13. März 2010

Rainer M. Schröder - Die Medici-Chroniken. Hüter der Macht

Klappentext
Florenz: 1427. Ein Leben im Dienst der Medici - davon träumt der bettelarme Sandro. Und eines Tages führt ihn das Schicksal tatsächlich mit dem mächtigen Cosimo zusammen - dem Oberhaupt der reichsten Familie der gesamten Christenheit! In Florenz, wo Intrigen und Verschwörungen zum Alltag gehören, taucht Sandro in ein völlig neues Leben ein. Und sein Glück scheint vollkommen, als er auch noch auf das wunderschöne Sklavenmädchen Tessa trifft. Doch dann trüben sich die Wolken am Himmel. Nicht nur, dass Tessa mit einem Mal spurlos verschwunden ist - nun scheint sich auch noch eine finstere Verschwörung gegen die Medici zusammenzubrauen. Sandro ist der Einzige, der Cosimo noch helfen kann. Doch muss er Tessa dafür aufgeben?


Inhalt
Sandro Fontana hat sein Leben als Tagelöhner satt und macht sich auf den Weg nach Florenz, der Heimat seiner verstorbenen Eltern. Kurz bevor er sein Ziel erreicht, wird ihm ein unglaubliches Angebot unterbreitet: Er soll sich gegen fürstliche Entlohnung am Mordanschlag auf Cosimo de Medici beteiligen.
Doch Sandro hat seine ganz eigenen Vorstellung davon, wie dieser Anschlag aussehen soll, denn seine Familie steht seit Jahren in der Schuld der Medici. Er rettet Cosimo und der revangiert sich mit einer Anstellung für Sandro.

Keinen Tag später tritt Sandro seine Arbeit an und sein aufregendes Leben in Florenz beginnt. Innerhalb weniger Jahre arbeitet er sich nach oben, verdient sich das Vertrauen der Familie Medici und ganz besonders den Respekt von Cosimo de Medici.
Cosimo nämlich kann loyale Getreue mehr als nur gebrauchen, denn die konkurrierenden Florenzer Familien planen ein Komplott gegen ihn und den ganzen Medici-Clan.

In all den Jahren im Dienste der Familie Medici begegnet Sandro immer wieder dem jungen Sklavenmädchen Tessa, das ihm schon einmal unter etwas unangenehmeren Umständen auf seinem Weg nach Florenz begegnet ist.
Tessa wurde von Venedig nach Florenz verkauft und muss nun einer neuen Herrschaft dienen. Doch mit ihrer Herrin hat sie es nicht besonders gut getroffen.
Nur einmal in der Woche, am Sonntag nach der Morgenmesse, können sich Sandro und Tessa sehen, doch gerade diese Momente sind es, in denen sie sich nach und nach ineinander verlieben. Ihre Liebe aber scheint hoffnungslos, denn ihre Herrin will Tessa unter keinen Umständen von Sandro freikaufen lassen.


Meinung
Schon auf den ersten Seiten dieses neuen Romanes von Rainer M. Schröder war ich mir eigentlich sicher, dass das Buch für ein jüngeres Publikum, sprich so etwa zwischen 10- und 12-Jährige, geschrieben wurde. Dieser Vorstellung änderte sich aber spätestens als Sandro in Florenz ankommt und immer mehr in die politischen Geschehnisse runde um die Familie Medici hineingezogen wird.

Vielleicht kam dieser fälschliche erste Eindruck auch dadurch zustanden, dass die Handlung eher langsam ins Rollen kommt. Es dauert einfach ein bisschen, bis man sich als Leser in der Geschichte zurechtfindet und das ganze Geschehen in Schwung kommt.

Mit den Hauptcharakteren Sandro und Tessa hatte ich am Anfang so meine Probleme, weil sie kaum einen Makel zu haben schienen. Die beiden wurden eindeutig als Sympathieträger gewählt und spielen diese Rolle auch eine ganze Weile. Erst als Sandro immer mehr in die Politik der Stadt - und manchmal ist diese Politik alles andere als demokratisch und human - hineingezogen wird, muss auch er erkennen, dass eine Münze immer zwei Seiten hat - und nicht beide können hell und strahlend sein.

Die Handlung selbst erstreckt sich über ganze sieben Jahre. Da das Buch aber nur an die 540 Seiten hat, ist klar, dass die Vorkommnisse nicht so detailliert beschrieben werden wie in den vielen dicken historischen Wälzern, die ich schon gelesen habe.
Das überblicksmäßige Erzählen, das "Die Medici-Chroniken" unter anderem ausmacht, fand ich in diesem Fall sehr passend. Dadurch geht nämlich auch richtig was weiter, wie man so schön sagt, die Handlung bleibt niemals an einer Stelle kleben.

Zwei Punkte möchte ich noch ansprechen, die mir persönlich ganz besonders aufgefallen sind:
Erstens sollte man, wenn man dieses Buch lesen will, doch zumindest ein wenig an Geschichte interessiert sein, weil "Die Medici-Chroniken" keineswegs eine dieser historischen Liebesgeschichten mit ein bisschen Background-Schlacht ist.
Ganz im Gegenteil: Die Liebesgeschichte rund um Sandro und Tessa kommt eher langsam in Fahrt. Dafür legt der Autor seinen Fokus mehr auf die Intrigen und Verschwörungen im politischen Geschehen der Stadt Florenz, die manchmal etwas zu sehr ausarten, aber immer verständlich geschrieben sind. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich das Buch keinem 12-jährigen in die Hand drücken würde - außer natürlich er begeistert sich sehr für historische Fakten, das soll ja auch vorkommen.

Außerdem möchte ich noch einen richtig tollen Pluspunkt anbringen: Der Autor bemüht sich sehr, dass die Sprache seines Buches nicht den historischen Anklang verliert. So passiert Rainer M. Schröder zum Beispiel kein einziger "Moderne-Wörter"-Ausrutscher wie man das des Öfteren in historischen Romanen, speziell wenn sie Jugendlichen gefallen sollen, findet. So etwas stört mich immer sehr, weil es ganz einfach unpassend und vor allem unnötig ist.
Des Weiteren werden viele inzwischen nicht mehr gebräuchliche Ausdrücke verwendet, welche im Glossar am Ende des Buches erklärt werden. Außerdem finden sich im Anhang noch einige Stadtkarten von Florenz, die bei der Orientierung ganz hilfreich waren.

Im Nachwort, das ich zur Abwechslung mal wieder mit großem Interesse gelesen habe, deckt Rainer M. Schröder schließlich auf, was an seinem Buch fiktional ist und was den historischen Fakten entspricht. Natürlich darf man einen historischen Roman niemals für bare Münze nehmen, doch es ist schon immer wieder erstaunlich, was sich aus wirklich Geschehenem mit ein paar gut überlegten fiktionalen Handlungssträngen für ein gut bekömmliches Süppchen kochen lässt.


Bewertung
Gesamteindruck: 4 Blümchen





Herzlichen Dank an den Arena-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

5 Kommentare:

Auglia hat gesagt…

Deine Rezension habe gerade mit großem Interesse gelesen, da ich das Buch letztens schon in der Hand hatte, mir aber letztlich nur ne Leseprobe mitgenommen habe. Dein positiver Eindruck vom Buch hat mich nun überzeugt das Buch auf meine Wunschliste zu setzen ;-)

Lisa O hat gesagt…

Uh - erst hab ich mir gedacht: eher nicht für mich, aber als du dann über die historischen Aspekte zu schreiben begonnen hast, hat es doch wieder mein Interesse geweckt. xD
Ist bei mir jetzt sicher nicht Top-Priority, aber es bekommt sicher noch einen zweiten Blick :D

Natira hat gesagt…

Danke für die Rezi! Ich werde vermutlich nicht kaufen, aber es für einen Bibliotheksbesuch im Hinterkopf behalten.
Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende!

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Nun bin ich überzeugt, morgen kaufe ich mir das Buch. Habe leider nirgends eine Leseprobe gefunden. Bin eh absoluter Toskana Fan und das dieser Roman, gemäß Deinem Kommentar, sich nicht in flachen Liebesromanzes ergeht, sondern mehr die politische Seite von Florenz zeigt ist genau nach meinem Geschmack.
Wenn ich das Buch gelesen habe, melde ich mich wieder mit meinem Komentar.
Bin noch nicht bei Google angemeldet.
Nenne mich aber ansonsten immer
solo-lavoro

Stefanie Emmy hat gesagt…

Ich habe leider auch keine Leseprobe gefunden - hab grad auch nochmal geschaut.
Würde mich sehr freuen, wenn du dich dann nochmal meldest. Ich kenne leider noch keine einzige andere Meinung zu dem Buch und es würde mich schon interessieren, ob's bei anderen auch gut ankommt. :)