28. Januar 2010

Paolo Giordano - Die Einsamkeit der Primzahlen

Klappentext
"Mattia hatte gelernt, dass es Paare von Primzahlen gab, zwischen denen immer eine gerade Zahl stand, die verhinderte, dass sie sich berührten. In Mattias Augen waren sie beide, Alice und er, genau dies: Primzahlen, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um einander wirklich berühren zu können."

Ein einziger Tag in ihrer Kindheit, so scheint es, hat über ihr ganzes Leben entschieden. An einem solchen Tag verlore Alice für immer ihre Lebenslust und das Vertrauen zu ihrem halsstarrigen Vater. Mattia hingegen verlor mit sechs Jahren seine Schwester, deren Hilfsbedürftigkeit er nur ein einziges Mal missachtete. Seither quälen ihn Schuldgefühle, an die er niemanden heranlässt.

Sieben Jahre später lernen Mattia und Alice sich auf dem Gymnasium kennen. Die Anziehungskraft zwischen beiden scheint unwiderstehlich. Alice ist der einzige Mensch, dem Mattia wenigstens einmal seinen Schmerz zu offenbaren wagt. Doch mit den Jahren werden die Hindernisse, die sie einander unbewusst in den Weg legen, höher und höher.


Inhalt
Es ist ein einziger Tag, den Alice nie vergessen wird können. Der sie ihr ganzes Leben lang verfolgen wird: Sie ist sieben Jahre alt und stürzt beim Schifahren. Versteckt im Nebel, mit gebrochenem Bein bleibt sie mehrere Stunden im Tiefschnee liegen, bis man sie findet. Doch ihr eines Bein ist von nun an völlig steif.

Einen solchen Tag gibt es auch in Mattias Leben. Seine Zwillingsschwester ist geistig behindert und auf ihn angewesen. Doch an einem Nachmittag lässt er sie im Park zurück, um nur ein paar Stunden er selbst sein zu können. Womit er nicht gerechnet hat: Michela verschwindet spurlos und Mattia muss von nun an mit der Schuld leben.

Als Alice und Mattia 15 sind begegnen sie sich in der Schule, doch schon in diesem jungen Alter liegen Berge von Schmerz und Selbstzerfressenheit zwischen ihnen.
Mattia fügt sich selbst Schmerzen zu, schneidet sich regelmäßig in die Hände und vergräbt sich in seinen Schulaufgaben.
Alice hat da ganz andere Dinge im Kopf. Sie will dazu gehören, frei von ihren Eltern sein, lässt sich aus Protest heimlich ein Tattoo stechen.

Nur wenige Jahre später sind die beiden immer noch befreundet, doch während Mattia mit 23 sein Mathematik-Diplom macht, hat Alice das Studium abgebrochen und sich in den Kopf gesetzt, Photographin zu werden. Plötzlich scheint auch ihre Beziehung zueinander auf der Kippe zu stehen, als Mattia ein Jobangebot aus dem Ausland erhält und dieses annimmt.

Jahrelang haben sie nur sporadischen Kontakt, aber dann passiert etwas Unglaubliches. In der kurzen Nachricht, die Alice Mattia zukommen lässt, bittet sie ihn zurück nach Italien zu kommen. Dabei ist sie sich selbst nicht sicher, ob sie dies nur tut, um nach den durchgestandenen Eheproblemen mit ihrem Mann Fabio ihre Gefühle zu Mattia zu testen.


Meinung
"Die Einsamkeit der Primzahlen" ist tatsächlich so aufgebaut, wie eben in der Inhaltsangabe dargestellt. Mit großen Zeitsprüngen dazwischen. Insgesamt erstreckt sich die Handlung von 1983 bis 2007.

Die Handlung erschien mir beim Lesen auch entsprechend flott, das Einstellen auf die so rasch voranschreitenden Altersstufen der Protagonisten hat mich auch nicht gestört, weil der Autor es versteht, den Leser direkt zur momentanen Situation zu führen ohne lange drum herum zu reden.

Was ihm dagegen nicht so reibungslos geglückt ist, ist das Heranführen des Lesers an Alice und Mattia. Ich hatte auf den ganzen 360 Seiten nicht einmal das Gefühl, die beiden wirklich kennen gelernt zu haben. Manchmal dachte ich, oh ja, genau so geht es mir auch oft, aber das wars dann auch schon. Ich konnte Alice und Mattia zwar vor mir sehen und akzeptieren, was sie dachten, aber wirklich verstanden habe ich sie und ihre Handlungen nicht.

Damit habe ich meine negative Kritik aber auch schon abgeschlossen. Ansonsten ist das Buch nämlich richtig gut! Besonders die Sprache fand ich ganz toll, weil Paolo Giordano so viele wunderbare Vergleiche für das Gefühlsleben seiner Protagonisten findet und dieses mit einer beeindruckenden Leichtigkeit schildert.

Der Autor, der 1982 geboren wurde, ist übrigens der jüngste Preisträger des Premio Strega, des wichtigsten Literaturpreises Italiens. "Die Einsamkeit der Primzahlen" war das meistverkaufte Buch Italiens im Jahr 2008.


Bewertung

10 Kommentare:

Karolin hat gesagt…

Irgendwie erinnert mich das Gesicht auf dem Cover an Emma Watson. Geht das nur mir so???
Schöne Rezension!

Stefanie Emmy hat gesagt…

Doch irgendwie schon ... Ich muss aber eigentlich dauernd an eine weibliche Version von Daniel Brühl denken *g*

Karolin hat gesagt…

Ja, das haut auch hin. ;)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Gut, doch nicht verrückt xD Ich versuch jetzt aber, Emma Watson zu sehen, das macht sich irgendwie besser ;)

Lisa hat gesagt…

Hm, das Buch hab ich meiner Mutter zum Geburtstag geschenkt :)
Da ich es dann ja auch lesen werden (hehe) bin ich schon gespannt :D Ich hab bisher nämlich nur gutes gehört.

Außerdem les ich jetzt (da ich Vampire Diaries 1+2 durchhab) Saphirblau!!!

Stefanie Emmy hat gesagt…

Bin gespannt, wie du es finden wirst :)

Oh ja, Saphierblau *seufz* Viel, viel Spaß damit! Genieß es, schließlich musst du danach wieder ganz lang warten ;)

Nina [libromanie] hat gesagt…

Ok, du hast mich überzeugt. Ich will das Buch. ;)

Liebe Grüße + ein schönes Wochenende,
Nina

Lisa hat gesagt…

Bin schon durch damit - hach...ich bin immer mehr begeistert ... Hoffentlich wird Smaragdgrün wirklich ganz dick :D

Cara hat gesagt…

Wie mathematisch ist es denn eigentlich gewesen? ;-)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Nicht sonderlich ^^ Ab und zu kommt was vor, aber so speziell kann ich mich nur an den Primzahlen-Vergleich erinnern, der in Grundzügen schon im Klappentext steht. Den fand ich übrigens echt schön - könnte auch daran liegen, dass ich Mathe entspannend finde xD (Ich bekomme immer wieder zu hören, dass das verrückt ist ... ^^)
Also nichts wovor man sich fürchten müsste, keine mathematischen Ausschweifungen oder sonstiges ;)