12. August 2010

Nina Blazon - Totenbraut

Gebunden mit Schutzumschlag, 426 Seiten
€ (D) 16,95 | € (A) 17,50
ISBN 978-3473353040

Klappentext
Es gibt Augenblicke im Leben, die lassen das Herz stillstehen und das Blut kalt werden. Heute weiß ich, es ist der Kuss des Todes, der uns in jenen Sekunden streift und uns alle Wärme nimmt. Das fremde Gesicht, in das ich damals blickte, war von der eisigen Schönheit des Todes und von der Hässlichkeit eines Leidens, tiefer und schmerzhafter, als ein Lebender es ertragen könnte. Ich sah erloschene Augen und totenfahle Haut. Ich sah schwarze Zähne. Und Lippen, die kaum mehr vorhanden waren. Ich roch Taubenfedern und Regen und sah, wie die Gestalt nach meiner ausgestreckten Hand griff.


Inhalt
Südosteuropa 1731: Jasna und ihre Familie werden Mitten in der Nacht von einem fremden Reisenden aus dem Schlaf gerissen. Er sucht Schutz vor dem Gewitter. Jasnas Vater lässt des offensichtlich harmlosen Händler Jovan schließlich ein - doch Jasna merkt sofort, dass Jovan neben den ungarischen Pferden noch etwas ganz anderes mit nach Hause nehmen will: eine Frau für seinen Sohn.

Jasna ist entsetzt als ihr Vater sie für ein paar Goldstücke an den Fremden verschachert. Und kaum ist sie in ihrer neuen Heimat an der Grenze zum Osmanischen Reich angekommen, werden sie und Danilo auch schon verheiratet.

Doch etwas stimmt nicht mit dem verlassen wirkenden Gut, auf dem Jasna nun die Hausherrin spielen muss. Immer mehr festigt sich in ihren Gedanken der Verdacht, dass Jovans verstorbene Frau als Vampir ihr Unwesen treibt. Doch ihr Mann und ihr Schwiegervater schweigen beharrlich.


Meinung
Nina Blazon kann es wirklich! Dieses Buch ist eine Wucht, hat alles was ein historischer Jugendroman braucht und ist dabei auf eine sehr angenehme Art gruselig zu lesen.

Habt ihr genug von Vampiren? Oder noch nicht? Ganz egal. Denn in Nina Blazons "Totenbraut" hat das Klischee des schönen, blutsaugenden Verführers keinen Platz! Ihre Fassung des Vampirs ist ein auferstandener Toter, der sich Nachts aus seinem Grab erhebt, den kein noch so beherzt gesprochener Bann in seinem Sarg halten kann. Er tötet das Vieh und bringt den Menschen Krankheiten. Diese Fassung des Vampirs hat nichts verweichlichtes, sondern ist streckenweise geradezu angsteinflößend. So, wie ein Vampir eben wirklich sein sollte.

Das alles hat sich die Autorin übrigens nicht aus den Fingern gesaugt, sondern gründlich recherchiert. Der Glaube, oder besser Aberglaube, der in Südosteuropa über viele Jahrhunderte verbreitet war, eignet sich hervorragend für einen gruslig-romantischen Roman, wie er uns hier mit der "Totenbraut" vorgelegt wurde.
Nina Blazon beschreibt diesen Aberglauben und die Gebräuche, die in der Bevölkerung große Verbreitung hatten. Besonders beeindruckt hat mich beispielsweise die Geschichte, die hinter dem Titel des Buches steckt. Zu der Zeit waren die Menschen der Meinung, dass kein Mann unverheiratet beigesetzt werden darf. Starb solch ein Mann, zwang man ein Mädchen aus dem Dorf, ihn am Grab (!!) zum Mann zu nehmen und anschließend einen Monat in Trauer mit der Familie des Bräutigams zu leben. Diese sogenannte Totenbraut durfte erst nach diesem Monat erneut heiraten bzw. ihr Leben wie gewohnt weiterführen.

Zur Handlung kann ich sonst nur sagen: Spannend hoch drei!

Nina Blazons Charaktere sind wie gewohnt von der ersten Seite weg einnehmend und überaus plastisch beschrieben. Mit Jasna habe ich sofort mitgefühlt und -gelitten. Als Leser baut man gerade zu ihr sofort eine Verbindung auf, weil sie in der Ich-Perspektive erzählt. Sie ist auf allen Linien eine wahre Kämpfernatur - nicht um sonst wird sie von ihrer Schwester "Dolchzunge" und von Duschan "Distel" genannt.
Auch Duschan war mir von seinem ersten Satz weg sympathisch. Er verdient sich seinen Lebendunterhalt (unter anderem) als fahrender Holzfäller und ist bald schon der einzige Freund, dem sich Jasna anvertrauen kann. Denn mit ihrem Mann Danilo - der wie Jasna zu der Heirat gezwungen wurde - spricht sie nicht viel und die Leute im Dorf haben Angst vor ihr und ihrem "Teufelsmann".

Die Sprache des Buches ist eingängig, leicht zu lesen, gerade die Dialoge wirken sehr gut durchdacht, kein einziges Wort scheint unnötig. Das alles fügt sich zu einem Roman, bei dem die Seiten nur so an einem vorbeifliegen.

"Totenbraut" war seit Monaten wieder mal ein Buch, bei dem ich das Nachwort fast ebenso verschlungen habe, wie die Geschichte zuvor. Besonders was dort zu einer Krankheit, die Morbus Günther oder auch Porphyrie genannt wird, steht, fand ich außerordentlich interessant. Diese Stoffwechselkrankheit nämlich verleiht dem Kranken tatsächlich das gefürchtete Drakula-Aussehen und zudem eine natürliche Abneigung gegen Knoblauch, der die Krankheit noch verschlimmern würde. Nina Blazon meint hierzu, dass "natürlich reichen Krankheiten alleine nicht aus, um den Vampirglauben zu erklären, aber sie haben ihn zumindest mitgeprägt."
Hach, ich mag es einfach, wenn mystische Dinge auch wissenschaftlich erklärt werden können. :D

Ich habe schon mehrere Bücher von Nina Blazon gelesen und obwohl sie was die Genres ihrer Romane angeht sehr vielseitig ist, muss ich doch sagen, dass mir ihre historischen Romane am liebsten sind! Sowohl "Katharina", als jetzt auch die "Totenbraut" lassen mich geradezu in euphorische Begeisterungsrufe ausbrechen. Zum Glück gibt es da noch einiges, das ich mir zu Gemüte führen kann. ;)


Bewertung
Großartig! Ich habe kein Wort zu bemängeln. Einfach nur lesen! Endlich ein Buch über Vampire, das keine dieser modernen Vampir-Klischees braucht.

13 Kommentare:

Chrisu hat gesagt…

OMG darf ich dass ausleihen? *g*
Ich habs schon soooo oft in der Hand gehalten, war aber immer unsicher, ob ich es lesen will. Aber jetzt will ich UMBEDINGT!!!

Ich frage mich zwar langsam wann, aber was solls...das wird irgendwo eingeschoben :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

*lach* Ich habs grad meiner Oma in die Hand gedrückt, aber wenn ich's wieder hab bekommst du es natürlich ;D

Philia Libri hat gesagt…

Hast du ein Glück, dass das schon länger auf meiner Wunschliste steht xD

Chrisu hat gesagt…

Deine Oma liest Vampirbücher?! wow coole Oma! *g*

Super danke :)

Stefanie Emmy hat gesagt…

@Lisa: Puh, Glück gehabt! ;D

@Ella: Sicher, meine Oma liest alles, das ich ihr in die Hand drücke xD

animasoul1986 hat gesagt…

*hehehe*

Hab ich mir doch fast schon gedacht, dass es dir gefallen könnte. Aber aufgrund meines Bücherstapels (*weiterhin kritisch beäug*) bin ich auch erst vor ein paar Monaten dazu gekommen es zu lesen, obwohl es schon drei Monate und länger auf meinem Stapel gehaust hatte...

Aber bei Nina Blazon sind meistens nicht nur die Cover schön, sondern auch die Geschichten, die sie erzählt, obwohl mir "Schattenauge" von ihr nicht wirklich gut gefallen hat, was ich ziemlich schade fand... Naja, nicht jedes Buch kann ein Knüller sein. ^^

booksloverin hat gesagt…

Ich fand's auch toll <3

Philia Libri hat gesagt…

Abseits: Ich bin ja gespannt was du von Feuermagie hältst. Ich hab es vor ein paar Jahren gelesen und war nicht sehr begeistert... hab's gleich mal weitergeschenkt xD

Stefanie Emmy hat gesagt…

@animasoul: "Schattenauge" kenn ich nicht, aber irgendwie interessierts mich auch nicht sonderlich. Ja, nicht jedes Buch kann ein Knüller sein ^^

@booksloverin: Ich hoffe, es kommt bald wieder ein historischer Roman von Nina Blazon! :D

@Lisa: Oha, das klingt ja nicht so gut xD
Ich bin noch nicht weit, kaum über die Vorgeschichte raus und da passiert ja noch nicht allzuviel.
Ich wollte das Buch ja schon mal auf Englisch lesen, da hatte mich der Inhalt interessiert, die Rezensionen aber sehr abgeschreckt. Jetzt war ich sehr fieberhaft auf der Suche nach Romantacy (der Wegweiser von Blanvalet war da echt sehr hilfreich!) und es hat sich wieder angeboten.
Mal sehen wies weitergeht ^^

Sonst hab ich ja eine Schwester, die sicher nicht nein sagt wenn sie ein Buch angeboten bekommt ;D

Miss Bookiverse hat gesagt…

Bisher hat mich Nina Blazon nicht wirklich angesprochen, aber deine schwärmerische Rezension bringt mich jetzt doch etwas ins Schwanken. Hmmm....

booksloverin hat gesagt…

Hoffentlich! Ihre historischen Romane sind mir nämlich auch lieber. Ich sollte mir demnächst wirklich mal 'Katharina' zulegen.

²Miss Bookiverse
Also 'Totenbraut' kann ich nur empfehlen.! ;D

Shiku hat gesagt…

Ich unterschreib das alles einfach mal mit dreißig und fünfhundertachtundachtzig Herzen. Ganz deiner Meinung! (:

Cara hat gesagt…

Super! Danke für den Tipp =)