9. August 2010

Sabrina Tophofen - Mein Leben als Straßenkind

Klappentext
Mit zehn Jahren zeigt Sabrina ihren Vater bei der Polizei an, ein Jahr später bricht sie aus dem Kinderheim aus und macht sich auf den Weg nach Köln. Sie landet auf der Domplatte, wo sie zum ersten Mal Geborenheit und Schutz unter den Obdachlosen erfährt, die hier leben. Doch Sabrina lernt auch, dass der Alltag auf der Straße vor allem Gewalt und Aggression, Drogenkonsum und Missbrauch bedeutet. Auf einzigartige Weise dokumentiert sie ihren täglichen Kampf ums Überleben - für das Recht auf Selbstbestimmung und Akzeptanz.


Meinung
In "Mein Leben als Straßenkind - Solange bin ich vogelfrei" erzählt Sabrina Tophofen ihre eigene Geschichte. Das Buch beginnt als sie mit 11 Jahren aus dem Heim flieht und auf der Domplatte in Köln landet. Sie hat nur einen einzigen Anhaltspunkt, den Namen "Iris Lerke", doch anstatt Iris zu finden, trifft Sabrina auf eine Gruppe von Jugendlichen, die sie sofort in ihre Gemeinschaft aufnehmen.
Sabrina, die jetzt Topi genannt wird, kämpft sich durch jeden Tag. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblenden, auf das Leben mit ihrer Familie - man erfährt als Leser erst nach und nach, was Topi überhaupt erst ins Heim gebracht hat.

Ich habe dieses Buch innerhalb weniger Stunden gelesen. Es hat mich berührt, mir die Tränen in die Augen getrieben, vor allem aber hat es mich unglaublich wütend gemacht!
Der Grund, warum das Buch so nahe geht, ist zum großen Teil sicher der, dass Topi ihre Erlebnisse im Präsens schildert. Ich hatte ständig das Gefühl, ein gerade stattfindendes Ereignis zu beobachten. Dieser besondere Zugang zum Buch lässt einen von Seite 1 weg mit Topi mitfühlen.

Und das obwohl Sabrina alles andere als Mitleid-heischend schreibt, auch nicht sonderlich emotional. Mit Ausnahme von Topis Gefühlsausbrüchen, in denen das verschmähte Kind in ihr zum Vorschein kommt, ist das Buch sogar sehr nüchtern geschrieben. Scheinbar völlig unbeeindruckt erzählt Topi von Alkohol, Missbrauch, Drogenkonsum. Als Leser konnte ich mich trotzdem keinem einzigen Wort enziehen, ich hatte immerzu diese schrecklichen Bilder im Kopf.

Ein weiterer Aspekt dieses Berichts ist der, dass man die andere Seite der Münze sieht. Topi fühlt sich von den Menschen mit einem "normalen" Leben beobachtet, es ist furchtbar für sie, angestarrt zu werden.
Schließlich schafft es Topi aber, sich aufzuraffen - sie will weg von der Straße, aber das ist ein langer, harter Kampf.

"Mein Leben als Straßenkind" war für mich ein kurzes, ein sehr intensives Leseerlebnis. Die meisten Menschen denken selten bis gar nicht über Straßenkinder nach - ich hoffe, dieses Buch schafft es, die Aufmerksamkeit mehr auf dieses Thema zu lenken.


Bewertung






Herzlichen Dank an Arena!



"Mein Leben als Straßenkind" gehört zu einer neuen Reihe des Arena-Verlags, die noch drei weitere Bücher umfasst:

  • Mein Lollimädchen-Ich: Mein Leben mit der Magersucht
  • Mit 18 mein Sturz: Mein Leben im Gefängnis
  • Auf dem Laufsteg bin ich schwerelos: Mein Leben als Model im Rollstuhl

10 Kommentare:

Miss Bookiverse hat gesagt…

Bei diesem grausigen Cover vermutet man echt nicht, dass ein gescheites Buch dahinter steckt. Es sieht so nach... Schülerzeitung aus :P

Stefanie Emmy hat gesagt…

Schülerzeitung trifft es gar nicht so schlecht. Es wirkt, als ob Schlagzeilen draufstünden. Zum Beispiel steht da "Wohin? Sechs Jahre Kampf ums Überleben" und "Die Entscheidung. Ein neues Leben beginnt".

Aber das Buch ist wirklich gut und ich kanns dir nur empfehlen, es zu lesen! :)

Miss Bookiverse hat gesagt…

Na das hab ich ja gut erkannt ;D Aber auch diese "Mangazeichnung" sieht einfach total selbst gemacht aus... ich frag mich, ob das alles Absicht war oder ob sie sich einfach keinen besseren Designer leisten konnten.

Stefanie Emmy hat gesagt…

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Arena gute Desginer leisten kann ;D

Ich muss zugeben, auf den ersten Blick wirkt das Cover nicht so toll wie andere, aber ich finde auch, dass es zum Buch passt. Der Stil der Coverbeschriftung und das Bild des Mädchens. Sie wirkt verloren, aber in ihrem Blick ist auch was Hoffnungsvolles. :)

Miss Bookiverse hat gesagt…

Ja, du hast Recht, Arena müsste genug Geld haben ;)
Ich glaube ich müsste das Buch mal in echt sehen, manchmal täuscht so ein Internetbild ja auch. Von dem Eindruck her finde ich aber immer noch, dass es eher nach Eigenverlag als nach Arena aussieht ;) Aber wenn es wenigstens zur Story passt :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Stimmt, digitale Bilder können oft täuschen. Zum Buch passts auf jeden Fall ^^

Cara hat gesagt…

Ich habe mir auch gedacht, dass die Cover so Zeitschrift-mäßig wirken sollen. Die ersten beiden Bände fand ich auf jeden Fall verdammt gut!

Stefanie Emmy hat gesagt…

Zu den Covern hat mir Frau Blümcke vom Arena-Verlag soeben geschrieben:

"Zu der Diskussion über das Cover: die Cover sind natürlich absichtlich so gestaltet, dass es nicht perfekt wirkt; so wie die Geschichten die in ihnen erzählt werden und die Menschen, die sie erzählen. Und es soll genau dieses Teenie-Zeitschriften-hafte haben. Es sollte anders aussehen als die üblichen 'Problemtitel' von gestandenen Autoren, die über Magersucht, Alkoholismus usw schreiben und es sollte auch nicht durch das Cover in diese Ecke gesteckt werden.
Vielleicht konnte ich ein kleines bißchen aufklären ;)
Viele liebe Grüße

Judith Blümcke"

Miss Bookiverse hat gesagt…

Ah, interessant, danke fürs Nachhaken. Frau Blümcke hat einfach auf alles eine Antwort ;)
Da haben wir ja ganz gut intrepretiert :D

Fr Wieczorek hat gesagt…

Ich bin der gleichen Meinung, kann dieses Buch auch voll und ganz empfehlen. Es war das erste und das beste Buch von dreien, die ich über Strassenkinder gelesen habe.
Aus der Reihe mein Leben habe ich noch Mein Lollimädchen-Ich gelesen, was auch sehr gut war.