31. März 2011

Sara Grant - Neva

Gebunden mit Schutzumschlag, 349 Seiten
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3426283486

Die 16-jährige Neva hat es satt, keine Antworten auf Fragen zu bekommen, die sie nicht einmal laut stellen darf: Warum wird ihr Heimatland von einer undurchdringbaren Energiekuppel von der Außenwelt abgeschottet? Warum verschwinden immer wieder Menschen spurlos? Und was ist mit ihrer Großmutter geschehen, die eines Tages nicht mehr nach Hause kam? Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Sanna beschließt Neva, Antworten zu verlangen und nicht mehr brav alle Gesetze und Regeln zu befolgen. Doch dabei verliebt sie sich nicht nur in den einen Jungen, der für sie tabu sein muss – sondern gerät auch in tödliche Gefahr …


Was ich denke ...
Die Regierung hat die absolute Kontrolle. Wer in letzter Zeit auf den Dystopie-Zug aufgesprunge ist, kennt dieses Schema schon. Für Kenner von Dystopien, das möchte ich gleich gesagt haben, hält "Neva" leider nicht viel Neues bereit. Für alle anderen dürfte es ein durchaus reizvolles Buch sein.

Neva und ihre Eltern leben unter der Protekosphäre, die ihr kleines Land schon seit Generationen vor der giftigen Außenwelt schützt. Eine kleine, in sich abgeschlossene Welt. Niemand kann hinein und, noch viel wichtiger, keinem ist es erlaubt, nach außen zu gehen.
Für uns, die wir an Freiraum gewöhnt sind, einfach mal in einen Zug oder ein Flugzeug zu steigen, in einem anderen Land wieder von Bord zu gehen, ist das ein erschreckender Zustand. Oder sollte es zumindest sein. Denn was ich von "Neva" am meisten erwartet habe, war, durch die Protekosphäre ein klaustrophobisches, eingesperrtes Gefühl vermittelt zu bekommen. Fehlanzeige.
Der einzige wirklich interessante Ansatz an der Protektosphäre war für mich die verlorengegangene genetische Vielfalt. Über Generationen hinweg ist es immer häufiger zu Krankheiten und Fehlgeburten gekommen, sodass die Population laufend dezimiert wurde. Trotzdem scheint es, als ob die Regierung noch weitere Leute verschwinden lässt.
Glücklicherweise versteift sich Sara Grant nicht, wie ich im Vorhinein befürchtet hatte, auf das Kontroll-Thema, sondern lässt ihre Protagonistin ein schockierenderes, im Genre recht neues Szenario aufdecken.

Sara Grant ist eine gute Autorin, ich mag ihre Art zu beschreiben und zu erzählen. Durch Präsens und Ich-Perspektive schafft sie es außerdem sehr schnell, den Leser mit Neva als Protagonistin warm werden zu lassen. Alle anderen Figuren verbleiben jedoch sehr blass und ungreifbar.
Durch Nevas von Anfang an regierungsfeindliche Einstellung vergeudet die Autorin nicht viel Zeit mit Überzeugungsarbeit. Es wird schon auf den ersten Seiten klipp und klar festgestellt: Was die Regierung tut, ist falsch. Neva und ihre Freunde sind dagegen, sie rebellieren.
Trotzdem tröpfelt das Buch lange nur vor sich hin, beginnt ziemlich langsam mit jeder Menge Erklärungen, die man dem Leser genausogut auch durch Handlungen hätte zeigen können. Die Spannung baut sich bei "Neva" unterschwellig auf bis sie plötzlich da ist und man keine Ahnung hat, woher die jetzt auf einmal gekommen ist. Auf einmal steckt die Protagonistin Neva mitten in der Revolution, die gefährlicher wird, als sie im Vorhinein bedacht hat.

Darüber hinaus war ich sehr positiv überrascht von der fehlenden Präsenz der Dreiecksgeschichte. Für gewöhnlich werden solch "spektakuläre" Liebesgeschichten bis ins Letzte ausgereizt (und führen meistens dazu, dass ich früher oder später genervt mit den Augen rolle), doch Sara Grant begnügt sich - zumindest in Hälfe 1 des Buches - damit, Nevas Problemen in Sachen Liebe nur wenig Platz einzuräumen. Da die Liebesgeschichte auch nicht übermäßig interessant ist, ist das mehr als in Ordnung so. Und auch wenn die Gefühle zwischen Neva und Braydon gegen Ende wichtiger werden, so verbleibt das Ganze doch immer im Hintergrund.
Sara Grant hat hier wirklich eine Dystopie geschrieben, keine Liebesgeschichte, die dystopisch angehaut ist, weil das zufällig grade im Trend ist.


Bewertung
Für mich bietet "Neva" leider keine neuen Aspekte in Sachen Dystopie, hat mich was das angeht also nicht wirklich vom Hocker gerissen. Anfangs ist auch ein wenig Geduld gefragt, doch Sara Grants schöne Erzählweise hat mich über diese ersten Kapitel mühelos hinweggetragen. Spannung kommt dann vor allem in Hälfe 2 auf.
"Neva" ist meiner Meinung nach in erster Linie für Dystopie-Neulinge ein empfehlenswertes Buch.







Danke an: PAN

9 Kommentare:

Sabine hat gesagt…

Hallo Stefanie!

Dann ist "Neva" etwas für mich, denn bis auf "Panem" habe ich noch nichts in diese Richtung gelesen. :)

Liebe Grüße aus dem Burgenland,
Sabine

Kerry hat gesagt…

schade, dass das buch nicht deinen erwartungen entsprach. bei mir steht es nach wie vor auf der wunschliste, da ich diese richtung noch gar nix gelesen habe.

lg kerry

StefanieEmmy hat gesagt…

Dann wünsch ich euch ganz viel Spaß beim Lesen und bin dann gespannt, wie das Buch bei euch ankommt. :)

Nanni hat gesagt…

Wie unterschiedlich doch die Meinungen sind ^^
Eva und ich mochten die Sprache ja so gar nicht...ich fand die letzten 100 Seiten total genial und super spannend...
Bei der Dreiecksgeschichte hatte ich immer ein wenig das Gefühl, dass die nicht so richtig reinpasst...dass sie irgendwie an der eigentlichen Geschichte vorbei schreibt...

StefanieEmmy hat gesagt…

Für mich war die Sprache - grade weil Dystopie-mäßig nichts Neues da war - einer der besten Parts an dem Buch. Grant hat, finde ich, einen sehr entspannten Schreibstil. Nachteil davon ist halt, dass es schreibstil-technisch keine Überraschungen gibt, geht halt so flüssig dahin. Ich kann mir schon vorstellen, das einem das auch nicht gefallen kann. ^^

Ob die Dreiecksgeschichte da reinpasst oder nicht, da hab ich gar nicht drüber nachgedacht. :-/ Soweit bin ich nicht gekommen, sobald mir klar war, dass die Dreiecksgeschichte nicht besonders wichtig ist (erleichtertes Aufseufzten inbegriffen), hab ich da nicht mehr viel dran gedacht.

Bella-Luna hat gesagt…

Hab mich schon lange total auf das Buch gefreut...
Schade, dass es dich nicht ganz so angesprochen hat, aber ich denke, dass ich es trotzdem mal probieren werde ;)
Dann weiß ich ja jetzt, was ich alles zu erwarten habe und was nicht.

Christine hat gesagt…

Ich habe gerade, als ich deine Rezi gelesen habe, das gleiche wie Nanni gedacht: Wie unterschiedlich doch die Geschmäcker sind. Mir gefiel die Schreibweise der Autorin auch nicht. Die Figuren und ihre Motive blieben mir etwas fern. Die einzige Figur, die ich wirklich mochte, war die Nevas Mutter (und die Großmutter).
Insbesondere die Tatsache, dass im Präsens geschrieben wurde, hat mich irritiert.

Letztendlich habe ich aber die gleiche Punktzahl wie du vergeben :)

Karo hat gesagt…

Endlich hab ich auch Deine Rezi gelesen, will das ja immer nicht, bevor ich nicht meine eigene Rezi verfasst habe. Sehe das alles ziemlich ähnlich, obwohl ich sagen muss, dass ich es nie wirklich langweilig fand. Auch den Schreibstil fand ich sehr angenehm. :) Klar, mit Ally Condie oder Suzanne Collins kann Sara Grant noch nicht mithalten, aber vielleicht wird das noch. Fand die ganzen Hintergründe sehr interessant, und eben, wie ich auch in der Rezi geschrieben habe, dass es nicht um technischen Fortschritt geht, sondern eigentlich eher um Rückschritt. Und das war für mich tatsächlich neu in einer Dystopie. Kein Buch, was man lesen muss, aber was man definitiv gut lesen kann. :) Und das Cover mochte ich von Anfang an total, obwohl es ja eigentlich wieder "nur" ein Frauengesicht ist. :)

Karo hat gesagt…

Ach so, @Tine: Iwie hab ich das jetzt schon ziemlich oft gehabt, dass im Präsens erzählt wird, bei "Du oder das ganze Leben" war das zum Beispiel auch. Keine Ahnung, warum, aber ist mir schon öfter aufgefallen in letzter Zeit.