6. März 2010

Brom - Der Kinderdieb

Klappentext
Vergiss das Märchen - erlebe das Abenteuer!

Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie - und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr ...


Inhalt
Als Peter geboren wird, glauben die Menschen noch an Feen und Waldgeister. Und sie fürchten sie. Als Peters Familie bemerkt, dass mit dem Säugling etwas nicht stimmt, verschleppen sie ihn in den Wald, um ihn dort für die wilden Tiere zurück zu lassen.
Doch der kleine Peter ist gerissen und schon bald führt er ein unbeschwertes Leben im Wald. Nur die Spielgefährten fehlen dem niemals alternden Kind, und die kann ihm auch die mystische Dame, eine der Göttinnen der Insel Avalon, nicht ersetzten.

Schon bald entführt Peter die ersten Kinder - Kinder, die allein sind und seine Hilfe brauchen. Kinder, die wie Peter die Erwachsenen hassen. Der Kinderdieb macht sie zu seinen Teufeln, einer Truppe Krieger, die die Dame und seine Heimat Avalon vor den gestrandeten Fleischfressern schützen soll.

Im Jahr 2006 trifft Peter auf Nick, der vor den Schlägern auf der Flucht ist, die seine Mutter ins Haus gelassen hat. Nick ist verzweifelt, hasst seine Mutter zutiefst, weiß nicht wohin. Genau die Sorte Kind, die Peter für die Verteidigung Avalons braucht.
Und schon wenig später findet Nick sich im Teufelsbaum wieder, in dem Peter seine Krieger ausbildet und für den Kampf gegen die Fleischfresser rüstet. Es dauert nicht lange, da kommen Nick Zweifel. Wofür genau soll er eigentlich kämpfen? Und weiß Peter wirklich, was er tut?


Meinung
Brom hat mit "Der Kinderdieb" ein Buch vorgelegt, das seine Reize hat. Diese werden schon auf den ersten Seiten wach, auf denen der Leser sofort erkennt, dass der Autor seine Geschichte nur in den Grundzügen an das bekannte Kindermärchen "Peter Pan" von James M. Berrie angelehnt hat. Denn "Der Kinderdieb" ist weit brutaler als ich den Stoff von den Disney- und Kinderbuchversionen her kannte. Brutal, aber dafür auch sehr viel realer und plastischer. Abgesehen davon gibt es aber noch sehr viele Aspekte mehr, die für die Lektüre dieses Buches sprechen.

Auf den ersten Seiten ist mir besonders die angenehm zu lesende Sprache ins Auge gestochen. Meiner Meinung nach ist gerade das die Vorraussetzung für ein Buch, das über 650 Seiten lesenswert sein will. Der Rest ist Draufgabe und entscheidet darüber, ob das Buch sein Versprechen hält und mir gefällt oder nicht.

Die sehr positive Draufgabe bei "Der Kinderdieb" ist ganz sicher Nicks Charakter, der einem schon nach wenigen Absätzen ans Herz wächst. Gerade Nick ist sehr realitätsnah, praktisch wie aus dem Leben gegriffen, geraten. Er hat Angst, er ist völlig verzweifelt und die Szenen am Anfang zeigen, dass er kein Übermensch ist, der sich gegen jeden wehren kann. Wie so viele andere Jugendliche in unserer Gesellschaft braucht Nick eine rettende Hand, die ihm in "Der Kinderdieb" von Peter gereicht wird.

Peter, der immer ein Kind bleiben wird und doch so wenig von einem glücklichen Kind, wie wir es uns gewöhnlich vorstellen, an sich hat. Er mordet, er ist skrupellos. Andererseits ist er nicht ohne Grund zu dem geworden, der er ist. Wie ein jedes Kind sucht er Geborgenheit und findet sie bei der Dame, die ihn in ihren Bann zieht und bewusst oder unbewusst, da bin ich mir nicht so sicher, seine Taten steuert.
Peter will seine Heimat verteidigen, der einzige Ort, an dem er sich je sicher gefühlt hat, und dass er deshalb zu den schlimmsten Mitteln überhaupt greift, kann ich sogar verstehen. Dieser Zwiespalt zwischen richtig und falsch ist auch einer der Reize, die mich beim Lesen so gefesselt haben.

Trotzdem muss ich auch anmerken, dass es im Buch immer wieder Längen gab, teilweise wurden für meinen Geschmack zu viele Details dargebracht, sodass ich das Gefühl hatte, streckenweise ginge die Handlung betreffend gar nichts weiter.
Für diese Hänger im Spannungsbogen wurde ich aber immer wieder entschädigt, gerade durch die eindrucksvollen Schilderungen rund um Nick und die gut gewählten Beschreibungen seines Lebens auf der Insel Avalon.

Avalon, das ist mein nächster Punkt. Anstatt auf Nimmerland lässt Brom seinen Peter auf Avalon leben, jener Insel, die auch in der Artuslegende eine große Rolle spielt. Und wie in der alten Legende flechtet Brom den Kampf zwischen Christen und Naturreligionen in seine Geschichte ein. Dieser Aspekt hat mir wirklich gut gefallen, vor allem deshalb, weil er die Handlung um ein gutes Stück vielschichtiger gemacht hat.
Passenderweise begegnen dem Leser in "Der Kinderdieb" alte britische Gottheiten wie zum Beispiel die Dame Modron, die wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit der Dame vom See, Morgan le Fay, aus der Artuslegende steht. Außerdem kommt der Gehörnte, ebenfalls einer der alten Götter, vor.

In der Handlung spielen des Weiteren die Fleischfresser eine große Rolle. Sie sind Menschen, die vor über 300 Jahren auf Avalon gelandet sind und die Insel dann wegen des Nebels nicht mehr verlassen konnten.
Während Kinder auf Avalon nicht mehr altern, verwandeln sich Erwachsene in schwarzhäutige, schuppige, aggressive Gestalten, die man nur sehr schwer töten kann. Und wie wir selbst, unsere Gesellschaft, die Erde immer mehr zu Grunde richten, zerstören die Menschen in "Der Kinderdieb" das paradiesische Avalon ohne sich Gedanken um die Folgen ihrer Handlungen zu machen. Diese Parallele hat mich förmlich angesprochen, weshalb ich sie auch hier erwähnt haben möchte.

Was natürlich auch sehr zu meinem Lesevergnügen beigetragen hat waren die Zeichnungen, die immer passend zum Inhalt am Kapitelanfang zu finden sind. Besonders die ersten beiden Bilder von Peter und Nick haben mir sehr gefallen. Als weiteres Extra befinden sich in der Mitte des Buches sogar noch acht farbige Darstellungen der wichtigsten Bewohner Avalons.

Zusammenfassend ist "Der Kinderdieb" eine gelungene Mischung aus Fantasie und schonungslos dargebrachter Realität. Gerade die letzten hundert Seiten strotzen nur so vor Kämpfen, durchbohrten Körpern und abgeschlagenen Köpfen. Aus diesem Grund ist Broms Roman in meinen Augen kein Kinderbuch, sicher aber eines für Jugendlich ab 13 oder 14, die das Märchen von Peter Pan einmal von einer ganz anderen Seite kennen lernen möchten.


Bewertung
Ich vergebe 4 von 5 Blümchen, weil mich die Längen zwischendurch schon ziemlich gestört haben, "Der Kinderdieb" im Großen und Ganzen aber ein äußerst lesenswertes Buch ist.





Dem PAN-Verlag herzlichen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

7 Kommentare:

Lisa O hat gesagt…

Ich bin grad in den letzten 120 Seiten... hachh... :D

pinketuerklinke hat gesagt…

Hört sich wirklich sehr interessant an. Aber die 650 Seiten schrecken mich dann schon ab. Ich neige dazu, bei allzu langen Büchern einige Seiten zu überspringen, auch wenn mir das Buch gefällt. Wenn ich mir deine Rezi durchlese, dann hat "Der Kinderdieb" das eigentlich nicht verdient:-P

Kari hat gesagt…

Ich glaube nun landet das Buch wirklich auch auf meiner Wunschliste ^^ Warum hab ich nur deine Rezi gelesen? Ach ja, weil die so gut war :D

Stefanie Emmy hat gesagt…

@Lisa: Bin schon auf deine Rezi gespannt ;)

@Laura: Damit bist du nicht allein, das kenn ich auch! Da muss ich mich dann immer selber an der Nase nehmen. Manchmal hilft es auch, wenn ich das Buch mal für eine halbe Stunde beiseite lege und was völlig anderes mach. Ist halt schwierig wenn man unbedingt das Ende wissen will *g*

@Kari: xD Oh mist, das tut mir Leid xD

Lisa O hat gesagt…

Ja...die 650 Seiten :D Ich muss sagen: für Anti-Schnell-Leser kann sich das dann schon ziehen xD Ich für meinen Teil fand aber nicht eine Seite langweilig :D

Miss Bookiverse hat gesagt…

Ach, ich wünschte mir hätte das auch so gut gefallen wie dir :/ Ich wollte es wirklich gut finden, aber mir war es einerseits viel zu lang und andererseits viel zu blutrünstig. Das stimmt zwar, dass es dadurch realistisch war und auch eine interessante Idee Peter Pan mal so zu zeigen, aber anscheinend ist mein Magen da nicht stark genug für. Und dann die ganzen sexuellen Anspielungen, die fand ich sehr platt und ungelungen.
Aber die Zeichnungen sind soooo schön <3 <3 <3 Ich muss noch mal was anderes von Brom lesen..

Stefanie Emmy hat gesagt…

Es ist wirklich sehr blutrünstig, da kann ich dir nur Recht geben. Das richtige Nervenkostüm wäre also nicht schlecht. ^^
Hm, die sexuellen Anspielungen. Ich muss gestehen, als das erste Mal etwas in der Art vorkam (die Stelle mit der grünen Hexe war das glaub ich) hab ich auch mal kurz das Buch zugeklappt und überlegt, ob das jetzt wirklich so gemeint ist. Aber später dann hatte ich eigentlich kein Problem mehr damit - zumindest kann ich mich an keins mehr erinnern. Jedem gefallen tut das aber sicher nicht. ^^

Über die Zeichnungen kann man wirklich nur schwärmen! Jetzt wo dus sagst: Ich hab Brom noch nicht mal gegoogelt! :O Das wird augenblicklich nachgeholt ;D