22. Mai 2011

Lili Wilkinson - Scatterheart

2009, Gebunden mit Schutzumschlag, 445 Seiten
€ (D) 16,95 | € (A) 17,50
ISBN 978-3815795118


Eine junge Dame von Stand kämpft um ihr Glück, ihre Freiheit und die große Liebe.

London, 1814: Hannahs idyllisches Leben wird jäh gestört, als ihr Vater eines Mordes bezichtigt nach Paris flieht. Von nun an stolpert das Mädchen von einem Alptraum in den nächsten: Sie landet im Gefängnis und wird zu jahrelanger Zwangsarbeit in einer australischen Strafkolonie verurteilt.
Während der monatelangen Seereise lernt sie James, den attraktiven und charmanten Schiffsleutnant, kennen. James verspricht ihr ein standesgemäßes Leben in Luxus und Reichtum. Doch schon bald entpuppt er sich als unbeschreiblich brutal und kaltblütig. Hannahs Situation wird immer unerträglicher und aussichtsloser. Kann sie den Lauf ihres Schicksals verändern und einer trostlosen Zukunft entfliehen, um am anderen Ende der Welt ihr Glück und ihre große Liebe zu finden?



Was ich denke ...
Weil ich weiß, dass "Scatterheart" von vielen gelobt wird, sage ich lieber gleich, dass mir dieser Roman überhaupt nicht gefallen hat. Ich hatte das Buch vor einem Jahr schon einmal begonnen, dann aber auf Seite 76 abgebrochen, weil ich weder mit der Protagonistin, noch mit der immer am selben Punkt tretenden Handlung oder dem Schreibstil zurechtgekommen bin. Gestern hab ich es noch einmal versucht und mich regelrecht von Seite zu Seite ... gequält. Ja, leider.

Mein Hauptproblem mit "Scatterheart" war die Protagonistin Hannah, die ich von Anfang an nicht mochte. Sie ist selbstsüchtig, eitel, stolz und voller Vorurteile. Als sie ihrem armen Hauslehrer vor die Tür setzt hätte ich sie am liebsten eigenhändig aus den Seiten rausgeschüttelt. Abgesehen von dieser Reaktion hat Hannah dann aber nur noch Gleichgültigkeit in mir hervorgerufen.
Man könnte hier argumentieren, dass es in dem Buch doch gerade darum geht, wie sehr Hannah sich durch die Strapazen ihrer Reise verändert. Dazu möchte ich zwei Dinge loswerden: Erstens, es gibt Autoren, die schaffen es, die Leser auch mit selbsüchtigen, eitlen, stolzen Charaktere mitleiden zu lassen (ich verweise hier stellvertretend für viele Romane auf die Pretty Little Liars-Serie von Sarah Shepard, ein Paradebeispiel). Zweitens, es dauert geschlagene 250 Seiten (mehr als die Hälfte des Buches), bis Hannah endlich mal ein wenig Rückgrat zeigt.

Wenn die Zeit bis dahin zumindest sinnvoll gefüllt wäre, würde ich das noch nicht mal kritisieren. Unglücklicher Weise kam für mich während der gesamten 450 Seite kein einziges Mal mitreißende Spannung auf, die Handlung tröpfelt nur stetig vor sich hin, was insgesamt eine sehr seichte Geschichte abgibt, die an mehr als einer Stelle "konstruiert" in die Welt hinaus ruft. Auch der Stil passt sich dem an: Lili Wilkinson schreibt einfache, uninspirierende Sätze.

Positiv anmerken muss ich, dass Hannah gegen Ende doch noch so etwas wie ein Profil entwickelt und sich gegen ihre Umwelt auflehnt. Warum nicht früher, frage ich mich.
Außerdem haben mir die Auszüge aus dem Märchen "Scatterheart", die an jedem Kapitelanfang zu lesen sind, sehr gefallen. Diese zeigen gewisse Parallelen zu Hannahs Schicksal und haben mir vom ganzen Buch wohl am besten gefallen.

Um fair zu bleiben möchte ich hier betonen und in Erinnerung rufen, dass eine einzelne Meinung nie für alle gelten kann, deshalb: Ich bin was "Scatterheart" angeht eindeutig in der Minderheit. Es gibt sehr viel mehr Rezensenten, die absolut begeistert von Hannah und ihrer Reise waren. Lasst euch nicht abschrecken, womöglich hat das Buch für den/die ein oder andere doch was für sich. Leseprobe gibts hier (Stückchen runterscrollen).


Bewertung
Leider kein Buch, das ich weiterempfehlen kann. Die Protagonistin hat mich kalt gelassen, Handlung und Stil waren mir zu einfach gestrickt. Gegen Ende bekennt Hannah endlich Farbe, aber das hat "Scatterheart" für mich auch nicht mehr retten können.
2 Blümchen gibt's für die schöne Aufmachung, die Märchenausschnitte an den Kapitelanfängen und Hannahs Entwicklung am Ende des Buches.

11 Kommentare:

Colliding Worlds hat gesagt…

An "Scatterheart" habe ich auch keine guten Erinnerungen. Ich fand Hannah einfach nur langweilig und nervig und dadurch hat die Geschichte für mich einfach keinen Reiz gehabt. Ich glaube, nach 200 Seiten war bei mir Ende Gelände, was das Buch betraf.

StefanieEmmy hat gesagt…

Dann steh ich damit ja doch nicht so alleine da, wie ich dachte. ^^

animasoul hat gesagt…

Ich fand "Scatterheart" auch nicht berauschend. Hannah war wirklich nervig und sehr egoistisch. Selbst als sie schon gefallen war, hat sie die Nase gen Himmel gehalten und ständig darüber genörgelt, dass ihr ihr Lehrer nicht gut genug sei.

Auch fand ich die gewählte Sprache sehr zäh und teilweise nicht gerade jugendbuchfreundlich.

Das Einzige was mir gefallen hatte, waren die kleinen Geschichten mit dem Bären zwischendurch. Aber die können das Buch auch nicht besser machen.

Nina [libromanie] hat gesagt…

Ich gehöre auch zur nicht mögenden Minderheit. :-)

Anna hat gesagt…

Ach Gott, ach Gott ... was hab ich mir da nur für ein Buch besorgt? -.-

Karo hat gesagt…

Ich kann auch nur zustimmen, fand das Buch sehr schlecht und Deine Rezi ist wirklich meiner sehr ähnlich. :) Ich fands sehr schade, da ich an sich fand, dass die Geschichte durchaus Potential hätte, vom Grundplot her, aber das wurde leider überhaupt nicht gut umgesetzt. Schade!

StefanieEmmy hat gesagt…

Und auf Amazon hat das Buch 4,5 von 5 Sternen o.o Hätte nicht gedacht, dass der Grundtenor der Reaktionen auf meine Rezi Zustimmung ist.

Shiku hat gesagt…

Dann oute ich mich hier mal als Minderheit. ;)
Mir hatte das Buch eigentlich ziemlich gut gefallen. Kleine Kritikpunkte hatte ich und vor allem die Sprache war nicht direkt berauschend.
Aber ich fand Hannah nicht direkt unsympathisch, ich konnt gewissermaßen nachvollziehen, warum so handelte, wie sie eben gehandelt hat. (Was nicht heißt, dass ich es gut finden würde.)
Und ich fand's auch ziemlich spannend, aber das ist dann wohl auch eine Frage des Interesses. (: Gerade die Vorkommnisse auf dem Schiff haben mich sehr interessiert & dementsprechend flogen die Seiten nur so dahin. (:

Philia Libri hat gesagt…

Dann war's ganz gut, dass mich das Buch nie interessiert hat xD

umblaettern hat gesagt…

Ich fands auch nicht gut, obwohl meine Rezi, glaube ich, noch sehr neutral ist...

Charlousie hat gesagt…

Ooooh! Wie schade. Mich hat, genau wie dich, das Cover sehr angesprochen, aber ich war alles andere als enttäuscht! ;)
Was du so anführst, kann ich verstehen, aber ich fand Hanna trotz den ganzen negativen Eigenschaften interessant und auch die Spannung habe ich empfunden etc. etc. Für mich war es ein rundum stimmiges Buch und die kleine, eingeschobene Märchengeschichte vor jedem Kapitel, war so passend und toll. Ich muss ehrlich sagen, dass "Scatterheart" eines meiner Lieblingswerke ist bis heute! Deswegen finde ich es sehr fair, dass du auch sagst, dass DU es zwar nicht mochtest, es der Mehrheit aber gefällt usw. usw. usw. Aber letztlich ist es bei den meisten Büchern ja so. Die einen LIEBEN es und die anderen gähnen nur dabei...