22. August 2011

Kady Cross - Das Mädchen mit dem Stahlkorsett

2011, Gebunden mit Schutzumschlag, 368 Seiten
€ (D) 14,99 | € (A) 15,50
ISBN 978-3453267404

Sie ist eine ganz besondere junge Dame: Ihr Name ist Finley Jayne, sie ist sechzehn Jahre alt und arbeitet als Dienstmädchen. Gelegentlich. Gelegentlich entschließt sie sich jedoch, auf den Straßen Londons Jagd auf Verbrecher zu machen. Finley mag hübsche Kleider, ihre Unabhängigkeit und wohlerzogene junge Männer. Wen Finley nicht mag, der kommt ihr besser nicht in die Quere, denn sie ist außergewöhnlich stark. Doch hinter ihren enormen Kräften verbirgt sich ein dunkles Geheimnis ...

In London kreuzen Luftschiffe am Himmel, dampfbetriebene Automaten erledigen die niederen Arbeiten, und von jungen Mädchen wird vor allem eines erwartet – anständig sein und hübsch aussehen. Mit Letzterem kann sie durchaus dienen, aber mit der Sittsamkeit hapert es bei Finley Jayne gewaltig, denn sie ist übermenschlich stark, und wenn ihr Temperament mit ihr durchgeht, kann es für ihre Kontrahenten schon mal böse enden. Als sie deshalb ihre Anstellung im noblen Haushalt der Familie August-Raynes verliert, scheint Finleys Schicksal besiegelt. Aber dann begegnet sie dem jungen Adligen Griffin, der gemeinsam mit seinen Freunden die wunderlichsten Experimente veranstaltet. Und Finley passt perfekt in die bunt gemischte Truppe, denn Griffin und seine Freunde haben ebenfalls übernatürliche Fähigkeiten, die sie im Kampf gegen das Böse auf den Straßen Londons einsetzen. Doch Finley trägt eine dunkle Seite in sich, und obwohl Griffin zarte Gefühle in ihr erweckt, fühlt sie sich auch zu dem zwielichtigen Gangster Jack Dandy hingezogen. Als Griffin und seine Freunde einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommen, die nicht nur Königin Victoria, sondern das ganze Empire bedroht, muss Finley sich entscheiden ...


Was ich denke ...
"Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" steckt voller genialer Ideen - zwiegespaltene Persönlichkeit, eine junge Erfinderin, die mit Maschinen kommuniziert, Organellen, die Leben nachahmen, Menschen mit Maschinenteilen im Körper ... Leider hat Kady Cross das alles nur schwach umgesetzt, sodass aus einer Welt, die auf jeder Seite "Steampunkt!" schreit, ein Buch wird, für das man erst mal ein bisschen Geduld mitbringen muss.

Finley Jayne ist, wie der Klappentext schon verkündet, eine besondere junge Dame. Sie weiß sich besonders gut zu wehren (Daumen hoch!), aber zeitweise ist sie auch besonders nervtötend.
Im Großen und Ganzen mochte ich Finley, weil sie nicht alles auf sich sitzen lässt, allerdings handelt sie oft völlig unerwartete und hat Gedankensprünge, die absolut unpassend sind. Ich fand es wirklich schwierig, sie kennenzulernen. Ihre kindischen Schwärmereien für Griffin und Jack Dandy machen sie schließlich zu einer Protagonistin, die wohl eher der jüngeren Generation zusprechen wird.

Was die Sprache anbelangt, so zeigt sich auch hier eine deutliche Zweischneidigkeit. Auf der einen Seite wird der Leser mit sehr einfachen, dann aber wieder regelrecht genial gesetzten Sätzen konfrontiert. Leider überwiegt im Gesamten die Simplizität und Abgehacktheit der Erzählung. Dinge, die aus dem Kontext völlig klar sind, werden extra erwähnt, was mich als mitdenkende Leserin gestört hat.

Die Handlung an sich ist es, was mich an dieses Buch gefesselt hat! Erst wirkt sie noch sehr konfus und kennt keine wirklich Richtung - überhaupt scheint vieles so zurecht gerückt, dass es in das Schmema der Autorin passt -, sie fokussiert sich aber schließlich doch noch auf einen spannenden, äußerst rasanten Plot, dem ich einiges abgewinnen konnte. Gerade die wechselnden Perspektiven treiben die Handlung voran.
Als Leser weiß man zwar schon recht früh, worauf das ganze hinauslaufen wird, es hat aber trotzdem Spaß gemacht, den Charakteren beim Lösen des Problems zuzusehen - zumal das Endergebnis, die große Idee, die hinter dem Buch steckt, eine fabelhafte ist!

Dieses Konfuse, das die Handlung anfangs an sich hat, haftet auch einigen anderen Dingen an. So zum Beispiel kristallisiert sich nach einigem Hin und Her erst gegen Ende der eigentliche Feind heraus. Das hätte spannend sein können, bei mir hat es eher Verwirrung ausgelöst. Ich hatte den Eindruck, als ob das Buch kein wirkliches Ziel hätte, auf das alles hinauslaufen wird.
Ein weiterer Punkt auf der Konfusitäts-Liste sind all die unlogischen Behauptungen, die zu Anfang des Romans aufgestellt werden. Kady Cross sagt dem Leser, was Sache ist, liefert aber weder eine logische noch unlogische Erklärung dazu. Und keine Erklärung ist einfach das Schlechteste, was man machen kann! (Vor allem wenn man in einem technischen Genre wie Steampunkt schreibt.) Mich zumindest ärgert das ungemein, wenn ich vor vollendete Tatsachen gestellt werde, ohne zu wissen, warum und wieso das so ist. Auch hier: Gegen Ende gibt's dann ein paar annehmbare Erklärungen, aber nichts, was die Geheimnistuerei am Anfang rechtfertigen würde.

Alles in allem fordert dieses Buch, wie schon anfangs erwähnt, Geduld von Seiten des Lesern und richtet sich ob seiner Einfachheit eher nicht an erwachsene Jugendbuch-Leser. "Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" hat mich nicht sonderlich gefordert, trotzdem bin ich zumindest soweit am Haken, dass ich den zweiten Teil unbedingt lesen möchte!


Bewertung
"Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" steckt wie seine Heldin Finley Jayne voller Zwiespältigkeiten. Es gibt nichts an diesem Buch, das ich völlig gemocht oder völlig abgelehnt habe. Für mich war "Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" ein reiner Mittelweg. Daher gibts auch 3 Blümchen von mir, die sich ein bisschen in Richtung 2,5 lehnen.






Die Reihe
"Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" ist der erste Teil der "Steampunk Chronicles" und ist im Mai 2011 unter dem Titel "The Girl in the Steel Corset" auf Englisch erschienen.
Zum Cover ist zu sagen, dass ich das deutsche zur Abwechslung für sehr viel passender halte als das englische, das einfach zu viel Glamour vermittelt, der überhaupt nicht da ist.

Titel und Cover des zweiten Teiles sind zum heutigen Stichtag (31. Mai 2011) noch nicht bekannt.

6 Kommentare:

Friedelchen hat gesagt…

Hm, deine Rezi lässt mich genauso zwiespältig zurück wie dich das Lesen des Buches.
Die Beschreibung fand ich toll, aber unbedingt haben muss ich es nun nicht. Aber ich werde eh erstmal den Clockwork Angel von Cassandra Clare lesen, bevor ich mich auf irgendeine andere Steampunk-Serie einlasse.

Clee hat gesagt…

Hallo, meine Liebe! ;D

Hab hier was für dich:

http://cleesbuecherwelt.wordpress.com/2011/08/22/drei-neue-awards/

Mister Bookgazer hat gesagt…

Finde deine Rezension gut und sie gibt dem Zulesenden einen guten Einblick in das Buch. Werde es mir kaufen und mir dann selbst einen Eindruck davon verschaffen. Ich denke eine Bewertung von 3 ist auch nicht schlecht ;)

StefanieEmmy hat gesagt…

@Friedelchen: Lies vielleicht mal in der Buchhandlung rein. Gut möglich, dass du den Schreibstil und Finley ganz anders auffasst ^^

@Mister Bookgazer: 3 von 5 ist bei mir eine, wie du schon sagst, gute Bewertung. 4 wäre halt sehr gut und 5 kriegen nur die besten Bücher. ^^ (Dazu sei gesagt, dass ich einige Bewertungen der letzten 3 Jahre gerne etwas runterschrauben würde, weil ich die Bücher jetzt ganz anders sehe.)

Nanni hat gesagt…

Oh man....deine Rezi ist sooo gut. Ich bin grad deprimiert :( ;)
Kann all deine Kritiken sehr gut nach vollziehen. Ich hatte anfangs auch echt Schwierigkeiten rein zu kommen.
Alles in allem finde ich ja, dass die Geschichte an sich Potenzial hat, aber irgendwie ist das nicht so super toll umgesetzt, wie man es hätte machen können...

Liebe Grüße nach Zürich ;)

StefanieEmmy hat gesagt…

xD Oh, danke für das Lob! :)
Ganz genau! Des Ptenzials wegen würde ich den zweiten Teil sogar lesen (man soll die Hoffnung ja nicht gleich aufgeben ^^), mal sehen, wann der kommt.

Liebe Grüße zurück :)