24. Mai 2011

Edith Kneifl - Stadt der Schmerzen

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 238 Seiten
€ 19,90
ISBN 978-3852186818

Familiäre Verpflichtungen führen Orlando, Transvestit mit einem Faible für den Sisi-Look, und seine beste Freundin Katharina Kafka nach Florenz. Was als entspannter Kurztrip geplant war, entwickelt sich jedoch rasch zu einem mörderischen Inferno von Dante schen Ausmaßen: Wenige Stunden nach ihrer Ankunft taucht die übel zugerichtete Leiche eines Cousins von Orlando auf, und statt in Ruhe dem Sightseeing und langen Einkaufsbummeln zu frönen, werden Katharina und Orlando immer weiter in die Mordermittlungen hineingezogen. Je tiefer sie in der Familiengeschichte wühlen, desto mehr unappetitliche Details tauchen auf: Mädchenhandel und Schlepperwesen, Verbindungen zur italienischen und rumänischen Mafia, Diebstahl und illegaler Handel mit gefälschten Parfüms es scheint kaum ein kriminelles Geschäft zu geben, in dem die ehrenwerte Florentiner Familie Pazzini nicht ihre Finger hat.


Was ich denke ...
"Stadt der Schmerzen" hat mir wieder Mal vor Augen geführt, dass ein direkter Einstieg in die Handlung ohne viele einführende Worte definitiv etwas für sich hat.

Katharina Kafka schildert dieses Abenteuer vor der Kulisse Florenz' aus der Ich-Perspektive und mit vielen ironischen - auch selbstironischen - Worten. Schon auf den ersten Seiten merkt der Leser: Dieses Buch liest sich sehr viel farbenfroher als das Cover vermuten lassen würde.
Die Fotos, die die einzelnen Teile des Buches voneinander trennen, sind zwar nicht farbenfroh (weil schwarz-weiß), unterstreichen dafür aber perfekt das italienische Feeling. Wer schon in Italien oder spezifisch in der Toscana war, wird das Flair und die Stimmung sofort wiedererkennen, die die Autorin gekonnt zwischen den Seiten eingefangen hat.

Mühelos, ohne den Erzählfluss im Geringsten zu stören, webt Edith Kneifl darüber hinaus Details über Geschichte, Kultur und Wirtschaft Florenz' in die Handlung mit ein. Da der Gehalt an Informationen, die hier vermittelt werden, meiner Meinung nach sehr hoch ist, sollte man für eine Lektüre des Buches doch auch ein gewisses Maß an Interesse am touristischen Florenz und seiner bewegten Geschichte mitbringen.
Ins Auge gestochen ist mir dabei, dass auffällig viele Charaktere in "Die Stadt der Schmerzen" geradezu kulturbesessen sind und bestens über historische Details Bescheid wissen. Ich weiß nicht, ob das bei bessergestellten florentiner Familien gang und gäbe ist, zumindest ein wenig unrealistisch erscheint es mir schon. Mein Lesevergnügen hat das jedoch nur unmerklich geschmälert.

Was aber unabstreitbar ist: Das ungewöhnliche Ermittlerduo Katharina Kafka und Orlando Pazzini muss man einfach ins Herz schließen. Neben der großartigen Atmosphäre, die das Buch verbreitet, haben mir besonders die Sticheleien zwischen den beiden gefallen.


Bewertung
Ein großartiger Kulturkrimi, federleicht geschrieben - wie sich das für italienisches Flair so gehört. Dazu sehr viel Informationsvermittlung, was besonders den historisch interessierten Leser freuen wird.

1 Kommentare:

dyabollo hat gesagt…

klingt wirklich spannend!