3. Januar 2013

Boris Koch - Vier Beutel Asche

Schon genug Lesestoff für 2013? "Vier Beutel Asche" sollte auf den Leselisten nicht fehlen:

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2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 380 Seiten
€ (D) 17,99 | € (A) 18,50
ISBN 978-3453268340

Christoph ist sechzehn, als er stirbt - er prallt nachts mit seinem Farrad gegen ein entgegenkommendes Auto. Alles, was von ihm bleibt, ist eine Urne Asche. Doch vier seiner Freunde können einfach nicht akzeptieren, dass mit der Beisetzung alles zu Ende ist, und beschließen, Christophs letzten Wunsch zu erfüllen und seine Asche im Meer zu verstreuen. Sie graben die Urne aus, verteilen die Asche auf vier Beutel und brechen Richtung Atlantikküste auf. Ein großes Abenteuer beginnt.

Der Klappentext liest sich wie etwas, das wir vielleicht schon kennen. Das Grundthema ist auch nicht unbedingt ein unbeschriebenes Blatt. Aber ... ja, großes Aber sogar: Was Boris Koch mit seinem Roman aus "Jugendlicher stirbt - Zurückbleibende kommen nicht damit klar - müssen einen letzten Wunsch erfüllen" herausholt, hat mich sehr beeindruckt.

Vor allen Dingen die klare Vorstellung, die der Leser schon mit den ersten Sätzen von Jan erhält. Aggression, teilweise unterdrückt, dann wieder unkontrolliert. Verwirrung. Angst. Die Ich-Perspektive erlaubt einen unverschmierten Einblick in Jans Kopf, der nach dem Tod seines besten Freundes auf so ziemlich alles und jeden stinksauer ist. Ihm wird alles zu viel, bis ein nächtlicher Zufall (Lena würde es Schicksal nennen) ihn mit drei anderen zusammenbringt, von denen jeder seinen eigenen Part in Christophs Leben gespielt hat.

Was hier beginnt, ist ein literarischer Roadtrip, wie ich ihn liebe. Voller Tragikkomik und Spannung. Bei mir jedenfalls hat das Buch eingeschlagen und ein wesentlicher Teil dieses Erfolgs waren die vier Jugendlichen, mit denen ich von Bayern bis an die Atlantikküste gereist bin:
Neben Jan sind das Selina - Christophs Freundin, in die sich Jan leicht hätte verlieben können, wenn ihm Christoph nicht zuvor gekommen wäre -, Maik - der Christoph das Fahrrad geliehen hat, mit dem er verunglückt ist, und der sich deswegen das Leben nehmen will - und Lena - von der eigentlich niemand so wirklich etwas weiß, die aber etwas ganz Wesentliches von Christoph weiß, das er niemandem sonst erzählt hat.
Fertig ist das Quartett, dass sich an Christophs Geburtstag am Friedhof trifft und von dort gemeinsam ausbricht. Auf einem Motorrad und einem Roller. Mit vier Plastikbeuteln Asche im Gepäck.

Was diesen Roman für mich so besonders gemacht hat, waren die kleinen Details. Es gibt ein großes Thema, das über der gesamten Reise steht, aber so viele kleine Dinge, die das Rast machen und Zuhören interessant machen. Es gab Momente, in denen ich über jeden der vier Jugendlichen gestaunt habe. Obwohl sie von völlig unterschiedlichen Standpunkten in das Abenteuer gestartet sind, am Ende hatten sie nicht nur Freundschaft gewonnen, sondern vor allem Verständnis.
Boris Koch hat diese Entwicklung sehr anschaulich und vor allen Dingen nah beschrieben. Der Leser ist an vorderster Front mit dabei, erlebt Tiefen und Höhen. Und dabei scheint sich der Autor beim Erzählen der Geschichte noch nicht mal sonderlich abgemüht zu haben. Der Text liest sich genauso frei wie man sich mit einem Roller auf der Landstraße fühlt.

Schlussendlich kommt es für mich auf einen Nenner zusammen: Trotz des Themas hatte ich unglaublich viel Spaß beim Lesen und das lässt mich völlig vergessen, dass ich die Geschichte in der einen oder anderen Form vielleicht schon gelesen habe. Boris Koch hat das Rad nicht neu erfunden (wer tut das schon), aber darauf kommt es nicht an. "Vier Beutel Asche" ist beste Unterhaltung.


Here we come

Ich muss euch mal etwas gestehen: Hier zu schreiben, das ist wie Heimkehren. Es fühlt sich so ähnlich an wie Abends von der Arbeit kommen, mich auf meine neue Eckcouch lümmeln, das Leselicht einschalten und die Welt gleich hinterm Fenster vergessen.

Im letzten Jahr bin ich leider viel zu wenig oft heimgekehrt. Ich habe das gemacht, was Teenager machen, wenn diese Ausgeh-Zeit beginnt ... eben nicht mehr heimkommen. Und genossen hab ich es! Die Abschlussprüfungen hinter mir haben (das war doch so ein kleines großes Lebensziel von mir, eine fertige Ausbildung und ins Berufsleben starten), den neuen Job antreten, meine Freizeit mit neuen bzw. alten und neu entdeckten Beschäftigungen füllen. Wenn ich dran denke, was ich letztes Jahr an Sportausrüstung gekauft habe, wird mir und meinem Konto ein bisschen übel. Dann die neue Wohnung, diesmal ganz weg von zu Hause - diesmal komplettes Nestflüchten.
Ich habe einiges lernen müssen in diesem Jahr, das wichtigste davon: Sag, wenn es dir nicht gut geht! Und sag es zu den Menschen, die ebenfalls davon betroffen sind. Mach dir deine Wünsche bewusst. Und rede. Hinter menschlichen Fassaden lässt sich so viel entdecken, aber ohne ein bisschen Kitzeln kommt es bei den meisten nicht heraus.

Für die Zukunft habe ich mir einiges vorgenommen. Ein Teil davon ist: Ich würde gerne öfter Heimkehren.
Ehrlicherweise sei gesagt, dass das Leben abseits von Posts und GoodReads-Updates seine Reize hat. Aber das hat das Leben abseits von "Der Kühlschrank muss gefüllt werden" und morgens zur Arbeit erscheinen auch. In diesem Fall ist es vielleicht schwierig, aber ich glaube, das "abseits von" kann ich aus diesen Sätzen streichen. Ein ausgewogenes Verhältnis ist mein Ziel und wird meine ganz persönliche Herausforderung in 2013 (neben ein paar anderen, von denen ich vielleicht bei gegebenen Anlass berichte). Und wie Barney so schön sagt: Challenge accepted!


Das war womöglich meine längste "Das Jahr ist vorbei, lasst uns das neue rocken"-Rede bisher. Aber nachdem ich grade mit Erschrecken (und ein bisschen Stolz) feststellen musste: Dieser Tage beginnt mein 5., jawohl mein 5. (!!), Blogjahr -->  O.O
Mal sehen ob ich es nochmal 4 Jahre schaffe, mich würde es freuen und ich hoffe euch auch :)

In dem Sinne kein langes Gequatsche mehr, sondern ein simples ...


2013 is here! Habt ein tolles, ein ausergewöhnliches und schlichtweg fantastisches Jahr! Ich wünsche euch, dass ihr erreicht, was ihr euch vorgenommen habt und noch viel mehr. Ich wünsche euch Überraschungen, die euch von den Socken hauen (im positiven Sinne versteht sich), Spaß und Lachen - ja, ganz viel Lachen! Habt Freude, bei allem was ihr tut, fühlt euch wohl in eurer Haut und zeigt es der Welt.
2013, here we come!

9. Dezember 2012

Thomas Thiemeyer - Das verbotene Eden 2. Logan und Gwen

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 458 Seiten
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3426653258

Seit Juna aus dem Land der Frauen geflohen ist - mit einem Mann -, fühlt sich die junge Heilerin Gwen einsam und nichtswürdig. Sie schließt sich einem Spähtrupp an, der durch verlassene U-Bahn-Schächte in die Stadt der Männer vordringen soll. Doch der Einsatz scheitert grausam, und Gwen fällt in die Hände des jungen Kämpfers Logan, der sie als Sklavin verkaufen will. Logan aber hat die Rechnung ohne seine Gefühle gemacht - und setzt damit Ereignisse in Gang, die das Ende beider Welten bedeuten könnten ... 


Ich war ziemlich begeistert von "David und Juna" und habe mich entsprechend auf den zweiten Band gefreut. Obwohl ich das Buch gestern und heute mehr oder weniger inhaliert habe, wird diese Rezension weniger begeistert ausfallen. Das hat ein paar Gründe, die für mich sehr heikle sind.

Klar, das Grundthema ist noch das selbe: Frauen und Männer hassen sich und stehen kurz vor einem Krieg. Im ersten Band hat das noch gewaltig fasziniert, weil es - zumindest für mich - etwas völlig Neues war. Aber ein Thema kann nur dann weiterhin faszinieren wenn auch mehr Details geliefert werden. Oder neue Sichtweisen. Neue Hintergründe. Irgendetwas.
Abgesehen von einer Kleinigkeit, die im ersten Teil aber auch schon behandelt und jetzt bloß mit klaren Worten bestätigt wurde, tut sich an dieser Front allerdings gar nichts. Ich habe das leider sehr enttäuschend empfunden. Ich hätte so gerne mehr über diese Welt erfahren, die sich Thomas Thiemeyer ausgedacht hat! Aber außer ein paar anklagenden Fingerzeigen auf unsere heutige Gesellschaft ging dystopisch nicht gerade die Post ab. Das hat bei "David und Juna" deutlich besser funktioniert.

Mein zweites und im Grunde einziges weiteres Hauptproblem waren Gwen und Logan selbst. Zuallererst aber ein Lob: Obwohl die Rollen im Vergleich zu Teil 1 einfach vertauscht zu sein scheinen - jetzt ist Logan der Krieger anstatt Juna - sind Logan und Gwen zwei sehr eigenständige Charaktere. Sie wirken überhaupt nicht "kopiert" und durch Gwens Beziehung mit Juna hat sie einen ganz anderen Headstart als Juna ihn hatte.
Leider, und das war weniger gut, hörte sich dieser positive Eindruck bald auf. Sowohl Logan als auch Gwen blieben für mich über die ganze Handlung hinweg sehr schwammig und sprunghaft. Nicht in dem Sinne sprunghaft dass sie ständig ihre Meinung geändert hätten, sondern weil ich das Gefühl hatte, sie nie wirklich zu begreifen. Ihre Charaktere - leider beide, da stand keiner dem anderen nach - haben sich mir immer wieder entzogen, ich hab ihre Beweggründe einfach nicht zu fassen gekriegt.
Und als sie dann gehandelt haben, fand ich das zwar nett, aber mehr auch nicht. Viel zu viele Dinge wurden nur angeschnitten, anstatt sie zu erforschen. Mir war das leider zu wenig.

Insgesamt ist "Logan und Gwen" in meinen Augen ein wahrhaft mittelmäßiger Mittelteil.
Den dritten und letzten Band schreibe ich aber trotzdem noch nicht ab - zum einen hoffe ich auf ein Wiedersehen mit David und Juna, zum anderen bin ich echt wahnsinnig gespannt was wir bei "Magda und Ben" erwarten können. Immerhin sind die beiden längst keine Jugendlichen mehr und sehr ungewöhnliche Protagonisten für einen Jugendroman ... Ich könnte mir da so einige Szenarien vorstellen, zB ein Rückblick auf die Anfänge der Dunklen Zeit. Das fände ich mal sehr spannend.
Herr Thiemeyer, überraschen und überzeugen Sie mich. "Logan und Gwen" vergesse ich bisweilen mal und hole mir lieber nochmal "David und Juna" aus dem Regal.


12. November 2012

Ursula Poznanski - Die Verratenen

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 461 Seiten
€ (D) 18,95 | € (A) 19,50
ISBN 978-3785575468

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich - Rias Leben könnte nicht besser sein. Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft. Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.


Eines weiß ich nach diesem Buch ganz gewiss: Ursula Poznanski kann schreiben was sie will - und wenn sie auch auf noch so viel begangenen Pfaden wandelt -, es wird immer gut. Mit "Die Verratenen" traut sich die beliebte Jugendbuchautorin nach den Erfolgen "Erebos" und "Saeculum" (beide übrigens sehr zu empfehlen!) nun auch in die Dystopie.
Ich war und bin begeistert von diesem Trilogieauftakt! Das Dumme - unter Anführungszeichen - an den richtig guten Büchern, die außerdem noch spannend und mit jedem Wort fesselnd sind, ist bloß, dass ich jedes Mal total vergesse, irgendwelche Notizen zu machen. Das hier wird also eine reine Gedächtnis-Rezension. Ich hoffe, es fällt nicht allzu sehr auf. ;)

Die Menschheit hat eine Eiszeit hinter sich. Ria, die an der besten Sphärenakademie des Bundes studiert, hat im Leben noch kein Gras gesehen. Das hat niemand, den sie kennt. Ihre Welt bestünde nur aus Schnee und Kälte gäbe es den Sphärenbund nicht, in dessen Schoß gehütet sie aufwächst. Riesige Glaskuppeln, die Leben und Überleben ermöglichen. Die Ria zwar einsperren, aber dabei auch die gefährlichen Außenbewohner auf Abstand halten.
In der ein oder anderen Form haben wir das fast alle schon gelesen. Und klar, man könnte einfach die Schnauze voll haben von Dystopien und Endzeitromanen. Nur, eines ist auch klar: Dann entgehen einem potentielle Schätze - und wenn eine Neuerscheinung dazugehört, dann die von Poznanski.

Ein gelungender, fesselnder Schreibstil. Charaktere, die nicht unterschiedlicher sein könnten und so feinfühlig aufeinander abgestimmt, dass man am liebsten in ihren Kreis aufgenommen werden möchte. Kein lästiges Liebesgesülze, das sich von der ersten Seite weg voraussagen lässt. Durchdachte Strukturen, Überraschungen, und - hab ich es überhaupt schon erwähnt? - Gänsehautspannung!
Wobei, das muss ich wohl dazusagen, der Spannungsaufbau in "Die Verratenen" ist erst sehr subtil - so subtil, dass ich ihn am Anfang tatsächlich habe suchen müssen. Es war auch diese Anfangsphase, in der ich mich mit der Protagonistin Ria "zusammenraufen" musste.
Ria ist sehr überlegt - nicht umsonst ist sie die siebtplazierte in der Rangliste der Akademie, ein Garant für eine spätere Spitzenposition in der Regierung. Ria steht über den Dingen, ist oftmals sehr nüchtern, und obwohl mir diese Charakterzüge selbst nicht ganz unbekannt sind, habe ich ein paar Kapitel gebraucht, um mit ihr warm zu werden.

Aber dann liefs wie am Schnürchen und hat gar nicht mehr aufgehört. Bis zur letzten Seite, die viel zu schnell kam, habe ich an jedem Satz gehangen und wollte nicht loslassen. Während für Ria immerzu alles verstrickter wird und sich ihr und dem Leser ständig neue Wahrheiten und Unwahrheiten offenbaren, steht jeder Charakter unter seinem ganz eigenen Druckpolster.
Rias besonderer Blick auf die Welt, ihre durch jahrelange Rhetorik- und Diskussionsübungen geschärfte Menschenwahrnehmung, verleiht dem Buch einen detailreichen und doch pfiffigen Schliff. Ich fand es unglaublich spannend, zu beobachten, wie Ria in gedankenlosen Gesten und unbewusten Tonlagen liest wie in einem offenen Buch.

"Die Verratenen" ist schlussendlich nicht nur für Ria und ihre Freunde eine emotionale und physisch anstrengende Achterbahnfahrt, der Leser ist genauso mitgenommen und muss am Ende erst mal durchatmen.
Was uns im zweiten Teil erwarten wird, ist wohl im Groben abzusehen - Ursula Poznanski hält sich an die Spielregeln der Dystopie. ABER: Es sind die kleinen Dinge, die ein Buch besonders machen. Und davon hat "Die Verratenen" (und mit Sicherheit auch die beiden Nachfolger) einiges zu bieten. Wer sich das aus Dystopie-Verdruss entgehen lässt, hat hoffentlich eine richtig gute Ausrede parat.

23. Oktober 2012

Leigh Bardugo - Grischa. Goldene Flammen

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 350 Seiten
€ (D) 17,90 | € (A) 18,40
ISBN 9783551582850

Alina ist einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren. Dass sie heimlich in Maljen verliebt ist, ihren besten Freund seit Kindertagen, darf niemand wissen. Schon gar nicht Maljen selbst, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Bei einem Überfall rettet Alina Maljen auf unbegreifliche Weise das Leben. Doch was sie da genau getan hat, kann sie selbst nicht sagen. Plötzlich steht sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und wird zum mächtigsten Grischa in die Lehre geschickt. Geheimnisvoll und undurchschaubar, wird er von allen der Dunkle genannt. Aber wieso fühlt sie sich von ihm so unwiderstehlich angezogen? Und warum warnt Maljen sie so nachdrücklich vor dem Einfluss des Dunklen?


Das ist Grischa: Ein genialer Bucheinstieg, ein wortwörtlich mittelmäßiger Mittelteil und ein krachendes Ende zwischen einem Cover, das ich mir gerne an die Wohnzimmerwand hängen würde (so schön *.*).
Ich werde hier nicht viele Worte verschwenden, denn das, was ich zu sagen habe, ist schnell gesagt:

"Grischa" beginnt mit einem Prolog aus Kinderaugen. Er entführt in ein Land, das einiges mit Russland im 19. und 20. Jahrhundert gemein hat. Leigh Bardugo muss gar nicht viele Worte verlieren, um ein Setting zu kreieren, das an die Taiga erinnert. Nadelbäume, weite Landschaften, Berge in der Ferne, ein kalter Wind, der dem Leser Schneeflocken um die Nase weht. Der Zar herrscht über das zerrissene (wortwörtlich!) Land, ein Mann an seiner Seite, der ein wenig an Rasputin denken lässt.
Beim Lesen habe ich gejubelt, weil ich finde, dass Bücher genau so beginnen müssen!

Auftritt der Grischa in ihren bunten Gewändern. Alina, die aufgeweckte und erfrischende Protagonistin, hat ihr ganzes Leben lang nur Geschichten gehört und die Grischa - bis auf eine Ausnahme - immer nur aus der Ferne gesehen. Als sie mit einem Mal in ihrer Mitte steht, so nah am Machtzentrum wie man als eigentlich einfaches Bauernmädchen nur sein kann, versteht sie die Welt nicht mehr.
Die Autorin beschreibt dieses plötzliche aus-der-Welt-gerissen-werden Alinas sehr authentisch. Überhaupt hat es mir Alinas unkomplizierte Art sehr einfach gemacht, in dieses fantastisch angehauchte Russland abzutauchen.

Leider hat meine Lesefreude nach etwa 100 Seiten einem Dämpfer erfahren. Die Organisation der Grischa-Ausbildung hat mich an Harry Potter erinnert. Nicht, dass das an sich schlecht wäre, bloß fand ich es im Fall dieses Buches ein wenig lächerlich: Da fängt "Grischa" so abenteuerlich an und plötzlich ist die Rede von Stundenplänen ... Das Schulmädchen-Getue einiger Charaktere hat mir den Rest gegeben. Nein, nein und nochmal nein! Klar muss Alina erst mal lernen, mit ihren Kräften umzugehen, aber mein Kopf hat sich strikt gegen dieses Bild von Mensaessen auf langen Bänken gepaart mit dem restlichen Fantasysetting gewehrt. Vielleicht weil die Protagonisten (und alle anderen auch) so erwachsen wirken. Da passt Schule einfach nicht. (Keine Ahnung, ob ich das Mensaessen eher akzeptiert hätte, wenn die Schule eine Uni gewesen wäre ...)

Zum großen Glück nimmt "Grischa" gegen Ende eine Kehrtwende zurück zu einer Geschichte, die mich wahrlich gefesselt und begeistert hat. Die letzten Seiten lassen sich praktisch einatmen und der zweite Teil kann nicht schnell genug kommen.

Fazit: Über den Mittelteil drüberkämpfen und wenn möglich hinwegsehen, dann haltet ihr einen wirklich guten Fantasyroman in Händen, der mit vielen kleinen Dingen überzeugt - dazu gehören nicht nur ein Setting, das mich begeistert hat, sondern auch eine Protagonistin, die zugänglich ist und trotzdem ihren eigenen Kopf hat.


21. Oktober 2012

Hannah Harrington - Saving June

Wie in der Rezension zu "Speechless" angekündigt, habe ich Hannah Harrington eine zweite Chance gegeben - und siehe da: "Saving June", ihr Debüt, hat mir tatsächlich besser gefallen. Nicht viel besser, aber immerhin ein Stück.

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2012 (Erstausgabe 2011), ebook von Mira Ink, ca. 336 Seiten
€ 5 bis 9
ISBN 9781408981498

Your sister is dead. Nineteen songs can tell you why. Only one boy can help you understand.

Harper Scott's older sister, June, took her own life a week before high school graduation, leaving Harper devastated. So when her divorcing parents decide to split up June's ashes, Harper steals the urn and takes off cross-country with her best friend, Laney, to the one place June always dreamed of going-California.

Enter Jake Tolan, a boy with a bad attitude, a classic-rock obsession...and an unknown connection to June. When he insists on joining them, Harper's just desperate enough to let him. With his alternately charming and infuriating demeanour and his belief that music can see you through anything, he might be exactly what Harper needs. Except...Jake's keeping a secret that has the power to turn her life upside down again.



 "Saving June" hat mich in der griechischen Sonne durch die ersten Urlaubstage begleitet - dafür ist es wohl ua am besten geeignet. Oder entspannte Sonntage, an denen nichts besseres zu tun ist. Leider. Vom Hocker gerissen hat mich das Buch nicht, aber zum Strandliegen und Sich-Baumeln-Lassen ist es gerade recht.

Einer meiner größten Kritikpunkte an "Speechless" war die über alle Maßen egoistische und unzugängliche Protagonistin. Versteht das nicht falsch. Wir alle sind Egoisten - die einen mehr, die anderen weniger, aber es ist (zumindest in meinen Augen) ein Zug, den ich gerade mit unserer Gesellschaft verbinde - aber es gibt auch egoistische Charaktere, die vom Autor so geschildert werden, dass sie der Leser trotzdem versteht und nicht nur das: Der Leser baut eine Verbindung auf, ist emotional eingebunden - Paradebeispiel ist Lauren Olivers "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie"/"Before I Fall".
Zurück zu "Saving June": Harper hat wie Hannah aus "Speechless" egoistische Züge, allerdings kann ich hier irklich nur von Charakterzügen sprechen - bei hannah war die egozentrische Ader erstens weit ausgeprägter und zweites unerklärter. Harper konnte ich bis zu einem gewissen Grad verstehen, es war größtenteils logisch dass sie so ist, wie sie ist.

"Saving June" lässt sich in zwei bekannte Kategorieren stecken: Die Aufkleber "Selbstmord"-Buch und "Roadtrip"-Buch halten sich die Waage. Mich hat die Kombination aus beiden gereizt, doch die Aufregung verpuffte schon nach wenigen Seiten, als bei mir der Eindruck entstand, Junes Selbstmord sei nur ein Vorwand für den Raodtrip. Mit der Zeit musste ich den Konjunktiv streichen. Während des ganzen Roadtrips kam nie so wirklich heraus, warum sich June eigentlich das Leben genommen hat. Das Thema wird nur fadenscheinig abgetan und ich habe mir selbst eine "Erklärung" zurecht gelegt: Es gibt wohl nicht immer eine begründete und stukturierte Backgroundstory. Manchmal kommt man zu einem Punkt, an dem man andere Menschen nicht mehr verstehen kann, weil ihre Perspektiven einem selbst völlig fremd sind.
Keine Ahnung, ob Hannah Harrington auf diese Aussage hinauswollte, ich brauche sie jedenfalls, sonst wäre ich am Ende von "Saving June" ähnlich frustriert gewesen wie nach "Speechless".

Trotzdem hat sich dieser Eindruck nicht mehr löschen lassen, dieser Eindruck, dass die Autorin vordergründig ein Buch über einen Roadtrip schreiben wollte und verzweifelt nach einem Grund für selbigen Trip gesucht hat.

So richtig ins Buch hineingezogen haben mich eigentlich Harpers Reisebegleiter, ihre beste Freundin Laney und Jake, der die Musik ins Buch bringt. Jaaa, Musik! Das zieht immer bei mir. The Beatles, Johnny Cash, Leonard Cohen, Coldplay ... aber auch mir gänzlich un bekannte Musiker finden ihren Platz in Jakes Euphorie. Ein kleiner Bonus für Musik-Freaks sind die drei Playlisten im Anhang des Buches - die werden durchgehört sobald sich die Gelegenheit ergibt.

Zu Sprache und Stil habe ich nicht viel zu sagen, abgesehen davon dass beides einfach gehalten und das Buch so auch für Anfänger in Sachen fremdsprachiges Lesen geeignet ist.


Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Am besten bloß, wenn man es eh schon rumliegen hat und einen Nachmittag entspannt und musikalisch verbringen möchte.


9. Oktober 2012

Bettina Belitz - Linna singt

Ich habe den Eindruck, dass ich das ganze Jahr schon dem Blogger-Dasein hinterherhinke. Fast jedes Monat finde ich mich in der Situation wieder, wochenlang nichts von mir gegeben zu haben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ein ziemlich aufregendes und umbruchsreiches Jahr hinter mir liegt (also, noch nicht ganz, aber immerhin waren die letzten drei Viertel sehr aufregend und umbruchsreich) - aber es zeigt sich doch immer wieder, so auch heute: Ganz werdet ihr mich nicht los ;)

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2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 510 Seiten
€ (D) 18,95 | € (A) 19,50
ISBN 978-3839001394

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.


Nachdem ich mit "Dornenkuss" so meine Problemchen hatte (so genau kann ich die gar nicht benennen, ich hab es bloß seit Weihnachten letzten Jahres nicht über Seite 300 hinaus geschafft), war ich umso erleichterter, dass mir Bettina Belitz mit "Linna singt" nochmal eine Gelegenheit geboten hat, ihre herausragende Erzählweise in einem anderen Umfeld zu erleben. Und, wah!, war das ein Erlebnis - "Linna singt" hat sich absolut gelohnt!

Zuallererst ein Dankeschön an Bettina Belitz persönlich, dafür dass sie sich die Genrebezeichnung "Young Adult" wirklich zu Herzen genommen hat. Schon in der "Splitterherz"-Trilogie ist mir das sehr positiv aufgefallen, und auch in "Linna singt" darf ehrlich über Gefühle und Sex gesprochen werden. Kein ärgerliches unter-den-Teppich-Gekehre. YA - vor allem amerkanisches YA - hat mich soweit getrieben, dass ich diesen Aspekt lobend in einer Rezension erwähnen muss, weil er einfach nicht selbstverständlich ist. (Schade.)

Belitz' Protagonisten sind alle über 20 und haben die ein oder anderen Problemchen hinter sich. Linna selbst ist ... speziell. Ich glaube, nicht jeder freundet sich mit ihr an und wahrscheinlich würde ich sie im "echten" Leben nicht mögen. Wahrscheinlich wäre sie mir unsympathisch. Aber das läge daran, dass sie unnahbar, richtiggehend unantastbar ist. Erst mit den verfliegenden Seiten habe ich eine Vielschichtigkeit an ihr entdeckt, die ich ohne den persönlichen Ich-Perspektiven-Zugang niemals aufdecken hätte können. Linna redet nicht gerne von sich und lässt andere lieber glauben, was sie denn glauben wollen. Deshalb kommt diese Vielschichtigkeit auch so überraschend - und verleiht der Geschichte eine Spannung, die ich vorher nicht vermutete hätte.
Linnas Frustration, ihre Kontrollsucht, die spitzen Bemerkungen (die mich auf die Palme getrieben hätten wäre ich ihr gegenüber gestanden). Aber auf der anderen seite auch dieses Verständnis für ihr Benehmen. Die Konfrontation mit dem Charakter Linna werde ich definitiv als eine der aufregendsten Buchbegegnungen in Erinnerung behalten.
Was dieses Buch ausmacht, ist die Zeit, die sich Bettina Belitz für die Präsentation und die Gestaltung ihrer Protagonisten nimmt. Dadurch entstehen ein paar ausschweifenden Passagen und Sätze, aber die Autorin schafft es auf diese Weise, dass der Leser Linna bis ins tiefste Innere kennenlernt. Eine Protagonistin, die noch nicht einmal kennen gelernt werden will.

Neben Linna lernt der Leser ihre ehemaligen Bandmitglieder und den "Neuzugang" Tobi kennen. Ein Zusammentreffen, das gewollt heiter beginnt, das aber bald in Irritation umschlägt, je mehr Linna aufdeckt. Ein angenehmer Hüttenaufenthalt soll es werden, Bandproben, nettes Zusammensitzen. Aber die Anspannung nagt an allen - vor allem auch am Leser, der zuerst eher planlos außenvor sitzt und nicht weiß, worauf das ganze hinauslaufen soll. Aber - da muss man sich keine Sorgen machen - es passiert früh genug etwas und dann kann man froh sein, wenn man vorher tief genug Luft geholt hat, denn atemlos wird es gegen Ende garantiert.
Bloß ... naja, ein paar Sachen waren mir dann doch zu ... ich weiß nicht. Die Auflösungen haben mich nicht wirklich gestört, einige waren wirklich gut und überraschend, aber andere fand ich weit hergeholt oder nicht ganz glaubhaft - zwei, drei Mal habe ich die Augenbrauen hochgezogen und "ahaaaa" gedacht, aber das ist auch schon alles, was ich an negativer Kritik anbringen kann.

Sprachlich ist Bettina Belitz auf gewohnt außergewöhnlichen Pfaden unterwegs. Mir macht es einfach unglaublichen Spaß, jedes einzelne Wort zu lesen, über jedem Satz zu hängen, um ja nichts zu verpassen! Fans ihres Stils werden auch an "Linna singt" ihre Freude haben und das Buch nicht zur Seite legen wollen. Mir zumindest kann es nicht schnell genug gehen, bis Belitz' nächstes Buch erscheint, und wer weiß, vielleicht versuch ich es doch noch mal mit "Dornenkuss" - und wenns bloß der Sprache wegen ist.

Fazit: "Linna singt" begeistert und krallt sich fest. Linna ist eine Protagonistin, die polarisiert. Nicht nur die Leserschaft, sondern auch den Leser als Individuum, und was könnte es Spannenderes geben - zusätzlich zu all den anderen am Verstand nagenden Dingen, die der Handlung Spannung verleihen. Loslassen unmöglich.

17. September 2012

Rae Carson - Der Feuerstein/The Girl of Fire and Thorns

2012, Gebunden mit Schutzumschlag, 524
€ (D) 16,99 | € (A) 17,50
ISBN 978-3453267183

Jeder im Land kennt Prinzessin Elisa, denn sie ist die Auserwählte. Die Trägerin des Feuersteins. Dazu bestimmt, eine Heldin zu sein. Alle warten darauf, dass sich Elisas Schicksal erfüllt - ihr Vater, ihre Schwester, ihr Volk. Doch Elisa ist zwar liebenswert und klug, aber auch ziemlich dick. Niemals wird sie in der Lage sein, etwas Außergewöhnliches zu vollbringen, und daran kann der Feuerstein in ihrem Bauchnabel auch nichts ändern, dessen ist sie sich sicher. Als sie an ihrem sechszehnten Geburtstag mit Alejandro, dem gut aussehenden König des riesigen Nachbarreiches Joya d'Arena, verheiratet wird, setzt sich Elisa noch mehr unter Druck: Schließlich braucht Alejandro eine starke Königin an seiner Seite und keine Versagerin!

Erst als eines Tages ein grausamer Feind die Grenzen Joya d'Arenas bedroht, ist Elisas Stunde gekommen. Wird sie sich und der Magie des Feuersteins vertrauen? Schafft sie es, rechtzeitig der tödlichen Intrige zu entkommen, die bereits um sie gesponnen wurde? Denn nur wenn sie mit Mut und Entschlossenheit den Platz einnimmt, den ihr das Schicksal zugewiesen hat, wird sie ihr Volk vor dem Untergang retten.



Da bin ich in meiner post-Prüfungs-Lesefreude wohl etwas durcheinander gekommen. "Der Feuerstein" von Rae Carson war längst bestellt, aber trotzdem habe ich begeistert zugesagt, als mir eine Freundin das selbe Buch auf Englisch angeboten hat. Den belämmerten Blick, als ich das deutsche Exemplar wenige Tage nachdem ich das englische gelesen hatte aus der Post zog, könnt ihr euch sicher vorstellen.
Macht aber nix. "The Girl of Fire and Thorns" hat mir so gut gefallen, dass ich es richtig spannend fand, auch noch in das deutsche Exemplar reinzulesen. Deshalb jetzt und hier eine aktuallisierte Version meiner damaligen 1MinuteReview. ;)

Um es abzukürzen: "Der Feuerstein" ist Abenteuer pur! Und ein kleiner Klischeeaufräumer. Wer dachte, dass Fantasy-Heldinnen immer schön sind oder kleine Makel haben, die sie aber doch irgendwie schön enden lassen, der möge sich bitte mit Prinzessin Elisa befassen. Die gute beschreibt sich selbst als dick - fett sogar - und hässlich, und das ist nicht bloß gemindertes Selbstwertgefühl sondern die Meinung von jedem. Eine Heldin, die mit Andersartigkeit überzeugt.
Und das zumindest fast gänzlich. Leider hat Elisa wegen ihrem Äußeren (und dem gegensätzlich wunderschönen Äußeren ihrer Schwester) einen Hang zu Selbstmitleid, was - so kann ich mir vorstellen - leicht zu Genervtheit beim Leser führen kann. Mich selbst hat es nicht gestört - auch bei der zweiten Lektüre nicht -, weil ich Elisa insgesamt als sehr frisch und spannend empfunden habe. Sie hat, trotz ihrer äußeren Nachteile, eine sehr sichere Art zu sprechen. Natürlich zweifelt sie, aber trotzdem bringt sie den nötigen Stolz und Mut auf, ihre Zweifel nicht zu zeigen. Und das in einer Situation, in der sie, weit fort von zu Hause, mehr oder weniger alleine und fremd ist.
Was an Elisa so spannend ist, ist ihre Entwicklung. Mit der Zeit eignet sie sich diese Sicherheit nämlich wirklich an und das Schauspiel verfliegt.


Trotzdem, die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas. Aber Durchhalten lohnt sich, denn dann offenbart sich nach und nach die Undurchschaubarkeit von Elisas Umfeld. Ich persönlich habe hier ziemlich in der Luft gehangen, weil ich einfach nicht wusste, wem Elisa am ehesten vertrauen sollte. Ich fand das toll! Ich weiß es wirklich zu schätzen, wenn sich Autoren die Mühe machen, solche Situationen und vor allem viel Ungewissheit zu kreieren.
Dann kam eine überraschende Wende, die der Geschichte plötzlich eine ganz andere Richtung gibt. Eine in der ich - wie Elisa - einen sicheren Stand erlangt habe. Die Autorin hört auf mit dem Versteckspiel und rückt mit Informationen raus, zum Feuerstein, zu dem was er bedeutet und was Elisa alles bewirken kann. Wenn sie denn Vertrauen in sich selbst findet.

"Der Feuerstein" ist ein kleines Juwel, das muss schon mal gesagt werden. Eine spannende Storyline, eine wandlungs- und lernfähige Protagonistin und dazu ein grandioses Setting. Stellt euch eine Mischung aus High Fantasy und Wüstenmystik vor, mit Hofintrigen und fantastischen Elementen.
Dazu noch ist das Buch wirklich gut ins Deutsche übertragen worden - ich nehme das längst nicht mehr als selbstverständlich hin. In den letzten zwei Jahren habe ich einiges gelesen, das nicht bloß schlampig sondern teilweise auch ungeschickt übersetzt wurde. "Der Feuerstein" ist eine angenehme Ausnahme.

Fazit
Es hat mir eine ganze Menge Spaß gemacht, Elisa dabei zuzusehen, wie sie über sich hinaus wächst. "Der Feuerstein" ist ein großartiges Abenteuer zum Schmökern und Träumen - der zweite Teil ist Pflicht für mich!


 

7. September 2012

Umzugspause

Da hatte ich mich gerade wieder ans regelmäßige Bloggen gewöhnt, dann kommt ein ungeplanter Umzug daher. Seit zwei Wochen tue ich fast nichts anderes ans Wohnung anschauen - und eine finden zum Glück auch - Möbel recherchieren, Möbel besichtigen, Möbel kaufen, darauf warten, dass mein Papa aus dem Urlaub zurückkommt, um mir die Küche hochzusetzen (damit die Waschmaschine Platz hat, aber auch - netter Nebeneffekt - dass ich beim Kochen keine Kreuzschmerzen mehr bekomme) und und und.
Die nächsten zwei Wochen werden wohl noch etwas stressig werden, bis ich mein ganzes Zeug und vor allem die Bücher (Billy-Regale sind schon gekauft, ich freu mich so drauf :D) sicher übersiedelt habe, dann genieße ich erst Mal eine Woche Rhodos und dann ... habe ich hoffentlich irgendwann auch mal wieder Lesezeit :)

Ich hoffe, euch gehts allen gut (ein Ruf in die Bloggosphäre sozusagen) und ihr könnt etwas weniger stressig in den schönen Herbst starten. Ich werde jetzt ein einkaufsfreies Wochenende genießen. Womit besser als mit zwei schönen Bergtouren - Sonne, Sonne, Sonne muss her! ;)

Bis hoffentlich bald! :)

31. August 2012

[Blogtour] Station 8: mit Bettina Belitz und ihrem neuen Roman "Linna singt"

... oder besser gesagt: Linna singt nicht. Die gute hat nämlich seit mehreren Jahren keinen Ton mehr gesungen. Bettina Belitz singt zwar auch nicht (oder doch? ^^), aber dafür liest sie. Und das nur für uns!

Behold ... Part 8 der "Linna singt"-Blogtour mit Bettina Belitz:



Da kribbelts doch in den Fingerspitzen, nicht wahr? :D Aber lange müssen wir uns ja nicht mehr gedulden: "Linna singt" erscheint im September - Amazon sagt der 10.

Und bis dahin erwarten euch noch zwei weitere Abschnitte aus "Linna singt". Schon morgen gehts weiter bei Bella in Bella's Wonderworld.

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.