29. März 2011

Zach & Bauer - Morbus Dei: Die Ankunft

Taschenbuch, 289 Seiten
€ 9,95
ISBN 978-3852188461

Ein einsames Bergdorf vor 300 Jahren: Von einem Schneesturm überrascht, verschlägt es den Deserteur Johann List in diese abgeschiedene, von Furcht und Aberglaube beherrschte Gegend. Schnell ist ihm klar, dass mit dem Dorf etwas nicht stimmt, dass ein düsterer Schatten über den Bewohnern liegt Tiere werden getötet, Menschen verschwinden, vermummte Gestalten lauern in den finsteren Wäldern.
Als Johann sich in die Tochter eines Bauern verliebt, beschließt er, mit ihr das Dorf zu verlassen. Doch noch bevor sie verschwinden können, eskaliert die Situation und ein Kampf auf Leben und Tod beginnt ...



Was ich denke ...
Geständnis: Ich grase vorwiegend auf dem internationalen Buchmarkt, amerikanische Autoren, britische Autoren, auch deutsche Autoren. Abgesehen von Glattauer, Haas und Hackl ist meine Erfahrung mit österreichischen Autoren sehr eingeschränkt. Bastian Zach und Matthias Bauer haben mir mit ihrem ersten Roman sehr eindrucksvoll bewiesen, dass das Gute oft gar nicht so fern liegt.

"Morbus Dei" spielt in einem Tiroler Bergdorf im Jahr 1703, kurz nach dem Bayrischen Rummel - unter diesem Begriff werden mehrere Kampfhandlungen zwischen Bayern und Tirolern zusammengefasst.
Johann List schleppt sich mit schweren Verletzungen durch einen sich anbahnenden Schneesturm, erreicht mit letzter Kraft ein abgelegenes Dorf, wo sich Elisabeths Großvater seiner erbarmt und ihn aufnimmt. Während Johann vor seiner Vergangenheit flieht, fürchten die Dorfbewohner das, was ihnen bevorsteht. Doch keiner wagt, Johann einzuweihen.

Bei "Morbus Dei" fällt sofort auf, wie leicht es ist, sich in der beschriebenen Situation wiederzufinden. Erreicht wird das vor allem durch unkomplizierte Sätze und klare Formulierungen ohne viel Schnick-Schnack. Die Sprache hat eine regelrechte Leichtigkeit, erreicht unter anderem durch Dialoge in angedeuteter Umgangsprache. Auch die kurzen Kapitel, die zudem in mehrere Abschnitte unterteilt sind, tragen dazu bei, dass man als Leser regelrecht in die Handlung aufgesogen wird.

Eine Handlung, die durch unaufdringliche Spannung glänzt. Die Bedrohung, der sich die Dorfbewohner ausgesetzt sehen, ist auf jeder Seite zu spüren, kreiert eine brodelnde Atmosphäre, und auch wenn man als Leser - wie Johann selbst - lange Zeit nicht weiß, wovor die Leute Angst haben, so wird doch vermittelt, dass es sich um eine berechtige Angst handelt. In jedem Satz, in jeder Handlungsweise der Dorfbewohner kann man erkennen, wie tief ihr Eingeschüchtertsein verwurzelt ist. Ich war mir ehrlich gesagt oft unsicher, ob es sich dabei nicht doch nur um Aberglaube handeln könnte - aber selbst wenn es so gewesen wäre, hätte ich den Autoren alles abgekauft, weil der Glaube dieser Menschen an eine bestehende Bedrohung förmlich greifbar ist.

Zwei Geheimnisse, das um Johanns Vergangenheit und das um die Identität der Bedrohung, weren nach und nach aufgearbeitet und enthüllt. Das geschieht zwar häppchenweise, allerdings nicht auf eine informationsgeizige Art und Weise, sondern vielmehr so, dass man - hat man erst mal ein kleines Stück des Unbekannten erfahren - gar nicht mehr aufhören will zu lesen. Fortlaufend wird die Motivation, weiterzulesen, geschürt.

Es gibt eigentlich nur einen Punkt, den ich "Morbus Dei" ankreiden muss: Mir hat die völlige Auflösung gefehlt. Leider ist das jetzt schwierig zu erklären ohne die Grundlage der Bedrohung, die Personifikation der Angst, unter der das Dorf leidet, zu enthüllen.
Im Grunde tut das dem Lesevergnügen, das man bei diesem Buch einfach haben muss, aber auch gar keinen Abbruch.


Bewertung
Ein Deserteur, eine Bauerstochter, ein bis in die Grundfesten verängstigtes, panisches Dorf. Heraus kommt ein historischer Roman mit gruseligen Spannungselementen, der von der ersten bis zur letzten Seite funktioniert.






Danke an: Haymon Verlag

2 Kommentare:

Kerry hat gesagt…

danke für deine rezi, von dem buch hab ich bis jetzt noch gar nix mitbekommen, aber das cover ist ja stark

lg kerry

StefanieEmmy hat gesagt…

Das ist es wirklich, fängt die Stimmung des Buches auch ganz gut ein, diese düstere, beängstigende Atmosphäre. Man siehts hier auf der Abbildung nicht, aber da ist "in echt" mit Spotlack noch so ein Symbol mit drauf, das auch im Buch immer wieder vorkommt.