in der ersten Hälfte des Buches. Ich hätte das Buch ein paar Mal fast weggelegt und bin nun sehr froh, dass ich der Autorin und der Geschichte immer wieder eine Chance gegeben habe.


14. Februar 2012

1MinuteReview: Beth Revis - A Million Suns


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1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Ich habe im Grunde nicht viel zu "A Million Suns" zu sagen - Hauptaussage: großartig! Lesen! -, trotzdem möchte ich an dieser Stelle vor Spoilern warnen: Achtung, diese 1MinuteReview könnte Spoiler für diejenigen enthalten, die Teil 1 "Across the Universe" (dt. "Godspeed") noch nicht gelesen haben!

Was mich wohl am meisten an "A Million Suns" fasziniert hat, ist die Art wie die Autorin mit der neuen Situation umgeht. Sie stürzt sich in völlig neue Verhältnisse als beginne sie einen unabhängigen, neuen Roman - ganz ohne Vorbelastungen, mit Frische und Esprit. Zumindest hat sich mir dieser Eindruck beim Lesen aufgedrängt. Ganz besonders beachtlich finde ich diesen Umstand, weil wir mit diesem Buch die zweite, völlig abgeänderte Version des zweiten Teils lesen. Beth Revis hat die beinahe 400 Seiten in kürzester Zeit in die Tasten "geknallt". Qualitativ gibt es meiner Ansicht nach aber keine Einschränkungen im Vergleich zu Teil 1, der deutlich länger "gereift" ist.
 
Durch diesen Umschwung stellt Beth Revis alles auf den Kopf. In gewisser Weise (und an bestimmten Stellen) hat mich die politische und gesellschaftliche Situation auf der Godspeed dieses Mal nicht an die Vergangenheit (bzw. Gegenwart in vielen Staaten), sondern an unser präsentes Europa erinnert. Diese Festgefahrenheit, der spürbare Stillstand, weil jeder ein Wörtchen mitzureden hat, obwohl keiner die Gesamtsituation wirklich kennt. (Das ist ein persönlicher Eindruck unserer Politik! Nicht falsch verstehen: Ich bin absolut FÜR Demokratie, aber auch sie ist nicht für alles die perfekte Lösung, gerade wenn man schnell zu Entscheidungen kommen sollte und einfach jeder alles besser zu wissen glaubt.)

Dass mir Amy und Elder während der Seiten dieses Buches noch weiter ans Herz gewachsen sind vervollständigt zusammen mit vielen Spannungsmomenten, einer Offenbarung nach der anderem und einem fesselnden Stil das Bild eines wirklich gelungenen zweiten Teiles, der mir den Atem geraubt hat. Unbedingt lesen!


Die deutsche Ausgabe wird laut Autorin wieder bei Oetinger erscheinen. Der dritte Teil "Shades of Earth" (den ich jetzt kaum erwarten kann!) erscheint im Jänner 2013.

15. Januar 2012

Leanna Renee Hieber - Darker Still

2011, Paperback, 318 Seiten
ca. € 6,00
ISBN 9781402260520


I was obsessed. It was as if he called to me, demanding I reach out and touch the brushstrokes of color swirled onto the canvas. It was the most exquisite portrait I'd ever seen--everything about Lord Denbury was unbelievable...utterly breathtaking and eerily lifelike.
There was a reason for that. Because despite what everyone said, Denbury never had committed suicide. He was alive. Trapped within his golden frame.
I've crossed over into his world within the painting, and I've seen what dreams haunt him. They haunt me too. He and I are inextricably linked--bound together to watch the darkness seeping through the gas-lit cobblestone streets of Manhattan. Unless I can free him soon, things will only get Darker Still. 


Was ich denke ... 
"Dorian Gray" meets "Jekyll and Hyde" - davon lässt man sich doch gerne ködern, nicht wahr? Ganz so atmosphärisch und schauerhaft ist "Darker Still" aber nicht, obwohl es durchaus seine faszinierenden Seiten hat.

Eine große Überraschung hat mich gleich auf den ersten zwei Seiten erwartet: Protagonistin Natalie Stewart ist stumm und auf Papier und Stift, manchmal auch auf Zeichensprache (wenn sie denn mal jemanden trifft, der sie beherrscht), angewiesen. Sie hatte keine leichte Kindheit, keine Freunde, aber trotzdem eine offene Erzählstimme. Dennoch, ich musste mit Natalie erst zusammenwachsen, was sich etwas mühsam gestaltete. Ich fand es am Anfang wirklich schwierig, sie richtig einzuschätzen - ist sie nur sehr zynisch oder sehr überzeugt von sich selbst und ihrer Wirkung auf Männer? Zudem präsentiert sie sich trotz ihrer persönlichen Erzählungen monoton und eindimensional. Später gewinnt ihr Charakter aber doch noch etwas Tiefe.

Das beste an "Darker Still" ist meiner Ansicht nach nicht die Protagnistin (oder die anderen Charaktere, wenn wir schon dabei sind), sondern die Handlungselemente, die an Klassiker wie "Dorian Gray" und "Jekyll and Hyde" erinnern, ohne die bekannten Werke zu kopieren.
Die Autorin schafft es wirklich, das Gemälde Lord Denburys vor dem Auge des Lesern heraufzubeschwören - unglaublich, was sich alles beschreiben lässt. Nicht ganz verständlich hingegen was für mich Natalies überschwängliche bzw. überbeeindruckte Reaktion auf das Bild. Das konnte ich einfach nicht ganz nachvollziehen, was aber bestimmt ein sehr persönlicher Eindruck ist.

Zur Liebesgeschichte möchte ich nur so viel sagen, dass sie zwar sehr schön zu lesen ist, mich aber nicht vollkommen überzeugt hat - vom Hocker gerissen hat sie mich gewiss nicht. Solide beschreibt die Beziehung zwischen Natalie und Lord Denbury wohl recht gut.

Was den Erzählstil angeht, so liest man mit "Darker Still" das Tagebuch einer 17-Jährigen, abgelöst von einigen Zeitungsartikeln, Briefen und Polizeiakten. An und für sich finde ich dieses Konzept gut, nur habe ich für mich selbst festgestellt, ein anderer Stil hätte der Geschichte besser getan. Vor allem ohne das Tagebuch, das einfach ein wenig kindisch rüber kommt - dazu sei gesagt, dass ich Tagebuchgeschichten generell nicht viel abgewinnen kann.


Bewertung
"Darker Still" ist ein durch und durch solides Buch ohne großartige Komplikationen. Über einige wenige Logiklücken gilt es hinwegzusehen, aber sonst bietet sich und eine Handlung, die an den richtigen Stellen an "Dorian Gray" erinnert, aber trotzdem ihre Eigenständigkeit behält.


12. Januar 2012

1MinuteReview: Garcia & Stohl - Beautiful Chaos

1MinuteReviews sind kurze Stellungnahmen zu gelesenen Büchern, die jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit verweigern.


Mit "Beautiful Chaos" liegt bereits der dritte Band der "Caster Chronicles" vor. Da es zu Teil 1 "Beautiful Creatures" (deut. "Sixteen Moons") und zu Teil 2 "Beautiful Darkness" (deut. "Seventeen Moons") bereits Rezensionen von mir gibt, erlaube ich mir hier nur eine kurze Stellungnahme, um euch über die Entwicklung der Serie auf dem Laufenden zu halten.

"Beautiful Chaos" beginnt einige Wochen nach dem Vorgängerband und in Gatlin hat sich nun wirklich einiges verändert. Eine Hitzewelle, eine Heuschreckenplage, ein ausgetrockneter See - Mrs Lincoln, Links Mutter, ist sich sicher, dass die Apokalypse bevorsteht. Was sie nicht weiß, ist, dass Lena durch ihr Claiming die Ordnung der Dinge aus dem Gleichgewicht gebracht hat.

Ich habe meinen dritten Ausflug nach Gatlin genossen, auch wenn in diesem Band weniger passiert als in den Vorgängern. Konkret heißt das, dass die einschneidenden Ereignisse und Erkenntnisse weiter auseinander liegen. Meiner Ansicht nach hätte man hier einiges an "Zwischenspiel" streichen können. Trotzdem ist und bleibt Ethans Perspektive für mich eine der erfrischendsten der aktuellen Jugendliteratur.
Sehr gefreut hat mich außerdem, dass der Leser mehr über Sarafines und John Breeds Vergangenheit erfährt. Das macht beide zu verständlicheren - und in Johns Fall sogar sympathischeren - Charakteren.
Das Ende, zu dem ich wirklich nichts verraten will und kann, hat mich zu Tränen gerührt. Nicht weil es bloß traurig war, sondern auch, weil es für mich sehr unerwartet kam. Was nichts anders bedeutet, als dass ich Teil 4 brauche (zu dem leider noch nichts bekannt ist, außer dass er 2012 erscheinen wird)!


17. Dezember 2011

Cassandra Clare - Clockwork Prince

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 503 Seiten
ca. € 9,37 - 12,95
ISBN 978-1416975885

Der Klappentext ist bei diesem Buch wirklich elends lang (und meiner Meinung nach sehr oft nahe zur Spoiler-Grenze), deshalb - und weil der Inhalt schon von Buch 1 "Clockwork Angel" bekannt sein dürfte und sich daran im Grunde nichts ändert - verzichte ich an dieser Stelle auf einen Kopiervorgang. Wer am Klappentext interessiert ist, kann das Lesen desselben zum Beispiel >hier< nachholen.


Diese Rezension enthält KEINE Spoiler!


Was ich denke ...
Ich versuche das hier so kurz wie möglich zu halten, weil ich mich - leider ist es so - nicht länger als nötig mit diesem Buch befassen will. (Wer gerne die positiven Punkte zum Buch wissen will, der scolle bitte nach unten.)

"Clockwork Prince" beginnt ähnlich träge wie der Vorgänger. Ich musste wieder mehr als 100 Seiten lesen bevor ich es geschafft habe, in die Handlung einzusteigen - wirklich interessant war sie deshalb aber noch lange nicht. Im Prinzip ist der Handlungsbogen in "Clockwork Prince" gut strukturiert und konstruiert, jedoch fehlt ihm der Schwung, den ich von den ersten drei Mortal Instruments-Bänden in Erinnerung habe. Ich hatte beim Lesen öfter das Gefühl, man hätte hier locker einige Seiten streichen können, die Handlung wäre dadurch geballter aufgetreten und das Buch deutlich flotter geworden.
Es gab da allerdings einen Punkt, ab da wollte ich "Clockwork Prince" tatsächlich nicht mehr aus der Hand legen - der lag ungefähr bei Seite 250 -, ich ringe aber immer noch mit mir, ob dieser plötzliche Wunsch, das Buch in einem Rutsch zu beenden, darin begründet liegt, dass ich plötzlich mitgefiebert habe, oder ob mich schlicht interessiert hat, an wen Tessa sich wohl als nächstes ranschmeißt.

Einige haben sicher geahnt, dass dieses Thema aufkommen wird. Dazu aber später mehr. Zuerst möchte ich mich den Charakteren an sich widmen.

Da hätten wir zum Ersten Will Herondale. Ich kann mich an mehrere Aussagen von Cassandra Clare erinnern, in denen sie ein ums andere Mal beteuert, Jace Wayland aus den Mortal Instruments und Will aus Infernal Devices seien sehr unterschiedlich. Nicht ein und die selbe Person. Wenn das wirklich so ist, wieso schaffe ich es dann einfach nicht, Will und Jace gedanklich voneinander zu trennen? Wieso habe ich immer Jace' goldenen Schopf vor Augen obwohl da etwas von Wills kohlrabenschwarzem steht? Jace und Will gleichen sich in ihren Handlungsweisen so sehr, sie haben beide mit einer inneren Zerrissenheit zu kämpfen - nur gut, dass das bei Will aus einem anderen Grund geschieht, zumindest diese Neuartigkeit darf man erwarten.
Zu Will ist wohl noch weiter zu sagen, dass er im Laufe dieses zweiten Bandes einen völligen Charakterwechsel durchmacht, dessen Begründung ich einigermaßen akzeptieren kann.

Zu Jem habe ich nicht viel zu sagen. Ich mag ihn immer noch sehr und habe mich außerdem sehr gefreut, dass er in "Clockwork Prince" mehr Eigeninitiative zeigt - sein Charakter gewinnt neue Facetten.

Tessa. In ihrem Zusammenhang kommt mir immer ein Seufzen über die Lippen. Nicht weil sie mir so herzzerreißend leid tut, sondern weil ich mich in diesem Buch einige Male sehr über sie geärgert habe. Die Arme kann sich einfach nicht entscheiden ... Ja, da kommt es wieder, das Seufzen.
Tessa hat, das muss man ihr zu Gute halten, sonst sehr viele gute Eigenschaften, aber Fehler scheint sie - abgesehen von eben erwähnter störender Unentschlossenheit - nie welche zu haben oder zu machen. Abgesehen von Jessamine behandelt sie jeder wie ein kleines Püppchen, das nie etwas falsch machen kann. Das erinnert jetzt ein wenig an Jem und sein herzensgutes Wesen, allerdings kann ich das Getue um Tessa einfach nicht nachvollziehen.

Hiermit möchte ich doch mal dazu übergehen, einige positive Dinge über das Buch zu sagen:
1. Die Sprache: Cassandra Clare kann schreiben. Sie weiß, wie man Sätze so formuliert, dass der Leser kein einziges Wort verpassen will. Dieser Punkt scheint hier nur so kurz abgehandelt, in Wirklichkeit ist es aber so, dass ich das Buch wohl nicht zu Ende gelesen hätte, wenn Clare nicht diese fesselnden Sätze schreiben könnte.
2. Jessamine: Sie zeigt am Ende von "Clockwork Angel" einen beeindruckenden Charaktersprung - zumindest war ich beeindruckt. Zuerst war ich bei "Clockwork Prince" sehr erstaunt, diese Entwicklung gelöscht zu sehen, das relativiert sich aber mit der Zeit wieder und Jessamine bringt deutlich Schwung in die Sache.
3. Magnus: Da Magnus Bane auch in TMI eine große Rolle spielt, fand ich es besonders faszinierend, seinen Werdegang auch in TID verfolgen zu können. Seine Vorliebe für blaue Augen beispielsweise kommt zur Sprache und wir wissen ja alle, wessen Augen ihn in TMI so faszinieren. ;)
4. Sophie: Sie ist eine Nebenfigur, die man wohl leicht vergessen könnte. In "Clockwork Prince" geht Sophie aber richtig aus ihrer Nebenrolle heraus. Ich habe sie wirklich lieb gewonnen und mich während des Lesens öfter dabei erwischt, mehr von ihr lesen zu wollen.
5. Das Setting: Bei Steampunk gehen mir sowieso die Augen auf und Cassandra Clare setzt dieses sehr wichtige Element in ihren Büchern gekonnt um. Obwohl mich das Liebes-Dreieck so dermaße geärgert hat, werde ich den dritten Teil auf jeden Fall auch noch lesen, um noch einmal von dieser Welt lesen zu können!


Bewertung
Die geometrische Liebesbeziehung ist in meinen Augen unnötig und zu sehr hervorgekehrt, Will ist leider immer noch eine Jace-Kopie, der Text hätte gekürzt werden können (100 Seiten weniger wären locker möglich). Ansonsten ein Buch wie man es von Cassandra Clare gewohnt ist mit fesselndem Schreibstil und faszinierendem Setting. Gibt laut meiner Rechnung 3 von 5 Blümchen.


24. Oktober 2011

Lia Habel - Dearly, Departed

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 480 Seiten
ca. € 10 - 12
ISBN 978-0345523310

Love conquers all, so they say. But can Cupid’s arrow pierce the hearts of the living and the dead—or rather, the undead? Can a proper young Victorian lady find true love in the arms of a dashing zombie?

The year is 2195. The place is New Victoria—a high-tech nation modeled on the manners, mores, and fashions of an antique era. A teenager in high society, Nora Dearly is far more interested in military history and her country’s political unrest than in tea parties and debutante balls. But after her beloved parents die, Nora is left at the mercy of her domineering aunt, a social-climbing spendthrift who has squandered the family fortune and now plans to marry her niece off for money. For Nora, no fate could be more horrible—until she’s nearly kidnapped by an army of walking corpses.

But fate is just getting started with Nora. Catapulted from her world of drawing-room civility, she’s suddenly gunning down ravenous zombies alongside mysterious black-clad commandos and confronting “The Laz,” a fatal virus that raises the dead—and hell along with them. Hardly ideal circumstances. Then Nora meets Bram Griswold, a young soldier who is brave, handsome, noble . . . and dead. But as is the case with the rest of his special undead unit, luck and modern science have enabled Bram to hold on to his mind, his manners, and his body parts. And when his bond of trust with Nora turns to tenderness, there’s no turning back. Eventually, they know, the disease will win, separating the star-crossed lovers forever. But until then, beating or not, their hearts will have what they desire.

In
Dearly, Departed, romance meets walking-dead thriller, spawning a madly imaginative novel of rip-roaring adventure, spine-tingling suspense, and macabre comedy that forever redefines the concept of undying love.  



Was ich denke ...
Wer den langen Klappentext jetzt nicht lesen möchte: Das ist nicht weiter schlimm. Von "Dearly, Departed" muss man eigentlich nur wissen, dass es um etwas ungewöhnliche, auf ihre eigene Art immer noch menschliche, militärisch organisierte Zombies geht. Mit dabei ist eine starke (starrköpfige) Heldin, die gegen den Zusammenbruch ihrer Welt kämpft. Das ganze spielt streng genommen in der Zukunft, ist aber keine Dystopie, wie wir sie bisher kennen, sondern nimmt viktorianische Züge an.
Und wer jetzt noch kein Interesse hat, der muss bitte nochmal weiterlesen:

Schon der Prolog von "Dearly, Departed" ist einer von der guten Sorte - die leider recht selten geworden sind. Ihr wisst schon, die bei denen man nicht genervt die Augen verdreht und ungeduldig vorblättert, sondern am liebsten gleich noch weiterlesen würde.
So verhält es sich im Grunde mit dem ganzen Buch, und das obwohl die Autorin fast die kompletten ersten 50 Seiten auf das Vorstellen ihrer sehr ungewöhnlichen dystopischen Gesellschaft verwendet.

Diese Gesellschaft hat mich so beeindruckt, dass sie mir sogar einen eigenen Absatz wert ist.
Die Menschen, mit denen Nora Dearly, unsere Protagonistin, zu tun hat, nennen sich "New Victorians". Sie tragen viktorianische Kleidung, die Fahrzeuge sind zwar motorisiert, erinnern aber stark an damals gebräuchliche Kutschen - dieses Vermischen von historischen Gebräuchlichkeiten und Etikette mit modernen Technologien (zB auch ein sogenanntes Aethernet und Handys) lassen vielmehr den Eindruck von Steampunk entstehen als den einer Dystopie. Gaslicht und Spitzenhandschuhe, selbst die Sprache und der Umgang der Menschen miteinander verleihen dem Roman ein ganz eigenes Flair. Man kann sich vermutlich leicht vorstellen, dass sich "Dearly, Departed" gänzlich anders als jede bisherige Dystopie liest.
Deshalb: All ihr Dystopie-Verweigerer dort draußen, wehe ihr lasst euch wegen dieses inzwischen sehr gebräuchlich gewordenen Wortes davon abhalten, dieses Buch zu lesen!

Genausowenig sollte euch der Begriff "Zombies" abschrecken. Ihr dürft mir gerne glauben, dass ich alles andere als eine Zombie-Verfechterin bin. Ehrlich, ich habe vorher noch nie ein Zombie-Buch zur Hand genommen, weil ich keine Lust habe von in meinen Augen unmenschlichen, durch die Gegend wankenden, gehirnlosen Kreaturen zu lesen.
Bei "Dearly, Departed" war es dann aber so, dass ich mit dem Auftauchen der Zombies - insbesondere mit Brams Auftauchen - geradezu in die Geschichte hineingezogen wurde! Ich war schon von der viktorianisch-dystopischen Gesellschaft fasziniert, aber der plötzliche Schwung, der dann in die Geschichte kommt, hat das Buch noch viel, viel besser gemacht.

Natürlich ist Nora schockiert als sie den Zombies begegnet und obwohl sich später im Buch eine vorsichtige Liebesgeschichte entspinnt, ist sie zu Anfang überhaupt nicht angetan von Bram, dem untoten Anführer ihrer Kidnapper - genau wie der Leser. Und völlig verständlich - wer hätte nicht Angst vor teilweise halb zerfallenen Untoten?
Allerdings habe ich sehr schnell gemerkt, dass Habels Zombies ganz anders sind als die herkömmlichen aus x-beliebigen Horrorstreifen. Diese Zombies fühlen und gehen (zumindest meistens) sicheren Schrittes, sie scherzen, sie überlegen. Sie sind wirklich ganz und gar menschlich.
Das Zombie-Sein bzw. Zombie-Werden wird in "Dearly, Departed" nach dem Vorbild verschiedener Werwolf- und Vampirbücher mit einer Krankheit erklärt. Nur sind es hier keine Viren, wie allgemein gern verwendet, sondern Prionen. Das sind im Grunde harmlose Proteine, die sich jedoch "falsch" falten können und dadurch pathogen werden - im realen Leben sind diese Prionen Auslöser von Kreuzfeldjakob und BSE. Und, da muss ich Lia Habel wirklich loben, die "wissenschaftliche Erklärung" zum Entstehen der Zombie-Krankheit ist sogar von wissenschafttlicher Seite akzeptabel - gut recherchiert, Frau Habel!

Was "Dearly, Departed" außerdem sehr spannend macht, sind die Charaktere. Nora ist eine tolle Protagonistin. Sie kann auf sich selbst aufpassen, hat gelernt zu schießen und ist den gesellschaftlichen Verpflichtungen, zu denen ihre Tante sie schleppt, alles andere als zugetan. Ich mochte sie von der ersten Seite weg.
Mit Bram ging es mir sehr ähnlich, der ist einfach toll, und auch mit den Nebencharakteren - aus deren Perspektive teilweise sogar erzählt wird (immer in der Ich-Perspektive) - habe ich mich schnell angefreundet.

Der Schreibstil ist amüsant angehaucht, teilweise sogar so lustig, dass ich ein paar Mal laut auflachen musste und das passiert mir relativ selten.
Zu kritisieren habe ich neben der etwas langen Einführungsphase dass gegen Ende, wenn man den Showdown schon riechen kann, ein bisschen zu viel unnötiges Gequatsche betrieben wird. Das hätte bedeutend schneller gehen können und auch der Epilog, der zwar dem "zum größten Teil"-Happy End einen Dämpfer versetzt, hätte nicht so lang ausfallen müssen.


Bewertung
"Dearly, Departed" ist toll geschrieben und wartet mit sympatischen, amüsanten Charakteren auf. Großer Pluspunkt: Obwohl es einen zweiten Teil geben soll ("Dearly, Beloved") kann man das Buch getrost als Stand-alone ohne absolutes Happy-End betrachten - muss ja auch nicht immer sein, dass alles gut ausgeht und das meiste geht ja eh gut aus. ^^
Von mir eine klare Empfehlung! Und wehe ihr lasst euch von den Worten "Dystopie" und "Zombie" abschrecken. ;)






UK-Cover

Deutsches Cover: Piper-Verlag November 2011