3. Februar 2010

Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray

Klappentext
Lord Henry Wotton, ein geistreich-zynischer Dandy, verführt den unverdorbenen, bildschönen Jüngling Dorian Gray dazu, sich ganz der sinnlichen Lust und dem Vergnügen hinzugeben. Vor seinem gemalten Porträt äußert Dorian einen "wahnsinnigen Wunsch": Das Bildnis möge altern, er selbst aber ewig jung, schön und genussfähig bleiben. Dorian beginnt ein wildes, ausschweifendes Leben und verliert in seinen exzentrischen Abenteuern die letzten moralischen Hemmungen. Sein Bildnis jedoch, der "Spiegel seiner Seele", zeigt den Verfall: seinen Identitätsverlust, der ihn schließlich in die Katastrophe führt.


Inhalt

WARNUNG: Sehr ausführlich! (Falls ihr das Buch lesen wollt - was ich nur empfehlen kann - könnte es sein, dass ein paar Dinge inklusive dem Ende vorweg genommen werden)

"Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde beginnt mit einem Gespräch zwischen dem Maler Basil Hallward und seinem Freund Lord Henry Wotton. Die beiden unterhalten sich über das Objekt von Basils jüngstem Gemälde, ein Potrait des jungen, von aller Welt als wunderschön beschriebenen Dorian Gray. Basil Hallward beschreibt ihn als die Muse seiner Kunst, er sei für ihn unentbehrlich, praktisch das letzte Quäntchen, das seiner Kunst noch gefehlt hat. Und tatsächlich: Das Gemälde, das Basil Hallward von Dorian Gray malt, ist das beste seiner Werke.

Gleich darauf kommt eben jener Dorian Gray auf Besuch, um Basil ein letztes Mal zu sitzen. Doch das Zusammentreffen mit Lord Henry Wotton hat unvorhersehbare Änderungen in seinem Leben zur Folge. Lord Henry nämlich setzte Dorian den Gedanken in den Kopf, dass Jugend und Schönheit das Beste sind, was einem Menschen passieren kann.
Zu dieser Zeit ist Dorian noch völlig unschuldig und außerdem stark beeinflussbar - besonders von einem Mann wie Henry Wotton, dessen zynische, skeptische Weltansicht ihn fasziniert.

Als Basil Hallward Dorians Portrait beendet, tritt dieser vor sein Bild und kann nicht anders als seine eigenen Schönheit zu bewundern. Noch vor den beiden anwesenden Männern spricht er den Wunsch aus, das Bildnis möge an seiner statt altern und all die Wunden seiner Seele tragen, während er selbst auf ewig seine Jugend und Schönheit bewahren sollte. Ohne es zu wissen geht sein Wunsch in Erfüllung.

Dorian Gray verbringt immer mehr Zeit mit Henry Wotton, die beiden werden zu Freunden, wobei Dorian in gewisser Weise von Lord Henry abhängig ist. Auch als sich Dorian in die junge Schauspielerin Sibyl Vane verliebt, brennt er darauf, sie Lord Henry vorzustellen. Zusammen mit Basil Hallward besuchen die beiden Männer eine Vorstellung, in der Sibyl aber so schlecht spielt, dass sich Dorian Gray in Grund und Boden schämt.
Anschließend an die Vorstellung weist Dorian das junge Mädchen aufs heftigste zurück, doch schon am nächsten Tag erfährt er, dass sich Sibyl Vane aus Liebe zu ihm das Leben genommen hat. Sein einziges Glück ist, dass niemand aus ihrer Verwandtschaft seinen Namen kennt.

Als Dorian das nächste Mal sein Bildnis betrachtet glaubt er seinen Augen nicht zu trauen: Die Pinselstriche haben sich eindeutig verändert! Da ist dieser scheußliche Zug um den Mund, der seinem Portrait etwas Hinterhältiges verleiht und Dorian weiß, dass seine Schuld an Sibyls Tod dafür verantwortlich ist.

Dorian Gray beginnt ein exzessives Leben zu führen und trotz all seiner Sünden und der Jahre, die an ihm vorbei gehen, verändert er sich in seinem Aussehen nicht. Nur sein Bildnis zeigt die Veränderungen und Dorian beginnt sich, davor zu grausen, sodass er es in einem Zimmer seines Hauses wegsperrt.

Doch eines Tages, er ist bereits weit über 30, kommt der Schöpfer des Bildes zu Besuch, um Dorian von den Gerüchten zu berichten, die in London über ihn die Runde machen. Er hätte Leben zerstört, das Leben von Leuten, die seinen Umgang einmal geschätzt hätten.
Dorian lässt sich davon nicht beeindrucken, beschließt hingegen, sich endlich einem Menschen zu offenbaren. Doch dieser Mensch hat nur Schockiertheit und Furcht für ihn übrig. Dorian begeht zum ersten Mal von eigener Hand einen Mord und lässt die Leiche erfolgreich verschwinden.

Nur wenige Jahre später hohlt ihn jedoch die Vergangenheit in Form von Sibyl Vanes Bruder ein, der endlich die Identität von Sibyls Mörder in Erfahrung bringen konnte. Fast zur selben Zeit beschließt Dorian Gray, sich zum Besseren zu verändern. Doch er muss erkennen, dass dies lediglich in Selbstbetrug endet. Und er begeht seinen letzten Mord: Mit einem Messer sticht er auf sein völlig entstelltes Portrait ein und tötet sich damit selbst.


Meinung
Drei Buchstaben: W O W!
Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, als ich das Buch letzten Sonntag angepackt habe. Klassiker habe ich sonst eigentlich immer nur für die Schule gelesen - und das waren alles Klassiker des deutschen Sprachraumes. Ich bin nun wirklich nicht davon ausgegangen, dass dieses Buch so spannend sein würde!

Am Anfang war es etwas seltsam in die ungewohnte Sprache hineinzukommen, die zwar etwas geschwollen daherkommt, aber bestimmt nicht unangenehm geschwollen - ich hätte es mir viel schlimmer vorgestellt nachdem ich Werke von Schiller, Goethe, Storm und co. gelesen hab (Storm habe ich übrigens in keiner guten Erinnerung - kann aber auch daran liegen, dass wir den Schimmelreiter mit 14, 15 Jahren reingedrückt bekamen -.-).
Nach dem ersten Kapitel hatte ich mich auch schön in die Sprache eingelesen. Besonders die Dialoge sind wundervoll, durchdacht, präzise, treffend. Inzwischen verstehe ich, warum das Buch bei seinem Erscheinen einen Skandal ausgelöst hat, denn Oscar Wilde nimmt sich was seine Landsleute anbelangt wirklich kein Blatt vor den Mund.

Die Handlung finde ich sowieso genial. Wäre das Buch nicht im 19. Jahrhundert geschrieben worden, ich bin mir nicht sicher, ob je ein anderer Schriftsteller auf so einen wunderbaren Gedanken gekommen wäre. Das Portrait zum Spiegel der Seele zu machen. Ich kann nur staunen.
Und dabei vergisst Oscar Wilde auch nicht darauf, ein paar Botschaften mit hinein zu stecken. Es sind so viele, wahrscheinlich habe ich gar nicht alle erfasst. Nur eine wichtige möchte ich hier mit euch teilen, nämlich die, dass Wilde mit dem gegen Ende des Buches langsam verzweifelnden Dorian Gray zeigt, wie einem unbedachte Wünsche schlussendlich auf den Kopf fallen können.

In dem ganzen Buch gab es nur einen Stelle, die mir etwas zu ausschweifend vorkam, nämlich als mehrer Jahre aus Dorians Leben für den Leser zusammengefasst werden, in denen er sich mit allen möglichen Dinge, angefangen bei Musik bis hin zu Stickerei, befasst hat. Das sind etwas weniger als 10 Seiten, von denen ich dann auch - wie ich gestehen muss - den ein oder anderen Absatz mit endlosen Aufzählungen übersprungen habe. Das hat aber keineswegs mein Lesevergnügen getrübt.

Fazit: Ich muss wohl mehr von den Dingern, die wir Klassiker nennen, lesen.


Noch eine wichtige Information, die ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte und die der eigentliche Grund dafür war, dass ich das Buch gelesen habe:
Schon im September startete die neue Verfilmung des Wilde-Klassikers in den englischen Kinos. Ich wollte den Film schon damals unbedingt sehen, weil Ben Barnes *schmacht* die Hauptrolle spielt. Am 18. März 2010 startet der Film auch endlich in den deutschen (und hoffentlich österreichischen) Kinos :D




Bewertung
Wie man eben sicher bemerkt hat, ich bin ganz hin und weg von dem Buch. 5 Blümchen!

11 Kommentare:

Karolin hat gesagt…

Oh Mann, ich bin total froh, dass du das Buch so toll fandest. Ich habe das Buch während des Studiums gelesen und dazu sogar eine Hausarbeit verfasst und war vollkommen begeistert. Das Buch war der Hammer! Ich freue mich schon tierisch auf den Film, die Vorschau war einfach klasse. Und: Ja, es lohnt sich, englische Klassiker zu lesen!!! Definitiv. Von den deutschen Klassikern bin ich auch nicht so überzeugt (obwohl ich den Schimmelreiter mochte ^^). Aber ich bin ja auch Anglistin. :D

booksloverin hat gesagt…

Die Verfilumg ist auch mein Grund, wieso ich dieses Buch noch unbedingt lesen muss!!
Ich warte auch schon sehnlichst auf den Film (Ben Barnes<3) und ich gehe nur ungern in eine Literaturverfilumg ohne das Buch gelesen zu haben. Deswegen muss ich mich jetzt auch ranhalten.
Die Rezension hab ich nicht gelesen, weil ich mich nicht spoilern lassen wollte, aber deine Meinung hat mich nur noch mehr überzeugt :D

Stefanie Emmy hat gesagt…

@Karolin: So langsam bin ich auch davon überzeugt, dass englische Klassiker viel besser sind. Jane Austen, die ich leider noch nicht fertig gelesen habe, fand ich auch total super, während ich mich bei deutschen Klassikern meistens zum Lesen überreden musste (mit wenigen Ausnahmen).
Ich checke schon jeden Tag die Internetseite meines Kinos, aber bisher ist Dorian Gray noch nicht gelistet. :( Wenn die DAS nicht spielen, renn ich ihnen die Bude ein. Immerhin sind sie auch meinem Rat gefolgt und haben New Moon auf Englisch gezeigt, nachdem ich ihnen höftlichst (xD) erklärt habe, dass die deutsche Synchro zum Vergessen ist. ;)

@booksloverin: Lies das Buch auf jeden Fall! Ich denke mal, dass beim Film ein paar Sachen verändert wurden - bin mir sogar sicher, nachdem ich bei IMDB die Darstellerliste mit Rollen durchgesehen habe - und das geht dir dann vielleicht ab wenn du das Buch erst im Nachhinein liest.
Lass mich doch wissen, wie es dir gefallen hat, würde mich wirklich interessieren ob das Buch bei anderen auch so gut ankommt. :)

Lisa hat gesagt…

Naja, die Geschichte ist ja nicht umsonst weltbekannt :D
Sehr interessant finde ich dann immer wieder Adaptionen, wie in "Die Liga der Gentlemen" oder (grad eben fertig gelesen) die Figur des Aphroditen Dorian (man beachte nur den Vornamen!) Steerforth. Hat mich ungemein fasziniert - ich glaub, ich sollt Dorian Gray bei Gelegenheit nochmal lesen - ich hab eine 3-Bücher Sammlung mit allen seinen Werken, wobei man bei einigen ja sehr seine sexuelle Veranlagung bemerkt +hust+

Übrigens, und ein ganz anderes Thema: Du solltest wirklich "Die Assassine" von Joshua Palmatier lesen - ich bin grad beim zweiten Teil und selten so fasziniert gewesen von einer Geschichte.

Lisa hat gesagt…

Ups, ich mein natürlich die Figur des Aphroditen in Lycidas von Christoph Marzi :D

Stefanie Emmy hat gesagt…

Die Liga hab ich vor Jahren mal gesehen, aber damals noch nicht so ganz alles überrissen, muss mir den Film bei Gelegenheit nochmal ansehen.

xD Hab mir bei deinem ersten Eintrag gedacht, der Name Dorian Steerforth kommt mir SEHR bekannt vor, aber erst nach dem zweiten Eintrag wusste ich, woher *g* Ist ber glaub ich im zweiten Teil, Lilith. Emily verliebt sich ja in den Typen, das tut sie glaub ich erst im 2. Teil. Wo wir grade dabei sind, Lumen muss ich auch endlich mal lesen! Vl hab ich in den Ferien Zeit, wenn dann muss ich das nämlich möglichst am Stück lesen und das geht nur wenn ich mindestens 3 Tage frei hab ^^
Und Die Assassine steht auf meiner Liste! :)

Lisa hat gesagt…

Also, Dorian kommt in Lycidas 2. oder 3. Part vor. Der ist ja Schuld daran, dass Aurora stirbt.
Ich hab Lilith und Lumen schon schön da stehen, aber die müssen mal eine Weile warten - erst kommen die anderen Bücher dran :D

Stefanie Emmy hat gesagt…

Aja! Stimmt! Das in Lilith war ein anderer, hab ich jetzt verwechselt - in den Büchern passiert ja auch so viel, da kann man schon mal durcheinander kommen. :D

Cara hat gesagt…

Das wurde verfilmt?? Das ist ja völlig an mir vorbeigegangen. Dorian Gray war damals mein Facharbeitsbuch, deshalb habe ich so eine leichte Hassliebe dazu entwickelt, aber der Film bietet natürlich eine tolle Motivation das ganze jetzt nochmal zu lesen (...und sich mit dem Buch auszusöhnen ?)

Katrin hat gesagt…

Danke für den Hinweis am Anfang der Rezension, ich werde sie dann lesen wenn ich es auch gelesen habe :) Da ich die Verfilmung ansehen will, lese ich das Buch auf jeden Fall vorher... also in absehbarer Zeit ;) Der Trailer macht richtig Lust auf das Buch, ist aber auch ziemlich gruselig. Ist das Buch sehr fürchterlich (ohne zu viel zu verraten?)?
Beste Grüße
Katrin

Stefanie Emmy hat gesagt…

@Cara: Wenn man gezwungen ist, das Ding bis ins kleinste auseinanderzunehmen und zu analysieren kann ich mir schon vorstellen, dass man dann eine Hassliebe - wie du so schön sagst - entwickelt. Und bei Dorian Gray gibts viel auseinanderzunehmen ^^

@Katrin: Das Buch ist gar nicht schlimm, zumindest verwendet Oscar Wilde keine allzu gruseligen Beschreibungen (natülich hängt das jetzt sehr von der Ausgeprägtkeit deines Kopfkinos ab ^^). Aber so prinzipiell würde ich sagen, dass der Film sicher gruseliger ist.