8. Juni 2010

Marie Velden - Lilienrupfer

Klappentext
Lieber Robbie Williams ... So beginnen die E-Mails von Undine Busch, Mitte dreißig, an eine erfundene Mailadresse des Superstars. Darin erzählt sie ihm von den kleinen und großen Dingen ihres Lebens, von ihren Träumen und von Christian, ihrer großen Liebe. Als dieser sie über Nacht verlässt, verkriecht sich Undine tief getroffen vor der Welt. Da erhält sie plötzlich eine Antwort auf ihre Mails ...



Inhalt

Lieber Robbie Williams,

ich habe mich immer schwer damit getan loszulassen. Ich meine loslassen im Sinne von verabschieden. Ich hänge an Dingen und ich hänge an Menschen. Selbst wenn sie mir irgendwann überflüssig erscheinen (die Dinge) oder nicht mehr liebenswert (die Menschen), dauert es lange, bis ich mich trennen kann.

- S. 9

Anfang April 2007, Undine Busch liegt im Krankenhaus nachdem sie sich bei einem Fahrradunfall das Radiusköpfchen gebrochen hat. Hauptsächlich verbringt sie ihre Zeit mit Nachdenken und mit dem Schreiben von E-Mails an Robbie Williams. E-Mails an eine erfundene Mailadresse, von der Undine glaubt, dass es sie gar nicht gibt und ihre emotionalen, psychologisch-philosophischen Gedanken damit direkt im Nichts landen.

Nachdem Undine wenig später aus dem Krankhaus entlassen wird, beginnen einige neue Entwicklungen Form anzunehmen. Zum einen freundet sie sich mit ihrer Ergotherapeutin Julia an, zum anderen folgt sie dem Rat ihres Freundes Till und registriert sich bei einer Online-Partnerbörse. Doch was anfangs sehr vielversprechend klingt, entpuppt sich schon sehr bald als Reinfall.

Undine ist nahe dran aufzugeben und dann völlig überrumpelt als ihr aus heiterem Himmel Christian gegenüber steht. Er ist es, da ist sich Undine sicher. Die beiden verbringen eine intensive Zeit miteinander, doch dann ist Christian plötzlich verschwunden. Vom einen Tag auf den anderen tritt er aus Undines Leben mit der Begründung er hätte Angst.

Undine ist verzweifelt, enttäuscht, und unfassbar traurig. Sie scheint schon beinahe darüber hinweggekommen als im Januar 2008 plötzlich eine Mail von r-williams in ihrem Postfach landet. Der Absender offenbart ihr eine unglaubliche Geschichte, die Undines Leben eine völlig andere Richtung gibt ...


Meinung
Mit "Lilienrupfer" hat Marie Velden einen wunderbar leichten, spritzigen Roman vorgelegt, der mich vom ersten Satz weg (siehe Zitat oben) gefesselt hat.

Undine ist 36 Jahre alt und Dramaturgin an einem Theater in München. Sie ist ein sehr offener Charakter, doch all ihre Theorien, ihre Gedanken spricht sie nicht aus, sondern schreibt sie stattdessen nieder. Dass sie sich als ihren Empfänger gerade Robbie Williams ausgesucht hat, hat einen ganz speziellen Grund. Er "verkörpert exakt jene Art von Mann, von der ich mehr als nur einmal angenommen habe, sie könne für mich geschaffen sein".

An Undine (und am ganzen Buch wenn wir schon dabei sind) hat mir besonders dieser laufende Bezug zu Literatur und Musik gefallen. Das meiste kannte ich, Unbekanntes wurde natürlich sofort gegoogelt - dabei habe ich so einiges entdeckt. Zum Beispiel hatte ich noch nie von William Somerset Maugham gehört, in "Lilienrupfer" ist dieser Autor immer präsent und nachdem ich jetzt einige Zitate kenne möchte ich die Bücher unbedingt lesen! Danke "Lilienrupfer". :D

Als Leser hat man einen sehr engen Bezug zu Undine. Man liest ihre Mails und taucht zusätzlich noch in die Ich-Perspektive ihres Lebens ein. Die einzelnen Abschnitte gehen dabei sich deckend ineinander über. Undine lernt Christian kennen, verliert ihn wieder - ich habe dabei immer nur Undines Seite gesehen, nicht über den Tellerrand hinausgeblickt sozusagen.
Doch gegen Ende, soviel darf ich verraten, taucht Christian wieder auf, genauso plötzlich wie er zuvor verschwunden war, und erhält die Chance sich zu erklären. Die beiden, Undine und Christian, sind sich ähnlich und dann doch wieder grundverschieden. Aber trotz des engen Bezugs zu Undine konnte ich mit Christian schlussendlich mehr mitfühlen und damit hat mich Marie Velden sehr überrascht.

Genauso wie mit dem Ende allgemein. Das hat mich nämlich direkt überrumpelt und von den Socken gehauen - zuerst im negativen, dann aber eindeutig im positiven Sinne.
Es ist ein gutes Ende - finde ich - ein realistisches, das zudem schön erklärt wird und dem Buch eine völlig andere Wendung, eine völlig andere Aussage, gibt.

"Lilienrupfer" ist ein richtiges Schmuckstück im Regal. Die Geschichte ist im Großen und Ganzen altbekannt, doch Marie Velden hat dem einen völlig neuen Anstrich verpasst. Sprachlich wundervoll zu lesen, die Sätze rinnen geradezu ineinander. Und besonders die Seitenhiebe auf Literatur und Musik begeistern mich.
Meine Empfehlung: Lest dieses Buch in der Sonne, am besten irgendwo im Grünen und lasst euch von Undine mitreißen.



Bewertung
Wer ausgefeilte Sätze mag, die Hintergrund haben, der wird "Lilienrupfer" nicht aus der Hand legen können.







Herzlichen Dank an DTV für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

9 Kommentare:

evi hat gesagt…

Das ist schon die 2. begeisterte Rezi die ich zu diesem Buch lese und ich hatte es auch schon beinahe in der Hand. Aber mich hat das "Robbie-Dings" abgeschreckt.
Nicht falsch verstehen - ich liebeliebeliebe ihn, und genau das ist der Grund *gg*
Hm, ich fürchte es landet trotzdem auf meiner Wunschliste ;-) Ich mag Bücher mit Musik-Bezug.

Stefanie Emmy hat gesagt…

Da musst du dir glaub ich keine Sorgen machen. Dass Udine ihre Mails an Robbie Williams schreibt steht nicht wirklich im Mittelpunkt, es geht eigentlich mehr darum, WAS sie schreibt und wie schön sie das ganze ausformuliert und auf den Punkt bringt. :)

Philia Libri hat gesagt…

Mein Wunschzettel dankt wie immer xD - mein SuB erzittert schon, wenn er nur daran denkt, noch ein paar Bücher zu bekommen +lach+

Miss Bookiverse hat gesagt…

Wow, das klingt ja richtig gut (auch wenn Undine ein furchtbarer Name ist!). Ich bin jetzt total gespannt, was denn nun in der Mail von r-williams steht... mein spontaner Rateversuch tippt auf Christian... hmm, muss ich wohl das Buch lesen, um es rauszufinden :P (sagst du mir trotzdem, ob ich richtig liege? :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

@Lisa: Vielleicht verheimlichst du es deinem SuB noch ein bisschen, erleichterst ihn um 1, 2 Bücher bevor du mit der schrecklichen Aussicht auf ein weiteres Buch rausrückst ;D

@Miss Bookiverse: Jetzt hast du mich in eine verzwickte Lage gebracht, ich habe den Teil nämlich extra verschwiegen xD Ich muss trotzdem nochmal nachfragen: Meinst du jetzt, dass Christian die Mail geschrieben hat oder dass etwas über Christian in der Mail steht? ^^

elin hat gesagt…

ist das auch so ein email-roman oder gibts da auch richtige texte?

Stefanie Emmy hat gesagt…

Zwischen den E-Mails sind Abschnitte, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind - aus der Sicht von Undine. Das ergänzt sich toll mit den E-Mails.

Miss Bookiverse hat gesagt…

Ich meinte, dass Christian der Besitzer der E-Mailadresse ist und somit die Antwort an Undine schreibt. Aber so wie du fragst, klingt es, als läge ich falsch ;)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Richtig erkannt ;) (Und mehr sag ich nicht xD)