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2. Februar 2013

Reiseführer lesen ...?

Bis vor zwei Wochen hätte ich über jeden, der Reiseführer als "lesbare Bücher" bezeichnet - und es dann auch noch tut -, den Kopf geschüttelt. Das liegt vielleicht daran, dass ich abgesehen von einer Interrail-Tour noch nie die Notwendigkeit gesehen habe, einen Reiseführer zu lesen. Schon gar nicht von vorn bis hinten. Das höchste der Gefühle waren Marco Polo-Führer für Mailand und Schweden, weil ich sie um zwei oder drei Euro ergattert habe, und selbst da habe ich von den (teilweise sehr oberflächlichen) 150 Seiten bloß ein Drittel gelesen.

Und jetzt ist alles anders.
Meine Schwester, eine Freundin und ich planen für Anfang Juni eine Tour durch Irland. Das ist seit Jahren ein Traum von uns: Hinfliegen, ein Auto mieten und einfach drauf losfahren.
Aber das "einfach drauf losfahren" spielt sich halt nicht ganz so "einfach" wenn mal bloß 2 Wochen hat. Ein wenig gezielter muss der Straßenatlas dann also doch konsultiert werden. Und deswegen also ein Reiseführer.

Nicht irgendeiner. 150 Seiten Marco Polo sind einfach nicht das Wahre, finde ich. Dann schon besser die über 800 Seiten von Lonely Planet. Wir haben schon mit "Europe on a Shoestring" sehr gute Erfahrungen gemacht - genau das richtige Buch wenn es Europa abzuklappern gilt - und weil ich selbst bei Reiseführern nicht ganz davon abkomme, dass im Regal alles zusammenpassen muss, ist die Wahl auf LP gefallen.

Und siehe da: Ich schlage die erste Seite auf und fange. einfach. an. zu. LESEN.

O.O

Eine Seite nach der anderen, dazwischen ein paar Fotos, die mich wünschen lassen, ich könnte die Zeit vordrehen. Klar, die Restaurant- und Unterkumpftempfehlungen überfliege ich bloß, weil sie im Moment noch nicht relevant sind, aber der Rest ... Ich hatte ja keine Ahnung, dass es so spannend sein kann, einen Reiseführer zu lesen! :D
Zu allem Überfluss hat das jetzt noch dazu geführt, dass ich "Europe on a Shoestring" wieder aus dem Regal geholt habe und ganze Länderprofile lese.

aus "Europe on a Shoestring" (Lonely Planet, 2007)
 
Bei all dem habe ich mich gefragt, wie das wohl unter Bücherwürmern gehandhabt wird. Seht ihr Reiseführer als Bücher, die man auch zur Unterhaltung lesen kann? Oder zumindest als Reisevorbereitung? Oder sind Bücherwürmer eher von der spontanen Sorte, setzen sich in ein Flugzeug, steigen irgendwo aus und setzen einen Fuß vor den anderen?

Ich jedenfalls habe die Welt der Reiseführer für mich entdeckt und vertiefe mich weiter in Irland. Oh, und wenn wir schon dabei sind: Irgendwelche Empfehlungen? :D Unser grober Plan sind bisher die Landesteile südlich von Dublin und Galway, aber ein Abstecher in den Norden würde sich wohl auch ausgehen. Wir tun uns da noch ein bisschen schwer mit dem Abschätzen der Entfernungen, wie viel realistischer Weise an einem Tag zu schaffen ist - und wir wollen ja nicht nur im Auto sitzen ;)

5. September 2010

Morgan Matson - Amy & Roger's Epic Detour

gebunden mit Schutzumschlag, 342 Seiten
ca. € 14,00
ISBN 978-1416990659

Klappentext
Amy Curry is having a terrible year. Her mother has decided to move across the country and needs Amy to et their car from California to connecticut. Ther's just one small problem: Since her dad died this past spring, Amy hasn't been able to get behind the wheel. Enter Roger, the nineteen-year-old son of an old family friend, who turns out to be unexpectedly cute ... and dealing with some baggage of his own.
Meeting new people and coming to terms with her father's death were not what Amy had planned on this trip. And traveling the Loneliest Road in America, seeing the Colorado mountains, crossing the Kansas plains, and viciting diners, dingy motels, and Graceland were definitely not on the itinerary. But as they drive, Amy finds that the people you least expected are the ones you may need the most - and that sometimes you have to get lost in order to find your way home.


Meinung
Dieses Buch braucht nur ein Wort, um es zu beschreiben: Großartig!

Als Amy zusammen mit Roger in das Auto ihrer Mutter steigt, um es von California nach Connecticut zu bringen, erwartet sie einen 5-tägigen, unangenehmen Trip, eingesperrt in ein kleines Auto mit einer Person, die sie nicht kennt. Ein weiterer Grund, warum ihr Leben zur Zeit einfach nicht das ist, was sie sich vorstellt.

Sie erwartet definitiv nicht, dass Roger ein ganz angenehmer Zeitgenosse ist. Dass er mit den Plänen ihrer Mutter, die die ganze Route inklusive Hotelreservierungen bis ins kleinste Detail geplant hat, ebensowenig zufrieden ist wie Amy. Dass ein kleiner Umweg ganz schnell zu einem großen werden kann. Dass es ihr Spaß macht, mit Roger quer durch die USA zu fahren. Dass sie es tatsächlich endlich schafft, mit dem Tod ihres Vaters fertigzuwerden.
Ja, manchmal muss man tatsächlich einen Umweg machen, um wieder nach Hause zu finden.


"Amy & Rober's Epic Detour" ist ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte! Die Geschichte beginnt mit Amy's "Final Report Card" (eine Art Zeugnis, das an die Highschool in Connecticut übermittelt wird, an der sie ihren Abschluss machen wird), darauf folgen zwei E-Mails, die Amy's momentane Lage darsetellen. Und erst dann ergreift Amy selbst das Wort - und was für ein Wort! Amy's Stimme konnte ich schon nach wenigen Absätzen direkt in meinem Kopf hören, es fühlte sich einfach richtig an, von ihr zu lesen.

Das ganze Buch besteht im Übrigen aus Amy's Erzählungen in der Ich-Perspektive, die unterbrochen und ergänzt werden von allem möglichen, das sie unterwegs so in ihren Travel Scrapbook festhält: Kassazettel, Fotos, Zeichnungen, Playlisten (denn was wäre eine lange Autofahrt ohen den richtigen Song-Mix!), Gedanken, Buchseiten, E-Mails. Genau das ist auch der Aspekt, der das Buch so absolut real für mich gemacht hat! Es fühlt sich an, als würde man tatsächlich einen Reisebericht und damit eine wahre Begebenheit lesen.
Zusätzlich dazu gibt es zwischendurch immer wieder Rückblicke, die das gegenwärtige Geschehen erklären und verständlich machen.

Sowohl Amy als auch Roger tragen schwer an ihren jeweiligen Problemen und natürlich bleibt das dem jeweils anderen auch nicht verborgen. Die beiden kennen sich aber praktisch nicht als sie zusammen aufbrechen, doch schon nach wenigen Tagen, die sie nebeneinander im Auto verbringen, ändert sich das und sie beginnen, einander zu verstehen.
In der Gesellschaft des anderen tauen Amy und Roger immer mehr auf und versuchen, sich dem Leben und den Problemen, die es zwangsläufig mit sich bringt, zu stellen. Aber sie beeinflussen sich nich nur gegenseitig, denn auf ihrem Trip quer durch Amerika begegnen Amy und Roger den unterschiedlichsten Menschen, die alle einen Teil beitragen.

Ganz nebenbei erfährt man als Leser noch eine ganze Menge Insider-Details über verschiedene Destinationen der USA, die nicht unbedingt in jedem Reiseführer zu finden sind. Da bekommt man direkt selbst Lust, einen Raod-Trip zu machen!

Ein weiterer wichtiger Punkt im Buch ist die Musik. Nicht nur die abgedruckten Playlisten verdeutlichen das, sondern auch die Kapitelüberschriften, die oft Lyrics aus einem bekannten Song sind.

"Amy & Roger's Epic Detour" hat seine lustigen und seine traurigen Momente, essentiell an dem Buch ist aber auch, dass es einfach Hoffnung macht. Nicht nur wegen des Endes - denn natürlich kann man sich denken, dass alles gut ausgeht. Das ganze Buch hat bei mir so einen hoffnungsvollen Eindruck hinterlassen und das auf ganz vielen verschiedenen Ebenen.


Bewertung
Ich hab nur einen Rat für euch: Lest dieses Buch! Jede einzelne Seite spricht zum Leser, die sehr persönlich scheinende Gestaltung durch Fotos, Playlisten ect. intensiviert dieses Gefühl noch zusätzlich. "Amy & Roger's Epic Detour" bekommt einen ganz besonderen Platz in meinem Regal - davor drück ich es aber noch direkt meiner Schwester aufs Auge. ;)

28. April 2010

Richard Laymon - Der Ripper

Klappentext
"Ich liebe meine Arbeit, und ich werde zu neuen Taten schreiten. Sie werden bald wieder von mir und meinen lustigen kleinen Spielchen hören ...
Meine Klinge ist schön scharf. Ich werde sofort ans Werk gehen, wenn sich mir die Möglichkeit bietet. Alles Gute.
Ihr sehr ergebener
Jack the Ripper"

Der gefährlichste Serienkiller Englands macht sich auf den Weg in die Neue Welt - Richard Laymons wohl außergewöhnlichstes Buch.


Inhalt
Es ist ein unglücklicher Zufall, der den 15-jährigen Trevor Wellington Bentley in einer regnerischen Novembernacht des Jahres 1888 aus seinem Zuhause auf die Straßen des nächtlichen London treibt. Auf der Suche nach seinem Onkel gerät er in das düstere Whitechapel, in dem der legendäre Frauenmörder Jack the Ripper sein Unwesen treibt. Auf Grund einer Reihe von Geschnehnissen wird Trevor plötzlich selbst für den Ripper gehalten und kann dem Mopp nur knapp entkommen - flieht dabei aber direkt in das Zimmer der Hure Mary, die noch in der selben Nacht von Jack the Ripper ermordet werden sollte.

Trevor erlebt diesen Mord, unter Marys Bett liegend, mit und ist von der Grausamkeit des Mörders schockiert. Als der Ripper seiner Wege geht, setzt ihm Trevor nach. Mit der Absicht, einen weiteren Mord in dieser Nacht zu vermeiden, versucht der Junge den Ripper zu überwältigen, befindet sich aber gleich darauf auf der Flucht vor eben jenem.

Die Ereignisse überschlagen sich. Als der Morgen graut befindet sich Trevor auf einer kleinen Jacht, zusammen mit der jugen Trudy, deren Mann - und Jack the Ripper. Das Ziel der Reise ist Amerika ... Der Ripper wittert ein neues Jagdgebiet und Trevor weiß, dass es seine Aufgabe sein wird, dem Mörder das Handwerk zu legen.


Meinung
"Der Ripper" fällt in die Kategorie Horrorroman. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich das sonst gar nicht lese, weshalb ich mir auch mit Absicht einen Horrorroman ausgesucht habe, der in diversen Rezensionen als "nicht ganz so schlimm" und "besonders für Leser Historischer Romane geeignet" beschrieben wird.
Ganz klar, diesen Einschätzungen kann ich nach der Lektüre des Romans nur zustimmen.

Die Handlung beginnt zwar etwas blutig mit dem Mord an Mary, den Trevor unter dem Bett liegend mitverfolgen muss, aber da er keinen direkten Blick auf das Geschehen hat und auch dem Leser gegenüber als Ich-Erzähler nur seine Vermutungen wiedergibt, ist das ganze wirklich nicht schlimm. Zumindest habe ich schon Ekligeres gelesen (ich denke da zum Beispiel an "Gargoyle", wo in sehr bildlicher Sprache ein Debridement beschrieben wird).

Anschließend folgt die Beschreibung der Schiffspassage über den Atlantik, die mit einigen Folterbeschreibungen gespickt ist.
Nach der Ankunft in Amerika wird aus dem Horrorroman aber ganz klar ein Abenteuerroman. Trevor begibt sich auf die Reise in den Wilden Westen, begegnet einer Räuberbande, Cowboys, einer entlaufenen Schönheit, die stets ein unterarmlanges Messer bei sich hat, und den verschiedensten anderen Gestalten, während er selbst zum Revolverhelden wird. Besonders dieser Teil des Buches hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Die Handlung ist also sehr umfangreich, wobei Trevor aber nie sein eigentliches Ziel, Jack the Ripper vom Morden abzuhalten, aus den Augen verliert. Er folgt der Spur des Rippers, ein finales Zusammentreffen ist vorprogrammiert, der Weg dorthin aber äußerst spannend und plastisch beschrieben.
Dadurch, dass Trevor aus der Ich-Perspektive erzählt, bleiben dem Leser viele Stellen, die hätten langweilig sein können, von vornherein erspart. Diese umgeht Trevor regelmäßig in seiner als Bericht gestalteten Erzählung.

Mit Trevor selbst kam ich von Anfang an gut zu Recht. Er macht als Charakter einige schlimme Sachen mit, die ihn auch entsprechend formen. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, das alles passe so überhaut nicht zu einem 15-Jährigen - meiner Meinung nach, hätte Richard Laymon seinen Protagonisten ruhig ein paar Jährchen älter machen können - aber sonderlich gestört hat mich das eigentlich auch nicht.

Zusammenfassen ist "Der Ripper" ein wirklich gut geschriebenes Buch, das durch seine längenlose Handlung auftrumpft. Die Theorie, dass Jack the Ripper London verlassen musste und stattdessen in Amerika weiter seinem Treiben nachgegangen ist, finde ich äußerst interessant. Ob daran irgendetwas Historisches ist, weiß ich allerdings nicht.
Zu der Bezeichnung "Horrorroman" noch ein Wort: "Der Ripper" ist sicher kein Horrorroman der schlimmsten Sorte. Wer in das Genre einsteigen will, ist daher mit diesem Buch sicher gut bedient.


Bewertung
Volle 4 Blümchen!





Herzlichen Dank an den Heyne-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

26. Mai 2009

Die Wette - Steve Hely & Vali Chandrasekaran

Im Moment läufts bei mir wie am Fließband mit den Büchern - echt schön sowas. :D

Also dann, gestern Abend hatte ich Die Wette fertig und eigentlich wollte ich gleich zum PC stürzen, bis mir dann aufgefallen ist, dass es gar nicht so leicht ist, dieses Buch zu rezensieren. Das hier stellt also nur einen Versuch dar:

42.000 km - 2 Männer - 1 Globus - Keine Flugzeuge
... das verspricht das Cover mit dem schönen Globus und den netten Figürchen drunter.

Beim Klappentext wirds dann noch spannender:
Liebe Leser, hier sind Steve und Vali. Wir sind ein Mal rund um den Globus gereist, und zwar um die Wette. Steve ist nach Weste, Vali nach Osten aufgebrochen, und der Gewinner sollte die beste Flasche Whisky bekommen, die in ganz Los Angeles aufzutreiben war.

Steve und Vali, zwei Amerikaner in ihren 20ern, die offensichtlich bisher nicht viel erlebt haben in Hollywood (sonst wären sie ja nie auf diese zugegebenermaßen geniale Idee gekommen) schließen eine Wette ab. Wer schneller um die Welt ist, ohne dabei in ein Flugzeug zu steigen (allerdings nimmt Vali diesen Zusatz irgendwann nicht mehr allzu ernst ^^).
Anschließend erzählen sie abwechselnd von ihren Abenteuern und das ist meistens extrem witzig. Manchmal musste ich direkt laut auflachen (passiert mir nur bei wenigen Büchern, halte ich aber für einen sehr aussagekräftigen Indikator).

Gut, es kam relativ häufig vor, dass ich mir bei den Aktionen der beiden ein "Typisch Amerikaner!" dachte, aber wenn man darüber hinwegsehen kann, dass Amis nun mal so sind, wie sie sind, dürfte das für die Leserschaft kein Problem darstellen.
Es gibt da nämlich auch einiges, was man aus diesem Buch lernen kann. Einerseits ganz prinzipielle Sachen und interessante Details zu den verschiedensten Städten und Ländern der Welt (Steve und Vali waren ja immerhin in 24 Ländern, das ganze haben sie in weniger als 2 Monaten abgewickelt), aber man erfährt auch das ein oder andere über sich selbst. Ich zum Beispiel hab gelernt, dass ich unbedingt wieder nach Schweden muss. ;)

Ich würde empfehlen, das Buch im Sommer, vielleicht vor dem Urlaub oder im Urlaub zu lesen, denn es weckt so richtig die Abenteuer- und Reiselust. Am liebsten würd ich gleich meine sieben Sachen packen und ins nächste Flugzeug steigen. Bloß irgendwohin. Jetzt weiß ich ja, dass man wirklich überall etwas erleben kann - außer vielleicht auf einem Containerfrachter von Los Angeles nach Shang Hai.