8. August 2010

Jane Austen - Die Abtei von Northanger

Klappentext
Catherine Morland, eine siebzehnjährige Pfarrerstochter, ist leidlich hübsch und unbedarft. Ihre Freundin Isabella Thorpe weckt ein glühendes Interesse an den alten Schlössern und romantischen Heldinnen der Schauerromane. In Bath verliebt sich Henry Tilney, ein junger Geistlicher, in Catherine. Als sein Vater, General Tilney, sie auf den alten Familiensitz Northanger Abbey, eine ehemalige Abtei, einlädt, wird ihr gesunder Menschenverstand durch das Rätsel um den Tod der Hausherrin und durch die Avancen des großspurigen John, Isabellas Bruder, auf eine harte Probe gestellt...


Meinung
"Die Abtei von Northanger" ist das vierte Austen-Buch, das ich gelesen habe. So ein bisschen kenn ich mich also schon aus und ich muss ganz ehrlich sagen, dass "Northanger Abbey" bisher das schwächste Buch von Jane Austen ist - soweit ich dazu Stellung beziehen kann, "Mansfield Park" und "Verstand und Gefühl" fehlen ja noch.

Das Buch beginnt im Grunde sehr unterhaltsam in gewohnter Austen-Manier. Catherine Morland ist zwar ein naives junges Ding mit zu viel Fantasy, ich mochte sie aber trotzdem sofort. Zusammen mit den Allens reist sie nach Bath, wo sie sich bald mit Isabella Thorpe anfreundet.
Natürlich dauert es auch nicht lange bis Catherine die Bekanntschaft von Mr Henry Tilney macht, einem geistreichen, sympathischen jungen Geistlichen.

Dieser erste Teil des Buches, der wie gesagt in Bath über die Bühne geht, ist spannend und hat mich wirklich begeistert. Dann wird Catherine von Mr Tilneys Vater auf den Familiensitz Northanger Abbey eingeladen - und ab da ist das Buch ziemlich ungewöhnlich, gar nicht Austen-like und einfach nur ... schräg.
Catherines Fantasie geht öfter mal mit ihr durch, in allen möglichen Ecken sieht sie Geschehnisse aus den Schauerromanen, die sie so gern liest. Es gibt mehrere sehr langatmige Passagen, bei denen ich öfter geneigt war, den Text nur noch zu überfliegen.

Auch sprachlich ist "Die Abtei von Northanger" nicht das wahre, was natürlich auch an der Übersetzung liegen kann. Ich weiß nicht, ob andere Ausgaben besser sind, aber von der Diogenes-Ausgabe möchte ich hiermit allen Lesern abraten - es besteht zumindest die Chance, dass die Übersetzung von Insel, Anaconda oder Reclam besser sind.

Erwähnenswert ist noch Jane Austens Rolle im Buch. Auch in ihren anderen Romanen tritt sie immer wieder direkt als Erzähler auf, bei "Die Abtei von Northanger" ist es aber richtiggehend auffallend. Jane Austen stellt teilweise über mehrere Seiten Überlegungen, Rechtfertigungen der Handlung und Theorien zur Kunst des Schreibens auf.
Eine Interpretation dazu, die mir schon öfter untergekommen ist, sagt, dass sich Jane Austen in ihrem ersten Werk gerade auch mit ihrer Rolle als Schriftstellerin auseinandergesetzt hat. Das finde ich durchaus nachvollziehbar.


Bewertung
Schwächer als ihre anderen Werke, aber dennoch sehr lesenswert!

2 Kommentare:

Sarah hat gesagt…

Von dem Buch wusste ich ehrlich gesagt bisher noch gar nichts, ich habe noch nicht mal den Klappentext gelesen.
Aber Jane Austen und schräg - da bin ich wirklich schon mal gespannt darauf! ;-)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Teilweise echt schräg, ich kanns nicht anders sagen. Bin ich ja gespannt, was du dazu sagen wirst. ^^