1. September 2009

Erich Hackl - Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit

Klappentext
Die Geschichte von zweien, die sich lieben, durch die politischen Ereignisse immer wieder getrennt werden und dann diese Liebe endlich legalisieren dürfen - unter den denkbar widrigsten Umständen.

Inhalt
Der Österreicher Rudi Friemel ist gelernter Automechaniker und überzeugter Sozialist. Die Spanierin Margarita Ferrer ist fast zehn Jahre jünger als er. Im März 1944 heiraten die beiden in Auschwitz, er Lagerinsasse, sie bereits Mutter ihres gemeinsamen Kindes.
Erich Hackl geht in Die Hochzeit von Auschwitz der Frage nach, wie es dazu kam, warum die Machthaber eine solche Begebenheit erlaubten, und was danach kam.

Im Frühjahr 1938 befindet sich Rudolf Adolf Friemel mit den Internationalen Brigaden in Spanien um gegen Franco zu kämpfen. Dort begegnet er Marga Ferrer zum ersten Mal. Sie beiden verlieben sich sofort ineinander. Über Jahre hinweg treffen sie sich immer wieder, eine Zeit lang leben sie zusammen in Frankreich, wo Marga 1942 ihren gemeinsamen Sohn Edouard zur Welt bringt.
Über Fernkorespondenz schafft es Rudi endlich, seine Frau in Österreich dazu zu bringen, sich von ihm scheiden zu lassen. Doch Rudi will auch in seine Heimat zurück, obwohl er weiß, dass es vermutlich nicht lange dauern wird, bis man ihn wegen seiner Vergangenheit verhaftet.

Tatsächlich landet er schlussendlich in Auschwitz, während sich Marga mit dem Kind in Deutschland durchschlägt und es nach vielen Anstrengungen schafft, dass man sie nach Wien zu ihrem Schwiegervater ziehen lässt.

Währenddessen kämpft Rudi in Auschwitz bereits darum, die Mutter seines Kindes ehelichen zu drüfen. Die Befehlshaber, wie beinahe jeder andere, dem Rudi in seinem Leben begegnet ist, mögen den Wiener. Er hat Charme und Humor, außerdem ist er alles andere als dumm. Um seinen Hochzeitsantrug voranzutreiben behauptet er, Marga bereits in Spanien geheiratet zu haben. Allerdings habe die Regierung nach Ende des Bürgerkrieges die Ehe wie so viele andere für ungültig erklärt.

Tatsächlich wird seinem Antrag Anfang 1944 stattgegeben. Warum, das weiß niemand mit Sicherheit. Wahrscheinlich ist, dass die Nazis Auschwitz nach außen hin verharmlosen wollten. "Bei uns in Auschwitz kann man sogar heiraten!" Vermutlich wurde diese Begebenheit zu Propagandazwecken genutzt.
Da Rudi das Lager nicht verlassen darf, wird Marga, ihren Kind Edouard, dem Schwiegervater Clemens Friemel und Rudis Bruder erlaubt, Auschwitz für einen Tag und eine Nacht zu betreten.

Am 18. März 1944 um 11 Uhr schließen Rudolf Friemel und Margarita Ferrer im Standesamt Auschwitz, in dem sonst nur Todesmeldungen bearbeitet wurden, den Bund fürs Leben. Rudi trägt ein mit Rosen besticktes Hemd. Die Nacht verbringen sie in einer Zelle des Lagerbordelles, das zu diesem Zweck für eine Nacht geräumt wird.

Marga muss das Lager am nächsten Tag wieder verlassen. Und Rudi beginnt mit mehreren anderen einen Ausbruch zu planen. Nicht einmal für sich selbst, auch wenn er wohl vorhatte zu einem späteren Zeitpunkt zu fliehen. Doch die Aktion läuft schief und irgendwie fällt der Verdacht auf Rudi Friemel, Ernst Burger und Ludwig Vesely. Sie werden am 30. Dezember 1944 vor allen angetretenen 15.000 Häftlingen am Appellplatz gehängt. Rudi trug sein mit Rosen besticktes Hochzeitshemd.

Meinung
Was wohl am Wichtigsten ist: Die Hochzeit von Auschwitz hat es tatsächlich gegeben. Das Buch selbst beruht auf Augenzeugenberichten von den verschiedensten Personen. Marina Ferrer, die Schwester Margaritas. Edouard Friemel. Norbert Friemel, Rudis Kind aus erster Ehe. Ein Spanienkämpfer aus Wien. Die Leidensgefährten in Auschwitz, zwei Totenschreiberinnen im Standesamt des Lagers. Und Briefe, von Rudi, von Marga, von Rudis Vater.

Tatsächlich besteht das Buch fast nur aus den Berichten dieser Menschen, deshalb weist die Geschichte auch Lücken und manchmal sogar Widersprechungen auf. Das macht es unglaublich authentisch. Man weiß einfach auf jeder Seite, dass dies alles wirklich passiert ist.

Erst gegen Ende tritt der Autor Erich Hackl auf, in imaginären Gesprächen mit dem Toten, Rudi Friemel. Zumindest habe ich es so interpretiert. Es sind nämlich nur drei Stellen auf den letzten Seiten, nicht besonders lang, und zuerst weiß man da auch gar nicht, womit man es jetzt plötzlich zu tun hat.
Wo ich schon dabei bin, es ist überhaupt eine ganz andere Erfahrung dieses Buch zu lesen. Die Erinnerungen der Zeugen sind kurz gehalten, gehen höchstens über drei oder vier Seiten. Und meistens muss man erst einige Zeilen lesen, bevor man eine Ahnung hat, wer gerade spricht. Das Lesen war aber keineswegs so schlimm wie das jetzt klingt. Denn innerhalb eines Kapitels erzählen meistens nur 3 oder 4 Personen, die sich abwechseln.

Die Hochzeit von Auschwitz enthält Dokumente des 2. Weltkrieges, die man nicht in einem Schul-Geschichtsbuch findet, schon gar nicht in irgendwelchen Todes-Statistiken. Gerade deshalb kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Es ist mit 180 Seiten sehr kurz, innerhalb weniger Stunden zu lesen, und eignet sich bestimmt auch gut, um es in der Schule vorzustellen.

Außerdem gibt es noch ein zweites Buch von Erich Hackl, das ebenfalls eine wahre Geschichte, geschehen während des 2. Weltkrieges, aufgreift. Abschied von Sidonie haben wir letztes Jahr in Deutsch gelesen und besprochen. Ich kann es jedem, der sich für die Zeit interessiert, wirklich nur ans Herz legen.

Bewertung
Nichts anderes als 5 Blümchen, würde mir nicht einfallen, dem Buch weniger zu geben.




2 Kommentare:

Lisa hat gesagt…

Klingt wirklich interessant!
Und vor allem ist es einfach so unglaublich, dass die zwei da wirklich geheiratet haben sollen...aber es soll ja immer und zu jeder Zeit Wunderliches geschehen...

Abschied von Sidonie hab ich ja auch mal vor ewigen Jahren gelesen...das war traurig T-T

Stefanie Emmy hat gesagt…

Auf der Rückseite des Covers ist sogar ein Hochzeitsfoto mit ihrem Sohn drauf. Ich hab leider nur das eine, das im Post ist, gefunden, und das auch nur, weils auf dem Cover der englischen Ausgabe drauf ist.
Aber bei dem Foto auf dem deutschen Buchcover steht dabei: Besitz Familie Friemel/Museum Auschwitz. Also ich nehme an, dass das Foto auch in Auschwitz ausgestellt ist. Wäre interessant, sich das dort mal anzusehen.

Abschied von Sidonie ist eindeutig trauriger als Die Hochzeit von Auschwitz. Bei Sidonie ists mir richtig kalt hinuntergelaufen am Ende, aber bei der Hochzeit geht es mehr um Hoffnung. Rudi Friemel hat auch immer gehofft, das Lager zu überleben um dann am Wiederaufbau mitzuarbeiten.