8. März 2010

Lia Hills - Leben ist auch keine Lösung

Klappentext
Seine Mutter verunglückt bei einem Autounfall. Auf ihrer Beerdingung verliebt er sich zum ersten Mal unsterblich in eine junge Frau. Tod – Liebe. Wie kann das eine so selbstverständlich neben dem anderen stehen? Überfordert von den einschneidenden Ereignissen in seinem Alltag, macht sich Will auf die Suche. Auf die Suche nach Wahrheit und nach einem leitfaden durch diesen Irrgarten, der sich Leben nennt. Nach einem Sinn, der die eigene Existenz rechtfertig. Sterben kann ja wohl jeder. Aber wie um alles in der Welt lebt man?

"Mum, du hast mir nie gesagt, was ich tun soll, wenn du stirbst, aber das hättest du tun sollen, denn schließlich ist es das Einzige, dessen wir sicher sein können. Am Ende kriegt der Tod uns alle. Und dann sehe ich sie, dieses Mädchen, umrahmt vom Licht des Fensters. Lange Haare, ewig lange Beine und ein tolles Lächeln, das sie beizubehalten versucht, während sie mit meinem Vater redet. Sie berührt ihre Lippen mit den Fingern und plötzlich schmecke ich Schokolade. Ich bin echt super, was schlechtes Timing angeht. Nur ein Unmensch kann jetzt an Liebe denken."


Inhalt
Will ist 17, steht kurz vor den Abschlussprüfungen, als seine Mutter von einem Auto überfahren wird. Er weiß nicht wie er damit umgehen soll, auch sein um sechs Jahre älterer Bruder, der für die Beerdigung nach Hause kommt, und sein Vater können daran nichts ändern.

Noch auf der Beerdigung fällt Will ein Mädchen auf, das unter all den dunkel gekleideten Menschen ein weißes Kleid trägt. Sie spricht mit seinem Vater, doch eigentlich rechnet Will nicht damit, sie jemals wieder zu sehen.

Doch schon wenige Tage später sind Will und seine Familie bei alten Freunden, von denen ihm seine Eltern nie erzählt haben, zum Essen eingeladen. Und wie es der Zufall so will, steht Will Taryn auf einmal wieder gegenüber. Die beiden verlieben sich ineinander und mit Taryns Hilfe versucht Will, einen Weg zu finden, mit dem Tod seiner Mutter fertig zu werden.
Will beginnt, Philosophie-Bücher zu wälzen, durch die Kamera seiner Mutter die Welt zu betrachten, die Meinungen östlicher mit denen westlicher Philosophen und Schriftsteller zu vergleichen, seine Existenz zu hinterfragen. Und langsam kommt er dem Geheimnis auf die Spur. Oder gibt es am Ende gar kein Geheimnis?


Meinung
Ich hoffe, ich bringe das jetzt richtig rüber.
Also, folgendes: Ich fand das Buch einfach großartig! War sofort dabei - bonding mit den Figuren sozusagen -, der Erzählstil ist meiner Meinung nach genau richtig gewählt, die philosophischen Überlegungen waren toll. Und gleichzeitig bin ich mir sicher, dass es Leute geben wird, die können mit diesem Buch, mit den Figuren, mit dem Erzählstil und den philosophischen Fragestellungen rein gar nichts anfangen.

Ich fange mal mit den Figuren an.
Will ist ein Charakter, den ich sehr gut verstehen kann. Er macht sich Gedanken über alles Mögliche, versucht den Sinn dahinter zu ergründen und etwas möglichst von allen Seiten zu betrachten. Im Großen und Ganzen ist er ein absoluter Kopfmensch, denkt immer nach, bevor er etwas tut. Obwohl Will sich so intensiv mit dem Tod beschäftigt, weiß er aber auch, dass das Leben überwiegen sollten und vor allem weitergehen muss.

Taryn geht im Gegensatz zu Will mehr aus sich heraus, ergreift die Initiative (auch was Will angeht), ist aber - das ist ein ganz wichtiger Faktor im Buch - auch dazu bereit, Wills Probleme zu akzeptieren und mit ihm darüber zu sprechen. Durch Taryns Schwester Samara, die einige Jahre in Pakistan verbracht hat, schafft es die Autorin außerdem, dass des Öfteren ganz verschiedene Ansichten auf Leben und Tod aufeinanderprallen.

Ein weiterer sehr spezieller Aspekt von "Leben ist auch keine Lösung" ist der Erzählstil. Will erzählt in der Ich-Form und in der Gegenwart. Am Anfang etwas seltsam, weil man ja doch mehr Bücher liest, die in der Vergangenheits-Form geschrieben sind, aber mit der Zeit sehr passend, weil man als Leser das Gefühl hat, Will direkt - ohne eine zeitliche Barriere - zu verfolgen.

Die philosophischen Theorien, die im Buch angesprochen werden, waren teilweise neu für mich, andere kannte ich schon wie zum Beispiel Platons Kugelmenschen-Theorie. Für mich war auf jeden Fall einiges an neuem Nachdenkmaterial dabei und vielleicht hätte ich das Buch zwischendurch aus der Hand legen und mir direkt Gedanken machen müssen, weil ich schon jetzt fast nichts mehr weiß. Auf jeden Fall ein Grund, das Buch später noch einmal zu lesen.

Insgesamt ein sehr bewegendes, eindrucksvolles Buch, das einerseits eine zerrissene Familie, andererseits die Sonnen- und Schattenseiten junger Liebe aufzeigt, und garniert ist mit den verschiedensten philosophischen Zitaten.

Man merkt vielleicht, "Leben ist auch keine Lösung" ist mehr etwas für Leute, die selbst eher Kopfmenschen sind - zumindest kommt mir das so vor, ihr dürft mich aber auch gerne von Gegenteil überzeugen. ;)
Um noch mal auf den Anfang zurückzukommen: Ich empfehle euch, die Leseprobe auf der Seites des Verlages zu lesen (-> hier entlang <-) - die bietet einen sehr guten Einblick - bevor ihr euch das Buch zulegt. Es wäre schade, wenn man an das Buch von einer völlig falschen Warte aus herangeht und es einem dann überhaupt nicht gefällt.


Bewertung
Von mir gibts 5 Blümchen, das Buch liegt genau auf meiner Schiene.





Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars dem script5-Verlag!

8 Kommentare:

Lisa O hat gesagt…

Das klingt wirklich gut. - Werde ich auf jeden Fall einmal näher betrachten :D

Toll rezensiert, übrigens, denn mit dem Klappentext kann man ja erst nicht 100%ig was anfangen :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Ich könnte mir vorstellen, dass es schon was für dich ist. :)

Und danke ^^ Wunder mich, dass es was geworden ist, weil ich es ziemlich eilig hatte *hust* ;)

Lisa O hat gesagt…

Ja, und ich vertrau dir, du kennst ja meinen Geschmack ganz gut :D

xD Warum hattest du es denn eilig? (Merkt man aber wirklich nicht!) Da fällt mir ein... wie ich die Rezi zu Der Kinderdieb geschrieben hab, war es halb 1 morgens und mir sind dauernd die Augen zugefallen xDDD Ich glaub, manchmal schreibt wer anderer für uns :D

Stefanie Emmy hat gesagt…

Ach, noch ein paar Mitschriften auf den Computer übertragen. Wäre wahrscheinlich weniger aufwendig in der Vorlesung direkt am Laptop mitzuschreiben, aber der ist mir meistens zu lästig zum mitnehmen ;)

Also DAS merkt man sowas von gar nicht xDD

Cara hat gesagt…

ich frage mich gerade, warum mir DAS cover im Buchladen noch nicht aufgefallen ist..,

tolle Rezension! werde ich mir auf jeden Fall merken

Lisa O hat gesagt…

Ja, ich schreib auch immer mit der Hand mit, obwohl die nacher immer so weh tut xD Aber lieber schmerzende Hand, als gebrochene Schulter vom Laptop-Schleppen xD
Zum Glück schreib ich leserlich xD

+puh+ Glück gehabt xDD

Stefanie Emmy hat gesagt…

@Cara: Das selbe hab ich mich auch gefragt. Ich muss jetzt die Woche mal in den Buchladen und schauen, ob sie's wirklich nicht haben. Das wär echt schade, weil das Buch in meinen Augen ziemliches Potential hat - zwar nicht für Mainstream, denn das ist es ganz sicher nicht, aber doch als Geheimtipp. ^^

@Lisa: xD Die Handschmerzen kenn ich, ich muss dann zeitweise den Stift immer ganz komisch halten, damit sich das wieder beruhigt. ;)
Mit mir studieren einige, die haben so ein nettes kleines Notebook. Die Dinger sind total leicht, nur sehen tut man halt nicht viel am Bildschirm. Aber nur zum mitschreiben müsste man das ja auch nicht ... mal sehen, irgendwie würds mich schon ansehn ... xD

Lisa O hat gesagt…

Von Netbooks halt ich nicht so viel, weil ich das dann nur zum Mitschreiben benutzen würd - und das wär dann einfach ein sehr teurer Block. Außerdem ist mir die Tastatur einfach viel zu klein xD Ich schreib wirklich sehr schnell am PC und wenn dann nicht alles so wie gewohnt bin, verlangsamt sich das Tempo dementsprechend -.- Da bleibt's bei mir doch eher bei Block und Stift :D