23. Januar 2009

Battle Royale von Koushun Takami

Nur einer kann überleben

Asien in der nahen Zukunft. Die Republik Großostasien ist ein totalitärer Staat, in dem Furcht und Unterdrückung herrschen. Dazu gehört ein Experiment, bei dem jedes Jahr Schulklassen ausgewählt und auf eine einsame Insel verschleppt werden, wo sich die Schüler gegenseitig bekämpfen, bis nur noch ein Überlebender übrig bleibt.
"Ein futuristischer Albtraum der besonderen Art." The Guardian

Ich geb es ohne weiteres zu: Der Name des Autors ist gewöhnungsbedürftig. Das Buch auch.

Auf Battle Royale bin ich gestoßen, weil es immer wieder mit The Hunger Games von Suzanne Collins verglichen wird. Was ich nach der "Lektüre" beider Bücher nur bedingt verstehen kann.
Wo The Hunger Games hart ist, ist Battle Royale regelrecht brutal. Und wo The Hunger Games aufhört, da fängt Battle Royale erst an. Battle Royale ist die hardcore-Variante von The Hunger Games - das ist spätestens auf Seite 48 sicher, hier rollt der erste Kopf.

Dieses Buch beschreibt auf äußerst blutrünstige Art und Weise die Tiefen der menschlichen Psyche. Der Autor (und mit ihm der Leser) stellt sich die Frage, was aus Vertrauen und Liebe wird, sobald sich der Mensch in einer Extremsituation befindet. Dabei finde ich das Wort "Extremsituation" in diesem Fall fast noch untertrieben: 42 Schüler einer Klasse werden gezwungen, sich gegenseitig umzubringen.
Wo wir auch schon beim ersten entscheidenden Unterschied zu The Hunger Games sind: Bei Suzanne Collins werden Personen in die Arena geworfen, die sich vorher nicht oder nur bedingt kannten. Takami schraubt einen Gang höher: Eine Schulklasse, in der jeder jedem seit Jahren täglich begegnet.
Ich muss niemandem erklären, wie das System einer Klasse funktioniert. Sicher, mit manchen versteht man sich immer besser, als mit anderen, aber prinzipiell meint man trotzdem, die Menschen um einen herum zu kennen.

Koushun Takami stellt dieses Prinzip völlig auf den Kopf. Plötzlich weiß niemand mehr, wem er vertrauen kann. Sogar Freunde richten die Waffen aufeinander. Und als Leser leidet man mit ... zumindest auf den ersten 200 Seiten. Dann ist man mit einen Mal (wie die Schüler im Buch) selbst abgehärtet; es kommen nur noch wenige Dinge, die einen wirklich zusammenzucken und für einige Minuten das Buch schließen lassen.
Das könnte man sich auch kaum leisten. Zwar werden die Einzelschicksale aller Schüler angerissen, aber sobald man sich darauf einlässt und manchmal sogar Mitleid empfindet, taucht von irgendeiner Seite ein anderer auf, der lediglich einen Schuss braucht, um dem Ganzen ein Ende zu setzten. Folge davon ist unweigerlich, dass man sich als Leser distanziert.

Battle Royale hat bestimmt seinen Wert (inhaltlich und was die Aussage betrifft), aber im literarischen liegt er sicher nicht: Haufenweise Fehler (gut, Japanisch ist schwer, aber trotzdem: so viele Fehler sollten wirklich nicht passieren), schlechter Ausdruck.
Vielleicht liegt beides an der Übersetzung, vielleicht an der Originalausgabe. Wenn ich Japanisch könnte, würde ich das sofort überprüfen, so aber wird aus diesem Vorhaben leider nichts. Zumindest ist meine Empfehlung an eher anspruchsvoller Leser Abstand von Battle Royale zu halten. Es sind eben doch über 600 Seiten, durch die man sich kämpfen müsste - wo wir schon dabei sind: Das muss man auch nervlich aushalten können. 42 Schicksale. Alle sehr blutig.

Falls es jemand gerne visuell unterstützt hätte: Einen Film gibt es auch. Um einiges gekürzt zwar, aber das wesentliche kommt vor.

2 Kommentare:

Lisa hat gesagt…

Eine Freundin von mir hat die Mangas gelesen - und die dürften da noch mehr Eindruck gemacht haben (Ich schließe ja aus der Rezension, dass du nicht 100% begeistert warst). Außerdem ist es schwierig bei Zeichnungen was zu versauen xD
Ich wusste gar nicht, dass es da ein Buch gibt +hm+

Stefanie Emmy hat gesagt…

Nein, nicht wirklich. Ich habs nur zum Vergleich zu The Hunger Games gelesen. Irgendwie wars auch spannend, aber gern gelesen hab ich's ehrlich nicht :(
Außerdem ziemlich verwirrend mit den ganzen japanischen Namen, aber wenigstens an die Namen gewöhnt man sich beim Lesen. Naja, wer Horror mag wird wohl auch mit dem Buch an sich keine Gewöhnungsprobleme haben.

Der Film ist übrigens auf YouTube. Japanisch mit englischen Untertiteln wenn ich mich richtig erinnere. Ich hab ihn damals parallel zum Buch angeschaut.