16. Februar 2010

Jennifer Brown - Hate List

Klappentext
What if you wished someone would die and then it happened?
What if the killer was someone you loved?

Five months ago, Valerie Leftman's boyfriend, Nick opened fire on their school cafeteria. Shot trying to stop him, Valerie inadvertently saved the life of a classmate, but was implicated in the shootings because of the list she helped create. A list of people and things she and Nick hated. The list he used to pick his targets.
Now, after a summer of seclusion, Val is forced to confront her guilt as she returns to school to complete her senior year. Haunted by the memory of the bofriend she still loves and navigating rocky relationships with her family, former firends, and the girl whose life she saved, Val must come to grips with the tragedy that took place and her role in it, in order to make amends and move on with her life.


Inhalt
Am 2. Mai 2008 eröffnet Valeries Freund Nick das Feuer auf die versammelten Schüler in der Schulcafeteria. Noch während Val versucht, ihn aufzuhalten, realisiert sie, dass er seine Opfer nach einer Liste auswählt - einer Liste, die sie begonnen und mit ihm zusammen verfasst hat. Völlig überzeugt davon, dass sie niemals gewollt hat, dass die Leute, die ihr und Nick das Leben zur Hölle machen, wirklich sterben, wirft sich Valerie in den Schuss, der für Jessica bestimmt gewesen war. Gleich darauf richtet Nick die Waffe auf sich selbst.

Nach einem Sommer, in dem Val sich völlig von ihrem ehemaligen Freunden abkapselt, in dem sie versucht, herauszufinden, ob sie selbst Schuld an der Katastrophe hat, ob sie erkennen hätte müssen, dass die "Hate List" für Nick von Anfang an purer Ernst war, in dem sie während der Gespräche mit ihrer Psychiater Dr. Hieler aber auch neuen Mut fasst, muss Val zurück in die Schule, um ihren Abschluss zu machen.
Und obwohl sie damit gerechnet hat, dass man sie nicht mit Freude willkommenheißen würde, ist sie doch erschüttert und überwältigt von dem Hass, den man ihr entgegenbringt. Erst da merkt sie, dass sie ohne Nick völlig allein dasteht. Und dass sie nicht einfach aufhören kann, ihn zu lieben, weil es alle anderen von ihr erwarten. Denn anders als die anderen, kannte Valerie Nick, und sie weiß, dass er nicht nur böse war. Für sie wird der Nick, der geschossen hat, niemals den Nick verdrängen können, der sie als einziger Mensch verstanden hat.

Schon nach dem ersten Schultag ist klar: Beinahe jeder begegnet Valerie mit Misstrauen - mit Ausnahme von Jessica. Ein Mädchen, das andere (und besonders Val) mit erniedrigenden Spitznamen gestraft hat. Ein Mädchen, das zu jener Clique gehört, die Nick tagaus tagein gequält haben, weil er anders war. Eben jene Quälereien, die zu Nicks Amoklauf geführt haben.
Genau aus diesen Gründen kann Val nicht glauben, dass Jessica plötzlich freundlich zu ihr ist. Aber Jessica glaubt fest an Val's Unschuld, behauptet, der Fakt, dass sie den 2. Mai überlebt hat, hat alles geändert. Und es dauert eine ganze Weile, bis Val begreift, dass es Jessica wirklich ernst damit ist.

Nur - egal was die Presse und der Direkter der Schule behaupten - ansonsten hat sich nichts am Verhalten der Schüler anderen gegenüber und an der Schule im Gesamten geändert. Val beginnt zusammen mit Jessica an einem Projekt zu arbeiten, einer Zeitkapsel, die an die Schießerei vom 2. Mai erinnern soll. Und die vor allem eine soll: Die Geschichten der Opfer zu Tage bringen, wer sie wirklich waren hinter den Vorurteilen, die jeder Mensch über andere, die er nicht kennt, in sich aufbaut und prägt.


Meinung
Erst vor knapp einer Viertel Stunde habe ich die letzte Seite dieses aufwühlenden Buches gelesen und ich fühle mich noch immer so mitgenommen, dass ich kaum weiß, wie ich meine Gefühle der Geschichte gegenüber ausdrücken soll.

Das liegt teilweise ganz einfach am Thema des Buches, das an sich schon nicht leicht zu verdauen ist. Aber vorallen kommt das mulmige Gefühl von Jennifer Browns Art, das Thema aufzurollen. Von ihrer Art zu erzählen und Emotionen zu vermitteln.
Valerie hat auf den 400 Seiten dieses Romans wirklich gelebt, ich hatte ihre Stimme im Kopf, habe mich einer Protagonistin noch nie so nah gefühlt - wirklich nicht! Ihre Verzweiflung, aber ebenso die hoffnungsvollen Momente, in denen sie wieder Mut schöpft, haben mich einfach umgehauen. Nicht weil es so furchtbar gewesen wäre, Valerie durch das Jahr nach dem Amoklauf ihres Freundes zu folgen, sondern weil es Jennifer Brown trotz des Themas geschafft hat, mit Freude zu erzählen und diesen Funken auch auf den Leser überspringen zu lassen.

(Ich hoffe, diese Beschreibungen klingen jetzt nicht zu abgehoben, ich weiß nur nicht, wie ich den Schreibstil der Autorin anders beschreiben sollte.)

Was ich auch ganz toll an "Hate List" finde, ist, dass Jennifer Brown nie direkt schreibt: "Es ist böse andere zu verar***en. Derjenige könnte euch irgendwann niederschießen." Das wäre nebenbei auch ziemlich plumt. Glücklicherweise schafft es die Autorin auch ohne solche Methoden, rüberzubringen, dass jede unserer Taten, jedes Wort, Auswirkungen auf andere hat - ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Und wir können meistens nicht wissen, wie andere unser Verhalten auffassen und schließlich darauf reagieren.

Besonders ins Auge gestochen ist mir außerdem die Entwicklung, die die Charaktere durchmachen. Die ganze Schule inklusive der Eltern und Lehrer muss mit einer neuen Situation zurechtkommen, die allen schwer auf den Schultern lastet.
Der ganze Stress und die Spannungen, die in der Luft liegen, werden besonders im letzten Viertel des Buches sehr intensiv. Während der letzten 60 Seiten von "Hate List" hatte ich ständig Tränen in den Augen, am Ende konnte ich dann gar nicht mehr anders, als wirklich zu weinen. Diese letzten 60 Seiten sind eben jene Seiten, auf denen Valerie sich selbst entdeckt, in denen sie außerdem versteht, dass sie nicht vor dem 2. Mai sondern in der Zeit danach Fehler begangen hat.

Zusammenfassend ein Buch, das ich nur gezwungener Maßen aus der Hand gelegt habe. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich die 400 Seiten in einem weggelesen. Aber vielleicht war es auch besser, zwischendurch Pausen einlegen zu müssen. Um durchzuatmen und zu verdauen. (Das nächste Buch, das ich in die Hand nehme, wird auf jeden Fall eines sein, dass weniger an die Substanz geht.)

Zum Abschluss noch ein Trailer, den ich auf YouTube entdeckt habe. Fan-made wie ich glaube, aber echt gut gemacht:




Nachtrag: Am 1. August erscheint das Buch unter dem Titel "Die Hassliste" auf Deutsch!

Bewertung
Klare Lese-Empfehlung! Mutig, aufwühlend, "character-driven" - und auf keinen Fall eine plumpe Aufarbeitung von Amokläufen.

8 Kommentare:

pinketuerklinke hat gesagt…

Danke für den tollen Lese-Tipp! Ist direkt auf meine Wunschliste gewandert:)
Viele Grüße

Stefanie Emmy hat gesagt…

Freut mich, dann bin ich gespannt, wie du's finden wirst :)

Kerstin hat gesagt…

Oh, das hört sich wirklich interessant an! Weißt Du zufällig, ob davon eine deutsche Übersetzung geplant ist?

Stefanie Emmy hat gesagt…

Von einer deutschen Übersetzung hab ich leider noch gar nichts gefunden, nicht mal Gerüchte. Ich glaube, dafür müsste das Buch erstmal in Amerika richtig bekannt werden - und das ist es meiner Einschätzung nach noch nicht. Wird aber bestimmt noch kommen. :)
Sobald ich was weiß, erfährt ihr es als erste. ;)

Aria hat gesagt…

Aber klar kommt das auf Deutsch raus! Ich hab das schon auf meiner Wunschliste!
"Die Hassliste" wird es heißen und kommt im August. (http://www.thalia.at/shop/ama_homestartseite/wkartikel/die_hassliste/jennifer_brown/ISBN3-423-76003-6/ID18607569.html?jumpId=13367400)

Der Trailer glaub ich aber, ist nicht Fan-Made :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

xD Gut, dass es immer wieder jemanden gibt, der die Lücken füllt. Danke :D
Wird auch gleich in der Rezension vermerkt, dass das ganze hier übersichtlich bleibt. :)

Aria hat gesagt…

Immer wieder gerne :D Ich freu mich auch, wenn mich jemand drauf aufmerksam macht xD

Christine hat gesagt…

Schön, du mochtest das Buch genauso wie.
Ich hab es im Urlaub fast an einem Stück gelesen (soweit ich mich erinnern kann) und es hat mich auch ganz schön mitgenommen. Inbesondere diese Zwiegespaltenheit von Valerie, die du ja auch beschreibst, fand ich sehr überzeugend und glaubwürdig.