24. Juli 2011

Mark Lawrence - Prinz der Dunkelheit

2011, Broschiert, 384 Seiten
€ (D) 13,00 | € (A) 13,40
ISBN 978-3453528253

Sag uns kurz, wie du heißt.
Jorg. Eigentlich Kronprinz Jorg von Ankrath, aber das war einmal.
Du siehst jung aus. Wie alt bist du, fünfzehn?
Knapp daneben. Mit fünfzehn werde ich König sein!
Du bist die meistgehasste Person im ganzen Land. Warum?
Nun ja, wenn man mit einer Horde Gesetzloser ganze Dörfer niederbrennt, löst das Unmut aus. Aber was würdest du tun, wenn die Königin, also deine Mutter, und dein Bruder vor deinen Augen getötet werden? Dieser Hass ist erst der Vorgeschmack auf meine Rache – denn die wird tödlich sein!



Was ich denke ...
Wenn ich an Prinz Jorg denke, läufts mir kalt den Rücken runter. Manchmal wollen uns Autoren von Fantasyromanen einreden, ihre Helden wären böse und angsteinflößend, bloß sind sie das meistens gar nicht. Bei Mark Lawrence ist das anders. Mark Lawrence macht seinen Lesern nichts vor, sein Protagonist ist einer, bei dem ich froh bin, dass ich ihm nur über die Distanz einer Buchseite begegnet bin - obwohl ich mich eigentlich für nicht sehr ängstlich halte.

Jorg ist 14, der Kronprinz von Ankrath und auf einem regelrechten Rachefeldzug, bei dem er nichts und niemanden verschont. Dörfer werden niedergebrannt, den Bewohnern der Kopf abgeschlagen, die jungen Mädchen vergewaltigt. Er und seine Bande kennen keine Gnade.
Schlägt man "Prinz der Dunkelheit" auf, wird man direkt in diese Situation katapultiert, die aus der Ich-Perspektive Jorgs schonungslos dargelegt wird. Jorg ist bitter, trotzig dem Leben gegenüber, rachsüchtig. Am Anfang hatte ich Anfreundungsschwierigkeiten, das liegt wohl daran, dass ich da noch nicht wusste, was Jorg schon alles mitgemacht hatte.

Genauso eigenwillig wie der Protagonist sind Stil und zeitliche Ansiedlung der Geschichte.
Nun, zum Stil habe ich eigentlich nicht viel mehr zu sagen, als dass er mich vom ersten Satz weg begeistert hat. Flüssig zu lesen, stellenweise mit gewollten Wortwiederholungen gespickt, bietet er für High Fantasy eher ungewöhnlich sehr kurze Kapitel (durchschnittlich 10 Seiten) und viele Rückblenden, die Jorgs Werdegang verständlicher machen.

"Meuchelmord ist nichts weiter als Mord mit etwas mehr Präzision. Bruder Sim ist präzise."
- S. 105

Was die zeitliche Einordnung angeht, naja, das ist etwas schwierig. "Prinz der Dunkelheit" spielt nicht, wie ich erst dachte, in einer fiktiven Welt, sondern in der unseren. Vom Ambiente her hätte ich außerdem auf europäisches Mittelalter getippt. Wieder falsch, wie sich später herausstellte. Vielmehr scheint "Prinz der Dunkelheit" in der Zukunft angesiedelt, allerdings in einer sehr rückständischen Zukunft, in der man die technischen Entwicklungen unserer Zeit nicht mehr kennt.

Zur Handlung ist zu sagen, dass ich auf den ersten 100 Seiten sehr in der Luft hing. Erst dann beginnt sich ein wirklicher Handlungsstrang mit Ziel zu formen. Das Ende schließlich ist im Großen und Ganzen in sich abgeschlossen, lässt aber noch ein paar Fragen offen. Eine einzige Aussage Jorgs hat mich schließlich sehr neugierig gemacht, wie es mit ihm weitergeht.


Bewertung
Nicht großartig, aber auf jeden Fall sehr gute Unterhaltung (wenn auch blutig ^^). Wer ungewöhnliche Protagonisten mag, sollte zugreifen.

5 Kommentare:

Christine hat gesagt…

Eine gute und aufschlussreiche Rezi, Stefanie.
Ich denke nicht, dass ich das Buch lesen werde, denn mit unsympathischen Charakteren, auch wenn sie ihren Grund haben so zu sien, hab ich es nicht so.

StefanieEmmy hat gesagt…

Schön, dass sie dir weiterhilft :)
Als unsympathisch würd ich ihn so nicht bezeichnen, nur als ... eher schwierig. Naja, gut, mein Freund wäre er sicher nicht, vielleicht doch ein bisschen unsympathisch xD Aber interessant, das auf jeden Fall.

JENNYFER hat gesagt…

Ich hab das Buch vor ein paar Wochen auf der Verlagsseite entdeckt und habe es direkt auf meine Wunschliste gepackt. Es scheint mir zwar, gerade auch nach deiner Rezensio, dass es mal was ganz anderes ist, aber irgendwie reizt es mich sehr. Wird auf jeden Fall bald in meinem Bücherregal stehen :)
Und dass der Hauptcharakter mal nicht der typische Held ist, finde ich eigentlich richtig gut. Da bin ich mal gespannt :)

StefanieEmmy hat gesagt…

Bin ehrlich gespannt, wie du es dann findest. Ist eine Rezi geplant? :)

Scathach Testet hat gesagt…

Hallo Stefanie

danke für die tolle Rezi..so habe ich eine tolle Geschenkidee gefunden:-) Verfolge nun deinen Blog und vieleicht hast du ja lust mal auf meinem vorbei zu schauen...dieser ist noch sehr frisch :-)

LG Eva (BookLover85)
http://scattysbuecherblog.blogspot.com/