21. September 2010

Bernd Perplies - Magierdämmerung. Für die Krone

Band 1

Broschiert, 439 Seiten
€ (D) 12,95 | € (A) 13,40
ISBN 978-3802582646

London 1897. Eines Nachts findet der junge Reporter Jonathan Kentham in einer Gasse einen sterbenden Mann. Dieser übergibt ihm einen Ring, der Jonathans Leben grundlegend verändern soll. Unfreiwillig wird er in den Kampf rivalisierender Magier hineingezogen. In den Ruinen des untergegangenen Atlantis wurde ein uraltes Siegel gebrochen und die Wahre Quelle der Magie geöffnet. Die ganze Welt droht im Chaos zu versinken ...


Meinung
Da liest man diesen Klappentext, erwartet sich ein gutes Buch, fängt an zu lesen und was man schlussendlich bekommt ... ist ein richtig gutes Buch! Bernd Perplies hat hier einen Roman vorgelegt, der so gut wie jeden Fantasy-Fan, der ein bisschen was für das Viktorianische Zeitalter übrig hat, begeistern dürfte - mir zumindest ist es so gegangen, und das von Seite 1 weg.

Jonathan Kentham ist ein junger Reporter, der für den Kulturteil des Strand Magazine zuständig ist. Sein in geregelten Bahnen verlaufendes Leben, das gerade an diesem Abend eigentlich nur um die Frage kreist, wie er die schöne Elisabeth für sich gewinnen kann, wird gewaltig auf den Kopf gestellt, als er den sterbenden Lordmagier Albert Dunholm in einer Gasse findet.
Obwohl "Magierdämmerung. Für die Krone" nur so vor sympathischen Figuren strotzt, ist mir Jonathan besonders ans Herz gewachsen. Als völlig Unwissender wird er in eine Welt geworfen, die auch für den mit Fantasy und Magie betrauten Leser ein paar ganz neue Ansätze zu bieten hat. Denn der Autor hat da eine sehr andere - und für mich komplett unbekannte - Vorstellung von der Magie.

Bei Bernd Perplies besteht die Magie nämlich aus leuchtenden Fäden, die alle Objekte und Menschen miteinander verbinden und von Magiern manipuliert werden können. Mit dem sogenannten Wahrblick sind diese Fäden, die die ganze Welt zusammenhalten, sogar für Magier sichtbar.
Zusätzlich zu diesem offensichtlichen Fantasyelement wartet "Magierdämmerung" mit Steampunkt auf, wobei der in diesem ersten Teil noch eine recht unterschwellige Rolle spielt. Ich hoffe, in Band 2 bekommen wir mehr davon zu lesen.

Das Buch ist im Übrigen sehr viel umfangreicher, als man nach dem Klappentext meinen möchte, gliedert sich in mehrere Handlungsstränge.
Den ersten dieser Handlungsstränge lernt der Leser bereits im Prolog kennen, es geht dabei um die Ereignisse, die sich im Atlantik abspielen. Lord Wellington, ein Widersacher des Ersten Lordmagiers Dunholm, und seine Assistenten finden den Ort, der als Atlantis bekannt ist, und brechen ein magisches Siegel, das die gebundene Magie in die Welt entlässt - und sie in Chaos zu stürzen droht.

Die beiden anderen Handlungsstränge, die das Geschehen dominieren, drehen sich einerseits um Jonathan Kentham, andererseits um die junge schottische Magierin Kendra MacKellen.
Jonathan wird auf seinem weiteren Weg von zwei sehr skurrilen Figuren begleitet, dem ziemlich exzentrisch veranlagten Magier Jupiter Holmes - der laut eigenen Angaben die Vorlage für die literarische Figur des Sherlock Holmes ist - und dem Kutscher Randolph Brown - der einen kleinen Unfall mit einer Magiespalte hatte und seitdem mit einem magisch veränderten Körper durchs Leben geht. Beide, das kann ich euch versichern, sorgen für einige grandiose Momente im Buch!

Kendra ist im Gegensatz zu Jonathan ein sehr eigenwilliger, störrischer Charakter. Sie hat ihre Eltern verloren, doch ihr Großvater hält sich weitesgehend von ihr fern, weshalb sie bei einem mehr schlecht als recht gewählten Vormund aufwächst. Die Beherrschung der Magie hat sie sich, zum ansatzweise, selbstständig beigebracht.
Doch in der Nacht in der das Siegel von Atlantis gebrochen wird, spüren sie und ihr Großvater, dass eine Veränderung in der Welt vor sich geht und die beiden machen sich auf den Weg nach London. Einen sehr beschwerlichen Weg, wie sie später feststellen müssen, denn das Chaos beginnt bereits.

Sowohl Charaktere als auch Handlung haben mich von sich überzeugt. Was dem ganzen noch die Krone aufsetzt, ist Perplies beeindruckend unterhaltsame Art zu schreiben. Es macht einfach Spaß dieses Buch zu lesen! Rasend schnelle, atemberaubend beschriebene Magierkämpfe wechseln sich ab mit nicht minder spannend ausgeführten, treffenden Dialogen. Je weiter man liest, desto schwieriger wird es, "Magierdämmerung" wieder aus der Hand zu legen.

Der grandiose Showdown verleiht dem Buch schließlich noch ein sehr gelungenes Ende, klärt genug Fragen, um den Leser zufrieden zu stellen, lässt einen aber trotzdem mit einem erwartungsvollen Gefühl hinsichtlich Band 2 zurück. Der kann meiner Ansicht nach gar nicht schnell genug kommen. Bernd Perplies hat einfach alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann.


Nachtrag: Mir fällt grade auf, ich war so begeistert von all den anderen Dingen, dass ich noch nicht mal dazu gekommen bin, meine Freude über die Location London in Worte zu fassen! Das sei hiermit nachgeholt ;)


Bewertung
5 Blümchen für ein wirklich außergewöhnlich gutes Buch, dessen Seiten unter meinen Augen nur so dahingeflogen sind. Unterhaltsam, spannend, rasend schnell beschrieben - das verlangt nach mehr!








Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an EGMONT-LYX!




Reihen-Info:
Band 2 der Magierdämmerung heißt "Gegen die Zeit" und wird im Februar 2011 erscheinen.

Weitere Romane sind in Vorbereitung.

5 Kommentare:

Sarah hat gesagt…

Tolle Rezension! Das Buch landet gleich auf meinem Wunschzettel :)

Philia Libri hat gesagt…

+seufz+

Wirklich schöne Rezi!

Was die Vorstellung der Magie angeht: In "Die erste Wahrheit" von Dawn Cook ist das gar nicht so unähnlich, nur dass halt jeder über eine Art Fadenknäuel in sich selbst verfügt, bei magisch begabten sind die sinnvoll verknüpft, bei Normalos einfach nur ein Wirrwarr :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

Ah, gut zu wissen. Ja, ist wirklich ähnlich. Das mit Fäden find ich überhaupt eine schöne Vorstellung - ob jetzt so oder so. Wir beeinflussen uns ja wirklich alle gegenseitig, die Fäden sind da eine schöne Art das zu visualisieren. :)

Zu Magierdämmerung noch ein Wort: Gerade die Magierkämpfe werden durch die Fäden-Theorie sehr nachvollziehbar beschrieben. Also da ist nicht einfach nur eine Macht, die eben da ist und dieses und jenes machen kann. Durch die Fäden, die verknüpft und wieder gelöst werden, wird es irgendwie nachvollziehbarer wenn plötzlich ein Tisch durch die Gegend fliegt. :Ds

Karolin hat gesagt…

Mensch, das klingt ja mal richtig gut. Gut, dass es auch schon auf meinem SUB liegt. :)))) Wird also sehr bald gelesen.

Stefanie Emmy hat gesagt…

Solltest du unbedingt bald lesen! :D